Weißrussische Schuldelegation studiert „Köpfchen statt Kohle“ – Wie Hausmeister und Schüler zusammenarbeiten – Raumluft-Monitoring bringt erste Ergebnisse

solarexperimente02Aus dem weißrussischen Minsk besuchte eine fünfköpfige Schuldelegation „Köpfchen statt Kohle“, um sich über das Energiemanagement in Schulen zu informieren. Im „EnergieZentrumPankow“ in der Havemann-Schule ließen sich die stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums Nr. 19 in Minsk und ihre Kolleginnen von Schülern zeigen, wie sich die jungen Menschen unsere Energie-Zukunft vorstellen. Klar, dass dabei Solarenergie und erneuerbare Ressourcen im Vordergrund standen. Dennoch ist „Köpfchen statt Kohle“ kein Projekt, das die Energiewende in erster Linie durch Werbung für alternative Energiequellen unterstützen will, wie der Vertreter des Pankower Hochbauamts, Jürgen Bornschein, schon bei der Begrüßung der weißrussischen Gäste betonte. Man wolle vielmehr die Energieeffizienz erhöhen und Energieverschwendung bekämpfen. Deshalb werden derzeit in bis zu elf Pankower Grundschulen junge „Energiemanager“ ausgebildet, die systematisch Einsparpotenziale entdecken, indem sie sich mit der zentralen Einzelraumsteuerung ihrer Schule auseinandersetzen und laufend Verbesserungsvorschläge machen.

energiemanager_ehrenhalber01Die zweite Station führte die Kolleginnen aus Minsk deshalb in die Homer-Grundschule, wo sie die Arbeit der Energiemanager in der Praxis beobachten konnten. Auch hier waren es die Schüler selbst, die erklärten, was sie vorhaben und wie sie ihre Projekte organisieren. Beeindruckt waren die Besucher aus Weißrussland von der Selbstständigkeit, mit der die Dritt- bis Sechstklässler agieren. Während einige am Computer Diagramme des Heizungsprogramms auswerten und nach Problemen und Verbesserungsmöglichkeiten suchen, schwärmen andere aus und messen die Temperaturen in den Schulhausfluren an vorher festgelegten Messstellen. Danach vergleichen sie die Werte der letzten Wochen und sprechen darüber, wie man den „Zielkorridor“ von 17-18 Grad Celsius auf allen Fluren erreichen könnte. Wieder andere „Energiemanager“, die man auch an ihren schwarzen „Dienst-T-Shirts“ erkennt, untersuchen mit der Wärmebildkamera vermutete Wärmelecks an Fensterrahmen. Und dazwischen findet sich auch Zeit, mit den Gästen aus Weißrussland zu reden, Fragen zu beantworten und selbst Fragen zu stellen. Dabei wird deutlich, dass es offenbar in Pankow und in Minsk ein gemeinsames Interesse gibt, schon in der Schule Kompetenzen für den Umgang mit Energie zu fördern und das nicht nur theoretisch, sondern mit Praxisbezug zur Schulwirklichkeit. Am Ende erklären die Homer-Schüler ob solcher Gemeinsamkeit die Damen der Delegation zu „Energiemanagern ehrenhalber“ und behängen sie mit dem Energiemanager-Schlüsselanhänger, der neben dem T-Shirt (das es jedoch nicht in Erwachsenengrößen gibt) zu den offiziellen Insignien eines „Köpfchen statt Kohle“-Energiemanagers gehört (siehe Foto oben). Das Bild unten zeigt das offizielle Besuchsfoto der Delegation, das in der Robert Havemann-Schule aufgenommen wurde (re: Gastgeber und Schulleiter Thomas Josiger). Über den Besuch aus Weißrussland berichtete auch das Berliner Abendblatt.

gruppenbild_delegation

brief_an_den_hausmeister05Ebenfalls die Homer-Grundschule war Schauplatz eines „Köpfchen statt Kohle“-Hausmeister-Workshops. „Einzelraumsteuerung in der Praxis“ lautete das Thema, für das sich acht Hausmeister von Pankower Schulen interessierten, die technisch auf dem Stand sind, die Heizung der ganzen Schule und für jeden Raum separat vom Computer aus steuern zu können. Seit „Köpfchen statt Kohle“ in solchen Schulen aktiv ist, haben die Hausmeister dabei die Unterstützung der Schüler, die sich als Energiemanager qualifiziert haben. Aber betrachten die Hausmeister das wirklich als Hilfe? Diese Frage interessierte insbesondere auch die Hausmeister der Schulen, die noch nicht bei „Köpfchen statt Kohle“ dabei sind. Andreas Sieber (Homer-Grundschule) und Hans-Jürgen Hoeltke (Grundschule an der Marie) bestätigten die gute Zusammenarbeit mit den jungen Energiemanagern. Während an der Homer-Grundschule die Energiemanager über einen eigenen Rechnerzugang zur Heizung verfügen, sind die Schüler der Grundschule an der Marie noch darauf angewiesen, mal an den Hausmeister-Rechner gehen zu können bzw. dem Hausmeister ihre Verbesserungsvorschläge zur Umsetzung schriftlich zu übermitteln (siehe Foto oben).

heizung_und_ventile01Nicht die Abstimmung mit den Energiemanagern scheint für die Hausmeister problematisch zu sein, sondern die Frage, wie sie mit technischen Mängeln und Defekten in der Heizanlage umgehen. Die Zahl defekter Ventile und „verdächtiger“ Räume, in denen die Heizkörper nicht das tun, was man ihnen per Computersteuerung vorschreiben möchte, sind ein Thema, das die Schüler und die Hausmeister zusammenbringt. Um diese Probleme, die meist auf der Hardware- und nicht auf der Regelungsebene liegen, künftig schneller und durchgreifender zu lösen, hat der Bezirk Pankow ein Ingenieurbüro beauftragt, auf die Befunde der Energiemanager zu reagieren und die beteiligten Schulen nach und nach gründlich unter die Lupe zu nehmen. „Erst wenn die Technik im Hintergrund verlässlich funktioniert und der Reparaturbedarf abgearbeitet ist“, stellt Projektleiter Richard Häusler fest, können die Energiemanager richtig wirksam werden. Möglicherweise müsse davor in den Schulen auch ein hydraulischer Abgleich gemacht werden, stellte Sabine Buschke vom beauftragten Ingenieurbüro fest. Was sich die Hausmeister außerdem wünschen, ist eine systematische Einführung in die Heizungssteuerung. „Sonst wissen die Schüler bald besser Bescheid als wir“, verlautete aus der Runde. Unser Bild unten zeigt alle Mitwirkenden des Hausmeister-Workshops. In der Mitte die Personalvorgesetzte der Pankower Schulhausmeister, Claudia Tiedemann, die versprach, den Wunsch nach besserer Qualifizierung in die Verwaltung zu tragen.

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Bei „Köpfchen statt Kohle“ sollen ab dem nächsten Schuljahr mindestens 11 Schulen Energiemanager qualifizieren und einsetzen. In drei Schulen arbeitet bereits die zweite Generation der Energiemanager, hier geben die Älteren ihr Wissen an die Jüngeren erfolgreich weiter. In sechs Schulen hat die Energiemanager-Qualifizierung in diesem Schuljahr begonnen, zwei Schulen starten gleich mit dem neuen Schuljahr. Ging man zunächst davon aus, dass die Energiemanager aus den fünften und sechsten Klassen kommen sollten, sind inzwischen auch Dritt- und Viertklässler erfolgreich mit dabei. Tobias Berger, der als Lehrer die Gruppe an der Homer-Grundschule betreut, stellt fest, dass die Neunjährigen „sowohl mental als auch praktisch in der Lage sind, die Aufgabe zu verstehen und eigenständig daran zu arbeiten“.

3_generationen_energiemanager

Hier ein paar Streiflichter aus anderen „Energiemanager“-Schulen:

heizung_einstellen02In der Grundschule am Wasserturm wartet das Dutzend Schüler, das sich im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts mit dem Energiesparen beschäftigt, zwar noch auf den eigenen Steuerungs-PC, aber der Hausmeister stellt seinen Zugang jeden Mittwoch zur Verfügung, damit die Schüler selbstständig Daten analysieren und Verbesserungsvorschläge umsetzen können. An dieser Schule betreut das Projektteam von „Köpfchen statt Kohle“ die Gruppe noch ohne zusätzliche Lehrer-Unterstützung. Für die Schüler ist der etwas andere Stil, den „Externen“ mitbringen, eine reizvolle Abwechslung zum Schulunterricht.

energiemanager_schluesselband01In der Grundschule an der Marie hat die erste Generation der Energiemanager die Theorieprüfung bereits hinter sich. Das Schlüsselband mit dem „Energiemanager“-Schriftzug verbindet sie. Dem Hausmeister übergeben sie immer wieder Briefe mit ihren Vorstellungen für energiesparende Heizungseinstellungen am Computer. „Wir freuen uns aber sehr auf unseren eigenen Energiemanager“-Arbeitsplatz, sagen die Schüler, die sich jeden Donnerstag in den ersten beiden Schulstunden zu ihrem Projekt treffen.

energiemanager_brief01Auch in der Blumenviertel-Grundschule profitieren die Energiemanager von der Bereitschaft des Hausmeisters, seinen Computerplatz jeden Mittwochnachmittag für die Energiemanager zu räumen. Die Schüler informieren die Klassenlehrer, in deren Klassenräumen sie Änderungen an den Heizungseinstellungen vornehmen, per Brief: „Lieber Herr Ahrens, wie Sie oben auf der Skizze sehen, haben wir die Einstellungen für die Raumtemperatur entsprechend des Stundenplans verändert. Falls Beschwerden kommen, können sie sich an Tyler wenden. Ihre Energiemanager“.

funktionsbild_heizung01In der Trelleborg-Schule wurde das Energiemanager-Projekt im naturwissenschaftlichen Unterricht vorbereitet. Vier Jungs und zwei Mädchen der Klasse 5b machen den Anfang und treffen sich inzwischen einmal die Woche in der ersten Schulstunde. Die Aussicht, tatsächlich Energie zu sparen, motiviert die Gruppe. Genauso viel Spaß macht es ihnen aber auch, sich fragend und forschend das Grundlagenwissen anzueignen. Dabei geht es zum Beispiel darum, wirklich zu verstehen, wie ein Heizkörper funktioniert und warum immer und überall Wärmetauscher im Spiel sind.

co2_diagramme_praesentieren01An den Schulen, die bereits im zweiten Schuljahr mit Energiemanagern arbeiten, sind die Schüler jetzt dabei, sich auch intensiv mit dem Problem der Raumluftqualität zu beschäftigen. Vorreiter ist hier derzeit die Schule am Falkplatz. In zwei Klassen haben die Energiemanager mit einem Datenlogger über mehrere Tage Messwerte zum CO2-Gehalt und der Temperatur aufgezeichnet und ausgewertet. Mit den Messkurven gehen sie anschließend wieder in die Klassen, erläutern sie und geben der Klasse während einer zweiten Messperiode die Aufgabe: „Versucht in den nächsten Tagen bessere Luft in der Klasse zu haben!“ Nach der Auswertung der Messdaten und des Lüftungsverhaltens soll dann in einer dritten Untersuchungsphase erprobt werden, was durch eine vorher festgelegte verbindliche Lüftungsstrategie erreicht werden kann. Die Kurve auf dem Bild unten zeigt die Ergebnisse des ersten Messdurchgangs, bei dem noch keine besondere Aufmerksamkeit in der Klasse für das Thema Raumluft hergestellt worden war. Deutlich ist zu erkennen, dass über weite Phasen des Unterrichtstages die 1.000 ppm-Grenze für CO2 in der Atemluft überschritten wird.

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Ein ganz besonderes Forschungsprojekt haben sich die Energiemanager in der Grundschule unter den Bäumen vorgenommen. Nachdem sie entdeckt hatten, dass in einem der Räume in ihrer Schule bereits vor Jahren drei Lüftungskästen eingebaut worden waren, die automatisch für Frischluft sorgen sollten, wollten sie untersuchen, ob sich dadurch wirklich das Raumklima verbessern lässt.

lueftung_an_01Tatsächlich waren die Lüftungen schon lange nicht mehr im Einsatz. Einer der vermuteten Gründe bestand in dem Lüftergeräusch, das als störend empfunden werden könnte. Messungen der Schüler mit dem Schallpegelmessgerät haben aber ergeben, dass das Lüftergeräusch viel leiser ist als der normale Lärmpegel in einem Klassenraum. Außerdem laufen die Lüfter nicht ständig. Da bei der ersten Besichtigung der Lüftungsanlage auch aufgefallen war, dass das tiefe Fensterbrett über den Lüftungsgeräten keine Lüftungsschlitze aufwies, baten die Energiemanager ihren Hausmeister, drei Lüftungsschlitze auszusägen und mit einem Lüftungsgitter zu  versehen. Da das umgehend erfolgte, konnte eine mehrstufige Messaktion beginnen. In zwei Intervallen messen die Schüler mit dem Datenlogger die CO2-Werte im Tagesverlauf jeweils eine Woche mit aus- und eine Woche mit eingeschalteter Lüftung. Ergebnisse werden in drei bis vier Wochen erwartet.

anlagencheck_lueftung_08Das Projekt in der Grundschule unter den Bäumen wird von den Schülern völlig freiwillig verfolgt. In dieser Schule findet die Energiemanager-Ausbildung und -Praxis nämlich außerhalb der Unterrichtszeiten im Rahmen des Schülerclubs „Kunterbunt“ statt, den der Verein FiPP e.V. unterhält. Der FiPP-Mitarbeiter und Erzieher Martin Biermann betreut die Gruppe zusammen mit dem Projektteam von „Köpfchen statt Kohle“.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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Eine Antwort zu Weißrussische Schuldelegation studiert „Köpfchen statt Kohle“ – Wie Hausmeister und Schüler zusammenarbeiten – Raumluft-Monitoring bringt erste Ergebnisse

  1. PSD schreibt:

    good post!

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