Pankows Bürgermeister schließt Klimavertrag mit den „Köpfchen statt Kohle“-Schulen – Stadtrat: „Ein Erfolgsmodell“ – Die Hardware ist oft das Problem

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Der große Saal im Rathaus Pankow war überfüllt, als am 3. Mai Bezirksstadtrat Dr. Torsten Kühne (Bild oben, rechts) die „Energiemanager“ der 17 Pankower „Köpfchen statt Kohle“-Schulen begrüßte. Kühne ist seit einem halben Jahr im Amt als Schul- und Baustadtrat. Das Bauressort nennt sich neudeutsch jetzt „Facility Management“, wie Kühne den etwa hundert Schülerinnen und Schülern erklärte, die an diesem Vormittag drei Stunden ohne Pause durchhielten. Diese Ausdauer mag auch damit zusammenhängen, dass sich die jungen „Energiemanager“ keine langen Reden anhören mussten. Sowohl Stadtrat Kühne als auch Bürgermeister Sören Benn fassten sich kurz, suchten den Dialog und hörten gerne zu, als die Schüler-Teams ihre Arbeit und ihre Projekte vorstellten.

Torsten Kühne ist seit langem in der Pankower Bezirkspolitik, er kennt also auch „Köpfchen statt Kohle“ nicht erst seit er auch qua Amt für dieses Projekt zuständig ist. Früher waren das Schul- und das Bauressort im Bezirk getrennt. Dass es nun in einer Hand liegt, könnte ein Vorteil sein, wie Projektleiter Richard Häusler erklärte: „Die Wege zwischen Schul- und Bauamt werden möglicherweise kürzer und es gibt nur einen, der schuld ist, wenn etwas nicht klappt.“ Diese Verantwortung nahm Torsten Kühne ohne Einschränkung an und ließ sich zum Zeichen der Gemeinsamkeit mit den Zielen von „Köpfchen statt Kohle“ ein „Energiemanager“-T-Shirt überreichen, das er auch an Ort und Stelle überstreifte. Als Physiker seien ihm die technischen Zusammenhänge der Energieversorgung nicht fremd, erklärte er. „Köpfchen statt Kohle“ bezeichnete er als „ein Erfolgsprojekt an 17 Pankower Schulen“ und er gratulierte den anwesenden Schülerinnen und Schülern dazu, dass sie zu denen gehörten, die davon profitierten: „Kinder und Jugendliche lernen am praktischen Beispiel ihrer Schule wie Energiesparen und Klimaschutz funktioniert. Keine graue Theorie, sondern lebendige Praxis. So macht Schule Spaß“, wusste Kühne. Und die anschließenden Präsentationen der Schülergruppen stellten dies unter Beweis. Das Spektrum der Themen reichte von der Übernahme der zentralen Heizungssteuerung am Computer durch die Schüler über fast wissenschaftliche Untersuchungen zur Luftqualität und das Lüftungsverhalten in Klassenräumen bis zur Projektierung von Schüler-Solaranlagen und Experimenten zur Stromgewinnung durch Bakterien.

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Highlight der Veranstaltung war die Unterzeichnung eines „Klimavertrages“ zwischen dem Bezirk Pankow und den „Köpfchen statt Kohle“-Schulen. Bürgermeister Sören Benn nahm sich die Zeit, mit jeder der Schulen ein Vertragsdokument zu unterzeichnen. Dies ist der Wortlaut der Vereinbarung:

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Natürlich gab es von jeder Schuldelegation dann auch ein offizielles Foto mit dem Bürgermeister. Durch die Vereinbarung ist für die laufende Wahlperiode, die bis 2021 geht, sichergestellt, dass der Bezirk sich zusammen mit den Schulen für mehr Energieeffizienz und Klimaschutz engagieren wird.

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neue_heizventile_01Eines der Probleme, auf die die jungen Energiemanager bei ihren Recherchen und Messungen immer wieder stoßen, ist die Diskrepanz zwischen den Steuerungsbefehlen und den Auswertungen der Heizungscomputer und der Realität in den Schulklassen. Die Schüler berichteten sowohl über zu kalte als auch über zu warme Räume, über nicht richtig angebrachte Temperaturfühler und anscheinend nicht funktionierende Thermostatventile. An sich ist die Computersteuerung der Heizungseinstellungen ein großer Fortschritt gegenüber den von Hand drehbaren Thermostaten.

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Doch wenn die hinter der Steuerungsoberfläche des Computers stehende Hardware des Heizungssystems fehlerhaft ist, ergeben sich für die jungen „Energiemanager“ eine Menge von Fragen, die sie in Briefen und E-Mails an die Techniker und die Bauverwaltung weiterleiten. In der Carl-Humann-Schule wollen die Schüler demnächst einen Vorrat an Thermostatventilen ordern, um sie bei Bedarf gleich einzubauen. Denn Lehrkräfte und Erzieher berichten an dieser Schule, dass immer wieder Ventile abbrechen. Im Gegensatz zu den früher verwendeten Ventilen sind an dieser Schule die Ventile nicht mit einem Metall-, sondern einem Kunststoffgewinde angeschraubt. Den Ventilaustausch beherrschen die „Energiemanager“, die passenden Maulschlüssel und Zangen gehören zu ihrer Ausrüstung.

Mit einem anderen technischen Problem sehen sich die Schüler an der Falkplatzschule konfrontiert. Nachdem auch hier der Steuerungscomputer eine Menge Ungereimtheiten offenbart, haben sie sich die Verbrauchsdaten ihrer Schule aus den beiden zurückliegenden Jahren besorgt. Dabei fällt eine sehr deutliche Steigerung des Wärmeenergieverbrauchs von 2015 nach 2016 auf. Auf dem Poster, das das Falkplatz-Team im Rathaus Pankow präsentierte, stellen die Schüler deshalb fest: „Was uns besonders Sorgen macht: Obwohl unsere Schule letztes Jahr eine neue Fernwärmeheizung und dichte Fenster bekommen hat, verbrauchen wir jetzt mehr Wärmeenergie als vorher!!!“ Sie fragen: Hängt das mit der Umstellung auf Fernwärme und der nicht erfolgten Anpassung der Regelungssysteme zusammen?

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WEITERE KURZNACHRICHTEN

kuehne_und_lichtenberg_schueler01Lichtenberg zu Gast beim Pankower Energiemanager-Gipfel: Auch sie waren am 3. Mai ins Rathaus gekommen – die Schüler, die die „Köpfchen statt Kohle“-Mission in den Pankower Nachbarbezirk tragen. Zusammen mit ihrer Schulleiterin Beate Natusch wurde die Delegation der Grundschule auf dem lichten Berg von Stadtrat Torsten Kühne begrüßt. „Wir arbeiten uns erst ein“, stellten die Lichtenberger Schüler fast entschuldigend fest, nachdem sie gesehen hatten, was ihre Pankower Vorbilder alles auf die Beine stellen.

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Falkplatz-Schule: Lichtschalter-Appelle. Natürlich beschäftigen sich die „Köpfchen statt Kohle“-Gruppen nicht nur mit der Heizung. Zwar sind ca. 75 Prozent der Energie, die Schulgebäude verbrauchen, Wärmeenergie. Aber auch der Stromverbrauch ist im Visier der Energiedetektive. Die Falkplatzschüler haben sich dazu etwas einfallen lassen. Im Rathaus Pankow berichteten sie über Ihre Lichtschalter-Aktion: „Wir sind eine große Schule und haben jede Menge Lichtschalter. Alle Lichtschalter können wir selbst ein- und ausschalten. Es gibt keine Zeitschalter und auch keine Bewegungsmelder für die Beleuchtung an unserer Schule. Deshalb sollten alle – die Schüler/innen und die Lehrkräfte – darauf achten, das Licht auszuschalten, wenn es nicht gebraucht wird. Um uns alle immer wieder daran zu erinnern, malen wir jede Menge kleiner ‚Licht aus‘-Schilder und kleben sie über die Lichtschalter. Wir meinen, solche bunten und lustigen Bilder werden besser beachtet, als wenn wir nur einen trockenen Text ‚Bitte mach das Licht aus‘ verwenden würden.“

energiemanager_at_work_01Homer-Grundschule: Nachwuchs ausgebildet. Das durchgehende Prinzip bei „Köpfchen statt Kohle“ ist ein möglichst hohes Maß an Selbstständigkeit der „Energiemanager“. Die Betreuer agieren nicht als „Lehrer“, sondern eher als Coaches und Unterstützer. Alle Probleme, auf die die Schülerinnen und Schüler während ihrer Aktivitäten stoßen, müssen sie prinzipiell auch selbst lösen. Deshalb haben sich die „Energiemanager“ in der Homer-Grundschule – alles Sechstklässler, die nächstes Jahr nicht mehr an der Schule sein werden – auch für die Rekrutierung des Nachwuchses verantwortlich gefühlt. Sie sind in den letzten Wochen durch die vierten und fünften Klassen gegangen und haben geworben- Acht neue konnten auf diese Weise bereits jetzt gefunden werden, die im nächsten Schuljahr die Aufgaben übernehmen wollen. Auch die Einarbeitung der neuen – z.B. am Heizungsprogramm – übernahmen die „alten Hasen“ selbst.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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