Schüler diskutieren mit der Baustadträtin – Schnittstellen zur Verwaltung sind entscheidend – Energiemanager bekommen jetzt ein Aktionshandbuch – Ventilcheck im Blumenviertel hatte Folgen

floyds_skizze01In der Theorie ist es ganz einfach – da funktioniert die Technik ebenso wie die Verwaltung. Schulen bekommen eine technische Einrichtung, um die Heizung genau an die Verhältnisse in den Klassenräumen anzupassen. Der Hausmeister bekommt einen Computer, um diese Anpassung zu überwachen und zu steuern. Die Heizungsventile bekommen ihre Befehle vom Computer und öffnen und schließen sich genau dann, wenn dies für eine angenehme Temperatur im Raum nötig ist. Der Computer entscheidet auch, wann angefangen wird, zu heizen, damit der Raum um 8 Uhr morgens 20 Grad hat. Und Lehrer und Schüler müssen weder frieren noch die Fenster aufreißen, damit überschüssige Wärme entsorgt wird, was wir gemeinhin als Energieverschwendung bezeichnen würden. Wenn dann mal was nicht in Ordnung ist, findet der Hausmeister schnell heraus, ob z.B. ein Thermostatventil nicht mehr mitspielt – und er schickt eine Reparaturmeldung an das Schulamt. Im Schulamt wird diese Meldung sofort registriert und zusammen mit den Meldungen aus allen anderen Schulen des Bezirks an das Bauamt weitergeleitet. Dort erkennen fachkundige Mitarbeiter schnell, was zu tun ist, stellen Prioritäten auf und veranlassen die notwendigen Überprüfungen und Reparaturen – über deren Ergebnisse bzw. Ausführung der betreffende Schulhausmeister umgehend informiert wird.

So haben sich Techniker und Verwaltungsfachleute das ausgedacht. Dass die Realität anders aussieht, stellen die Schülerinnen und Schüler fest, die als „Energiemanager“ in den „Köpfchen statt Kohle“-Schulen unterwegs sind. Was sie dabei lernen, ist eine gute Vorbereitung aufs Leben, denn es zeigt den Dritt- bis Sechstklässlern, wo überall in Systemen Fehler auftreten können und wie sie selbst einen Teil der Verantwortung dafür übernehmen können, Fehler zu erkennen, zu verstehen und dazu beizutragen, sie zu beseitigen.

energiemanager_am_werk04Diese Verantwortung besteht zum Teil in Daueraufgaben, zum Teil aber auch in zeitlich begrenzten Aktionen. Zur Daueraufgabe der jungen Energiemanager gehört die Anpassung der Heizzeiten an die wechselnden Stundenpläne der Schulklassen, die Überwachung der Maximaltemperaturen und die Überprüfung der Heizkurven, die Hinweise darauf geben, wo vielleicht technische Probleme im Heizsystem aufgetreten sind. Kein Hausmeister kann in seiner Arbeitszeit diese Aufgaben so konsequent erledigen wie die Schüler selbst, die dadurch auch eine Menge Wissen über physikalische und technische Zusammenhänge erwerben und in den Genuss einer praktisch verankerten Energiebildung kommen.

Zu den punktuellen Aufgaben der Energiemanager gehört es, technische Mängel aufzuklären und an Verantwortliche heranzutragen. Dabei lernen die Grundschüler Ausdauer und Frustrationstoleranz. Denn erstens ist es beileibe nicht immer einfach, herauszufinden, warum sich Heizkörper nicht so verhalten, wie sie sollen, oder Temperaturverläufe nicht den Vorgaben des Computerprogramms folgen. Zweitens lernen die Schüler, dass es viele Zuständige für ein Problem geben kann, an die man aber nicht immer leicht herankommt. Bei „Köpfchen statt Kohle“-Projekten ist der Kontakt zu Hausmeistern, Technikern, Verwaltungsleuten und auch verantwortlichen Politikern deshalb immer wieder Thema. Und drittens merken die beteiligten Schüler und Lehrkräfte, dass eine Reparaturmeldung auch durchaus in den Mühlen der Ämter hängenbleiben kann, zumindest dass es kaum jemals eine direkte amtsseitige Rückmeldung gibt. Es gibt eben viele Schulen im Bezirk, zu wenig Behördenmitarbeiter, manchmal auch mangelndes Wissen und immer wieder mal Löcher in den öffentlichen Kassen.

ingrid_temme_energiemanager01Dies ist der Hintergrund, vor dem die Energiemanager der fünften und sechsten Klassen der Grundschule am Falkplatz zusammen mit der sie betreuenden Lehrkraft Ingrid Temme (Foto) die zuständige Baustadträtin Christine Keil zu sich eingeladen haben. An einem Dienstagmorgen zwischen 7 und 8 Uhr – der normalen Projektarbeitszeit der Energiemanager – kam die Stadträtin dann auch in die Schule, um sich zeigen zu lassen, wie die Schülerinnen und Schüler arbeiten – und an welche Grenzen sie dabei zuweilen stoßen.

elmer_keil_auf_schulbank01Christine Keil nahm zusammen mit der im Schulamt für die Reparaturmeldungen zuständigen Mitarbeiterin, Iris Ellmer, gerne auf der Schulbank in Raum 006 der größten Pankower Grundschule Platz, um sich zu informieren (Foto). Aus Verwaltungssicht konnte sie zwar nur darauf hinweisen, dass der Hausmeister für Reparaturmeldungen zuständig ist. Aber dass die Energiemanager Iris Ellmer als zuständige Ansprechpartnerin jetzt persönlich kennen, ist sicher von Vorteil. „Dann kann man im Einzelfall auch mal darüber reden, wenn es irgendwo hakt“, schlug die Schulamtsmitarbeiterin vor.

Aufgaben_Energiemanager_0005Beeindruckt war die Baustadträtin von dem ernsthaften Engagement, mit dem ihr die Schüler erläuterten, wie sie am Programm der Heizungssteuerung die bisher vorhandene „Blockbeheizung“ von Montag bis Freitag, 7 Uhr bis 18 Uhr, ausdünnen. Am Computerbildschirm demonstrierten die Energiemanager, wie das dann auch grafisch aussieht, wenn die roten Flächen, die für die Zeiten mit Wärmebedarf stehen, immer weniger werden und nur noch dann geheizt wird, wenn die Schüler wirklich in der Klasse sind. „So lernen die Kinder sehr praktisch und anschaulich, was Energieeffizienz bedeutet“, bekräftigte Claudia Kerns von der das Projekt betreuenden Agentur stratum den pädagogischen Effekt.

workbook_im_einsatz01Ab sofort kann sich auch jeder genau darüber informieren, was die Energiemanager von „Köpfchen statt Kohle“ wissen und können müssen. Denn das 90-seitige Arbeitsbuch „Praxislernen für junge Energiemanager“ ist soeben aus der Druckerei gekommen, Die ersten, die es gleich genutzt haben, waren die Fünftklässler der Paul Lincke-Grundschule (Foto). Beide fünfte Klassen bekommen derzeit einen Einstieg in das Energiethema. Nach jeweils zwei Doppelstunden können sich die Schülerinnen und Schüler entscheiden, ob sie noch dieses Schuljahr im Rahmen eines neuen Wahlpflichtkurses Energiemanager werden wollen. Der Kurs findet immer mittwochs von 13 bis 14:30 Uhr statt. Er wird vom „Köpfchen statt Kohle“-Projektteam betreut; außerdem ist eine junge Lehrerin für Naturwissenschaften, Franziska Rossau, immer mit dabei. Die Gruppe bereitet sich auf die Energiemanager-Prüfung vor, die sie noch in diesem Schuljahr ablegen wird. Damit ist auch die Paul Lincke-Grundschule im Kreis der „Energiemanager“-Schulen dabei und wird gleich mit Beginn des neuen Schuljahres mit einem qualifizierten Schülerteam starten. Um möglichst viele Klassen direkt einzubeziehen, müssen dann jedoch auch weitere Energiemanager in den vierten und fünften Klassen geworben werden.

cover_aktionsbuch_3dDas Aktionsbuch „Praxislernen für junge Energiemanager“ bekommen alle Schüler und Lehrkräfte, die in „Köpfchen statt Kohle“-Projekten mitarbeiten. Weiteren Interessenten stellen wir das gedruckte Arbeitsbuch gegen Versandkostenerstattung zur Verfügung. Die Bestellung erfolgt über die stratum-Website. „Praxislernen für junge Energiemanager“ ist aus der Praxis entstanden und wird voraussichtlich jedes Schuljahr in einer aktualisierten Fassung aufgelegt.

posterfreude02Während in der Paul Lincke-Grundschule das Energiemanager-Projekt jetzt erst startet, sinkt in den meisten anderen Schulen das Aktivitätsniveau zum Sommer hin etwas ab. Die meisten Gruppen, die den ganzen Winter über aktiv waren, haben inzwischen auch bereits Aktionsposter über ihre Arbeit gestaltet und in der Schule präsentiert. Auch die Energiemanager der Grundschule im Blumenviertel erklären mit ihren Postern den Mitschülern, Lehrern und Eltern, was sie tun und welche Ziele sie verfolgen. Die Poster sind vor allem auch hilfreich, um neue Energiemanager für das kommende Schuljahr bereits jetzt zu motivieren. Denn zum einen müssen die Sechstklässler, die im Sommer ja die Schule verlassen, ersetzt werden. Zum anderen verfolgen die Energiemanager-Projekte das Ziel, dauerhaft in allen Klassen von der dritten bis zur sechsten mindestens einen oder zwei Energiemanager zu gewinnen. In der Blumenviertel-Grundschule freuen sich die Energiemanager besonders über den raschen Erfolg des Heizungs-Ventile-Checks vor den Osterferien. Alarmiert durch den begründeten Verdacht, dass etliche der Ventile defekt sein könnten oder andere technische Gründe dafür verantwortlich sein müssen, dass sich viele der Klassenräume mit dem Heizungsprogramm gar nicht steuern ließen, erfolgte während der Schulferien eine gründliche Überprüfung durch eine Fachfirma, die auch gleich die notwendigen Reparaturen vornahm. Die Schüler bekamen durch den Ingenieur Peter Schoof laufend Auskunft über die Arbeiten: „Im Keller waren zwei Wasserschäden. Ich habe vier Ventilantriebe ausgetauscht und drei Ventilkegel beanstandet. In der Hausanschluss-Station hatte jemand den Regler so verstellt, dass die Schule rund um die Uhr beheizt wurde… Im Keller ist noch ein Fehler, mit dem ich mich erst in der übernächsten Woche beschäftigen kann. Es könnten also noch ein oder zwei Antriebe mehr werden.“

Vielleicht hätte Baustadträtin Christine Keil ja nicht nur in die Falkplatzschule kommen sollen, sondern besser auch die Blumenviertel-Schule besucht – dann hätten die jungen Energiemanager weniger über Probleme, sondern über die Erfolge ihres hartnäckigen Engagements berichten können.

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8.000 Heizstunden an der Homer-Grundschule eingespart – Sind zwei Drittel aller Heizungsventile im Blumenviertel defekt? – Bezirksstadträtin diskutiert mit Energiemanagern – Havemann-Schule ist im Finale von „Klima & Co“

energiemanager_namensschild_01Wegen des zeitigen Frühjahrsbeginns zogen die Energiemanager der Homer-Grundschule jetzt bereits Bilanz. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Über 8.000 Heizstunden haben die Schülerinnen und Schüler eingespart. Das ergaben eine Auswertung aller Räume und der Vergleich der Heizungseinstellungen, bevor die Energiemanager aktiv wurden und nachdem sie Änderungen am Heizungsprogramm für die ganze Schule vorgenommen hatten.

evaluation05Die jungen Energiemanager haben an einem eigenen PC Zugang zur Computersteuerung aller Räume in ihrer Schule. Zu Beginn des Schuljahres haben sie sich als erstes die Stundenpläne aller Klassen besorgt. Damit konnten sie für jeden Klassenraum festlegen, wann es dort wirklich warm sein soll. Die Steuerung ermöglicht es den Energiemanagern, jeden Tag einzeln zu planen. Dabei können sie nicht nur stundenweise, sondern sogar für 10-Minuten-Einheiten festlegen, ab wann und bis wann es im Klassenraum warm sein soll. Auf diese Weise lassen sich auch 30- oder 40-minütige Heizunterbrechungen während der großen Hofpausen einstellen.

teamwork02Manchmal beanstandeten die Energiemanager auch die für den Raum festgelegte Obertemperatur. Eigentlich müsste es ausreichen, wenn sie auf 20 Grad Celsius eingestellt ist. Absenkungen auf 20 Grad nehmen die Schüler jedoch nicht eigenmächtig vor, sondern sprechen vorher mit dem Klassenlehrer und den Schülern einer Klasse. Auf diese Weise wurde in manchen Klassen die Temperatur sogar auf 19 Grad abgesenkt, ohne dass es Schülern und Lehrern zu kalt geworden wäre.

Eine Auswertung der Heizperiode an der Homer-Grundschule hat nun ergeben, dass es in erster Linie die reduzierten Heizzeiten sind, die ein enormes Einsparpotenzial haben. Während die Durchschnittstemperatur nur von 20,6 auf 20,4 Grad gedrückt werden konnte, schafften es die jungen Energiemanager, pro Woche 335,5 Stunden Heizzeiten einzusparen. Das sind 14 % weniger Heizstunden. Hochgerechnet auf eine Heizperiode von 24 Wochen ergibt das über 8.000 Stunden eingesparter Heizzeiten in der Schule (siehe Grafik unten).

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Für die neue Heizperiode im kommenden Schuljahr haben sich die Energiemanager zum Ziel gesetzt, weitere Einsparmöglichkeiten zu nutzen. So wurden in diesem Schuljahr die Hofpausen noch nicht konsequent in allen Klassen umgesetzt. Außerdem haben die Schüler entdeckt, dass in den allermeisten Räumen die Temperaturkurve am Nachmittag auch nach Heizende sehr langsam absinkt. „Wir könnten also schon eine oder sogar zwei Stunden vor dem Ende des Unterrichts auf die Heizung verzichten“, mein Xenia, die schon ihr zweites Jahr als Energiemanagerin an der Homer-Grundschule aktiv ist.

ventilcheck_maengel01Die Einsparerfolge der Energiemanager hängen allerdings nicht nur von den richtigen Einstellungen im Heizungsprogramm ab. Wenn an der Heizanlage selbst Mängel auftreten oder Heizungsventile und Thermostatköpfe defekt sind, nützt alles regeln nichts. Bei der Auswertung der Diagramme am Computer entdecken die Energiemanager nicht selten solche Verdachtsfälle. Wenn Räume im Winter auch nachts nicht abkühlen oder in einem Raum kalte und warme Heizkörper nebeneinander gefunden werden, ist etwas faul.

ventilcheck_projekttag02Auch die Energiemanager der Grundschule im Blumenviertel stießen auf solche Ungereimtheiten beim Versuch, die Heizungssteuerung zu optimieren. Sie beantragten deshalb einen Projekttag an ihrer Schule, um in drei Teams mehrere Stunden am Vormittag die Ventile der Heizkörper zu untersuchen. Das war nicht immer einfach, da viele der Heizkörper von Regalen zugestellt sind. Die „Ventil-Jäger“ ließen sich davon jedoch nicht abhalten, wie auch das Bild rechts zeigt. Dennoch gab es ein paar Heizkörper, die unerreichbar waren, weil Schränke  davor standen. Zuweilen waren auch die Temperaturfühler an der Wand völlig abgedeckt, was die Regelung natürlich beeinflusst.

ventilcheck_projekttag04Die Bilanz am Ende der Aktion: Von 40 Ventilen wurden 26 beanstandet. Das entspricht 65 %! „Vermutlich sind also mindestens die Hälfte aller Ventile an unserer Schule kaputt“, fasste Tyler das Ergebnis nüchtern zusammen, nachdem er die letzten Checklisten ausgefüllt hatte (Bild links). Die Untersuchungsprotokolle wurden inzwischen dem Ingenieurbüro zugeschickt, das mit „Köpfchen statt Kohle“ zusammenarbeitet und für die Bauverwaltung des Bezirks aktiv wird, wenn sich der Verdacht der Schüler erhärtet. Wie ein solches Protokoll aussieht, zeigt die Abbildung unten.

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neues_poster02Die Grundschule im Blumenviertel ist nicht die einzige „Köpfchen statt Kohle“-Schule, an der die Schüler auf Reparaturbedarf stoßen. Eine der größten Grundschulen im Bezirk, die Schule am Falkplatz, scheint auch ein Kandidat für eine größer angelegte Ventilüberprüfung zu sein. „Wir wollen Energie sparen“ verkünden die Energiemanager der anerkannten Umweltschule selbstbewusst auf den Postern und Wandzeitungen, mit denen sie ihre Mitschüler regelmäßig über die Aktivitäten informieren. Da sie angesichts des vermuteten Reparaturbedarfs das aber nicht allein tun können, haben sie jetzt die Chefin der Bauverwaltung, Bezirksstadträtin Christine Keil, eingeladen, um mit ihr über die Probleme zu diskutieren. Die Stadträtin hat auch umgehend zugesagt, gleich nach den Osterferien in die Schule zu kommen. Am Dienstag, 29. April, wird sie um 7 Uhr morgens die Energiemanager an ihrem Arbeitsplatz in der Schule treffen. Die Schüler wollen ihr dann genau erklären, wie sie vorgehen und an welche Grenzen sie stoßen.

solarexperimente01Auch in diesem Schuljahr fand wieder Deutschland bestdotierter Schulwettbewerb „Klima & Co“ statt. Nachdem 2012 bereits eine „Köpfchen statt Kohle“-Schule (die Grundschule am Kollwitzplatz) unter den 13 Preisträgern war und 10.000 Euro gewonnen hat, können wir auch in diesem Jahr wieder dabei sein: Die Robert Havemann-Schule, an der zusammen mit „Köpfchen statt Kohle“ eine zentrale Energie-Lernwerkstatt aufgebaut wird, ist im Finale der 13 besten Wettbewerbsbeiträge am 21. Mai in Berlin mit dabei. Die spannende Frage ist, ob sie einen der drei ersten Plätze belegt und dann bis zu 50.000 Euro für die Umsetzung ihrer Ideen erhält. Die Lernwerkstatt soll für alle Schulstufen Experimentier-, Anschauungs- und Fortbildungsoptionen bieten und die Technik erneuerbarer Energie alltagsnah und praxisbezogen vermitteln. U.a. ist eine solar gespeiste Elektrotankstelle für Mofas geplant.

DruckIn der Lernwerkstatt, die künftig unter der Bezeichnung „Energiezentrum Pankow“ firmieren wird, werden für die Energiemanager der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen nach den Osterferien Projekttage zum Bau von Solarautos angeboten, die von Werkstattleiter Norbert Hansen geleitet werden. Fachlich betreut der Physiklehrer der Havemann-Schule  Christian Strube die Werkstattkurse. Strube berichtet davon, dass er als Gymnasiallehrer bereits einen  Effekt der „Köpfchen statt Kohle“-Projektarbeit in den Grundschulen wahrnimmt: „Die Kinder, die in der Grundschule in den Energieprojekten mitgearbeitet haben und dann in die weiterführenden Schulen kommen“, so berichtet er, „sind viel besser informiert über Energie, Wärme oder Messtechnik. Man merkt, dass sie da einen Wissensvorsprung haben und stolz auf ihre Praxiserfahrungen sind.“

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Energiemanager werden Ventil-Checker – Jetzt beginnt die Zeit der Poster-Kampagnen – Lüftungsversuche sind vorerst abgeschlossen

handwerkszeug_ventilcheck_03Im zu Ende gehenden Winter sind die Energiemanager der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen immer wieder auf „verdächtige“ Räume gestoßen. Das sind z.B. Klassenzimmer, in denen es zu warm ist, obwohl der Heizungscomputer anzeigt, dass die elektrisch gesteuerten Thermostatventile andauernd geschlossen sind. Oder Räume, in denen auch bei niedrigen Außentemperaturen die Raumtemperatur in der Nacht überhaupt nicht absinkt. In solchen Fällen richtet sich der Verdacht der Energiedetektive zuerst immer auf die Heizungsventile. Diese sind teilweise bereits 10-15 Jahre im Einsatz und auch noch nie überprüft worden.

Bis vor kurzem konnten die Energiemanager nur Briefe an Hausmeister, Schulleiter oder dien Bauverwaltung schreiben, um eine Überprüfung der Ventile zu veranlassen. Doch durch Unterstützung des technischen Energiespar-Partners von „Köpfchen statt Kohle“ lernen die Energiemanager jetzt selbst einen ersten mechanischen und elektrischen Ventil-Check durchzuführen. Die Ausstattung dazu zeigt unser Bild oben. Wie läuft der Ventil-Check ab?

ventilcheck_05Die Schüler prüfen zuerst, ob der Ventilkopf wackelig auf dem Gewinde sitzt oder Gewindegänge sichtbar sind. Auch deutlich erkennbare Beschädigungen werden natürlich notiert. Eine erste Überprüfung mit dem Stethoskop gilt den Strömungsgeräuschen in der Heizung. Da der Check nur bei geschlossenem Ventil stattfindet, dürfte jetzt eigentlich nichts zu hören sein. Dann kommt der 32-er Maulschlüssel zum Einsatz, um den Ventilkopf abzuschrauben.

ventilcheck_27Jetzt prüfen die Schüler, ob sich der Ventilstift bewegen lässt. Manchmal fressen sich diese Stifte fest. Auch Verkalkungen wurden bereits festgestellt, obwohl sich das Heizungswasser in einem geschlossenen Kreislauf befindet und kein kalkhaltiges Wasser nachgefüllt werden soll. Auch können bei Schweißarbeiten am Heizungssystem Rückstände in den Wasserkreislauf gelangen, die sich an der Mechanik der Ventileinrichtung festsetzen. Solche Informationen bekommen die Energiemanager meist von den Hausmeistern ihrer Schule.

ventilcheck01aAnschließend schrauben die Energiemanager einen drehbaren Thermostatkopf auf. Beim Auf- und Zudrehen lässt sich dann oft das Strömungsgeräusch feststellen. Da es in der Umgebung eines Klassenzimmers beim Ventil-Check nicht immer ganz leise ist, sorgen Stethoskope dafür, dass dieser Teil des Checks einfacher und schneller von der Hand geht. Scherzhaft titulieren sich manche Energiemanager als „Dr.med. Ventil“, wenn sie mit dem Stethoskop in den Ohren agieren.

stethoskop_02Wenn bei geschlossenem Handventil keine Strömungsgeräusche auftreten, wohl aber dann, wenn der ferngesteuerte Ventilkopf wieder aufgesetzt ist, besteht der Verdacht, dass der Ventilkopf defekt ist. Wenn es sich um Ventilköpfe handelt, die mit einem thermoelektrischen Ausdehnungselement (meist einem Gel) arbeiten, dürfte dieses Gel im Lauf der Zeit seine Elastizität verloren haben. Wenn jedoch die Strömungsgeräusche auch bei geschlossenem Handventil auftreten – auch das haben Energiemanager bereits festgestellt -, dann ist vermutlich auch das Bauteil mit dem Dichtungsstift kaputt und muss ausgetauscht werden.

ventilcheck_13Falls sich die Abdeckung des elektrischen Anschlusses entfernen lässt, prüfen die Energiemanager auch die am Ventilkopf anliegende Spannung. Sie muss bei geschlossenem Ventil 24 Volt betragen. Das Ventil wird nämlich entweder durch einen kleinen Elektromotor angetrieben, der die Bewegung des Ventilstifts bewirkt, oder es arbeitet mit einem thermoelektrischen Ausdehnungsmedium, das durch die Stromzufuhr erwärmt wird. Auch das Zuleitungskabel wird natürlich auf Beschädigungen untersucht.

ventilcheck_24Wenn alles in Ordnung ist, bekommt das Ventil eine Prüfplakette „Ventil-Check 2014 – Geprüft durch Energiemanager“. Falls nicht, kleben die Energiemanager ein Etikett „Mängel festgestellt – In Reparatur“ auf den Ventilkopf. Der Hinweis auf die Reparatur ist natürlich vorauseilender Optimismus der Energiemanager. Denn angesichts der Tatsache, dass in vielen „Köpfchen statt Kohle“-Schulen die Ventileinheiten wahrscheinlich reihenweise ersetzt werden müssen, ist mit einer längeren Bearbeitungszeit zu rechnen, zumal die Reparaturen oft nur in schulfreien Zeiten erfolgen können.

ventilcheck_01Damit ist der Ventil-TÜV aber noch nicht abgeschlossen. Für jedes Heizungsventil wird eine Checkliste ausgefüllt. Falls Mängel gefunden wurden, schicken die Energiemanager die betreffende Checkliste an das Ingenieurbüro, das im „Köpfchen statt Kohle“-Projekt mitarbeitet, oder leiten die Liste an den Hausmeister weiter.

poster_praesentieren02Gutes tun und darüber reden – das ist nicht nur allgemein von Vorteil, sondern bei „Köpfchen statt Kohle“ sogar eine Voraussetzung des Erfolgs. Weil dauerhafte Verbesserungen der Energiebilanz der beteiligten Schulen nur erreicht werden können, wenn die ganze Schule mitmacht, alle Bescheid wissen und sich jedes Jahr aufs Neue Schüler aus möglichst vielen Klassen engagieren, machen sich die aktiven Dritt- bis Sechstklässler selbst Gedanken, wie sie ihre Mitschüler und die Lehrkräfte informieren und motivieren. Die Energiemanager der Trelleborg-Schule waren die ersten, die von sich aus mit einem Poster an alle Mitschüler appellieren wollten, sich zu beteiligen (siehe Bild unten).

Plakat_A2_Trelleborg-Grundschule

Sie taten das mit durchschlagendem Erfolg. Aus 5 Energiemanagern sind von einer Woche auf die andere 13 Schülerinnen und Schüler geworden, die mitmachen wollen. Und mindestens ein weiteres Dutzend Kinder aus den dritten, fünften und sechsten Klassen will noch dazukommen. Aus der 5a hat gleich die halbe Klasse ihr Interesse bekundet. Damit entstünde an der Trelleborg-Schule das größte Energiemanager-Team, das bisher an „Köpfchen statt Kohle“-Schulen unterwegs ist. Projektleiter Richard Häusler hofft, dass angesichts dieses Engagements auch bald der eigene Computerzugang der Energiemanager zum Heizungsserver genehmigt wird: „Denn mit 20 und mehr Schülern können wir unmöglich das Hausmeister-Büro belagern“, sagt er.

gruppenfoto_mit_schulleitung_StolzeDie Energiemanager der Grundschule an der Marie haben gleich zwei Poster gestaltet, die jetzt an mehreren Stellen im Schulhaus hängen und demnächst auch auf der Schulwebsite stehen sollen. Die zwölf Schülerinnen und Schüler ließen es sich nicht nehmen, ihre Poster Schulleiter Jürgen Stolze persönlich zu überbringen (siehe Foto links). Während das eine der beiden Poster erläutert, was Energiemanager machen, erklärt das zweite Poster die wichtigsten Energiearten. Bei „Köpfchen statt Kohle“ erwerben die Grundschüler ja nicht nur praktische Fähigkeiten als Energiemanager, sondern auch eine Menge Grundwissen über Energie.

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poster_freude_03Auch in der Grundschule unter den Bäumen wollten die Energiemanager, die sich jede Woche im Schülerclub treffen, für mehr Bekanntheit in der ganzen Schule sorgen. Sie haben deshalb zwei Plakate entworfen, mit denen sie zum einen sich selbst und ihre Ziele vorstellen und zum anderen ihr Engagement als „Energiemanager gegen CO2“ erklären. Mit Schulleiter Bernd Woitinek wurde abgesprochen, wo überall im Schulhaus die Poster aufgehängt werden sollen.

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co2_kurven_interpretieren01Was das Raumklima in Klassenräumen angeht, so untersuchten die Energiemanager an dieser Schule die Wirksamkeit einer technischen Lösung, die dort schon seit langem installiert ist, aber nicht genutzt wurde. Die Schüler haben auch die Lautstärkeentwicklung der Geräte gemessen, die mit 60 dBA doch deutlich über den heute gültigen Normwerten liegt. Die Messungen der Energiemanager haben zunächst ergeben, dass sich kein nennenswerter Effekt einer CO2-Reduzierung durch den Betrieb der Geräte erkennen ließ.

anlagencheck_lueftung_05Die Aussagekraft der bisherigen Messungen wurden jedoch durch zwei Faktoren reduziert: Zum einen erwies sich eines der drei Lüftungsgeräte in dem Raum als defekt; es wird derzeit gerade ausgetauscht. Zum anderen schalteten Lehrkräfte bzw. Hortner die Geräte während der Messphase von Stufe III auf Stufe I, weil es auf Stufe III angeblich zu einem zu starken Kühlungseffekt kam. Da sich der Winter inzwischen mit großen Sprüngen aus dem Staub macht, wollen die Energiemanager ihre Testreihe erst in der Heizperiode des nächsten Schuljahres wieder aufnehmen.

datenlogger_einstellen01aAuch die Schule am Falkplatz berichtete jetzt über erste Ergebnisse des Raumluft-Monitorings. Der Untersuchungsplan, bei dem von den Schülern Datenlogger für die Aufzeichnung der CO2-Werte eingesetzt wurden, war dreistufig angelegt:

  • In der ersten Stufe wird eine Woche lang in Klassenräumen mit einem Datenlogger der Verlauf der CO2-Konzentration gemessen.
  • In der nächsten oder übernächsten Woche wird nach Auswertung der ersten Messungen der Datenlogger noch einmal aufgestellt. Dabei bekommen die Schüler der Klasse den allgemeinen Hinweis, darauf zu achten, dass der CO2-Wert möglichst nicht über 1.000 ppm steigt. Auch diese Daten werden ausgewertet.
  • In der dritten Stufe sollen die Energiemanager mit einer genauen Verhaltensempfehlung in die Klassen gehen und darüber aufklären, wie ein optimales Lüftungsmanagement aussieht. Gleichzeitig sollen sie darauf hinweisen, dass in den betreffenden Klassenräumen während der längeren Pausenzeiten („Hofpausen“) die Heizung durch die Energiemanager heruntergeregelt wird.

datenlogger_aufstellen_mit_messampel01Aus der Auswertung dieser drei kontrollierten Messreihen wollen die Energiemanager dann eine Empfehlung für die Optimierung von Raumluftqualität und Temperatursteuerung während der Heizperiode ableiten. Auf Grund der bisherigen Messungen in Phase 1 und 2 lässt sich bereits die Feststellung treffen: „Allgemeine Appelle, auf die Lüftung zu achten, helfen nicht.“ Auch die Präsentation der Messwerte als Diagramme in den Klassen schafft nicht genügend Aufmerksamkeit und Motivation. Das Aufstellen von Messgeräten mit einer Ampelfunktion (linkes Gerät im Bild oben) hingegen erzeugt, so die Erfahrung in den „Köpfchen statt Kohle“-Schulen, eine positive Aufmerksamkeit für das Thema.

Wegen des sehr milden Winterwetters ist die systematische Fortführung des geplanten Raumluftmonitors in Frage gestellt. Auf jeden Fall soll jedoch im neuen Schuljahr bereits ab November eine noch breiter angelegte Untersuchung in den dann insgesamt 11 Schulen stattfinden, in denen Energiemanager ausgebildet werden, kündigt Projektleiter Richard Häusler an.

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Weißrussische Schuldelegation studiert „Köpfchen statt Kohle“ – Wie Hausmeister und Schüler zusammenarbeiten – Raumluft-Monitoring bringt erste Ergebnisse

solarexperimente02Aus dem weißrussischen Minsk besuchte eine fünfköpfige Schuldelegation „Köpfchen statt Kohle“, um sich über das Energiemanagement in Schulen zu informieren. Im „EnergieZentrumPankow“ in der Havemann-Schule ließen sich die stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums Nr. 19 in Minsk und ihre Kolleginnen von Schülern zeigen, wie sich die jungen Menschen unsere Energie-Zukunft vorstellen. Klar, dass dabei Solarenergie und erneuerbare Ressourcen im Vordergrund standen. Dennoch ist „Köpfchen statt Kohle“ kein Projekt, das die Energiewende in erster Linie durch Werbung für alternative Energiequellen unterstützen will, wie der Vertreter des Pankower Hochbauamts, Jürgen Bornschein, schon bei der Begrüßung der weißrussischen Gäste betonte. Man wolle vielmehr die Energieeffizienz erhöhen und Energieverschwendung bekämpfen. Deshalb werden derzeit in bis zu elf Pankower Grundschulen junge „Energiemanager“ ausgebildet, die systematisch Einsparpotenziale entdecken, indem sie sich mit der zentralen Einzelraumsteuerung ihrer Schule auseinandersetzen und laufend Verbesserungsvorschläge machen.

energiemanager_ehrenhalber01Die zweite Station führte die Kolleginnen aus Minsk deshalb in die Homer-Grundschule, wo sie die Arbeit der Energiemanager in der Praxis beobachten konnten. Auch hier waren es die Schüler selbst, die erklärten, was sie vorhaben und wie sie ihre Projekte organisieren. Beeindruckt waren die Besucher aus Weißrussland von der Selbstständigkeit, mit der die Dritt- bis Sechstklässler agieren. Während einige am Computer Diagramme des Heizungsprogramms auswerten und nach Problemen und Verbesserungsmöglichkeiten suchen, schwärmen andere aus und messen die Temperaturen in den Schulhausfluren an vorher festgelegten Messstellen. Danach vergleichen sie die Werte der letzten Wochen und sprechen darüber, wie man den „Zielkorridor“ von 17-18 Grad Celsius auf allen Fluren erreichen könnte. Wieder andere „Energiemanager“, die man auch an ihren schwarzen „Dienst-T-Shirts“ erkennt, untersuchen mit der Wärmebildkamera vermutete Wärmelecks an Fensterrahmen. Und dazwischen findet sich auch Zeit, mit den Gästen aus Weißrussland zu reden, Fragen zu beantworten und selbst Fragen zu stellen. Dabei wird deutlich, dass es offenbar in Pankow und in Minsk ein gemeinsames Interesse gibt, schon in der Schule Kompetenzen für den Umgang mit Energie zu fördern und das nicht nur theoretisch, sondern mit Praxisbezug zur Schulwirklichkeit. Am Ende erklären die Homer-Schüler ob solcher Gemeinsamkeit die Damen der Delegation zu „Energiemanagern ehrenhalber“ und behängen sie mit dem Energiemanager-Schlüsselanhänger, der neben dem T-Shirt (das es jedoch nicht in Erwachsenengrößen gibt) zu den offiziellen Insignien eines „Köpfchen statt Kohle“-Energiemanagers gehört (siehe Foto oben). Das Bild unten zeigt das offizielle Besuchsfoto der Delegation, das in der Robert Havemann-Schule aufgenommen wurde (re: Gastgeber und Schulleiter Thomas Josiger). Über den Besuch aus Weißrussland berichtete auch das Berliner Abendblatt.

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brief_an_den_hausmeister05Ebenfalls die Homer-Grundschule war Schauplatz eines „Köpfchen statt Kohle“-Hausmeister-Workshops. „Einzelraumsteuerung in der Praxis“ lautete das Thema, für das sich acht Hausmeister von Pankower Schulen interessierten, die technisch auf dem Stand sind, die Heizung der ganzen Schule und für jeden Raum separat vom Computer aus steuern zu können. Seit „Köpfchen statt Kohle“ in solchen Schulen aktiv ist, haben die Hausmeister dabei die Unterstützung der Schüler, die sich als Energiemanager qualifiziert haben. Aber betrachten die Hausmeister das wirklich als Hilfe? Diese Frage interessierte insbesondere auch die Hausmeister der Schulen, die noch nicht bei „Köpfchen statt Kohle“ dabei sind. Andreas Sieber (Homer-Grundschule) und Hans-Jürgen Hoeltke (Grundschule an der Marie) bestätigten die gute Zusammenarbeit mit den jungen Energiemanagern. Während an der Homer-Grundschule die Energiemanager über einen eigenen Rechnerzugang zur Heizung verfügen, sind die Schüler der Grundschule an der Marie noch darauf angewiesen, mal an den Hausmeister-Rechner gehen zu können bzw. dem Hausmeister ihre Verbesserungsvorschläge zur Umsetzung schriftlich zu übermitteln (siehe Foto oben).

heizung_und_ventile01Nicht die Abstimmung mit den Energiemanagern scheint für die Hausmeister problematisch zu sein, sondern die Frage, wie sie mit technischen Mängeln und Defekten in der Heizanlage umgehen. Die Zahl defekter Ventile und „verdächtiger“ Räume, in denen die Heizkörper nicht das tun, was man ihnen per Computersteuerung vorschreiben möchte, sind ein Thema, das die Schüler und die Hausmeister zusammenbringt. Um diese Probleme, die meist auf der Hardware- und nicht auf der Regelungsebene liegen, künftig schneller und durchgreifender zu lösen, hat der Bezirk Pankow ein Ingenieurbüro beauftragt, auf die Befunde der Energiemanager zu reagieren und die beteiligten Schulen nach und nach gründlich unter die Lupe zu nehmen. „Erst wenn die Technik im Hintergrund verlässlich funktioniert und der Reparaturbedarf abgearbeitet ist“, stellt Projektleiter Richard Häusler fest, können die Energiemanager richtig wirksam werden. Möglicherweise müsse davor in den Schulen auch ein hydraulischer Abgleich gemacht werden, stellte Sabine Buschke vom beauftragten Ingenieurbüro fest. Was sich die Hausmeister außerdem wünschen, ist eine systematische Einführung in die Heizungssteuerung. „Sonst wissen die Schüler bald besser Bescheid als wir“, verlautete aus der Runde. Unser Bild unten zeigt alle Mitwirkenden des Hausmeister-Workshops. In der Mitte die Personalvorgesetzte der Pankower Schulhausmeister, Claudia Tiedemann, die versprach, den Wunsch nach besserer Qualifizierung in die Verwaltung zu tragen.

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Bei „Köpfchen statt Kohle“ sollen ab dem nächsten Schuljahr mindestens 11 Schulen Energiemanager qualifizieren und einsetzen. In drei Schulen arbeitet bereits die zweite Generation der Energiemanager, hier geben die Älteren ihr Wissen an die Jüngeren erfolgreich weiter. In sechs Schulen hat die Energiemanager-Qualifizierung in diesem Schuljahr begonnen, zwei Schulen starten gleich mit dem neuen Schuljahr. Ging man zunächst davon aus, dass die Energiemanager aus den fünften und sechsten Klassen kommen sollten, sind inzwischen auch Dritt- und Viertklässler erfolgreich mit dabei. Tobias Berger, der als Lehrer die Gruppe an der Homer-Grundschule betreut, stellt fest, dass die Neunjährigen „sowohl mental als auch praktisch in der Lage sind, die Aufgabe zu verstehen und eigenständig daran zu arbeiten“.

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Hier ein paar Streiflichter aus anderen „Energiemanager“-Schulen:

heizung_einstellen02In der Grundschule am Wasserturm wartet das Dutzend Schüler, das sich im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts mit dem Energiesparen beschäftigt, zwar noch auf den eigenen Steuerungs-PC, aber der Hausmeister stellt seinen Zugang jeden Mittwoch zur Verfügung, damit die Schüler selbstständig Daten analysieren und Verbesserungsvorschläge umsetzen können. An dieser Schule betreut das Projektteam von „Köpfchen statt Kohle“ die Gruppe noch ohne zusätzliche Lehrer-Unterstützung. Für die Schüler ist der etwas andere Stil, den „Externen“ mitbringen, eine reizvolle Abwechslung zum Schulunterricht.

energiemanager_schluesselband01In der Grundschule an der Marie hat die erste Generation der Energiemanager die Theorieprüfung bereits hinter sich. Das Schlüsselband mit dem „Energiemanager“-Schriftzug verbindet sie. Dem Hausmeister übergeben sie immer wieder Briefe mit ihren Vorstellungen für energiesparende Heizungseinstellungen am Computer. „Wir freuen uns aber sehr auf unseren eigenen Energiemanager“-Arbeitsplatz, sagen die Schüler, die sich jeden Donnerstag in den ersten beiden Schulstunden zu ihrem Projekt treffen.

energiemanager_brief01Auch in der Blumenviertel-Grundschule profitieren die Energiemanager von der Bereitschaft des Hausmeisters, seinen Computerplatz jeden Mittwochnachmittag für die Energiemanager zu räumen. Die Schüler informieren die Klassenlehrer, in deren Klassenräumen sie Änderungen an den Heizungseinstellungen vornehmen, per Brief: „Lieber Herr Ahrens, wie Sie oben auf der Skizze sehen, haben wir die Einstellungen für die Raumtemperatur entsprechend des Stundenplans verändert. Falls Beschwerden kommen, können sie sich an Tyler wenden. Ihre Energiemanager“.

funktionsbild_heizung01In der Trelleborg-Schule wurde das Energiemanager-Projekt im naturwissenschaftlichen Unterricht vorbereitet. Vier Jungs und zwei Mädchen der Klasse 5b machen den Anfang und treffen sich inzwischen einmal die Woche in der ersten Schulstunde. Die Aussicht, tatsächlich Energie zu sparen, motiviert die Gruppe. Genauso viel Spaß macht es ihnen aber auch, sich fragend und forschend das Grundlagenwissen anzueignen. Dabei geht es zum Beispiel darum, wirklich zu verstehen, wie ein Heizkörper funktioniert und warum immer und überall Wärmetauscher im Spiel sind.

co2_diagramme_praesentieren01An den Schulen, die bereits im zweiten Schuljahr mit Energiemanagern arbeiten, sind die Schüler jetzt dabei, sich auch intensiv mit dem Problem der Raumluftqualität zu beschäftigen. Vorreiter ist hier derzeit die Schule am Falkplatz. In zwei Klassen haben die Energiemanager mit einem Datenlogger über mehrere Tage Messwerte zum CO2-Gehalt und der Temperatur aufgezeichnet und ausgewertet. Mit den Messkurven gehen sie anschließend wieder in die Klassen, erläutern sie und geben der Klasse während einer zweiten Messperiode die Aufgabe: „Versucht in den nächsten Tagen bessere Luft in der Klasse zu haben!“ Nach der Auswertung der Messdaten und des Lüftungsverhaltens soll dann in einer dritten Untersuchungsphase erprobt werden, was durch eine vorher festgelegte verbindliche Lüftungsstrategie erreicht werden kann. Die Kurve auf dem Bild unten zeigt die Ergebnisse des ersten Messdurchgangs, bei dem noch keine besondere Aufmerksamkeit in der Klasse für das Thema Raumluft hergestellt worden war. Deutlich ist zu erkennen, dass über weite Phasen des Unterrichtstages die 1.000 ppm-Grenze für CO2 in der Atemluft überschritten wird.

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Ein ganz besonderes Forschungsprojekt haben sich die Energiemanager in der Grundschule unter den Bäumen vorgenommen. Nachdem sie entdeckt hatten, dass in einem der Räume in ihrer Schule bereits vor Jahren drei Lüftungskästen eingebaut worden waren, die automatisch für Frischluft sorgen sollten, wollten sie untersuchen, ob sich dadurch wirklich das Raumklima verbessern lässt.

lueftung_an_01Tatsächlich waren die Lüftungen schon lange nicht mehr im Einsatz. Einer der vermuteten Gründe bestand in dem Lüftergeräusch, das als störend empfunden werden könnte. Messungen der Schüler mit dem Schallpegelmessgerät haben aber ergeben, dass das Lüftergeräusch viel leiser ist als der normale Lärmpegel in einem Klassenraum. Außerdem laufen die Lüfter nicht ständig. Da bei der ersten Besichtigung der Lüftungsanlage auch aufgefallen war, dass das tiefe Fensterbrett über den Lüftungsgeräten keine Lüftungsschlitze aufwies, baten die Energiemanager ihren Hausmeister, drei Lüftungsschlitze auszusägen und mit einem Lüftungsgitter zu  versehen. Da das umgehend erfolgte, konnte eine mehrstufige Messaktion beginnen. In zwei Intervallen messen die Schüler mit dem Datenlogger die CO2-Werte im Tagesverlauf jeweils eine Woche mit aus- und eine Woche mit eingeschalteter Lüftung. Ergebnisse werden in drei bis vier Wochen erwartet.

anlagencheck_lueftung_08Das Projekt in der Grundschule unter den Bäumen wird von den Schülern völlig freiwillig verfolgt. In dieser Schule findet die Energiemanager-Ausbildung und -Praxis nämlich außerhalb der Unterrichtszeiten im Rahmen des Schülerclubs „Kunterbunt“ statt, den der Verein FiPP e.V. unterhält. Der FiPP-Mitarbeiter und Erzieher Martin Biermann betreut die Gruppe zusammen mit dem Projektteam von „Köpfchen statt Kohle“.

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Der Kampf um die Flur-Thermostate – Turnhalle im Blumenviertel immer noch ein Problem – Aus der Lernwerkstatt soll ein Energiezentrum werden – Neuer Projektbeirat

flurheizung_03In diesem Winter nehmen sich die Energiemanager der Homer-Grundschule neben den Klassenräumen auch die Flure vor. Anders als in den Klassenräumen können sie hier nicht am Computer energiesparende Einstellungen vornehmen. Denn die Heizkörper in den Fluren haben manuell verstellbare Thermostate, die allerdings fixiert sind, so dass sie nur vom Hausmeister umgestellt werden können. Was die jungen Energiemanager daran stört, ist die Tatsache, dass die Thermostate überall mindestens auf Stufe 3 stehen, in manchen Bereichen sogar auf Stufe 4 und 5.

Weil sie gelernt haben, dass die Temperaturnorm für Schulhaus-Flure 17 Grad Celsius beträgt, schlugen die Energiemanager vor, die Einstellung von „3“ auf „2“ zurückzufahren. Um auf ihren Vorschlag aufmerksam zu machen, bestückten sie an einem Nachmittag alle Flurthermostate mit roten Anhängern, auf denen stand: „Ich bin zu warm. Stufe 2 reicht mir!!!“ (siehe Foto unten).

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So drang der Vorschlag am anderen Tag auch zu Schulleiter Uwe Blachnik. Der fand die Aktion „eine nette Idee“, hatte aber den Einwand, dass es in den Fluren, insbesondere im Erdgeschoss zu kalt werden könnte. Denn auch wenn  die Homer-Grundschule in der komfortablen Lage ist, nicht wie einige andere Berliner Schulen auch auf den Fluren Unterricht halten zu müssen, so solle man sich doch im Erdgeschoss-Flur für ein Gespräch aufhalten können, ohne einen Mantel anziehen zu müssen.

einsatzplanung_messreihe01Die Energiemanager erreichten aber, dass eine Ortsbesichtigung zusammen mit dem Hausmeister und der Wartungsfirma zu den Flurthermostaten stattfand. Man einigte sich dann darauf, zunächst nur im 3. Obergeschoss die Thermostate alle fest auf Stufe 2 einzustellen. Die Energiemanager sagten ihrem Schulleiter zu, die Situation mit Messreihen zu untersuchen, um zu sehen, ob die Absenkung einen Effekt hat und ob die Temperatur in den Fluren nicht unter 17 Grad absinkt. Die Messreihen wurden systematisch an mehreren Messpunkten auf jeder der vier Etagen geplant (siehe Bild oben).

Ein erster Vorher-Nachher-Vergleich ergab eine Absenkung der Temperaturen, die jedoch immer noch im Wohlfühlbereich über 17 Grad liegen – siehe die untenstehende Grafik. Es zeigte sich auch, dass vielleicht sogar Stufe 1,5 oder 1 ausreichend wäre. Nach den Winterferien wollen die Schüler mit Temperaturloggern eine Dauermessung über mehrere Tage organisieren, um den Effekt noch genauer absichern zu können. Danach wünschen sie sich, dass auch die anderen Etagen mindestens auf Stufe 2 eingestellt werden, außer im Erdgeschoss, wo es tatsächlich bereits kühler ist als auf den anderen Etagen, wie die bisherigen Messungen gezeigt haben. Aber auch wenn der „Kampf um die Flurthermostate“ auf drei von vier Etagen gewonnen wird, ist das ein großer Erfolg der Energiemanager und des sie betreuenden Lehrers Tobias Berger.

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energiemanager_lernen01Das gefiel den angehenden Energiemanagern an der Grundschule im Blumenviertel  gar nicht: In ihren Arbeitsunterlagen fanden sie nämlich eine Grafik, bei der ihre Schule unangenehm herausstach: Mit fast 170 kWh pro Quadratmeter und Jahr scheint der Energieverbrauch hier an der Spitze aller „Köpfchen statt Kohle“-Schulen zu liegen. Der bundesweite Durchschnitt für Schulen liegt bei 100 kWh. Da die Grundschule im Blumenviertel modernisiert ist, die Fenster dicht sind und es hier sogar eine automatische Lüftungssteuerung gibt, wunderten sich die Energiemanager sehr.

Bis sie an ihre Turnhalle dachten. Das alte Gebäude im Stil einer Wellblechhalle mit einem tonnenförmigen Dach ist nicht an die Heizungssteuerung der Schule angeschlossen. In den Umkleideräumen befinden sich Heizkörper, die sich manuell verstellen lassen. Die hohe Sporthalle selbst wird mit Warmluft temperiert, die durch mehrere Lüftungsschlitze in den Raum geblasen wird. Die Regelung übernehmen die Sportlehrer an einer Handsteuerung, wo sie Zuluft und Abluft ein- und ausschalten können. Die Energiemanager beschlich der Verdacht, diese Turnhalle könnte die Energieschleuder sein, die die Energiebilanz ihrer Schule versaut.

Um sich ein Bild der Temperatursituation in der Halle zu verschaffen, brachten die Energiemanager über mehrere Tage einen Temperaturlogger an, der die Werte alle paar Minuten aufzeichnet. Bei der Auswertung bestätigte sich der Verdacht. Zum einen ist die Halle nahezu ständig mindestens 20 Grad warm, obwohl Turnhallen an sich mit 17 Grad auskommen müssten. Zum anderen aber kommt es durch die manuelle Regelung offenbar dazu, dass die Halle in Zeiten, in denen sie gar nicht genutzt wird, also auch über Nacht auf 23 Grad und mehr aufgeheizt wird. „Wenn das keine Energieverschwendung ist!“, stellen die Grundschüler fest. In der untenstehenden Grafik ist die Temperaturkurve blau eingezeichnet (linke Skala).

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Die Messungen haben aber auch noch etwas anderes ergeben. Anscheinend liegt die Luftfeuchtigkeit in der Halle nur zwischen 25 und 35 Prozent relativer Feuchtigkeit (im Diagramm: rote Kurve, rechte Skala). Gesund wäre ein Wert zwischen 50 und 70 Prozent. Die Ursache dafür vermuten die Schüler in der Gebläsebeheizung der Turnhalle. Da die Halle beim Bezirk als nicht sanierbar gilt und irgendwann abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll, hoffen die Energiemanager darauf, dass das möglichst bald passiert. Mehr können sie nicht tun.

am_hausmeister_pc_03Im Schulhaus selbst warten jedoch gewaltige Aufgaben auf sie. Nachdem sie begonnen haben, am PC des Hausmeisters die Heizungsregelung zu überprüfen, fiel ihnen auf, dass nahezu alle Räume auf 22 Grad Celsius eingestellt waren, obwohl die Norm für Schulen bei 20 Grad liegt. Jetzt sollen alle Räume entsprechend angepasst werden. Das allein reicht aber nicht aus. Die Anpassung der Heizzeiten an die tatsächliche Nutzung wird die Energiemanager noch einige Stunden kosten. Zumal sie in der Grundschule am Blumenviertel nicht nur die Heizung per Computer steuern können, sondern auch die automatische Fensteröffnung zur Belüftung. Die Einstellungen, die die Energiemanager hier vorgefunden haben, entsprechen der Unterrichtsrealität in den Klassenräumen längst nicht mehr.

ventil_abgerissen02Und als dritte Aufgabe kommt hinzu, dass sie immer wieder auf völlig überheizte Räume stoßen, die sich anscheinend gar nicht mehr regeln lassen. Bei der Überprüfung des Musikraumes zum Beispiel, sind die darauf gestoßen, dass die viel zu hohen 25 Grad, die hier oft herrschen, anscheinend daher rühren, dass von drei Heizkörpern einer sein Ventil gar nicht mehr schließt, sondern ständig durchheizt. Eine entsprechende Prüfanfrage an die Wartungsfirma W.E.N.-Consulting haben die Schüler gleich losgeschickt. Die Überprüfung defekter Ventile gehört inzwischen zu den Standardaufgaben der jungen Energiemanager. Nicht immer sind diese Defekte so leicht zu erkennen wie im Bild rechts aus der Schule am Falkplatz, wo jetzt wieder mindestens drei solcher offenbar nicht mehr funktionierender Heizkörper gefunden wurden.

beirat_131120_05Die Energiemanager empfinden sich deshalb manchmal als verlängerter Arm der Bezirksverwaltung. Tatsächlich gelingt es bei „Köpfchen statt Kohle“, die Zusammenarbeit der zuständigen Ämter und Stellen zu verbessern und die Behebung von Anlagendefekten, auf die die Energiemanager immer wieder stoßen, zu beschleunigen. Ein Grund dafür ist auch der Projektbeirat von „Köpfchen statt Kohle“, der sich mindestens alle drei Monate trifft und in dem Bauamt, Schulamt, Senatsverwaltung und die externen Dienstleister eng zusammenarbeiten. Seit diesem Schuljahr sind zwei neue Gesichter in diesem Gremium hinzugekommen: Susanne Füllgraf, die als Referatsleiterin in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft die Schulaufsicht in Pankow innehat, und Hanna Burkhardt, die im Team von stratum die pädagogische Projektbegleitung verstärkt. Das Foto oben zeigt anlässlich der letzten Beiratssitzung im Pankower Schulamt (v.l.n.r.): Hanna Burckhardt (stratum), Jürgen Bornschein (Bauamt), Susanne Füllgraf (Schulaufsicht), Ilka Wagnitz (Schulamtsleiterin) und Richard Häusler (Projektleiter bei stratum).

solarmodule02In diesem Projektbeirat sind auch die Weichen für den Ausbau der Energie-Lernwerkstatt in der Robert Havemann-Schule gestellt worden. Künftig soll die Lernwerkstatt unter den Namen „Energiezentrum Pankow“ firmieren. Dies signalisiert den hohen Anspruch, der mit dem Projekt verbunden ist. Das Energiezentrum soll zentrale Bedeutung für die praxisbezogene Energiebildung an den Pankower Schulen erlangen. Hier werden künftig Schüler und Lehrkräfte aller Schularten qualifiziert und dabei unterstützt, Energiethemen ganzheitlich, praktisch und auf modernstem technischen Stand anzugehen. Funktionsmodelle, Modellbausätze, Experimentierumgebungen und reale Anschauungsobjekte für Energieerzeugung und -umwandlung stehen dazu bereit. Werkstattleiter Norbert Hansen deckt den handwerklich-technischen Bereich ab und der Physik-Fachleiter Christian Strube (Foto oben) verantwortet den fachlichen und didaktischen Part. „Köpfchen statt Kohle“-Schulen haben die Chance, als erste die Möglichkeiten des Energiezentrums zu nutzen und das Angebot zu testen.

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Grundschule unter den Bäumen beginnt als erste mit der CO2-Dauermessung – Raumklimabericht geplant – Blumenviertel wird neue „Energiemanager“-Schule – Forschungsbericht bestätigt „Köpfchen statt Kohle“-Ansatz

In diesem Winter wollen mehrere „Köpfchen statt Kohle“-Schulen nicht nur Energiesparen, sondern eine Lösung für das Problem der schlechten Raumluftqualität während der Heizperiode finden. Sie haben es dabei mit einem Zielkonflikt zu tun: Um Heizenergie nicht zu verschwenden, sollen die Fenster möglichst geschlossen bleiben. In der warmen Luft steigen die Kohlendioxid-Werte in einer Schulklasse jedoch sehr schnell an und überschreiten die derzeitigen empfohlenen Richtwerte für „gute“ Luft in Innenräume deutlich. 800 bis 1.000 ppm CO2 schlagen die Experten als Obergrenze vor. Wie das untenstehende Messprotokoll der Energiemanager in der Grundschule unter den Bäumen zeigt, werden jedoch 3.000 ppm ohne weiteres erreicht. Bei so hohen CO2-Werten in der Atemluft sinkt erwiesenermaßen die Konzentrationsfähigkeit der Schüler erheblich – wie u.a. der Leitfaden „Besseres Lernen in energieeffizienten Schulen“ feststellt.

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Die Projektgruppe an der Grundschule unter den Bäumen ist die erste, die damit begonnen hat, Datenlogger für die Aufzeichnung der CO2-Werte einzusetzen.

team03Anders als die normalerweise verwendeten Messampeln zeigen diese Geräte nicht nur den aktuellen Messwert zum Ablesen, sondern speichern eine große Menge von Messwerten, die danach am Computer ausgewertet werden können. Die Schüler möchten damit eine wissenschaftlich belastbare Aufnahme der Ist-Situation zur Raumluftqualität machen und die beste Lüftungsstrategie im Unterricht erproben. Unser Foto zeigt das Team der Grundschule unter den Bäumen zusammen mit ihrem Betreuer Martin Biermann (v.l.n.r.: Lennard, Annabell, Martin Biermann, Paul, Dustin, Tilo, Rasmus, Elias).

ortstermin_schulheizung03Die Projektgruppe der Grundschule unter den Bäumen trifft sich jede Woche einmal am Nachmittag im Rahmen des Schülerclubs. Auch mit ihrem Hausmeister Ralf Knoblauch haben sie bereits darüber gesprochen, was sie vorhaben. Sie haben sich von ihm die Heizanlage zeigen lassen und erfahren, dass die Schule momentan mit einem Heizkessel auskommen muss, da der zweite Kessel marode ist und ausgetauscht werden muss. Außerdem haben sie sich nach der Heizungsregelung am Computer erkundigt (siehe Foto), für die die Schüler nach bestandenem Energiemanager-Test selbst Verantwortung übernehmen wollen. Sie bekommen dann einen eigenen Steuerungscomputer mit Zugriff auf die nutzerbezogenen Heizungseinstellungen (Raumtemperatur und Heizzeiten).

Auch mehrere andere „Köpfchen statt Kohle“-Schulen haben inzwischen einen Datenlogger für die Langzeitmessung der CO2-Werte in Klassenräumen erhalten. Nach den Weihnachtsferien beginnen auch sie mit der Aufzeichnung der Messdaten. Alle gesammelten Daten sollen dann zusammen mit den Erfahrungen und Empfehlungen der Schüler in einem „Raumklimabericht“ dokumentiert und der Bezirksverwaltung übergeben werden. Projektleiter Richard Häusler schätzt, dass dieser Bericht schon im April fertiggestellt sein könnte.

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Mit der Grundschule im Blumenviertel steigt jetzt bereits die achte Pankower Grundschule in das „Energiemanager“-Programm ein. Motiviert durch zwei Projektwochen zum Thema Energie, an denen alle vierten bis sechsten Klassen der Blumenviertelschule teilnahmen, werden sich ab Januar einige Schüler wöchentlich im Rahmen einer Lerngruppe auf die Energiemanager-Qualifizierung vorbereiten. Irmtraud Pelzl wird als Lehrkraft für Naturwissenschaft zusammen mit einem Mitarbeiter des „Köpfchen statt Kohle“-Teams die Lerngruppe betreuen. Der Einstieg über eine vorangestellte Energiebildungssequenz hat sich nach Ansicht der Lehrkraft sehr gelohnt. „Die Schüler haben jetzt einen praktischen Begriff von Energiearten und Energieumwandlung, den ich mit meinen unterrichtlichen Möglichkeiten alleine nicht so hätte vermitteln können“, stellt sie fest. Tatsächlich besteht der „Unterricht“ durch „Köpfchen statt Kohle“ überwiegend aus spielerischen Elementen, Experimenten und dem Einsatz von Messgeräten, die eine Grundschule normalerweise nicht im Fundus hat.

mess_gespann01Die Herausforderung, unsere Schulen energieeffizienter zu machen, setzt jedoch solche aktivierenden Lernformen und Beteiligungsmöglichkeiten, wie „Köpfchen statt Kohle“ sie anbieten kann, voraus. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine wissenschaftliche Untersuchung, die im Rahmen der Forschungsinitiative „En.Eff:Schule“ entstanden ist. Die Evaluation der Erfahrungen mit sechs modellhaften Vorhaben der energetischen Sanierung von Schulen in Deutschland ist jetzt auch als Buch erschienen. Ihre Ergebnisse bestätigen den methodischen Ansatz, den der Bezirk Pankow mit „Köpfchen statt Kohle“ gewählt hat, in mehreren wesentlichen Punkten:

  • Energiebildung muss unbedingt in der Grundschule beginnen: „Bei der Betrachtung über alle Schulen“, so heißt es in der Studie, „zeigte sich der Trend, dass das Thema ‚Energiesparen‘ mit zunehmendem Alter an Bedeutung verliert… Dies legt die Schlussfolgerung nahe, das Thema früh in der Schule intensiv zu behandeln, da in den späteren Schuljahren das Interesse daran nachlässt“.
  • Die Schulen und die Lehrer benötigen externe Unterstützung, Hilfestellung und methodische Angebote: „Die Schüler hielten ihren eigenen Beitrag zum Energiesparen an der Schule für hoch. Die Lehrer hingegen glaubten“, so fanden die Wissenschaftler heraus, „dass die Schüler nicht so viel beitragen können“.
  • Technik und Gebäudeautomation funktionieren nie optimal ohne die Einbindung der Nutzer: Die Autoren der Studie stellen fest, „die Gebäudeautomation sollte nicht einfach im Hintergrund des Gebäudes laufen und den Nutzer komplett entmündigen. Vielmehr muss gerade in Bildungsstätten darauf geachtet werden, dass die Technik dazu verwendet werden kann, den Lehrkräften zu ermöglichen, Sachverhalte im Energieverbrauch des Klassenzimmers den Schülern begreifbar machen zu können“.
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Energiemanager stoßen an Grenzen, geben aber nicht auf – Erstmals 100 Grad auf dem Energierad erreicht – Arbeitsbuch für Energieprojekte wird aufgelegt

gruppenbild_neue_energiemanager_homer_bearbeitetSchon die zweite Generation Energiemanager nimmt jetzt an der Homer-Grundschule die Arbeit auf. Unser Foto zeigt acht frischgebackene Energiemanager aus der dritten Jahrgangsstufe, nachdem sie die Theorie-Prüfung bestanden und ihre schwarzen „Dienst“-T-Shirts überreicht bekommen haben. Zwei größere Schüler, die bereits im letzten Schuljahr als Energiemanager tätig waren (Xenia, 6. v. l., und Floyd, rechts außen), haben dem Nachwuchs geholfen, die neue Rolle zu übernehmen. In Zukunft wird diese Gruppe die Verantwortung für eine energieeffiziente Heizungssteuerung in den Klassenräumen tragen.

Alarmstufe_ROT_01Möglich wird dies durch die zentrale Einzelraumsteuerung, die in der Homer-Grundschule wie in über 20 weiteren Schulen des Bezirks Pankow installiert ist. Die Schülerinnen und Schüler passen die Heizzeiten eng an die Stundenpläne an, überwachen die eingestellte Höchsttemperatur, die an sich bei 20 Grad liegen sollte, und entdecken Defekte in der Hardware der Heizungsanlage. Letzteres mussten sie in den letzten Wochen in einem Umfang tun, der ungewöhnlich war. Zu Beginn der Heizperiode stießen die Energiemanager auf eine Vielzahl von Räumen, die sich anscheinend am Computer nicht mehr steuern ließen und viel zu warm waren. 27 Grad den ganzen Tag über war keine Seltenheit – und dies obwohl das Heizungsprogramm meldete, dass alle Ventile an den Heizkörpern im Klassenzimmer geschlossen seien. Weil die Energiemanager damit an Grenzen ihrer Eingriffsmöglichkeiten stießen, verfassten sie einen flammenden Appell unter dem Titel „Alarmstufe ROT“, der an den Schulleiter und die Bezirksverwaltung gerichtet war.

brief_an_die_schulleitung02Auf ähnliche Probleme, nur mit anderem Vorzeichen, waren die Energiemanager in der Schule am Falkplatz gestoßen. Hier waren zahlreiche Räume viel zu kalt, hatten morgens um 8 Uhr erst 17 Grad und erreichten den ganzen Tag die eingestellten 20 Grad gar nicht. Hier fiel den Schülern auch auf, dass in vielen Räumen die Kurve der Erwärmung nach Heizbeginn viel zu flach verlief. Nachdem die Projektgruppe mit der Diagnose „chronische Unterversorgung“, die vom zuständigen Gebäudeelektroniker kam, nicht viel anfangen konnte, schrieben auch sie einen dringlichen Brief an die Schulleitung und Verwaltung, in dem sie ankündigten: „Wenn wir weiter frieren, müssen wir in Schulstreik treten.“

reparatur_beobachtung01Soweit musste es dann aber nicht kommen. Die Bauverwaltung reagierte schnell und beauftragte eine Techniker-Firma, in Zukunft die Energiemanager-Beobachtungen zu überprüfen und dem Bauamt zu sagen, wo Reparaturbedarf besteht. Letzte Woche konnten die Energiemanager der Homer-Grundschule bereits mitverfolgen, wie Ventile überprüft und ausgetauscht wurden – siehe unser Foto. Solche Erfolgserlebnisse motivieren die Schüler, weiter am Ball zu bleiben, denn sie sehen, dass durch ihre Arbeit tatsächlich Probleme gelöst werden.

rekordversuch_energierad16_anfeuernHochmotiviert waren auch die Sechstklässler der Schule am Hohen Feld, die sich unterstützt durch „Köpfchen statt Kohle“ eine ganze Woche lang ausschließlich mit dem Energiethema beschäftigten. Dabei erarbeiteten sie sich systematisch Grundwissen über Energiearten und Energieumwandlung, lernten Energieverbräuche einzuschätzen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz kennen. Damit das alles nicht nur theoretischer Lernstoff bleibt, hatten die Projektbetreuer von „Köpfchen statt Kohle“ zahlreiche Experimente mitgebracht – bis hin zur Wärmebildkamera, mit der die Schüler ihre Schule untersuchten. Den größten Ehrgeiz entwickelten die Sechstklässler jedoch auf dem Energierad, bei dem man richtig körperlich spüren kann, wie viel Energie, also Kraft nötig ist, um Wärme zu erzeugen. Während es den Schülern relativ leicht fiel, Lampen und ein Radio durch Treten auf dem Energierad in Betrieb zu halten, erkannten sie schnell, dass schon die Erwärmung des Wassers im Wasserkocher um wenige Grad an körperliche Grenzen führte. Aber das stachelte die Schülerinnen und Schüler erst recht an. In einem dreiviertelstündigen Rekordversuch wechselten sie sich im Minutentakt auf dem Energierad ab. Und sie schafften es tatsächlich, das Wasser auf 100 Grad zu erwärmen und einige Tassen Tee damit zu servieren. Damit sind die Sechstklässler vom Hohen Feld die ersten, die das bisher bei „Köpfchen statt Kohle“-Veranstaltungen geschafft haben.

arbeiten_mit_dem_workbook03Das Energierad gehört auch deshalb inzwischen zu einem der beliebtesten Instrumente der Energiebildung bei „Köpfchen statt Kohle“, weil es Körper und Geist fordert. Die pädagogischen Projektleiter von „Köpfchen statt Kohle“ suchen gezielt nach solchen Möglichkeiten einer ganzheitlichen, auch praktische Tätigkeiten und Eigeninitiative der Schüler umfassenden Vorgehensweise. Inzwischen haben sie ein über 80 Seiten starkes Arbeitsbuch für „Köpfchen statt Kohle“-Projekte geschrieben, das bei Schülern und Lehrkräften sehr gut ankommt. Jeder Schüler, der in einem „Köpfchen statt Kohle“-Projekt mitarbeitet, bekommt dieses Arbeitsbuch, das alle Themen und Methoden beinhaltet, mit denen die Energieprojekte von „Köpfchen statt Kohle“ arbeiten. Kerstin Wilhelm, die im Rahmen ihres naturwissenschaftlichen Unterrichts an der Trelleborg-Schule mit „Köpfchen statt Kohle“ zusammenarbeitet, fühlt sich mit dem Arbeitsbuch so gut ausgestattet, dass sie jetzt sogar selbstständig eine weitere Klasse damit beschäftigt. Weil das Arbeitsbuch so gut ankommt, hat der Projektbeirat von „Köpfchen statt Kohle“ außerdem beschlossen, es drucken zu lassen, um noch mehr Schulen mit dem „Köpfchen statt Kohle“-Konzept zu erreichen. Voraussichtlich Ende Januar wird es vorliegen.

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CO2-Messung stößt bei Lehrkräften auf Interesse – Lernwerkstatt eröffnet – „Köpfchen statt Kohle“ bald auch in Sachsen-Anhalt?

co2_aussenluft_messung01„Lassen Sie mir doch bitte ein CO2-Messgerät den Winter über hier!“ So verabschiedete uns die Lehrerin Ragnar Binger in der Grundschule am Moselviertel, nachdem wir dort mit einer fünften Klasse an zwei Projekttagen praktische Energiebildung betrieben hatten. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei auch unter Einsatz von Messgeräten selbst herausgefunden, wie viel Kohlendioxid in der Außenluft ist (siehe unser Foto) und wie viel sich im Klassenraum während des Unterrichts ansammelt. Nicht nur für die Schüler ist es immer wieder eine große Überraschung, wie schnell die Luft schlecht wird, wenn geheizt wird und gut 20 Schulkinder in der Klasse dem Unterricht folgen. Die Messampel klettert dann meistens schon nach einer Viertelstunde in den gelben und vor Ablauf einer Unterrichtsstunde in den roten Bereich.

Ab 1.000 ppm, das liegt im gelben Bereich, sollte bereits gelüftet werden, um gute Lernbedingungen zu haben – eine Herausforderung, die auch für die Lehrkräfte motivierend ist. So wie Ragnar Binger nutzen inzwischen viele Lehrkräfte an „Köpfchen statt Kohle“-Schulen die Messtechnik, um im Zielkonflikt zwischen angenehmen Temperaturen und niedrigen CO2-Werten ein praktikables Optimum zu finden.

stiftemappe_des_energiemanagers01aIn allen Schulen, in denen junge „Energiemanager“ unterwegs sind, die selbst die Heizungssteuerung übernehmen, gehört die CO2-Messung ab diesem Schuljahr quasi zum Pflichtprogramm. Tobias Berger, der als Lehrer die Energiemanager-Gruppe an der Homer-Grundschule begleitet, hat unter allen seinen Kollegen eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, wie viele CO2-Messgeräte in den nächsten Wochen benötigt werden, um optimales, die Luftqualität verbesserndes und Energieverschwendung vermeidendes Lüftungsverhalten zu trainieren. Denn in vielen Schulen versucht man das Problem immer noch mit dauerhaft gekippten Fenstern zu lösen. Mit der CO2-Ampel erkennen die Schüler, dass der Effekt, der dadurch für eine Luftverbesserung erzielt wird, meist sehr gering ist. Die verschiedensten Messgeräte gehören inzwischen ja zur Grundausstattung der Schüler, die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitarbeiten, so dass man die jungen Energiemanager manchmal auch schon an ihrer Stiftemappe erkennt (siehe Bild oben). Messgeräte prägen das Arbeitsfeld in den Grundschulen, die intensiv bei „Köpfchen statt Kohle“ mitarbeiten.

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Gleich vier Pankower Grundschulen steigen in diesen Tagen neu in die Ausbildung von Energiemanagern ein:

  • Die Grundschule unter den Bäumen, wo acht Schüler sich im nachmittäglichen Hortprogramm des Schülerclubs zusammenfinden, um gemeinsam mit ihrem Erzieher Martin Biermann aktiv zu werden
  • gruppenbild01Die Grundschule am Wasserturm, in der sich 12 Kinder jeden Mittwochvormittag für zwei Stunden treffen, um Energiemanager zu werden; u.a. anderem werden sie von Andreas Stein unterstützt, der sich gut mit den Computern auskennt, die die Schüler für ihre Arbeit einsetzen werden
  • Die Trelleborg-Schule startet mit dem Projekt im naturwissenschaftlichen Unterricht, um daraus dann eine kleine Gruppe von Energieaktivisten zu gewinnen, die sich ebenfalls jede Woche trifft
  • Die Grundschule an der Marie, wo ebenfalls 12 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Klassen jeden Donnerstagmorgen zwei Stunden im Projekt arbeiten werden; unser Bild unten zeigt zwei der Schüler bei Übungen mit dem Infrarot-Messgerät zur Temperaturmessung.

Zusammen mit den drei Schulen, die bereits seit dem letzten Jahr dauerhafte Schülerprojekte haben, in denen Energiemanager aus den Klassen 3 bis 6 ausgebildet und eingesetzt werden, sind gut hundert Schüler bereits im Dauereinsatz an Pankower Schulen, um im Winter die Energielecks ihrer Schulen zu stopfen und alle Klassen an einem Energiemanagement zu beteiligen, das geeignet ist, die Energieeffizienz in den Schulgebäuden merklich zu verbessern und damit einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Die drei Vorreiter-Schulen haben durchaus unterschiedliche Wege beschritten, um ihrer neuen Aufgabe gerecht zu werden. Für die Projektleiter von „Köpfchen statt Kohle“ ist dies die Bestätigung dafür, dass man nicht nach Schema F vorgehen kann, sondern die besonderen Bedingungen jeder einzelnen Schule berücksichtigen muss. Das sind die Kurzporträts der drei „Pionier“-Schulen, die alle mit ihrem Stil erfolgreich sind:

viel_zu_organisieren_02Schule am Falkplatz – die Organisationssystematiker. Die Schule hat eine lange Tradition als „Umweltschule“. Durch „Köpfchen statt Kohle“ wird die Arbeit der Lehrerin Ingrid Temme jetzt seit nunmehr drei Jahren unterstützt. Die Projekte sind dadurch ehrgeiziger geworden, sie profitieren aber von der Erfahrung, die Ingrid Temme mitbringt, um mit einem kleinen Zeitbudget Schüleraktivitäten zu organisieren. Die im Energieprojekt aktiven Schüler treffen sich einmal pro Woche zwischen 7 und 8 Uhr morgens vor dem Unterricht. Ohne Organisationsdisziplin ginge es nicht. Die Bereitschaft von einem Dutzend Fünft- und Sechstklässlern, das ganze Jahr hindurch so früh aufzustehen, zeigt, dass die Disziplin hier nicht von „oben“ kommt, sondern aus den Schülern selbst heraus entsteht.

mach_mit_02Grundschule am Kollwitzplatz – die kommunikativen Kreativen. An dieser Schule haben Mitsprache und Selbstständigkeit der Schüler besonders großes Gewicht, auf Diskussionskultur wird Wert gelegt. Dementsprechend sind kommunikative Fähigkeiten und die Kreativität der Schüler besonders ausgeprägt. Auch Hausmeister Lutz Domann ist hier in die Schülerprojekte intensiv mit eingebunden. Die Schüler der Energie-Projektgruppe haben ihn deshalb längst zum „Klimameister“ ernannt. Wie keine andere „Köpfchen statt Kohle“-Schule übernehmen es hier die Schülerinnen und Schüler selbst, ihre Arbeit Schüler, Lehrern und Eltern, aber auch Politikern und Vertretern der Bezirksverwaltung zu erklären und mit Erwachsenen zu diskutieren. Sie nutzen ganz selbstverständlich Powerpoint für Präsentationen und machen auch mal einen Videofilm zum Thema Energie und Klima.

Homer-Grundschule – die Ergebnisorientierten. Hier wurde das Energiemanager-Projekt ein ganzes Schuljahr lang ausschließlich extern betreut, bevor mit diesem Schuljahr ein junger Sachkunde-Lehrer, Tobias Berger,  in die Betreuung der Gruppe mit eingestiegen ist. Vielleicht liegt es auch an der Entstehungsphase des Schülerprojekts, dass Ergebnisse für alle die zentrale Rolle spielen. „Ich mache mit, weil ich hier einmal etwas Wichtiges in der Schule selbst steuern kann“, begründete ein Schüler seine Motivation. Um dafür Anerkennung in der Schule und bei Schulleiter Uwe Blachnik zu finden, war es von Anfang an nötig, dass Ergebnisse gezeigt werden konnten. Diese Einstellung hat sich erhalten und wird von Tobias Berger weiter unterstützt (siehe Foto unten).

arbeit_am_computer

poster_headInzwischen erzeugt das „Energiemanager“-Konzept von „Köpfchen statt Kohle“ auch außerhalb Pankows immer mehr Echo. Als vor kurzem die neu gegründete Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt (LENA) mit einer zweitägigen Veranstaltung im Umweltbundesamt in Dessau auf sich aufmerksam machen wollte, war auch Richard Häusler eingeladen, einen Vortrag über „Köpfchen statt Kohle“ zu halten. Eine sechsteilige Posterausstellung, die Schüler der Homer-Grundschule im letzten Jahr über ihre Arbeit als Energiemanager mitgestaltet hatten, wurde während der Tagung im Ausstellungsbereich gezeigt. Beim Rundgang erkundigte sich Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn ausführlich am „Köpfchen statt Kohle“-Stand und demnächst ist eine Delegation der LENA in Berlin, um sich nach Möglichkeiten zu erkundigen, „Köpfchen statt Kohle“ auch in Sachsen-Anhalt zu verankern. Der Dessauer Vortrag von Richard Häusler kann hier im Internet heruntergeladen werden.

modellbauer01a„Das Thema Energiesparen ist in Pankow mittlerweile fest verankert, auch durch die Lernwerkstatt. Hier wird es nicht nur pädagogisch vermittelt, sondern gleich in die Praxis umgesetzt.“ So sprach die Pankower Bezirksstadträtin für die Schulen, Lioba Zürn-Kasztantowicz, anlässlich der offiziellen Eröffnung der Energie-Lernwerkstatt in der Karower Robert Havemann-Schule. Ohne „Köpfchen statt Kohle“ wäre die Idee, aus den freiwerdenden Arbeitslehre-Räumen des Gymnasiums eine zentrale Modellbau- und Lernwerkstatt zum Thema Energie für alle Pankower Schulen zu machen, wahrscheinlich nicht umgesetzt worden. Deshalb lag es nahe, die Eröffnung mit dem ersten Projekt zu verbinden, das eine fünfte Klasse der nahegelegenen Schule am Hohen Feld für zwei Tage in die Lernwerkstatt brachte, wo die Schüler  Modelle für solare Energieerzeugung bauen wollten. Unter Leitung von Werkstattchef Norbert Hansen lernten die Schüler dabei nicht nur den Unterschied zwischen einem Sonnenkollektor und einer Solarzelle, sondern erwarben gleichzeitig praktische Fertigkeiten in Holzbearbeitung, Konstruktion und Energietechnik. Für die Ausstattung der Lernwerkstatt mit Modellen hat sich vor allem der Fachleiter Physik des Gymnasiums, Christian Strube, verdient gemacht, der 12.000 Euro an privaten Spenden und 5.000 Euro vom Schulamt eingeworben hat. Der Aufbau der Experimentierstationen beginnt noch vor Weihnachten. Unser Foto zeigt Werkstattleiter Norbert Hansen mit zwei Schülern und ihrem Solarmodell.

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Energiemanager stehen vor Heizungs-Marathon – Rat für Nachhaltige Entwicklung hat Fragen an „Köpfchen statt Kohle“

kippfenster02An sich ist es schon eine Menge Arbeit, die Heizzeiten aller Klassenräume an den tatsächlichen Stundenplan anzupassen. Doch auf die Energiemanager der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen kommen noch viel mehr Aufgaben zu. Obwohl die bisherigen milden Außentemperaturen den Problemdruck noch gering halten, stoßen die jungen Heizungsfachleute bei ihren Überprüfungen in zahlreichen Klassenräumen auf Ungereimtheiten, die sie aufklären müssen. Ein Beispiel: Da gibt es in der Grundschule am Kollwitzplatz einen Raum, der ständig mindestens  22 Grad warm ist, Tag und Nacht – und das, obwohl zwei Kippfenster ebenfalls ständig offenstehen (siehe Foto).

brief_an_schoof_01Der Diagrammausdruck des Heizungsprogramms besagt, dass angeblich die Heizungsventile ständig geschlossen sind. Da kann etwas nicht stimmen! Die Energiemanager benutzen den Ausdruck des Diagramms, um darauf ihre Beobachtungen und Fragen gleich direkt an den Ingenieur zu schicken, der für die Heizungssteuerung in ihrer Schule verantwortlich ist (siehe Bilder oben und unten).

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Peter Schoof reagiert sofort, hat aber nicht gleich eine Lösung. Er schreibt den Energiemanagern eine Mail: „Ich werde erst mal vorbeischauen und dann antworten.“ Zwei Tage später wird die Auskunft dann konkreter: „In diesem Raum gab es zwei Probleme: 1. Das Ventil hing in verschiedenen Positionen durch Kalkrückstände fest. Ein Tropfen Spezialöl und Bewegung hat das Problem behoben. 2. Der Ventilantrieb hatte nur noch die Hälfte der geforderten Schließkraft und musste ausgewechselt werden. Ich bitte noch um eine Rückmeldung, ob diese Maßnahmen erfolgreich waren.“

raumkontrolle02Das lassen sich die Schüler natürlich nicht zweimal sagen. Bei ihrem nächsten Treffen früh morgens zwischen sieben und acht Uhr besuchen sie auch diesen Klassenraum noch einmal und messen die Temperatur der Heizung und der Luft (siehe Foto oben). Tatsächlich ist der Heizkörper jetzt kalt. Dass immer noch die Kippfenster dauerhaft offenstehen, wollen sie im Auge behalten. Solange es noch so untypisch warm draußen ist, ist das ja kein Problem. Aber sobald es kälter wird, wollen die Schüler erneut die Heizkurven am Computer überprüfen und auch das Klassenzimmer inspizieren. Nicht nur Peter Schoof wird dann eine Nachricht bekommen, sondern auch die Schüler und die Lehrkraft von Raum 207.

luftthermometer01aWeil das nur ein Einzelfall von sehr vielen ist, kann man sich leicht vorstellen, auf welchen Heizungs-Marathon sich die Schülerinnen und Schüler, die als Energiemanager unterwegs sind, einstellen müssen. Was sie motiviert, ist zum einen die Tatsache, dass sie tatsächlich Verbesserungen erreichen. Außerdem bekommen sie immer wieder ein positives, interessiertes Echo von den Mitschülern und den Lehrkräften. Wie zum Beispiel die Schüler der Homer-Grundschule, die in alle Klassen gegangen sind, um zu erfahren, welche Wohlfühltemperatur die einzelnen Klassen haben wollen. Am anderen Tag fanden sie nämlich einen Zettel einer Lehrerein im Fach ihres Betreuungslehrers, auf dem stand: „Meine Schüler können keine hilfreiche und sichere Angabe zur angenehmen Raumtemperatur machen, da wir noch nie die Zimmertemperatur gemessen haben und keine Vorstellung von 17-22 Grad haben!“ Dem kann abgeholfen werden. Die Klasse bekommt von den Energiemanagern ein digitales Luftthermometer, um selbst herauszufinden, welche Temperaturen im Raum herrschen und bei welcher Gradzahl sich alle am wohlsten fühlen.

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Die Aktivitäten der Energiemanager haben nicht selten auch indirekte Auswirkungen auf den Energieverbrauch. Einfach weil das Thema ständig in der Schule präsent ist. So kam jetzt der Hausmeister der Grundschule am Kollwitzplatz auf die Idee, den zuständigen Ingenieur einmal zu fragen, ob man nicht das Schulgebäude und das Horthaus heizungstechnisch trennen könne. Denn während in den Schulferien die Schule auf Frostschutzbetrieb geschaltet werden kann, wird das Horthaus auch in den Ferien genutzt und muss entsprechend  beheizt werden. Und siehe da: Es geht! Hausmeister Lutz Domann war ein bisschen stolz, als er die Energiemanager über diese erfolgreiche Sparmaßnahme informieren konnte. Unser Foto zeigt ihn in natura und – auf dem Infomonitor der Energiemanager – als „Superman“, zu dem die Energiemanager ihn für sein Engagement ernannt haben.

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gefilmt_werden01Auch der Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung ist jetzt auf „Köpfchen statt Kohle“ aufmerksam geworden. Für einen Trailer-Film zum Thema „Nachhaltigkeit“ schickte er ein Filmteam in die Grundschule am Kollwitzplatz, um den jungen Energiemanagern über die Schulter zu schauen und Hausmeister Lutz Domann sowie Projektleiter Richard Häusler zu interviewen. Hier die Fragen des Rates und die Antworten von „Köpfchen statt Kohle“:

Was ist die Idee hinter dem Projekt?
Schüler übernehmen selbst die Heizungssteuerung an ihrer Schule. Und damit die Verantwortung für ihre Energie- und Klimabilanz.

Wie kam es zu der Idee?
Für den Bezirk Pankow suchten wir  – im Auftrag von Schul- und Bauamt – nach neuen, erfolgreicheren Methoden, um die Gebäudenutzer in den Schulen – also Schüler und Lehrer – beim Energiesparen zu unterstützen.

Was wird durch das Projekt verändert?
Zunächst einmal die Heizzeiten und die Höchsttemperaturen in den Klassenzimmern im Winter. Die Zeiten werden konsequent an den Stundenplan angepasst. Und es wird versucht, mit 20 Grad ein angenehmes Raumklima zu schaffen. Damit reduziert das Projekt die Energieverschwendung. Es verändert aber vor allem die Einstellung von Schülern und Lehrkräften. Sie lernen, dass sie einen technisch-organisatorischen Komplex wirklich selbst beeinflussen und steuern können.

Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ für Sie?
Nachhaltigkeit ist ja eigentlich ein ungeheuer dehnbares Plastikwort. Wir brauchen es in unserem Projekt faktisch nicht. Weder die Schüler noch die Lehrer reden von Nachhaltigkeit – obwohl sie es ja tun. Der Begriff ist in der Praxis unwichtig. Man braucht ihn manchmal nur in der Politik und den Medien, als Kürzel.

Warum wird das Projekt langfristig wirken?
Weil es von immer mehr Schulen übernommen wird. Letztes Jahr waren es drei Schulen. In diesem Jahr kommen mindestens sechs dazu. Und wenn eine Schule einmal mit der Ausbildung und dem Einsatz von Energiemanagern angefangen hat, wird sie dabei bleiben. Denn die Schüler wissen, dass es eine Daueraufgabe ist.

Warum macht Sie das Projekt stolz?
Weil wir das Schul- und vor allem das Bauamt davon überzeugen konnten, dass Schüler wirklich die Verantwortung für die Heizungssteuerung übernehmen können. Und damit die Möglichkeiten, die diese zentralen Steuerungen bieten, erst wirklich ausgeschöpft werden.

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Vor dem heißen Herbst noch schnell in die Eisfabrik – Junge Energiemanager bald in noch mehr Pankower Grundschulen – Klima & Co-Wettbewerb ermutigt besonders die Berliner Grundschulen

gruppenbild_schriftzug_florida_eisDer Geschäftsführer selbst und eine Lebensmittel-Expertin nahmen sich Zeit für 14 Schülerinnen und Schüler, die als „Köpfchen statt Kohle“-Energiemanager von der Berliner Eis-Manufaktur Florida Eis zu einer Betriebsbesichtigung nach Spandau eingeladen worden waren. Der energiebewusste Nachwuchs wollte sich die Eisfabrik genauer anschauen, die damit wirbt, klimaneutral zu produzieren. „Woher kommt denn die Energie, die für die Eisproduktion nötig ist?“, wollten die Fünft- und Sechstklässler der Falkplatz- und der Kollwitzplatz-Schule wissen. „Alles Ökostrom und ein Teil davon durch die Solarzellen auf unserem Dach selbst produziert“, gab Geschäftsführer Olaf Höhn Auskunft.

eisessender_beaobachter03aDas fanden die jungen Energiefreaks aber gar nicht so spannend. Beeindruckt waren sie dagegen von der Vielzahl der weiteren technologischen Möglichkeiten, die Florida Eis nutzt, um besonders umweltfreundlich und energieeffizient zu produzieren. Staunend erfuhren die Schüler, dass für die Schockfrostung der Eismasse gar kein Strom gebraucht wird, sondern nur flüssiger Stickstoff. Ihre Eistruhen betreibt die Manufaktur mit Propangas, um umweltschädliche Kühlmittel zu vermeiden. Die Tiefkühllaster, die das Eis zum Kunden bringen, kommen ohne zusätzliche Kühlkompressoren aus, mit der Kälteaufladung kommen sie einen ganzen Tag lang aus.

Am beeindruckendsten war es für die jungen Besucher aber offensichtlich, sich zum Schluss der Führung die Lieblings-Eissorten direkt aus der Eismaschine zapfen zu lassen. Die Betriebsbesichtigung war ja auch eine Belohnung für das Engagement der Energiemanager, die in ihren Schulen die Verantwortung für Energieeinsparung und Klimaschutz übernommen haben. Neben den beiden genannten Schulen hat auch die Homer-Grundschule bereits im letzten Jahr Energiemanager in den Klassen 3 bis 6 qualifiziert und eingesetzt. Auch die Homer-Schüler durften einen Besuch in der Eismanufaktur machen, um sich auf den kommenden „heißen Herbst“ vorzubereiten. Unser Bild unten zeigt die Eisfabrik-Besucher zu Beginn ihrer Tour – ausstaffiert mit vollem Hygieneschutz.

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Denn in den drei Grundschulen soll in diesem Winter systematisch jeder Klassenraum von den Energiemanagern untersucht und hinsichtlich der Einstellungen im zentralen Heizungscomputer optimiert werden. Außerdem wollen die Energiemanager auch die Raumluft kontrollieren und in den Klassen mit Hilfe von CO2-Ampeln für ein effektives Lüften sorgen. Für die Energiemanager ist es wichtig, zu wissen, wann in den Klassen Lüftungspausen stattfinden. Wenn z.B. während der großen Hofpausen auch einmal für 10-15 Minuten durchgelüftet wird, sollte die Heizung aus sein. Das können die Energiemanager am zentralen Steuerungscomputer, auf den sie Zugriff haben, für jeden Klassenraum einzeln einstellen.

Die drei Grundschulen sind bereits jetzt Vorbild für weitere Pankower Schulen, die in diesem Schuljahr damit beginnen wollen, ebenfalls Energiemanager auszubilden und ihnen die Verantwortung für die Heizenergiebilanz der Schule zu übertragen. Das sind die „Nachahmer“, die aus der innovativen Idee eine breite Bewegung machen könnten:

  • Grundschule an der Marie
  • Grundschule am Wasserturm
  • Trelleborg-Schule
  • Grundschule unter den Bäumen
  • Paul-Lincke-Grundschule
  • Grundschule im Blumenviertel
  • Klecks-Grundschule.

begutachtung_bildschirm01Der Know-How-Transfer von den Schulen, die bereits Erfahrungen mit dem Energiemanager-Einsatz gesammelt haben, zu den neu hinzukommenden, erfolgt zum Teil sogar durch die Schüler selbst. Angehende Energiemanager der neuen Schulen gehen dazu für ein paar Stunden in eine der drei Vorreiter-Schulen und lassen sich dort von den Schülern das Projekt erklären. Das ist auch deshalb günstig, weil in diesen Schulen bereits die Infrastruktur vorhanden ist, mit der die Energiemanager auf die Heizungssteuerung zugreifen oder ihre Arbeitsergebnisse auf einem großen Monitor im Schulhaus publizieren (siehe Foto). So können die Neulinge z.B. gleich am Computer und damit live nachvollziehen, wie groß der Anteil an Heizzeiten ist, den man allein dadurch einspart, dass die Zeiten an den tatsächlichen Stundenplan angepasst werden.

Normalerweise wird in den Schulen nämlich jeder Raum zwischen 5, 6 oder 7 Uhr morgens und 14, 15 oder 16 Uhr nachmittags durchgeheizt. Niemand achtet bisher darauf, wann der Unterricht tatsächlich beginnt oder wann die Schüler in der Turnhalle oder in Fachräumen sind. Auch analysiert niemand, wie lange es braucht, bis der Raum nach Heizende sich wirklich abkühlt. Oft können auch dadurch schon pro Woche mehrere Stunden Heizzeit in jeder Klasse eingespart werden. Außerdem sollen in den größeren Pausen, wenn gelüftet wird, ebenfalls die Heizungsventile automatisch geschlossen werden. Alle diese Anpassungen der Heizungssteuerung an das reale Leben in der Schule können nur durch die Schüler selbst erfolgen, kein Hausmeister und kein Schulleiter haben dafür Zeit. Zusätzlich entdecken die Schüler mit Messgeräten auch defekte Ventile und Temperaturfühler und vermitteln den Mitschülern und Lehrkräften effektive Lüftungstechniken.

Am Beispiel der beiden folgenden Bilder aus der Arbeit der Energiemanager in der Schule am Falkplatz sieht man sehr deutlich, worin der Unterschied zwischen der üblichen Standardeinstellung der Heizzeiten (erstes Bild) und der Anpassung an die tatsächliche Raumnutzung (zweites Bild) besteht.

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Für die neu hinzukommenden Schulen gibt es aus organisatorischer Sicht drei verschiedene Wege, um Energiemanager-Schule zu werden:

  • die Gründung von freiwilligen Arbeitsgemeinschaften oder Projektgruppen, die sich am Nachmittag oder sogar morgens noch vor dem Unterrichtsbeginn treffen
  • die Nutzung des Wahlpflicht- oder Schwerpunktunterrichts, um Energiethemen zu behandeln
  • den Einstieg über eine Projektphase im naturwissenschaftlichen Unterricht, aus dem heraus sich dann eine der beiden erstgenannten Varianten herausentwickelt.

In jedem Fall werden die Schülergruppen durch Mitarbeiter des externen Dienstleisters (stratum) betreut. Idealerweise steht jedoch auch eine Lehrkraft zur Verfügung, die die Projektgruppe zusätzlich unterstützt. Das Ausmaß des Lehrerengagements ist jedoch variabel. Sogar wenn Schulen sich mit ihren Energieprojekten an Wettbewerben beteiligen, übernimmt stratum den Teil des Aufwandes, den eine Lehrkraft nicht selbst leisten kann. Dass dieses Modell sehr erfolgreich ist, bewies die Grundschule am Kollwitzplatz, die mit ihrer „Köpfchen statt Kohle“-Schülergruppe unter Leitung ihres Lehrers Michael Temme und betreut durch stratum letztes Jahr als erste Grundschule seit Bestehen des Wettbewerbes einen mit 10.000 Euro dotierten Preis bei „Klima & Co“ gewonnen hat.

zeitbild_schulveranstaltung_130829_03Das war für den Veranstalter, den Energiekonzern BP und den Zeitbild Verlag, auch Anlass, im Vorfeld der neuen Wettbewerbsperiode mit einer Veranstaltung in der Grundschule am Kollwitzplatz für die Teilnahme zu werben. Zusammen mit Michael Temme, Schulhausmeister Lutz Domann und Zeitbild-Mitarbeiter Frederic Markus ermutigte Brigitta Wortmann von BP Europa SE dabei besonders die Berliner Grundschulen zur Einreichung von Konzeptideen für Energiesparen und Klimaschutz an der Schule. Weil in Berlin die Grundschulen bis zur sechsten Klasse gehen, können sie an dem Wettbewerb teilnehmen, der erst für Schüler ab der fünften Klasse geeignet ist. In vielen anderen Bundesländern endet die Grundschule bereits mit Klasse 4. Einreichungsschluss für den neuen „Klima & Co“-Wettbewerb ist der 3. Dezember 2013. Unser Foto zeigt von links nach rechts: Frederic Markus, Brigitta Wortmann, Lutz Domann und Michael Temme.

2013_01_webSchulen, die sich für den Wettbewerb interessieren, können beim Zeitbild Verlag das Buch zum Wettbewerb kostenlos bestellen (Fon 030.32001933, E-Mail frederic.markus@zeitbild.de). Darin sind u.a. die Siegerkonzepte des letzten Wettbewerbs als Anregung dokumentiert. Das Besondere an „Klima & Co“ ist, dass man keine durchgeführten Projekte und Ergebnisse vorweisen muss, sondern „nur“ überzeugende und begründete Ideen, was man an der Schule gerne für den Klimaschutz tun möchte, wenn man einen Betrag zwischen 10.000 und 50.000 Euro dafür zur Verfügung hätte. Die Grundschule am Kollwitzplatz z.B. hat mit der Idee, Schüler als Energiemanager zu qualifizieren und einzusetzen, einen Preis gewonnen, der dann für die Umsetzung dieser Idee verwendet werden konnte.

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