Köpfchen statt Kohle …gewinnt den Energy Award …wird digital …bleibt innovativ

Das war ebenso überraschend wie überwältigend: stratum bekommt für „Köpfchen statt Kohle“ einen der fünf Handelsblatt Energy Awards 2017. Mit unserem innovativen Ansatz und der durchgehaltenen Praxis in 18 Berliner Schulen gab uns die Jury den ersten Preis in der Kategorie „Utilities und Stadtwerke“. Überreicht wurde die Auszeichnung in einer glänzenden Gala am 28. September im Berliner Museum für Kommunikation. stratum-Geschäftsführer Richard Häusler und Projektleiterin Inga Jacobsen nahmen den Preis aus der Hand der Laudatoren Marion Schulte und Jens Raschke (BearingPoint) entgegen (Foto oben). Die Jury des Handelsblatt Energy Awards würdigt unser Konzept, Schüler zu „Energiemanagern“ zu machen, als einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Auf der Galaveranstaltung bekamen wir auch immer wieder die Rückmeldung; „Toll, dass man bei euch sehen kann, was die Energiewende mit den Menschen zu tun hat!“ In dem mehrseitigen Bericht der Handelsblatt-Ausgabe vom 2. Oktober 2017 wurde unser Markenname „Köpfchen statt Kohle“ sogar als Headline der Preisträger-Rubrik verwendet. (Fotos: Nils Bröer und Ulf Büschleb)

Die Sonderveröffentlichung von Handelsblatt und General Electric beschreibt „Köpfchen statt Kohle“ so: „Leuchtet die Lampe grün, ist alles Ok. Bei Gelb sollte und bei Rot muss der Klassenraum gelüftet werden. Die von den Schülern selbst installierten Messgeräte in 18 Berliner Schulen messen den CO2-Gehalt in Klassenräumen und helfen heute schon erwiesenermaßen beim Energiesparen. Richard Häusler, Geschäftsführer der Agentur stratum, erklärt das Problem: ‚In öffentlichen Gebäuden kümmert sich keiner darum, wie lange das Licht brennt oder wenn es etwa in Schulen im Klassenzimmer zu warm ist, wird einfach das Fenster geöffnet.‘ ‚Köpfchen statt Kohle‘ heißt das Berliner Programm, in dem Schüler als Energiemanager etwa die Kontrolle über die zentrale Heizungsanlage ihrer Schule bekommen und selbst die Energie managen. Ist es in einer Klasse etwa zu kalt, schreiben die Schüler Postkarten, werfen sie in einen roten Postkasten und ihre Mitschüler-Energiemanager regeln das und sind mit Begeisterung dabei. Sogar defekte Thermostate tauschen sie aus oder installieren die CO2-Messgeräte. So verstehen die Schüler schnell die Systematik und bekommen eine Ahnung davon, wie tatsächlich Energie gespart werden kann.“

Die Sonderbeilage und der Zeitungsbericht stehen im Download-Bereich (Presse) dieses Weblogs zur Verfügung, das 90-Sekunden-Video, das Lars Tepel für den Energy Awards-Wettbewerb über uns gedreht hat, ist im Infoframe verlinkt.

Der Einsatz von Messgeräten gehört zum Alltag der „Köpfchen statt Kohle“-Projekte und ist ein entscheidender Beitrag zur Objektivierung von Problemen. Temperatur, Luftfeuchte, CO2-Gehalt der Luft oder Beleuchtungsverhältnisse an Schüler-Arbeitsplätzen werden so handhabbar. Die Daten werden von den Schülerinnen und Schülern ausgewertet und interpretiert und sind die Grundlage für Verbesserungsvorschläge und Informationskampagnen in den Schulen. Allerdings sind die Messgeräte auch teuer. Um einen Klassenraum mit einem Messdisplay und einem Datenlogger zur Messwertaufzeichnung auszustatten, muss man etwa 400 Euro ausgeben. Eine sehr viel kostengünstigere Lösung, die außerdem die Verfügbarkeit der Daten sogar noch verbessert und die Aktivität der jungen Energiemanager erweitert, eröffnen uns die kleinen Einplatinen-Computer, die unter der Bezeichnung „Raspberry Pi“ und „Arduino“ jetzt auf den Markt gekommen sind. In mehreren „Köpfchen statt Kohle“-Schulen sollen die erweiterten Möglichkeiten in diesem Schuljahr getestet werden:

  • Temperatur- und Luftfeuchte Überwachung in Klassenräumen: Laufende Messung der Raumtemperatur, Übertragung der Daten in die Cloud, Export in ein Datenbank-Format, Bereitstellung über eine App
  • CO2-Überwachung in Klassenräumen: wie oben; hinzu kommt die Anforderung, über eine Smartphone-App die aktualisierte Datenausgabe für den jeweiligen Raum in Echtzeit zu ermöglichen
  • Feinstaub-Messung in unmittelbarer Nähe des Schulgebäudes; Datenübertragung per WLAN und Bereitstellung der Daten über eine App
  • Stromverbrauchsmessung an Geräten (z.B. PC-Räumen); berührungslose Messung an der Verbraucher-Zuleitung; Datenausgabe etc. wie oben
  • Aufbau einer Wetterstation: Die Auswertung der Daten sollte in Beziehung gesetzt werden zu Untersuchungen der Leistung einer Solarablage oder zur Optimierung einer Heizungssteuerung
  • Erhebung der Leistungsdaten von kleinen Solaranlagen: Erfassen der relevanten Parameter für die Visualisierung im Schulbetrieb, Erklären des Funktionsprinzips und Verhaltens von Solarzellen, Analyse der Leistungsparameter, Optimierungen

Als Experten für diese Projekte haben wir Dr. Martin Lützelberger gewonnen, der an einer unserer „Köpfchen statt Kohle“-Schulen auch eine Raspberry-AG leitet und unseren Energiemanagern das nötige technische und Programmier-Knowhow vermitteln kann.

Da die „Raspberry Pi“-Revolution derzeit auch genutzt wird, um insgesamt die Digitalisierung des Schulunterrichts voranzutreiben, können wir vielleicht damit auch einen Beitrag zur Modernisierung der Schulen leisten. Die neue smarte Technologie birgt Lösungen für viele Probleme, die die digitale Öffnung der Schulen bisher behindert haben. So lassen sich z.B. mit kleinen Routern WLAN-Netze aufbauen, die vom Internet getrennt sind, aber Schülern und Lehrern eine gemeinsame digitale Lernumgebung schaffen.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

Die kontinuierliche Arbeit, die uns bei „Köpfchen statt Kohle“ in den Schulen ermöglicht wird, kommt der Nachhaltigkeit der Projektarbeit zugute. Viele Schüler bleiben über mehrere Jahre in den Projekten. Dadurch lernen die älteren und erfahreneren Schüler beispielsweise, wie sie selbst die Neuen in die Projektarbeit und den Umgang mit den Mess- und Steuerungstechnologien einführen können. Außerdem können Erfahrungen ausgewertet und Kompetenzen aufgebaut werden, die eine ständige Verbesserung ermöglichen. So haben die Schüler am Robert-Havemann-Gymnasium beispielsweise im letzten Schuljahr damit begonnen, kleine Videos für einen eigenen Youtube-Kanal zu produzieren. Inzwischen sind sie so selbstkritisch, dass sie daran denken, ihre Videoproduktion zu verbessern und „professioneller“ zu machen. Da im Lauf der Jahre zudem viele Handlungsstränge an den Schulen aufgebaut werden, stellt sich für viele Projektgruppen die Aufgabe, arbeitsteilig vorzugehen. Am Robert-Havemann-Gymnasium haben die jungen Energiemanager zum Start des Schuljahres eine Liste von fünf Arbeitspaketen aufgestellt, die sie im Lauf des Jahres bewältigen wollen:

„Köpfchen statt Kohle“ bietet den Schulen über die eigentliche Projektarbeit hinaus auch Projektwochen zum Thema „Erneuerbare Energien“ an. Genutzt wurden dafür bisher der Kosmos-Bausatz „Power-House“ und „Das Ökologische Haus“ von Clementoni. Beide Experimentier-Sets werden jedoch nicht mehr hergestellt und es gibt auf dem Markt keine vergleichbaren Angebote.  Deshalb haben stratum und die drei Initiatoren eines Startups der DLR in Adlershof (auf dem Foto von links: Richard Flachmeier, Elzbieta Noga, Christian Ritschel) geplant, ein neues „Ökologisches Haus“ zu entwickeln, das die Vorteile der bisherigen Experimentierkästen (einfache Gestaltung von Begleitmaterial, sinnvoller Rahmen für eine Projektwoche) übernimmt und die Nachteile (Qualität des Materials, fehlende Anpassbarkeit und Modularität) aufhebt. Die Startup-Gründer haben als Geschäftsidee, für Schulen und Bildungseinrichtungen hochwertige, herausfordernde und flexible naturwissenschaftliche Experimentierumgebungen zu entwickeln. Im Rahmen eines Workshops, der von ihnen geleitet wird, haben Schüler und Lehrkräfte demnächst die Chance, Ideen und Prototypen für das „Ökologische Haus“ zu entwickeln. Methodisch wird dabei der Ansatz des „Design Thinking“ verwendet. Wir werden berichten…

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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