In den Startlöchern für zwei weitere Schuljahre: „Zeigen, was geht“ – Drittklässler verfassen „Pixibuch“ über ihre Energiemanager-Arbeit

aktionslogo_sprintFür weitere zwei Schuljahre – also bis Sommer 2018 – hat stratum jetzt den Auftrag erhalten, die „Köpfchen statt Kohle“-Projekte in 17 Schulen des Bezirks Pankow weiter zu betreuen. Wie Projektleiter Richard Häusler berichtet, möchte die Bezirksverwaltung die Energieprojekte dann auch evaluieren. „Für uns natürlich ein zusätzlicher Grund, in den beiden nächsten Jahren noch einen eindrucksvollen Sprint hinzulegen“, sagt Häusler. Dieses Versprechen wird sogar mit einem Zusatz im Logo signalisiert. Wir fragten den Projektleiter nach seinen Plänen und Ideen für den neuen Schulstart im September.

Frage: Was haben Sie sich denn Besonderes vorgenommen im neuen Schuljahr?

Antwort: In erster Linie wollen wir in dem Dutzend Schulen, wo die Schüler selbst den zentralen Heizungscomputer überwachen und steuern können, die Heizzeiten noch besser an den tatsächlichen Bedarf anpassen, d.h. Heizzeiten einsparen.

Frage: Die Schüler sitzen also dauernd am Computer?

am_heizungs_computer_02Antwort: Nicht dauernd. Sie gehen auch mit Messgeräten in die Klassenräume, um Ungereimtheiten aufzuklären, defekte Ventile zu entdecken etc. Aber es stimmt schon, das Ganze ist wirklich in erster Linie anstrengende und konsequente Computerarbeit. Die Schüler haben alle einen USB-Stick, auf dem sie die gesamten Heizungsdaten aktuell halten. So können sie an mehreren Computern in Arbeitsteilung einen Großteil der Räume analysieren. Veränderungen nehmen sie dann an dem Heizungsrechner vor, auf den sie ebenfalls Zugriff haben. Wenn wir ehrgeizig sind und möglichst viele Heizstunden einsparen wollen, heißt das, dass 10-15 Schüler zu Beginn der Heizperiode intensiv mit dem System arbeiten müssen.

Frage: Machen die Schülerinnen und Schüler das mit?

luft_wasser_energie_01Antwort: Für die 10- bis 12-jährigen ist es sehr motivierend, selbst und direkt in das Heizungssystem eingreifen zu können. Sie lernen zu Beginn nicht nur die Regelungssoftware kennen, sondern beginnen, komplexere Zusammenhänge der Beheizung eines Gebäudes zu verstehen und Diagramme mit mehreren Datendimensionen zu verstehen. Aber natürlich können wir die Kinder nicht drei, vier Monate nur damit beschäftigen. Wir geben den Schülern auch Gelegenheit, sich experimentell mit erneuerbaren Energien und Zukunftstechniken auseinanderzusetzen. Sie bauen Solarmodelle, lenken kleine Wasserstoffautos, bauen Generatoren oder Dampfkraftwerke und Druckluftautos und lernen dabei ein Menge Grundlegendes über Energiezeugung, -speicherung und -verwendung. Außerdem haben wir das große Thema CO2 im Klassenzimmer, also das Problem der schlechten Luft im Winter, die die Lernleistung der Schüler verringert.

Frage: Was können Sie dagegen tun?

Antwort: Wir haben in den letzten zwei bis drei Jahren das Thema bereits in einigen Projekten intensiver behandelt und Erfahrungen mit der Aufstellung von Messanzeigen in den Klassen gemacht. In einigen Schulen liefen regelrechte Lüftungswettbewerbe. In den kommenden beiden Jahren wird es darum gehen, Lehrern und Schülern das richtige, also effektive und gleichzeitig energiesparende Lüften beizubringen. Dazu brauchen wir die Messanzeigen, aber die alleine reichen nicht aus. Und außerdem sollte in größeren Lüftungsphasen wie z.B. in den Hofpausen die Heizung aus sein. Auch das können die jungen „Energiemanager“ am Heizungscomputer einstellen.

Frage: Konzentriert sich die Arbeit von „Köpfchen statt Kohle“ auf die Heizenergie?

Antwort: Zum Teil schon, weil die Heizung einfach 80 Prozent des Energieverbrauchs in einer Schule ausmacht. Aber auch Beleuchtung ist ein Thema. In manchen Schulen hatten wir schon den Fall, dass eine Dauerbeleuchtung auf den Fluren herrschte, auch wenn die gar nicht nötig war. Das konnte beispielsweise im Havemann-Gymnasium abgestellt werden. Außerdem verwenden einige unserer Schulen, wenn sie als „Klimaschule“ ausgezeichnet werden und dafür Mittel bekommen, das Geld dafür, moderne LEDs für die Beleuchtung zu installieren.

Frage: Machen die Schulen eigentlich gerne bei „Köpfchen statt Kohle“ mit?

energiemanager_schluesselband01Antwort: Die Schulen sind recht begeistert von den Projekten, weil sie sehen, dass die Schülerinnen und Schüler sehr motiviert sind und eine Menge Lern- und Erfahrungsgelegenheiten durch „Köpfchen statt Kohle“ bekommen. Außerdem verbessert die Arbeit der jungen „Energiemanager“ ja tatsächlich die Lebensqualität in den Schulen. Wenn eine Schule nicht so mitzieht, wie wir uns das vorstellen, liegt es meistens an personellen Wechseln und Engpässen in der Schulleitung und beim pädagogischen Personal oder an organisatorischen oder auch baulichen Erschwernissen. Das passiert aber selten. Dennoch werden wir jetzt zwei Schulen, die derzeit schlechte Bedingungen für „Köpfchen statt Kohle“-Aktivitäten aufweisen, durch zwei neu ins Programm einsteigende ersetzen.

Frage: Was müssen die Schulen denn bereitstellen? Eine Lehrkraft und einen Raum…?

Antwort: Das ist schon das Optimum. Wir betreuen auch Schülergruppen, ohne dass ständig eine Lehrkraft mit dabei ist, wenn es nicht anders geht. Das ist kein Problem. Der Raum eigentlich auch nicht, denn meistens können wir sogar einen Fachraum für den naturwissenschaftlichen Unterricht nutzen. Was oft schwierig ist, sind fehlende Computerplätze oder Computer ohne Internetzugang. Manchmal ist auch der Platz beengt und wir müssen schauen, wie wir Materialien und Messgeräte unterbekommen. Auch eine Werkstatt wäre schön – wobei wir teilweise in den Schulen durchaus Werkräume haben, wie wir im letzten Jahr entdeckt haben. Wir müssten also für aufwendigere Experimente, bei denen auch gebaut und gebastelt wird, nicht immer nach Karow ins „Energiezentrum“ fahren. In der Homer-Grundschule z.B. wollen wir den Werkraum dort im kommenden Schuljahr auch für die „Energiemanager“ nutzbar machen.

Frage: Gibt es Highlights, die Sie im kommenden Schuljahr planen?

ausstellung2013_03Antwort: Oh ja. Als erstes wollen wir im November oder Dezember mal an einem Vormittag eine Konferenz aller „Energiemanager“ der 17 Schulen veranstalten. Der Wunsch, auch die anderen Schülergruppen mal kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen, ist groß. Auf der Bilanzkonferenz im Rathaus Pankow vor ein paar Wochen waren ja drei Schulen durch Schüler aus den Projekten vertreten. Sie fanden den Kontakt sehr spannend und haben sich übereinstimmend gewünscht, so etwas einmal richtig zu organisieren. Baustadträtin Christine Keil wird die Schirmherrschaft dieses ersten „Energiemanager-Camps“ übernehmen. Und im Sommer ist eine Solarrallye in Karow geplant, wo die beiden benachbarten Projektschulen – das Havemann-Gymnasium und die Schule am Hohen Feld – vom Gelände und den Räumlichkeiten her gute Voraussetzungen für so ein Event mitbringen.

rollups_collage_webDrei Rollups informieren über die Arbeit von „Köpfchen statt Kohle“. Sie kamen bei der jüngsten Bilanzkonferenz erstmals zum Einsatz und waren auch beim Netzwerk-Forum der Lokalen Agenda 21 im Pankower Rathaus zu sehen.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

neues_modell_prototypEnergiezentrum: In  Zusammenarbeit mit dem Lieferanten zahlreicher Modelle, die von den Schülern im Energiezentrum Pankow (im Havemann-Gymnasium) gebaut werden, entsteht jetzt ein spezielles Lernmodell für „Köpfchen statt Kohle“, das stufenweise Grundlagenwissen vermittelt. Ein Walzenmotor, den die Schüler selbst zusammenbauen, vermittelt das Prinzip des Elektromotors bzw. Generators. Im nächsten Schritt wird der Motor auf ein Fahrzeug gebaut, das über ein einfaches Zahnrad-Getriebe angetrieben wird. Zunächst kommt ein Batterieblock als Energiequelle zum Einsatz, der anschließend durch eine Solarzelle ersetzt wird. Anhand des Modells erarbeiten sich die Schüler dann die Theorie der Stromspeicherung in einer Batterie und der Funktionsweise einer Solarzelle. Eigene didaktische Materialien entwickeln wir zusammen mit dem Modell-Konstrukteur Markus Schories von MS Werklehrmittel.

freestyle_solarboot_02Gegen Ende des Schuljahres haben die „Energiemanager“ der Homer-Grundschule die kleine Werkstatt im Keller ihrer Schule entdeckt und für den freien Bau von kleinen Solarmodellen in Beschlag genommen. Besonders beliebt waren solargetriebene Schiffe auf einer Styropor-Grundlage. Als Ausgleich zur Arbeit am Heizungscomputer wollen sie die Werkstatt im neuen Schuljahr öfter mal nutzen und für ihre Zwecke weiter ausstatten.

solartmodelle_freestyle_collage_webFreestyle-Solarmodelle bauten auch die „Energiemanager“ des Havemann-Gymnasiums zum Ende des Schuljahres. In der Werkstatt des Energiezentrums in ihrer Schule belohnten sie sich damit für die harte Arbeit dieses Schuljahres, in dem sie wichtige Erkenntnisse über das Lüftungsverhalten in den Schulklassen und den Nutzen von CO2-Messanzeigen gewonnen haben. Nächstes Jahr machen die jetzigen Siebt- und Achtklässler im Auftrag von „Köpfchen statt Kohle“ weiter. Aber jetzt kommt erst einmal der Sommer!

collage_pixibuch_trelleborg„Köpfchen statt Kohle“-Mitarbeiterin Paula Stockmann betreut unsere jüngste „Energiemanager“-Gruppe: In der Trelleborg-Schule waren dieses Jahr an die zwanzig Drittklässler jeden Montagnachmittag zur Stelle, um für ihre Schule Energie zu sparen. Ist das allein schon eine großartige Leistung, so haben die Neunjährigen sich zum Ende des Schuljahres noch selbst getoppt. Sie verfassten nämlich eine Fotostory über ihre Arbeit, die so gut ist, dass wir eine kleine Auflage davon im „Pixi“-Format gedruckt haben. Als PDF ist das 24-seitige Heft im Download-Bereich zu finden.

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Bilanz 2016: Mini-Hausmeister und Hochbegabte – Heizzeiten-Statistik – Neues aus den Schulen

christine_keil_mit_team_unter_den_baemen_01aNach sechs Jahren „Köpfchen statt Kohle“ – und vor dem Beginn weiterer zwei Jahre, in denen stratum den Auftrag hat, die Projekte an den insgesamt 17 Schulen zu betreuen – zogen alle Beteiligten auf einer öffentlichen Veranstaltung im Rathaus Pankow Bilanz. Baustadträtin Christine Keil (auf dem Foto links mit einer Gruppe der Grundschule unter den Bäumen) begründete, warum Energieeffizienz nicht nur eine technische Frage ist: „Wir wissen, dass in den Schulen – wie in öffentlichen Gebäuden allgemein – noch große Potenziale für Energieeinsparung und mehr Energieeffizienz liegen. Baulich kann man das durch energetische Sanierung, durch neue Fenster, bessere Heizanlagen und automatische Gebäudeleittechnik angehen. Abgesehen davon, dass für große Sanierungsmaßnahmen immer noch zu wenig Geld da ist, um hier wirklich bedarfsgerecht vorzugehen, zeigt sich aber in der Praxis auch immer wieder, dass Bauen und Technik eine Nutzerschnittstelle haben, an der sich entscheidet, ob Effizienz tatsächlich realisiert wird. Wir haben z.B. eine Schule in Pankow komplett mit einem Infosystem zur Raumluftqualität ausgerüstet, um Lehrkräften Anhaltspunkte für effektives Lüften zu geben. Das Ergebnis: Nach Lehrerprotesten wurde das System abgeschaltet. Ich traue mich zu sagen: Wenn  das eine „Köpfchen statt Kohle“-Schule gewesen wäre, wäre das nicht passiert.

Mit den inzwischen in die Hunderte gehenden jungen Energiemanagerinnen und Energiemanagern, die in den Pankower Schulen unterwegs sind, so betonte Christine Keil, habe man eine Truppe von „Mini-Hausmeistern“, die dafür sorgten, dass Energielecks aufgespürt, Reparaturbedarf entdeckt und Heizungseinstellungen verbessert werden.

Man solle allerdings nicht den Eindruck bekommen, der Bezirk würde mit den Schülern quasi die Hausmeister einsparen wollen. Die vielen Energieprojekte, die die „Köpfchen statt Kohle“-Teams vorantreiben, machten den Beteiligten großen Spaß und würden von den Schulen als Bereicherung des naturwissenschaftlichen Unterrichts und auch als Teil des sozialen Lernens sehr geschätzt.

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Schulleiter bestätigten dies. Als Vertreter seiner Zunft war Marian Imke, Chef der Grundschule am Hohen Feld, persönlich zu der Bilanzveranstaltung gekommen. An seiner Schule gibt es für die sechsten Klassen jedes Jahr eine kompakte Projektwoche zu erneuerbaren Energien, die vom „Köpfchen statt Kohle“-Team betreut wird, sowie eine ständig am Energiethema arbeitende Gruppe von Viert- und Fünftklässlern. Imke berichtete davon, dass die Projektarbeit genau das Richtige für die ansonsten oft unterforderten Hochbegabten an seiner Schule sei: „Die sind mittlerweile alle im Energieprojekt.“ (Auf dem Gruppenbild der Konferenz ist Marian Imke der dritte von links in der hinteren Reihe.)

Weitere Statements kamen von einigen Schulleitern, die nicht auf der Veranstaltung sein konnten, uns aber schriftlich ihre Einschätzung übermittelt hatten.

dampfkraftwerk03Niklas Stratenwerth, Schulleiter Klecks-Grundschule: „Die Gruppe der Energiemanager an unserer Schule wächst von Jahr zu Jahr. Die Arbeit an interessanten Umweltprojekten wie Solarmobilen oder die Nachbildung eines Dampfkraftwerks führt unseren Schülerinnen und Schülern die Wirksamkeit der Naturwissenschaft vor Augen. Sie verstehen sich als Forscher auf dem Gebiet des Umweltschutzes und bringen sich engagiert bei der Nutzung von Wärmeenergie und Raumklima in unserer Schule ein. Sie lernen hier ganz praktisch und können ihr Wissen 1:1 in die Lebenswirklichkeit transportieren.“

datenlogger_einstellen_01bBernd Woitinek, Schulleiter Grundschule unter den Bäumen: „Heizkostensenkung und Behebung von Wärmelecks an der Hausfassade waren die Top-Themen, mit denen sich unsere Energiemanager in letzter Zeit intensiv beschäftigt haben. Es konnten konkrete Vorhaben umgesetzt werden, die verdeutlichen, dass man gegen Energieverschwendung viel tun kann. Weiter so und ein herzliches Dankeschön an alle Schülerinnen und Schüler und an die Projektbetreuer Richard Häusler und Martin Biermann.

scheeres15Thomas Josiger, Schulleiter Robert Havemann-Gymnasium: „Nach verschiedenen Versuchen mit Energiesparmodellen, z.B. ‚fifty-fifty‘, war ich sehr skeptisch, ob eine Nachhaltigkeit mit ‚Köpfchen statt Kohle‘ möglich ist. Die Zusammenarbeit kam auch nur zustande, weil ich durch die Stadträtin ‚angewiesen‘ wurde, eine Kooperation einzugehen. Glücklicherweise hatten wir an unserer Schule den Kollegen Strube, der in Fragen erneuerbarer Energien sehr engagiert arbeitete und mit seinen Teams auch einige Wettbewerbe erfolgreich gestalten und Geldprämien gewinnen konnte. Diese wurden in weitere Projekte investiert und auch eine AG Energiemanager konnte gemeinsam mit Herrn Häusler arbeiten. Wenn man heute durch die Klassen geht, sieht man auch zur Freude der Klassenlehrer/innen Geräte, die anzeigen, wann die Räume zu lüften sind. Auf alle Fälle leisten die Mitglieder der AG einen konstruktiven Beitrag zum energiebewussten Handeln, erlernen statistische Erhebungen und Auswertungen anzulegen und computergestütztes Arbeiten. Herr Häusler selbst ist auch sehr pfiffig. Er steht beim Besuch der Schule durch die Senatorin jedenfalls neben ihr – und nicht ich.

kummerkasten_03Einen großen Teil der Bilanzkonferenz bestritten Schülerinnen und Schüler selbst. Aus den Schulen am Falkplatz, unter den Bäumen und aus der Homer-Grundschule waren Abordnungen gekommen, um ihre Arbeit vorzustellen und auch über Probleme zu berichten, für deren Lösung sie manchmal die Unterstützung der Bezirksverwaltung benötigen. So berichteten die Energiemanager vom Falkplatz zum Beispiel darüber, dass die WLAN-Verbindung von ihrem Rechner zum Heizungsserver immer wieder abbricht, so dass sie während der Hälfte ihrer wöchentlichen Projekttermine im Winterhalbjahr die Überprüfung und Einstellung von Heizzeiten und Temperaturen gar nicht vornehmen konnten. Große Resonanz hatten die Falkplatz-Schüler mit schulweiten CO2-Lüftungswettbewerben. Sie möchten sie gerne fortsetzen, um in allen Klassen Aufmerksamkeit zu bekommen und energieeffizientes und wirksames Lüftungsverhalten zu vermitteln. Mit drei orangefarbenen „Kummerkästen“ (Foto), die im Schulhaus verteilt sind, fordern sie zudem alle Schüler und Lehrkräfte in ihrer Schule auf, sich mit Beobachtungen und Ideen rund um Energie und Klima zu beteiligen.

Projektleiter Richard Häusler verzichtete auf der Bilanzveranstaltung bewusst darauf, Statistiken und Balkendiagramme zu präsentieren. Eine zeitnah verfügbare und wirklich transparente Datenlage zur Veränderung des Energieverbrauchs in den beteiligten Schulen sei auch nur sehr schwer bis gar nicht zu bekommen, führte er aus. Umbaumaßnahmen, Umstellungen auf Fernwärme oder die Veränderung der Raumnutzung kämen erschwerend hinzu, so dass die Auswirkungen einzelner Maßnahmen auf den Energieverbrauch kaum zurückzuverfolgen seien. In den zehn Schulen, die über eine zentrale Einzelraumregelung verfügen, haben sich die Energiemanager allerdings leichter überprüfbare Ziele gesetzt. Hier können und wollen sie selbst die Heizzeiten sehr eng an die Stundenpläne anpassen und die Temperaturen möglichst auf 20 Grad begrenzen. Oft ließe sich auch wegen der langsamen Abkühlung bereits ein bis zwei Stunden vor Unterrichtsschluss die Heizung ausstellen. Alle diese Maßnahmen sollen jedoch mit den Klassen rückgekoppelt und in ihren Auswirkungen überprüft werden – was viel Zeit kostet. Außerdem kommen Erschwernisse wie defekte Heizungsventile oder nicht mehr mit der Wirklichkeit übereinstimmende Raumbezeichnungen hinzu, die die Optimierung der Heizzeiten zu einer oft beschwerlichen Aufgabe machten. Die untenstehende Grafik zeigt die Evaluation des letzten Winterhalbjahres.

vergleich_gesamtIn fast allen Schulen ist es den Energiemanagern gelungen, eine Ausweitung der Heizzeiten zu verhindern, teilweise sogar eine Reduzierung zu erreichen. (Über den „Ausreißer“ der Grundschule an der Marie berichteten wir in unserem letzten Beitrag.) Dennoch ist da noch „Luft“ drin, wie Richard Häusler feststellt. In den beiden kommenden Jahren hat „Köpfchen statt Kohle“ den Ehrgeiz, noch deutlichere Einsparungen an Heizzeiten zu erreichen. U.a. soll dies durch konsequente, längere Heizunterbrechungen während der großen Hofpausen geschehen, die für eine wirksame Raumlüftung genutzt werden sollten.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

energiemanager_mit_poster_03An der Carl Humann-Schule ist das Pilotprojekt zum Einstieg in die Energiemanager-Ära erfolgreich verlaufen. Knapp 20 Schülerinnen und Schüler einer vierten Klasse befassten sich im Rahmen des Lebenskundeunterrichts mit Theorie und Praxis des Energiesparens. Auch den Computer für die Heizungssteuerung haben sie inzwischen in ihrem Fachraum stehen. Im kommenden Herbst geht dann eine dauerhafte Projektgruppe an den Start, die das ganze Jahr über am Energiethema arbeitet. Mit einer fünfteiligen Posterserie wollen die Energiemanager ihre Mitschüler informieren und aufklären. Zum Abschluss des Pilotprojekts kamen auch der Hausmeister und die Schulleiterin (hintere Reihe Bildmitte und rechts). Seitens der Schule wird das „Köpfchen statt Kohle“-Team von Kathrin Hillers (hinter Reihe links) mitbetreut.

schories_mit_schuelern_01Im Energiezentrum Pankow, das im Robert Havemann-Gymnasium angesiedelt ist, fand vor kurzem eine Lehrerfortbildung zum Thema „Einsatz von Modellbausätzen für den Energieunterricht“ statt. Im Energiezentrum können Schüler/innen ab der vierten Klasse eine Reihe von Funktionsmodellen zu Solar- und Windenergie bauen. Der wichtigste Lieferant von Bausätzen ist die Firma MS Werklehrmittel. Inhaber und Chefentwickler Markus Schories stellte bei der Fortbildungsveranstaltung die Möglichkeiten der Modelle selbst dar. Die jungen Energiemanager des Havemann-Gymnasiums nutzten die Gelegenheit beim Schopf, um sich Beratung aus erster Hand zu holen. Als Belohnung für die anstrengende Projektarbeit im Winterhalbjahr, als die Schüler intensive Untersuchungen über Raumluftqualität anstellten, dürfen sie in der Werkstatt des Energiezentrums jetzt selbst Modelle bauen. Dabei wollen sie nicht einfach etwas bereits Vorhandenes nachbauen, sondern selbst entwerfen, ausprobieren und optimieren.

collage_pruefung_falkplatzErst jetzt, gegen Ende des Schuljahres, haben alle neu hinzugekommenen Energiemanager/innen an der Falkplatzschule die Theorie-Prüfung abgelegt. Vorher gab es zu viele praktische Aufgaben in der größten Grundschule des Bezirks zu erledigen. Ohne die Theorieprüfung gibt es zum Jahresabschluss kein offizielles Zertifikat. Und auch kein Energiemanager-T-Shirt!

powerhouse_praesentationen_01Die diesjährigen sechsten Klassen der Grundschule am Hohen Feld haben jetzt die Abschlusspräsentationen über erneuerbare Energienutzung gehalten. Nach einer geballten Projektwoche zu Solar- und Windenergie sowie Wasserstoff als Energieträger haben die Gruppen aus jeweils drei oder vier Sechstklässlern, die während des Projekts zusammenarbeiteten, spezielle Fragestellungen bearbeitet. Sie wissen jetzt recht genau, wie aus Wind oder aus Sonnenlicht elektrischer Strom werden kann, was eine Elektrolyse ist und wie eine Brennstoffzelle funktioniert.

destillation01In den “Köpfchen statt Kohle”-Projekten stehen zwar jede Menge definierter Aufgaben für die beteiligten Schülerinnen und Schüler an, aber als pädagogisches Grundprinzip setzen die Betreuer auf möglichst viel Eigenaktivität der jungen Energiemanager. Dazu gehört auch, dass die Forschungsfragen der jungen Menschen und ihre eigenen Ideen, wie man den Dingen auf den Grund gehen kann, viel Raum bekommen. So kann es passieren, dass z.B. ein nebensächlicher Aspekt eines Themas – wie die Verwendung von destilliertem Wasser für die Herstellung von Wasserstoffgas, mit dem ein Brennstoffzellen-Fahrzeug betankt werden soll – plötzlich für ein paar Schüler zum interessanten Hauptthema wird. Wie kann man Wasser destillieren? In der Grundschule am Sandhaus begannen die Schüler selbst mit einfachen Versuchsaufbauten dazu. Da Destillation durchaus auch was mit Energie zu tun hat, kann es sein, dass wir uns zu Beginn des nächsten Schuljahres damit auch mal etwas intensiver auseinandersetzen.

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Umweltbewusstsein braucht Grundlagen – Eine Schule reißt aus – Elternversammlung beschäftigt sich mit dem Lüftungsthema

licht_aus_01Fragt man heutige Grundschüler zum Thema „Energiesparen“, so erscheinen sie voll informiert und voller Umweltbewusstsein. Das Klima ist zu schützen, Ressourcen müssen gespart werden und Solarzellen sind der Inbegriff von Energie überhaupt. Das Ganze ist allerdings viel mehr eine Haltung oder Einstellung – ohne sehr viel belastbares Wissen um Fakten und Zusammenhänge.

Auch die jungen „Energiemanager“, die mit Begeisterung die Heizzeiten am Computer überwachen, Temperaturen messen und CO2-Diagramme interpretieren, können oft nicht erklären, woher die Sonne eigentlich ihre Energie bekommt oder wie aus Kohle, Öl oder Gas in Kraftwerken Strom wird. Deshalb vermitteln die Betreuer von „Köpfchen statt Kohle“ zwischendurch auch dieses Grundlagenwissen. Bewährt hat sich dabei ein pädagogischer Ansatz, der die Antworten nicht quasi frei Haus liefert, sondern versucht, fragend vorzugehen und an die Denk- und Vorstellungsweisen und das vorhandene Wissen der Kinder anzuknüpfen.

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Und natürlich verankert sich Energie-Wissen immer am besten, wenn es mit praktischen Aufgaben verknüpft werden kann. An einigen Schulen bauen die Grundschüler zum Beispiel aus einem Bausatz ein Wärmekraftwerk, in dem aus „Kohle“ (Esbit) Wärme erzeugt wird, die Wasser zum Verdampfen bringt und durch Dampfdruck einen Generator antreibt, der ein Lämpchen zum Leuchten bringt (Bild oben). Die Schülerinnen und Schüler, die sich die Mühe gemacht haben, das gar nicht so einfache Modell selbst zu bauen und zum Laufen zu bringen, werden diesen Zusammenhang nicht mehr vergessen…

powerhouse_08Auch „Power House“-Wochen gehören für einige der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen zum Begleitprogramm der Energiemanager-Projekte. Die beiden sechsten Klassen der Grundschule am Hohen Feld bauten jetzt ihre Styroporhäuser und bestückten sie mit Solar- und Windenergie-Anlage. Dabei beschäftigten sie sich auch mit Wärmeausbreitung und Dämmung. Durch Aufnahmen mit der Thermokamera konnten sie selbst herausfinden, welche Teile der Häuser als „Wärmelecks“ erscheinen (siehe Fotos unten).

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Im realen Schulgebäude geht es den Energiemanagern jedoch meistens nicht um die Wärmedämmung, sondern um die Einstellungen der Heizanlagen. Da viele der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen über eine zentrale Einzelraumsteuerung für die Heizung verfügen, versuchen sie selbst, am Computer die Heizzeiten an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Das gelang ihnen in den meisten Schulen auch im vergangenen Winter. Nur eine Schule, das zeigte jetzt die Auswertung, ergibt einen drastischen Ausreißer im statistischen Vergleich. In der Grundschule an der Marie stiegen die durchschnittlichen Heizzeiten pro Woche im Vergleich zum vorangegangen Schuljahr in den Klassenräumen von 40 auf 55 Stunden, in allen Räumen der Schule zusammen von 32 auf 52 Stunden (siehe folgende Grafik).

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Das mag einerseits damit zusammenhängen, dass die Ausbildung der neuen Energiemanager zu Beginn des neuen Schuljahres recht lange gedauert hat und die Schülerinnen und Schüler kaum dazu kamen, die Heizungseinstellungen tatsächlich flächendeckend zu überprüfen. Zum anderen aber scheint auch der Hausmeister die Heizungseinstellungen wieder auf „Nummer Sicher“ gestellt zu haben. Nahezu alle Klassenräume sind nämlich durchgehend zwischen 7 und 16 Uhr beheizt.

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Eine Anpassung an den tatsächlichen Stundenplan oder gar die Berücksichtigung der langen Hofpausen während des Schultages sind nirgends zu erkennen. Die Einstellungen, die die Energiemanager im Vorjahr gemacht hatten, sind anscheinend alle rückgängig gemacht worden. Für die Schülergruppe an der Marie ist das ein Auftrag für den kommenden Herbst. Ab September wollen sie als erstes die Heizzeiten konsequent an die Stundenpläne anpassen. Denn der nächste Winter kommt bestimmt. Die nächste Statistik aber soll anders aussehen…

energiemanager_havemann_collage_zwei_seitenPläne für das kommende Schuljahr machen auch die Energiemanager des Robert Havemann-Gymnasiums. Mit den Ergebnissen ihrer Untersuchung zum Einfluss von festinstallierten CO2-Messdisplays in Klassenräumen auf das Lüftungsverhalten vor allem der Lehrkräfte wurden sie jetzt von ihrem Schulleiter auf die Elternversammlung eingeladen. Fünf Siebt- und Achtklässler aus der Projektgruppe (Foto oben) hielten einen Powerpoint-Vortrag, in dem sie zeigen konnten, dass durch die Messdisplays zwar die Lüftungshäufigkeit deutlich zunimmt, aber die Effektivität des häufigeren Lüftens ist nicht so hoch wie erwartet. Sprich: Gemessen in Minuten „guter“ Luft (unter 1.000 ppm CO2) sind die Klassen mit häufigerem Lüften nur um 10 Prozent besser.

co2_diagramme_interpretieren_07Die Schüler wollen deshalb im kommenden Winterhalbjahr das Thema weiter vertiefen. Geplant ist eine intensive Informationskampagne in allen Klassen. Auch einen Lüftungs-Wettbewerb zieht die Energiemanager-Gruppe in Erwägung. Außerdem soll weiter gemessen und ausgewertet werden. U.a. möchten die Schüler wissen, welche Lüftungsvarianten tatsächlich am besten sind. Von den Eltern des Havemann-Gymnasiums wurden sie ermutigt, weiter am Thema zu bleiben. Die Eltern zeigten sich stolz darauf, dass ihre Schule mit der Ausstattung der Klassen mit CO2-Messanzeigen im Bezirk Pankow vergleichsweise weit vorne liegt.

wettbewerbssieger_bestimmen_03Auch andere „Köpfchen statt Kohle“-Schulen haben inzwischen Erfahrungen mit dem Lüftungsproblem und möglichen Lösungen gesammelt. In der Grundschule unter den Bäumen wurde jetzt ein Lüftungswettbewerb unter allen fünften und sechsten Klassen ausgewertet und die Gewinnerklasse ermittelt. Auch hier setzten die Schülerinnen und Schüler Datenlogger ein, um über einen längeren Zeitraum CO2-Werte und Temperaturen aufzuzeichnen und auswerten zu können.

co2_messgeraet_erwuenscht_01Vorreiter mit Lüftungswettbewerben ist die Schule am Falkplatz. Hier haben die Fünft- und Sechstklässler bereits im letzten Schuljahr in vier Klassenstufen einen Wettbewerb organisiert. In diesem Winter waren jetzt die letztes Jahr noch nicht beteiligten Klassen dran – die jetzigen vierten und fünften Klassen. An den Ideenkarten, die sich in den drei in der Schule aufgehängten Kummerkästen der Energiemanager sammeln, lässt sich ablesen, dass die zeitlich begrenzten Lüftungswettbewerbe durchaus eine nachhaltige Wirkung haben. Auf den meisten Karten äußern die Klassen den Wunsch, dauerhaft ein CO2-Messgerät für das Klassenzimmer zu bekommen.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

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Auf die bevorstehenden Hof- und Schulfeste bereiten sich einige „Köpfchen statt Kohle“-Teams vor, indem sie Solarautos bauen, um kleine Solarrallyes auf dem Schulhof zu veranstalten. Wie hier in der Grundschule am Sandhaus kommen verschiedene Modelle zum Einsatz. Die komplizierteren werden in der Werkstatt des Energiezentrums Pankow gebaut, einfachere Modelle, bei denen man nur schrauben und löten muss, lassen sich auch im Klassenzimmer konstruieren.

plakatwand_01An die nächste Generation der Energiemanager denken ebenfalls bereits einige Projektgruppen. Denn nur ein Teil der Schüler wird auch im kommenden Schuljahr weitermachen (können), alle derzeitigen Sechstklässler verlassen ja auf jeden Fall die Schule. Um auf „Köpfchen statt Kohle“ aufmerksam zu machen und für neue Interessenten zu werben, haben die Energiemanager der Schule am Falkplatz eine Infowand gestaltet und im Schulhaus an einer Stelle aufgebaut, an der fast alle vorbei müssen.

neue_energiemanager_03Die erste Generation der Energiemanager/innen an der Carl Humann-Schule ist jetzt ausgebildet. Auf Anhieb bestanden alle 19 Lebenskundeschüler der 4b den Theorietest, obwohl ihre Lehrerin, Kathrin Hillers, der Meinung war, der Test sei viel zu schwer für Viertklässler. Umso größer war dann  der Stolz der Kinder auf das Erreichte. Im neuen Schuljahr soll die Energiemanager-Arbeit dann richtig losgehen, nachdem allen klar geworden ist, dass es eine Menge zu tun gibt. Unter anderem soll die problematische Anbringung der Temperaturfühler in den Fensternischen der Klassenräume näher untersucht werden.

monitorshow01Dass die Beschäftigung mit dem Energie-Thema auch Spaß macht, zeigen jetzt vier kleine Videoclips, die die Energiemanager der Homer-Grundschule mit Unterstützung durch das Medienkompetenzzentrum Pankow produziert haben. In den Clips erklären die Schülerinnen  und Schüler ihre Arbeit. Dabei schlüpfen sie in die Rollen eines „Heizungsdoktors“, erklären wissenschaftlich kompetent die CO2-Messung oder führen stolz ihren Messgeräte- und Werkzeugkoffer vor. Im Eingang der Schule laufen die Clips auf einem großen Monitor immer während der Unterrichtspausen.

lieber_herr_jungeIn der Trelleborg-Schule ist die jüngste „Köpfchen statt Kohle“-Truppe unterwegs. Hier sind es Dritt- und Viertklässler, die Mitverantwortung für die Klimabilanz ihrer Schule übernehmen und den Ursachen der Energieverschwendung auf die Spur kommen. Was die Heizungstechnik betrifft, sind die Schülerinnen  und Schüler fast schon professionell unterwegs. So entdecken sie zum Beispiel abgerissene Thermostatventile und machen formvollendete Meldung an ihren Hausmeister (Foto).

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Schüler entdecken strukturelle Energieverschwendung – Fortschritte beim Lüften – Kummerkästen kommen gut an

datenanalyse_01Energieverschwendung kann viele Ursachen haben. Das hat jetzt die erste Generation der Energiemanager an der Carl Humann-Schule durch einen praktischen Versuch herausbekommen. An dieser Schule wurde im Zuge von baulichen Sanierungsmaßnahmen zu Beginn des Winters eine computergesteuerte, zentrale Einzelraumregelung für die Heizungen eingebaut. Das Gute daran: Auch hier können jetzt die Schülerinnen und Schüler die Heizungseinstellungen kontrollieren und auf Effizienz trimmen sowie Fehlern im System auf die Schliche kommen.

Einen solchen sehr grundsätzlichen Fehler scheinen sie jetzt bereits nach ein paar Wochen, in denen sie sich in das System einarbeiteten, entdeckt zu haben. In der ganzen Schule sind nämlich die Temperatursensoren, deren Signale der Heizungscomputer verarbeitet, dicht am Fenster angebracht. Die Vermutung der Schüler: „Direkt neben dem Fenster ist es kühler als in der Mitte des Raums. Also bekommt der Computer immer gesagt, es ist kühler als in Wirklichkeit. Und deshalb heizt er zu viel.“ Dieser Hypothese wollten die Viertklässler, die an dem Energieprojekt im Rahmen des Lebenskundeunterrichts arbeiten, überprüfen.

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Zuerst mussten sie dazu herausfinden, unter welcher Bezeichnung ihr Lebenskunde-Raum überhaupt im Computer existiert. Denn wegen der laufenden Baumaßnahmen stehen hier nur allgemeine Angaben wie „OG 1-16 – Gruppenraum 4“. Zu diesem Zweck legten sie den abnehmbaren Temperaturfühler an einem bestimmten Tag für eine Stunde auf die Heizung. Beim nächsten Treffen konnten sie dann ihren Raum anhand des ungewöhnlichen Temperaturausschlags am Heizungscomputer ausfindig machen (siehe Abbildung oben). Der Raum heißt „E-17 – Gruppenraum 1“.

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Um herauszufinden, ob der Anbringungsort des Temperaturfühlers im Raum eine Auswirkung auf das Heizgeschehen hat, platzierten dann die Energiemanager das Thermometer an der den Fenstern gegenüberliegenden Wand. Die erste Auswertung von Heiztagen vor und nach der Thermometer-Umsetzung nahmen die Viertklässler dann anhand der Ausdrucke des Heizungscomputers vor. Sie konnten daran die Heizzeiten für die verschiedenen Tage ablesen und übertrugen sie in eine Tabelle an der Tafel (Bild oben). Die erste Auswertung ergab ein verblüffend eindeutiges Ergebnis: Während vor der Umsetzung im Schnitt über 400 Minuten pro Tag die Ventile der Heizkörper offen waren, waren es danach nur noch ca. 75 Minuten! Sollte sich bei weiterer Beobachtung dieses Ergebnis erhärten, hätten die Energiemanager die Ursache für eine strukturelle Energieverschwendung an ihrer Schule aufgedeckt. Sie würden dann darauf hinwirken wollen, dass die Temperaturfühler in allen Räumen der Schule bis zum Beginn der nächsten Heizperiode allesamt umgesetzt werden.

das_herz_des_systems_02Mit den Temperaturfühlern beschäftigt sich auch die Energiemanager-Gruppe an der Homer-Grundschule. Hier ist den Schülerinnen und Schülern aufgefallen, dass die vom Computer dokumentierten Raumtemperaturen in einigen Fällen so gar nicht mit den Wahrnehmungen von Lehrkräften und Schülern in diesen Klassenräumen übereinstimmten. Bei der Recherche fanden sie heraus, dass einige der Räume anscheinend gar keinen Temperaturfühler hatten. Auch mit Hilfe des Fachmanns, der die Heizungsregelung in der Schule eingebaut hat (Bild links), konnten sie die Thermometer nicht finden. Es blieb damit rätselhaft, woher der Computer für die betreffenden Räume das Temperatursignal bekommt.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, brachten die Fünftklässler in einem der betroffenen Räume ein eigenes Messgerät an, das die Temperaturdaten aufzeichnete. Beim Vergleich der damit erhobenen Messwerte mit den Messwerten aus dem Heizungscomputer wurde klar, dass die Heizung falsche Signale bekommt – in diesem Fall führt das dazu, dass zu viel geheizt wird (siehe untenstehende Grafik).

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Damit wissen die Energiemanager zwar immer noch nicht, woher das falsche Temperatursignal kommt. Im Gespräch mit dem Fachmann erfuhren sie, dass zwei Ursachen in Frage kommen: Entweder ist ein ganz woanders platzierter Temperaturfühler mit dem überheizten Raum verbunden. Oder das Thermometer wurde irgendwann im Zuge von Baumaßnahmen einfach eingemauert. Die Detektivarbeit geht also weiter…

lueftungsanalyse01Ein Thema, das inzwischen viele der „Köpfchen statt Kohle“-Teams an Pankower Schulen verfolgen, betrifft die Luftqualität im Winter und das richtige Lüften. Mit Klassen-Wettbewerben versuchen die Energiemanager der Schule am Falkplatz und der Grundschule unter den Bäumen Lehrkräfte und Schüler über das Problem zu hoher Kohlendioxidwerte in der Raumluft zu sensibilisieren. Mit Messgeräten, die den Klassen zur Verfügung gestellt werden, könnten Schüler und Lehrer rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht werden, wenn die Luft zu schlecht zum Lernen geworden ist. Um den Wettbewerb auswerten zu können, stellen die Energiemager in den Klassen zusätzliche Datenlogger auf, die CO2-Werte und Temperaturen für die spätere Auswertung speichern. Anhand der Diagramme ermitteln sie dann die Zahl der aktiven Lüftungsereignisse und den CO2-Gehalt während des Schultags.

fensterschluessel_02An der Falkplatz-Schule, die in den letzten Monaten moderne Fenster bekommen hat, stießen die Energiemanager auf ein neues Problem: Alle neuen Fenster sind nämlich nur noch mit einem Schlüssel zu öffnen. Um effektiv lüften zu können, würden also alle Klassen einen solchen Schlüssel erhalten müssen – und den Lehrkräften müsste bewusst sein, dass sie ihn auch einsetzen sollen. Auf Antrag der Energiemanager wurde von der Schulleitung nunmehr eine ausreichende Zahl der Schlüssel beschafft. Zusammen mit einem Hinweiszettel legten die Energiemanager die Schlüssel dann allen Lehrkräften ins Fach (siehe Bild oben). Mal schauen, ob die Botschaft ankommt.

co2_diagramme_interpretieren_03Im Havemann-Gymnasium arbeitet eine Energiemanager-Gruppe aus Siebt- und Achtklässlern ebenfalls am CO2-Problem. In dieser Schule konnten die Schüler bereits in zehn Klassenräumen dafür sorgen, dass große, fest installierte CO2-Messdisplays angebracht wurden. Mit einer vergleichenden Untersuchung wollten sie herausfinden, ob die Aufstellung der Messdisplays eine Auswirkung auf das Lüftungsverhalten und die Luftqualität hat. Dazu haben sie in diesen Klassen sowie einer ebenso großen Stichprobe von Klassen ohne Messeinrichtung CO2-Datenlogger aufgestellt und ausgewertet.

co2_diagramme_interpretieren_05Das Ergebnis zeigt einen interessanten Effekt. Denn während die Lüftungsaktivität tatsächlich durch die Messdisplays beeinflusst zu werden scheint, sind die Auswirkungen auf die gemessenen CO2-Konzentrationen nicht so deutlich. In den Räumen mit den Messanzeigen wird doppelt so oft gelüftet wie in den Räumen ohne Messanzeigen. Die Effektivität der Lüftungen scheint jedoch noch zu gering. Während in den Räumen ohne Messanzeige in der Unterrichtszeit die Luft im Durchschnitt 273 Minuten einen CO2-Gehalt über 1.000 ppm aufwies, waren es in den Räumen mit Messdisplays 244 Minuten. Die Schüler ziehen daraus den Schluss, dass die Messanzeigen zwar die Sensibilität für das Lüften verbessern, aber nicht die Effektivität des Lüftens. Wie man diese erhöhen kann, versuchen sie jetzt herauszufinden. Demnächst werden sie ihre Ergebnisse auch auf einer Schulveranstaltung vorstellen, um die Diskussion anzuregen.

kummerkasten_karte_02Eine andere Form, die ganze Schule in die Arbeit der Energiemanager einzubeziehen, wurde in der Schule am Falkplatz getestet. Dort hängten die Energiemanager drei knallorange Kummerkästen auf und verteilten Feedback-Karten in den Klassen. Die Mitschüler und Lehrkräfte sollten auf den Karten z.B. notieren, ob es in der Klasse zu kalt oder zu warm ist, ob sie eine CO2-Messampel in der Klasse aufstellen wollen oder ob sie in den Hofpausen konsequent lüften und möchten, dass in diesen Zeiten die Heizung ausgestellt wird.

Inzwischen haben bereits drei weitere „Köpfchen statt Kohle“-Schulen die Aktion übernommen und ebenfalls Kummerkästen aufgestellt und die Karten verteilt. Erste Rückläufe gibt es bereits. Wenn möglich, reagieren die Energiemanager sofort und stellen CO2-Messgeräte auf oder überprüfen die Heizungseinstellungen am Computer. Denkbar ist, dass die Aufstellung der Energie-Kummerkästen im kommenden Schuljahr an allen „Köpfchen statt Kohle“-Schulen erfolgt.

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WEITERE KURZNACHRICHTEN

energiemanager_mit_dem_hausmeister01In der Sandhaus-Schule waren die angehenden Energiemanager mit dem Hausmeister in der Heizanlage. Sie lernten hier, was Fernwärme ist, wie ein Wärmetauscher funktioniert und dass der Hausmeister jeden Tag einmal im Heizungskeller die Anzeigen an den Pumpen und Reglern kontrolliert. Leider hat die Grundschule am Sandhaus keine zentrale Einzelraumregelung, sondern lauter manuell einstellbare Thermostate an den Heizkörpern. Um zu verstehen, wie ein Thermostat funktioniert, haben die Energiemanager eine Thermostatanimation im Internet durchgenommen und einen kleinen Test zu dem Thema geschrieben.

artikel_fuer_schuelerzeitung_entsteht_01Mit Öffentlichkeitsarbeit befasst sich die Energiemanager-Gruppe in der Klecks-Grundschule derzeit. Über ihre Arbeit und ihre Versuche, mit dem Hausmeister ihrer Schule ins Gespräch zu kommen, haben sie jetzt einen bebilderten Artikel für die nächste Ausgabe der Schülerzeitung geschrieben. Die einzelnen Elemente ihres Artikels haben sie am Whiteboard organisiert. Die Energiemanager scheinen Spaß am Journalismus zu finden. Nachdem der Artikel geschrieben war, machten sich einige der Schüler daran, eine eigene Energiemanager-Zeitung zu konzipieren.

energieumwandlungen_01Energie verschwindet nicht, sie wandelt sich nur ständig um. Bei „Köpfchen statt Kohle“ lernen das die Grundschüler/innen schon ab der 3. Klasse – in Theorie und Praxis. An der Paul Lincke-Schule kam zu diesem Zweck ein „Energierad“ zum Einsatz, mit dem der elektrische Strom für verschiedene Verbraucher erstrampelt werden musste. Anschließend wurde über die diversen Energieumwandlungen gesprochen, die dabei im Spiel waren. Als Preisfrage über die Osterferien haben die Energiemanager die Aufgabe mitgenommen: „Wie kann aus Kohle in einem Kraftwerk Strom entstehen?“ Auf Anhieb kann fast kein Schüler, der die Grundschule verlässt, diese Frage richtig beantworten.

was_tut_ein_energiemanager_02In der Trelleborg-Schule sind mit die jüngsten Energiemanager unterwegs. Hier erarbeiten sich Drittklässler das Wissen und die Erfahrung im Umgang mit dem großen Themenfeld „Energie“, um es auf die Schule und ihren Alltag anzuwenden. Inzwischen sind die Schülerinnen und Schüler hier soweit, dass sie auch mit dem Heizungscomputer umgehen können, die Daten analysieren, Fragen stellen und Verbesserungsvorschläge machen. Ideal wäre es, wenn einige von ihnen im nächsten Schuljahr weitermachen und dann gleich von Beginn an die Optimierung der Heizung ins Visier nehmen.

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Wieder kommt eine Energiemanager-Schule hinzu – Volle CO2-Kontrolle am Falkplatz – Fragen an den Hausmeister

Eine ewige Baustelle ist die Carl Humann-Schule am Prenzlauer Berg, die Schule wird seit Jahren saniert – bei laufendem Schulbetrieb. „Köpfchen statt Kohle“ war bisher jedes Jahr mit einem mehrmonatigen Energieprojekt im Lebenskundeunterricht von Kathrin Hillers präsent. Jetzt stehen die Zeichen auf Erweiterung.

collage_energiemanger_01Weil im Zuge der baulichen Sanierung an dieser Schule die alten Heizungsthermostate abgebaut und eine zentrale Heizungssteuerung installiert wurde, stimmte die Bauverwaltung unserer Anfrage zu, ob dann nicht auch an dieser Schule die Schüler einen direkten Computerzugang zur Heizungsregulierung erhalten sollten. Zwischen Winter- und Osterferien beschäftigen sich jetzt knapp 20 Viertklässler mit ihrer neuen Aufgabe. Ab dem kommenden Schuljahr wird dann ein Teil dieser Lebenskunde-Klasse als Energiemanager im Dauereinsatz sein. Die Motivation ist hoch. Beim ersten Treffen fragte eine Schülerin den Projektbetreuer gleich: „Dürfen wir dann bis zur sechsten Klasse Energiemanager sein?“ Klar, das dürfen sie! Auf dem Foto oben links die neuen computergesteuerten Heizungsthermostate, rechts die angehenden Energiemanager beim Ortstermin mit dem Hausmeister im Heizungskeller.

co2_messampel_01Die Schule am Falkplatz möchte die erste Schule in Berlin sein, die in allen Klassen CO2-Messampeln einsetzt. Schon seit letztem Schuljahr beschäftigen sich die Energiemanager aus den fünften und sechsten Klassen an dieser Schule zusammen mit ihrem Lehrer Elia Henze unter anderem mit dem Lüftungsproblem im Winter. In vielen Klassen stehen bereits Messampeln und die Lehrer und Schüler versuchen, mit Hilfe der Messanzeigen ihr Lüftungsverhalten zu optimieren.

aktionskarte_collageNach einem erfolgreichen Lüftungswettbewerb in vier Klassenstufen im letzten Schuljahr haben die Energiemanager jetzt auch die verbliebenen beiden Klassenstufen zu einem Wettbewerb um die Klasse mit der besten Raumluft eingeladen. Mehrere Wochen lang stehen neben den Messampeln auch Aufzeichnungsgeräte in den Klassen, die es den Energiemanagern ermöglichen, das tatsächliche Lüftungsergebnis in jeder Klasse exakt nachzuweisen. Mit Aktionskarten (Bild oben) beziehen die Umweltaktivisten inzwischen auch alle Schüler in ihre Arbeit mit ein. Jede Klasse kann auf den Karten Rückmeldungen geben, ob es zu kalt oder zu warm ist, ob es mit dem richtigen Lüften klappt oder welche Ideen für Energiesparen und Klimaschutz die Schüler haben. Die Karten können in drei knallorange Kummerkästen geworfen werden, die der Hausmeister im Schulhaus angebracht hat. Die Klassen, die sich am fleißigsten beteiligen, sollen mit kleinen Gewinnen belohnt werden.

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An der Klecks-Grundschule geben die Energiemanager nicht auf. Wie berichtet, haben die Schüler zwar auch an dieser Schule einen eigenen Computer-Zugang zur Heizungssteuerung, dürfen aber bisher nur die Daten analysieren, jedoch selbst keine Veränderungen an den Heizzeiten oder Temperatureinstellungen vornehmen. Der Hausmeister sträubt sich dagegen, den Schülern zuzugestehen, was die Energiemanager an den anderen „Köpfchen statt Kohle“-Schulen längst dürfen. Deshalb hängen die Schüler und Schülerinnen jetzt jeden Dienstagnachmittag als Ergebnis ihrer Suche nach Fehlern und Schwachstellen im Heizungssystem eine Liste mit Fragen und Verbesserungsvorschlägen an die Tür des Hausmeisterbüros.

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Wie die Schüler erfahren haben, wandern die Aushänge vom Hausmeister zum Schulleiter. Was dieser damit macht, haben die Energiemanager noch nicht in Erfahrung gebracht. In Abständen leiten sie ihre Mängelbefunde auch direkt an das zuständige Ingenieurbüro weiter, das die Schule energietechnisch betreut, oder schicken ihre Beobachtungen auch direkt ans Bauamt. Und die Schüler finden viel. Anscheinend sind etliche Räume der Schule rund um die Uhr beheizt, was möglicherweise an defekten Ventilen liegt. Andere Räume werden viel zu langsam warm. Beanstandet wird von den Energiemanagern auch, dass die Minimaltemperatur nachts und übers Wochenende mit 18 Grad zu hoch eingestellt ist. An den anderen Schulen ist dieser Wert auf 15 Grad festgelegt.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

ksk_show_01Homer-Schüler erklären es im Video. Was die Aufgabe der Energiemanager ist und womit sie sich beschäftigen, das erklären die Aktiven an der Homer-Grundschule jetzt mit kleinen Video-Clips. An mehreren Nachmittagen haben sie Sequenzen ihrer „Köpfchen statt Kohle-Show“ aufgenommen. In drei Projekttagen im Pankower Medienkompetenzzentrum werden die Schülerinnen und Schüler die Videos mit Unterstützung durch eine Medienpädagogin selbst schneiden, vertonen und untertiteln. Dann wollen sie sie auf dem großen Monitor im Eingangsbereich der Schule zeigen.

co2_untersuchung_01Am Gymnasium gehen die Energiemanager wissenschaftlich vor. Eine Gruppe von Siebt- und Achtklässlern des Havemann-Gymnasiums in Karow untersucht jetzt noch einmal systematisch die Wirkung von dauerhaften CO2-Messdisplays in Klassenräumen. Im letzten Schuljahr hatten Schüler bereits mit dem Untersuchungsprojekt begonnen. Inzwischen hat die Schule im Rahmen von „Köpfchen statt Kohle“ neun Klassenräume mit den unübersehbaren Messanzeigen ausgestattet. In einer Vergleichsstudie messen die Schüler – die Gruppe besteht zurzeit nur aus Jungs – die Unterschiede im Lüftungsverhalten von Räumen mit und ohne Messanzeigen. Insgesamt müssen sie also 18 Klassen- und Fachräume im Auge behalten. Die Ergebnisse wollen sie nutzen, um die weitere Ausstattung mit den Messanzeigen zu unterstützen und eine begleitende Informations- und Kommunikationskampagne zu entwickeln.

messwerte_anpinnen01Sandhaus-Schüler beginnen auch zu messen. Der Großteil der erst in diesem Schuljahr eingerichteten Energiemanagergruppe in der Grundschule am Sandhaus beschäftigt sich derzeit mit dem Bau von Solarmodellen und anderen Energieexperimenten. Aber einige Schüler interessieren sich auch für Klimamessungen. So haben sie zum Beispiel in der Klasse 5a ein CO2– und Temperaturmessgerät aufgestellt und einige Wochen sogar Daten aufgezeichnet. Das Ergebnis hat ein Schüler der Klasse ausgewertet und die Diagramme von zwei repräsentativen Schultagen mit einer Erklärung versehen. Die Diagramme hängen jetzt am Pinboard der Klasse und werden kommende Woche diskutiert.

klasse5a_temperaturverlaufHohes Feld: Nachtabsenkung angemahnt. Schon vor einiger Zeit hatten die Energiemanager der Grundschule am Hohen Feld den begründeten Verdacht, dass die Schule nachts zu stark beheizt wird. Eine Überprüfung der Nachtabsenkung wurde daraufhin versprochen. Jetzt haben die Grundschüler noch einmal in mehreren Räumen Temperatur-Datenlogger ausgelegt und ausgewertet. Das Ergebnis: Nach wie vor gibt es nahezu keine Temperaturabsenkung in der Nacht und auch an den Wochenenden sind alle Räume mindestens 19 Grad warm, wie obenstehendes Diagramm zeigt. Mit diesen Ergebnissen wollen die Energiemanager sich deshalb noch einmal an die Schul- und Bauverwaltung wenden.

energiemanager_test_03Unter den Bäumen viel zu tun. Erst zum Ende des ersten Schulhalbjahres kamen die Energiemanager an der Grundschule unter den Bäumen dazu, endlich den Energiemanager-Test zu schreiben. Vorher hatte stets die praktische Arbeit Vorrang. Zuletzt hatten sie auch noch einem Journalisten des Deutschlandfunks ihr Projekt zu erklären; der Beitrag ist inzwischen gesendet worden und liegt zum Nachhören auf der Website der Kindersendung Kakadu.

neue_energiemanager_01Trelleborg-Schule fängt früh an. Energiemanager werden hier schon die Drittklässler. An der Trelleborg-Schule findet „Köpfchen statt Kohle“ derzeit am Nachmittag im Rahmen des Hortbetriebs statt. An die zwanzig Drittklässler kommen einmal die Woche zusammen, um sich mit Energie, Klima und der Situation in ihrer Schule zu befassen. Spielerische und praktische Aufgaben stehen im Vordergrund, allerdings gibt es auch eine Gruppe von Kindern, die sich mit der zentralen Einzelraumsteuerung am eigenen Heizungscomputer der Energiemanager befassen. Und obwohl der Energiemanager-Test eigentlich für Fünft- und Sechstklässler angelegt ist, hat über die Hälfte der Gruppe den Test mit gezielter Vorbereitung und einem kleinen Dritte-Klasse-Bonus jetzt geschafft und sich das Energiemanager-T-Shirt verdient (siehe Foto oben). Die „Köpfchen statt Kohle“-Betreuer wollen dennoch für das nächste Schuljahr auch einen eigens für Dritt- und Viertklässler zugeschnittenen Test anbieten.

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Wissen junge Energiemanager mehr als Hausmeister? Und mehr als der Lehrplan verlangt? Einblicke in den täglichen Kampf um Rationalität und eine offene Gesellschaft

plakat_was_machen_wir01Eigentlich müssten sie natürliche Verbündete sein – die Schülerinnen und Schüler, die in den „Köpfchen statt Kohle“-Schulen als junge Energiemanager unterwegs sind, und die Schulhausmeister. Beide wollen eine energieeffiziente Schule, die gute Lernbedingungen bietet. In elf der beteiligten Schulen teilen sich Schüler und Hausmeister diese Aufgabe ganz offiziell, denn dort steht den Energiemanagern derselbe Steuerungscomputer für die Heizung zur Verfügung, den auch der Hausmeister hat. Nach einer Einführung in die Logik der sogenannten „zentralen Einzelraumsteuerung“ machen sich die Schülerinnen und Schüler daran, die Situation in den beheizten Klassenräumen, Toiletten, Fluren, Treppenhäusern und den Nebenräumen der Schule zu analysieren und zu verbessern.

Dabei stoßen sie u.a. auf folgende Sachverhalte, die sie teilweise am Computer selbst verbessern können, teilweise als Problemfall an die zuständigen Stellen – Bauverwaltung und technische Fachleute – weiterleiten müssen:

  • zu lange Heizzeiten, weil manche Hausmeister glauben, sie müssten selbst „vorheizen“, obwohl die Berechnung der Vorheizzeiten ja der Computer übernimmt
  • zu lange Heizzeiten, weil die sehr langsame Abkühlung von Klassenräume nach dem Heizende eine Abschalten der Heizung bereits vor dem Unterrichtsende zulässt
  • Beheizung von Nebenräumen wie Fluren, Toiletten und Treppenhäusern auf 20 Grad
  • Durchheizen auch in den großen Hofpausen, die eigentlich der gründlichen Durchlüftung der Klassenräume dienen sollen
  • viel zu lange Aufheizzeiten, die auf technische Probleme in der Anlage wie z.B. ungünstige Druckverhältnisse schließen lassen
  • hohe Temperaturen auch außerhalb der eigentlichen Heizzeiten, die teilweise auf defekte Ventile zurückzuführen sind
  • zu hohe Minimaltemperaturen – in manchen Schulen werden auch nachts und am Wochenende 18 Grad aufrechterhalten, obwohl 15 Grad ausreichend wären.

energiemanager_steuern_02Dass es aus Hausmeistersicht verständlich ist, möglichst großzügige Heizzeiten und im Zweifel auch Warmtemperaturen von 22 Grad – also zwei Grad über der Norm aus der Arbeitsstättenverordnung – einzustellen, leuchtet den Energiemanagern zwar ein. Denn über zu warme Räume beschwert sich keine Lehrkraft beim Hausmeister, denn dann macht man eben das Fenster auf. Aber angeblich zu kalte Räume führen schnell zu Beschwerden. Nun ist der Auftrag, den die jungen Energiemanager haben und der sie motiviert, aber ein anderer – sie wollen Energie einsparen und dafür sorgen, dass notwendige Reparaturen, die die Steuerbarkeit der Heizung verbessern, auch gemacht werden. In vielen der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen können Hausmeister und Energiemanager mit ihren unterschiedlichen Perspektiven gut umgehen. Dort redet man miteinander, tauscht sich aus und nimmt sich gegenseitig ernst.

Aber nicht immer klappt das so einfach. Es gibt auch Schulen, wo der Hausmeister Veränderungen am Heizprogramm, die die Schüler vorgenommen haben, einfach wieder rückgängig macht, ohne die Schüler zu verständigen. Die Energiemanager reagieren dann, indem sie ihre Vorschläge kommunizieren wie die untenstehende Collage zeigt. Das praktische Problem ist, dass viele der Energiemanager-Teams sich am Nachmittag nach 14 Uhr treffen, wenn die Hausmeister in der Regel schon Feierabend haben. Was tun?

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energiemanager_mit_schulleiter_01In der Klecks-Grundschule haben die Energiemanager deshalb die Schulleitung darum gebeten, einmal gleich zu Unterrichtsbeginn eine Versammlung der Klassensprecher einzuberufen, zu der auch der Hausmeister eingeladen wird. Die Versammlung hat auch geklappt, es waren sogar Eltern von Energiemanagern mit dabei. Für Schulleiter Niklas Stratenwerth (auf dem Bild rechts zusammen mit seinen Energiemanagern) war das Meeting erfolgreich, denn er habe jetzt noch genauer verstanden, worum es den Energiemanagern gehe. Die Idee, die Heizung möglichst schon eine Weile vor Unterrichtsschluss auszustellen, weil die Räume in seiner gut gedämmten Schule erst sehr langsam auskühlen, begrüßte er ausdrücklich. Den Hausmeister konnte man freilich noch nicht überzeugen, er möchte nicht, dass die Schüler selbst Einstellungen am Heizprogramm verändern. Die Energiemanager werden deshalb erst einmal die Situation nur analysieren, Verbesserungsvorschläge machen und auf Problembereiche hinweisen. Sie wollen das in den nächsten Monaten sehr intensiv machen. „Dann nerven wir halt auf diese Weise“, kündigten sie an. Auch das ist praktisches Lernen in Sachen Demokratie und Partizipation.

powerhouse_18xWenn es manchmal den Anschein hat, als ob die jungen Energiemanager in den Grundschulen mehr wissen und auch mehr wollen als manche Erwachsenen, so ist dieses Mehr-Wissen-Wollen auf jeden Fall auch spürbar gegenüber dem Lehrplan der Grundschulen. Verstehen zu wollen, was Energie ist, wie Energieumwandlungen stattfinden und vor allem auch, was erneuerbare Energien und Zukunftstechniken sind, motiviert die Energiemanager ganz besonders. Faktisch können die Projektbetreuer dabei auf wenig Vorwissen aufbauen, weil der naturwissenschaftliche Unterricht („Nawi“) in den Grundschulen überwiegend im Bereich der Biologie stattfindet, Physik und Chemie spielen eine sehr untergeordnete Rolle. Im einschlägigen Schulbuch für die Berliner 5. und 6. Klassen wird man im Sachregister die Begriffe „Strom“ oder „Generator“ vergeblich suchen.

powerhouse_6b_01Deshalb haben die „Köpfchen statt Kohle“-Betreuer eigene Konzepte entwickelt, um mit Hilfe von Experimentierkästen wie dem „Power House“ (KOSMOS) oder wasserstoffbetriebenen Modellfahrzeugen die Begeisterung und Lernbegierde der Schülerinnen und Schüler für Energiethemen zu unterstützen. Das geht freilich nicht, ohne den einfachen Teilchenbegriff, mit dem normalerweise Sechstklässler aus der Grundschule kommen, aufzubrechen und Atomkerne und Elektronen zu unterscheiden. Elektrischen Strom kann man nicht verstehen, wenn man den Charakter von Elektronen nicht modellhaft erfasst hat. Die Schulen, die sich bei „Köpfchen statt Kohle“ beteiligen, wünschen sich deshalb auch immer wieder für ganze Klassenstufen Projekttage und -wochen, in denen das Energiethema praktisch und experimentell vermittelt wird. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die auch im Energiemanager-Projekt aktiv sind, fallen dabei meistens durch ihr bereits vorhandenes Energiewissen auf. Aber alle Schüler zeigen bei dieser Gelegenheit ein enormes Interesse und wollen z.B. partout verstehen, warum im Siliziumgitter einer Solarzelle auch Phosphor- und Bor-Ionen eingebaut werden.

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WEITERE KURZNACHRICHTEN

thermostat_fixieren_01Am Ball bleiben: Die Energiemanager in der Grundschule am Hohen Feld kommen Schritt für Schritt bei der Fixierung von Thermostatventilen voran. Da es an dieser Schule keine zentrale Heizungssteuerung gibt, müssen alle frei drehbaren Thermostate einen Begrenzungsstift bekommen, damit sich nicht immer wieder zu hoch – auf Stufe 4 oder 5 – eingestellt werden. Derzeit sind die Flure für die Umstellung dran. Die Energiemanager an dieser Schule rekrutieren sich aus den vierten Klassen. Da einige der Kinder aus dem letzten Jahr weitermachen, sind jetzt auch Fünftklässler dabei – und nächstes Jahr vielleicht dann auch Sechstklässler.

freies_experimentieren_01Wenn Energiemanager das Energiezentrum im Havemann-Gymnasium nutzen, bauen sie dort meistens Solarmodelle. Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten für Grundschüler, dort experimentell Energiewissen zu erwerben. In einem Energielabor sind einige Versuche zu Elektrizität, Sonnen- und Windenergie und Energieumwandlungen aufgebaut. Die „Köpfchen statt Kohle“-Betreuer stellen fest, dass freies Experimentieren die Kinder am meisten motiviert. Projektleiter Richard Häusler würde sich noch viel mehr Material und Freiraum dafür wünschen: „Experimente, bei denen die Schüler nicht vorgegebene Wege gehen müssen, sondern eigene Versuche anstellen können und selbst auf Fragen stoßen, haben eine ungeheure Motivationskraft“, stellt er fest. Wenn man die Schüler dabei begleitet, ließen sich sehr viel nachhaltigere Lernerfolge erzielen als mit konventionellem Unterricht, ist er überzeugt.

energiemanager_mit_zertifikaten01Als Ansporn empfand die neue Energiemanager-Generation der Trelleborg-Grundschule den Besuch einiger „geprüfter“ Energiemanager aus dem letzten Schuljahr. Die Leitende Erzieherin Corinna Zepernick überreichte den Energiemanagern aus dem letzten Jahr ihre Zertifikate, nachdem das zum Schuljahresende nicht mehr geklappt hatte. Der Motivationserfolg war einige Wochen später bereits spürbar – die meisten der Neuen haben inzwischen den Theorietest für Energiemanager bereits absolviert.

interview_im_freien_01Besuch bekamen auch die Energiemanager der Grundschule unter den Bäumen – von einem Journalisten. Ralf Hutter (auf dem Foto rechts) wollte sich einen direkten Einblick in die Arbeit von „Köpfchen statt Kohle“ verschaffen, um im Januar dann in der Kindersendung „Kakadu“ des Deutschlandradios darüber zu berichten. Die Energiemanager zeigten dem Journalisten auch ihren bisher größten Erfolg, die Sanierung der beiden Giebelwände der Schule, die sie durch ihre Wärmebildaufnahmen im letzten Winter in Gang gesetzt haben.

powerhouse_djh_14Das experimentelle Lernkonzept zu erneuerbaren Energien, das bei „Köpfchen statt Kohle“ rund um das „Power House“ von Kosmos entwickelt worden ist, hat jetzt auch das Interesse des Deutschen Jugendherbergsverbands gefunden. Projektleiter Richard Häusler ist auf eine Tagung der Nachhaltigkeitsbeauftragten der deutschen Jugendherbergen nach Garmisch-Partenkirchen eingeladen worden, auf der sich acht Jugendherbergsleiter das Konzept erläutern ließen, um es auch praktisch zu erproben und künftig in das Angebot ihrer Häuser aufzunehmen.

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Schulhaus-Giebel mal anders – Kummerkasten-Strategie – „Köpfchen statt Kohle“ ist weiter politisch gewollt

die_ganze_truppe_01aÜber zwei ungewöhnliche Giebelwände freuen sich die Energiemanager der Grundschule unter den Bäumen in Berlin-Blankenburg. Nachdem sie im letzten Winter moniert hatten, dass die zahlreichen Spechtlöcher in den beiden gedämmten Giebelfassaden ihrer Schule Wärmelecks darstellten, die sie mit der Thermokamera belegen konnten, war das Baureferat des Bezirks aktiv geworden. Rechtzeitig zur nächsten Heizperiode wurden die Löcher nicht nur abgedichtet, sondern auch der Versuch einer nachhaltigen Lösung unternommen.

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An beiden Giebelwänden wurden mehrere Nistkästen-Batterien für Höhlenbrüter eingebaut, um die Vögel davon abzuhalten, die Fassade aufzupicken. Man setzt auf die Bequemlichkeit der gefiederten Schulhaus-Nachbarn, die einem solchen Angebot für schöneres und zerstörungsfreies Wohnen vermutlich nicht widerstehen können. Falls diese Rechnung nicht aufgeht, hat die Bauverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund eine zweite Option in die Hauswände eingebaut – an jeder Seite des Hauses wurden ganz oben in die Giebelwände je zwei große Greifvögel-Nistkästen integriert. Die Beutegreifer sind sozusagen die Polizei, die pickfreudige Spechte fernhalten sollen. Sobald es jetzt winterlich kalt wird, wollen die jungen Energiemanager die Situation auch wieder mit der Wärmebildkamera weiter beobachten und dokumentieren.

kummerkasten_01Auf ihrer „Klimatour“ durch Pankower Schulen besuchte Baustadträtin Christine Keil jetzt zwei Grundschulen, die etwas gemeinsam haben: Gerüste und Planen vor den Fenstern und Bauarbeiter überall im Haus. Die Schule am Falkplatz und die Carl Humann-Grundschule liegen im Prenzlauer Berg und haben neben steigenden Schülerzahlen auch umfangreiche bauliche Sanierungen bei laufendem Betrieb zu bewältigen. Die Jungen und Mädchen, die sich in diesen Schulen als „Energiemanager“ betätigen, können Baulärm, Dreck und Chaos aber auch etwas Positives abgewinnen. In knallorangenen Briefkästen sammeln sie jetzt die Ideen ihrer Mitschüler für eine Verbesserung der Situation in der Schule.

besuch_der_stadtraetin_05Im Gespräch mit den Fünft- und Sechstklässlern am Falkplatz erinnerte sich die Baustadträtin daran, dass eine Abordnung von Schülern vor zwei Jahren bei ihr im Weißenseer Rathaus war, um eine Petition gegen die zahlreichen undichten Fenster abzugeben. „Und jetzt werden die Fenster bereits alle von Grund auf saniert“, freute sich Christine Keil. Die Schüler fanden das ebenfalls gut, verwiesen aber gleichzeitig darauf, dass mit den gut abgedichteten Fenstern jetzt eine neue Herausforderung entsteht. Um auch im Winter gute Luft in den Klassenräumen zu haben, müssen Lehrer und Schüler das richtige Lüften lernen. Mit CO2-Messgeräten, die die jungen „Energiemanager“ in den Klassen aufstellen, wollen sie das unterstützen. Damit während längerer Lüftungspausen keine Energie verlorengeht, haben die Schüler Zugriff auf die Computersteuerung der Heizung. Hier können sie festlegen, dass die Thermostate dann schließen, wenn niemand im Raum ist. Die Anpassung der Heizzeiten an den tatsächlichen Stundenplan, ist ebenfalls Aufgabe der Schüler. An der Falkplatzschule gab es auch Zertifikate für die Energiemanager, die außerdem ihre „Kummerkästen“ vorstellten, in die Schüler und Lehrkräfte künftig ihre Ideen fürs Energiesparen werfen sollen. Christine Keil (Foto oben, Bildmitte) neben Schulleiterin Sabine Bachmann.

enthuellung_01In der Carl Humann-Schule wird diese Möglichkeit im Rahmen der derzeitigen Baumaßnahmen gerade neu geschaffen. Mit Thermostatventilen, die jeder einfach auf- und zudrehen kann, haben die Schülerinnen und Schüler, die sich im Rahmen des Lebenskundeunterrichts für das Energiesparen engagieren, keine guten Erfahrungen gemacht. „In den Toiletten waren im Winter immer die Fenster ständig offen und die Heizungen standen auf Stufe 5“, berichten sie. Daran möchten sie dauerhaft etwas ändern. Dabei haben sie die volle Unterstützung ihrer Schulleiterin Katrin Meissner ebenso wie von der Lebenskundelehrerin Kathrin Hillers.

besuch_stadtraetin_carl_humann_schule_04An beiden Schulen enthüllte Baustadträtin Christine Keil bei ihrem Besuch eine Plakette, die die Schule als „Köpfchen statt Kohle“-Schule ausweist. „Wir machen Zukunft“ steht darauf. Die Stadträtin versprach den Schulen, dass „Köpfchen statt Kohle“ auch in den nächsten Jahren durch einen beauftragten externen Dienstleister weiterhin unterstützt werde. Die Carl Humann-Schüler präsentierten Messgeräte und ein Plakat. Christine Keil (Foto rechts, Bildmitte) neben Schulleiterin Katrin Meissner und Lebenskunde-Lehrkraft Kathrin Hillers.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

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Mission completed – jeden Dienstagmorgen befreien die jungen Energiemanager der Grundschule am Falkplatz wieder ein paar Klassenräume von unnötigen Heizzeiten. Jede Stunde zählt, spart Energie und schont das Klima, davon sind sie überzeugt. Dafür stehen sie einmal die Woche besonders früh auf. Die Energie-Projektgruppe an dieser Schule trifft sich nämlich zusammen mit ihrem Lehrer Elia Henze und dem externen Projektbetreuer der stratum GmbH, Richard Häusler, schon Punkt 7 Uhr in der Schule.

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Zu den Lerneffekten, die die Teilnahme an den „Köpfchen statt Kohle“-Projekten mit sich bringt, gehört zum Beispiel auch, dass die Kinder lernen, wie Strom aus Bewegung entsteht. Das wird jedoch nicht nur theoretisch vermittelt, sondern durch Experimentieren und Erleben. Zu diesem Zweck tourt nicht nur jedes Schuljahr das „Energierad“ durch die Schulen, die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitmachen. Die Betreuer des Programms bringen auch immer wieder neue spielerische Ideen mit – wie z.B. den „Dynamocopter“, einen Leichthubschrauber, den die Kinder durch Drehen an einem Dynamo selbst fliegen lassen können. Erlebnis und eigenes Ausprobieren und Handeln, so ist man bei „Köpfchen statt Kohle“ überzeugt, liefert die besten Lernergebnisse auch in Sachen „Energie“.

planung_am_grundriss01Die „Köpfchen statt Kohle“-Energiemanager wollen aber nicht nur etwas lernen, sondern an ihre Schule auch die Energiebilanz verbessern. Dazu fixieren sie zum Beispiel in der Grundschule am Hohen Feld die an sich drehbaren Heizungsthermostate auf einer Einstellung, die für angenehme Temperaturen sorgt, ohne dass jedoch überhitzte Räume durch Fensterlüftung „reguliert“ werden. Denn dabei geht viel Energie verloren, wissen die Grundschüler. Um den richtigen Fixierpunkt am Thermostaten zu finden, ist auch die Lage eines Schulraumes innerhalb des Gebäudes wichtig. Deshalb planen die Schüler ihre Aktion unter anderem anhand der Grundrisse sämtlicher Etagen in ihrer Schule. Auf den Grundrissen dokumentieren sie auch die vorgenommenen Einstellungen für jeden einzelnen Raum.

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Ideale Bedingungen haben die Energiemanager in der Paul Lincke-Schule derzeit noch nicht für ihre Arbeit. Der Unterrichtsraum für Naturwissenschaft (Nawi-Raum), wo sie sich treffen, ist nicht nur etwas zu klein, sondern es ist auch noch ein reiner „Kreidetafel-Raum“. Ein elektronisches Smartboard mit Internet-Anschluss, damit die Schüler selbst recherchieren und Videos und Animationen für ihre Lernarbeit nutzen können, soll allerdings bald angeschafft werden. Derzeit beschäftigen sich die Schüler neben der Heizungssteuerung auch mit regenerativen Energien. Dabei lernen sie, wie in einer Solarzelle aus Licht elektrischer Strom wird oder warum ein LED-Lämpchen nur leuchtet, wenn das den Strom erzeugende Windrad sich in der richtigen Richtung dreht. Um die Lern- und Experimentiermodelle von einer Woche auf die andere sicher zu verstauen, muss der das Projekt begleitende Lehrer, Ralph Brinkmeier, auf den Tisch klettern; nur oben auf dem drei Meter hohen Schrank ist noch Stauraum frei…

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Es sind immer mehrere Themen, die die Energiemanager-Gruppen parallel und arbeitsteilig bearbeiten. In der Grundschule am Sandhaus sieht das so aus, dass beispielsweise ein Teil der Schüler sich für das Einstellen von Messgeräten interessiert, die in Klassenräumen aufgestellt werden, damit Schüler und Lehrer objektiv feststellen können, wie warm es ist und wie hoch die CO2-Werte der Luft sind. Ein anderer Teil der Gruppe lernt anhand von Videos, was elektrischer Strom eigentlich ist – nämlich Elektronenbewegung, während wieder andere sich mit einer Nutzanwendung beschäftigen und Solarpanels an Fenster anbringen, mit denen sie ihre Handys aufladen können. Wieder andere machen Versuche mit einem Generator noch einmal, um das Prinzip der Umwandlung mechanischer in elektrische Energie zu verstehen. Diese Differenzierung, so Projektleiter Richard Häusler, macht es möglich, dass sich die Kinder ihren eigenen Weg zur Thematik erschließen. „Mit der eigenen Neugier und ihrem individuellen Lernstil kommen die Kinder am weitesten“, ist Häusler überzeugt.

stats_2015Zugriffe auf die Website von „Köpfchen statt Kohle“ verzeichnet die Statistik inzwischen fast weltweit. Seit 2012 gab es fast 50.000 Views und über 15.000 Besucher auf www.koepfchenstattkohle.org. Die Grafik zeigt die Regionen, aus den gelb markierten Ländern und Regionen kamen die Besucher bisher, die meisten natürlich (rot markiert) aus Deutschland.

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