Auf der Pole Position ins dritte Projektjahr

Im nächsten Schuljahr geht „Köpfchen statt Kohle“ in das dritte – und entscheidende – Projektjahr. Die ersten beiden Projektjahre dienten dem Vertrauensaufbau, der Entwicklung und Erprobung der didaktischen Projekte und der technischen Überprüfung der beteiligten Schulen und Einrichtungen. Dass man dabei nicht erfolglos war, zeigen auch einige Preise in Wettbewerben, die „Köpfchen statt Kohle“-Schulen gewonnen haben. Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt „Köpfchen statt Kohle“ auf dem Schulportal für Verbraucherbildung.

„Im dritten Jahr wollen wir die Nachhaltigkeit sichern und so etwas wie eine Energiekultur an den Schulen etablieren“, sagt Projektleiter Richard Häusler. Einer der Wege, die dahin führen, werde die systematische Ausbildung von „Energiemanagern“ in allen Klassen ab Stufe 3 sein. In den folgenden sechs Beispielen wird dargestellt, wie die einzelnen Schulen es im kommenden Schuljahr anpacken werden. Diese Schulen stünden auf der Pole Position, meint der „Köpfchen statt Kohle“-Projektleiter.

Grundschule am Kollwitzplatz: Diese Schule ist der Champion der diesjährigen Wettbewerbs-Saison. Nach dem mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis im BP-Wettbewerb „Klima & Co“ (siehe Foto) erhielt die Projektgruppe der fünften und sechsten Klassen unter Leitung ihres Lehrers Michael Temme letzte Woche auch den ersten Preis beim Pankower Umweltpreis-Wettbewerb „Pankow unter Strom“. Umwelt-Bezirksstadtrat Torsten Kühne überreichte den Preis von 500 Euro mitsamt der „Goldenen Kröte“ als Trophäe des Wanderpreises. Am wirksamsten dürfte jedoch die Auszeichnung sein, die die Grundschule am Kollwitzplatz von der Berliner Senatsbildungsverwaltung als eine von insgesamt 17 Berliner Schulen bekommen hat – das Siegel „Berliner Klima Schule 2012“. Dieses Siegel wird seit diesem Schuljahr erstmals an Schulen vergeben, die das Thema Klimaschutz in besonderer Weise in ihr Unterrichtskonzept integrieren. Dabei geht es aber nicht nur um eine symbolische Auszeichnung zur Motivation der pädagogischen Arbeit. Erstmals hat eine solche Auszeichnung auch materiellen Wert für die bauliche Ausstattung einer Schule: „Ausgezeichnete öffentliche Schulen werden überdies besonders bei der Vergabe von Mitteln aus dem Berliner Schulanlagensanierungsprogramm berücksichtigt“, heißt es in der Verlautbarung der Schulsenatorin Sandra Scheeres.

Die Carl Humann-Grundschule steigt erst mit dem kommenden Schuljahr in die praktische Projektarbeit ein – aber hier sind alle Voraussetzungen für schnelle praktische Erfolge gegeben: Eine aufgeschlossene Schulleitung, eine engagierte Lehrkraft und ein ansprechbarer Hausmeister, der beim Thema „Energiesparen“ mitdenkt. Als Besonderheit kommt hinzu, dass die Schule derzeit eine große Baustelle ist: Denkmalschutz und energetische Sanierung stehen an und ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, die kommendes Schuljahr im Energieprojekt mitarbeiten, auf die Bauarbeiten Einfluss zu nehmen. Wo machen Bewegungsmelder Sinn? Wieso werden die alten Thermostatventile nicht gegen elektronisch steuerbare ausgetauscht!? Solche Fragen werden sie stellen und eigene begründete Vorschläge zum Energiesparen machen.

An der Thomas Mann-Grundschule wird im kommenden Jahr ein eigener Wahlpflichtkurs „Energie“ eingerichtet. Die Vorarbeit einiger Schüler aus dem Demokratiekurs unter Leitung der Lehrerin Diana Gramatté hat sich gelohnt. Die Schulleiterin ist vom Sinn eines schulweiten Energieprojekts überzeugt. Weil keine Lehrkraft für die Betreuung des neuen Wahlpflichtkurses zur Verfügung stand, springt kurzerhand eine Mutter ein, die zwei Kinder an der Schule hat. Die Architektin organisiert eine Bürgerinitiative im Kiez und wird unterstützt durch „Köpfchen statt  Kohle“-Mitarbeiter nun zum ersten Mal in ihrem Leben in die Lehrerrolle schlüpfen.

Die Schule am Falkplatz ist die zweite der beiden Schulen im Bezirk Pankow, die – neben der Grundschule am Kollwitzplatz – das Klimasiegel der Senatsverwaltung erhalten hat. Die Energieprojektgruppe macht sich derzeit für eine Sanierung aller 130 alten Kastendoppelfenster stark, für 20.000 Euro notwendig sind. Der positive Effekt einer Abdichtung für die Energiekosten und das Klima ist bereits belegt, nachdem die Projektgruppe einen Fensterbauer dazu bewegen konnte, einen exemplarischen Klassenraum abzudichten. Kommende Woche will die Projektgruppe im Rathaus Weißensee ihren begründeten Antrag an Bezirksstadträtin Christine Keil übergeben. Sollte es nicht gelingen, die Mittel für die Abdichtung aus dem Bezirksetat zu bekommen, würden die Schüler Sponsoren für jedes einzelne Klassenzimmer suchen, die sich mit 600 bis 800 Euro beteiligen. Im kommenden Schuljahr sollen von der Energie-Projektgruppe auch in allen Klassen „Energiemanager“ geschult werden, damit jede Klasse selbst die Heizungssteuerung und die Überwachung des Raumklimas selbst übernehmen kann (Foto). Weil das nur Sinn macht, wenn defekte Heizkörperventile und Temperaturfühler rechtzeitig aufgespürt und ausgetauscht werden, hat die Gruppe mit der Bauverwaltung Anfang September einen Ortstermin für die Heizungsüberprüfung vereinbart.

Die Robert Havemann-Schule ist das einzige Gymnasium, das bisher bei „Köpfchen statt Kohle“ mitmacht. In diesem Schuljahr hat ein Physikkurs von Neuntklässlern die Quellen der Energieverschwendung an der Schule untersucht. Sowohl bei der Heizung als auch beim Stromverbrauch sind sie fündig geworden. Schätzungsweise 30.000 Euro ließen sich jährlich einsparen. Im kommenden Schuljahr werden 7.- und 8.-Klässler im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft das Projekt weiterführen und nach Möglichkeiten suchen, die Verschwendung zu minimieren. Unter anderem werden sie sich Gedanken machen, wie man die durchgehend brennende Flurbeleuchtung in die Griff bekommt. Denn auch wenn durch Fenster und Glasdächer das gleißende Sonnenlicht in die Flure scheint, brennt die volle Batterie der Flurleuchten (Foto). An der Robert Havemann-Schule soll im kommenden Schuljahr außerdem die Einrichtung einer zentralen Lern- und Experimentierwerkstatt zum Thema „Energie“ erfolgen, um alle Pankower Schulen bei Unterrichtsprojekten gegen die Energieverschwendung zu unterstützen.

Die Klasse 5b der Schule am Hohen Feld wird ihr Energieprojekt ins neue Schuljahr mitnehmen und dabei weiterhin durch ihre Naturwissenschaftslehrerin Steffi Barchewitz unterstützt werden. Um möglichst alle Klassen in die Verbesserung der Energiebilanz der Schule einzubinden, hat die 5b die erste Ausgabe einer eigenen Energiezeitung „Das Energiesparschwein“ herausgebracht, die gedruckt und an alle 500 Schülern und Lehrkräfte verteilt wurde. Damit ist die Grundlage geschaffen, um im neuen Schuljahr die Vorschläge für die Heizungseinstellung und das Lüftungsmanagement über die Klassensprecher in alle Schulklassen zu tragen. Unter anderen verfolgt die Projektgruppe das ehrgeizige Ziel, eine möglichst niedrige konstante Thermostateinstellung zu realisieren. An durchschnittlich kalten Wintertagen genüge eine Einstellung auf „1“, um eine angenehme Raumtemperatur in den meisten Räumen zu haben, sind die Fünftklässler überzeugt. Das von „Köpfchen statt Kohle“ begleitete Konzept für den Energie-Projektunterricht in der Schule am Hohen Feld wurde inzwischen auch zum europäischen Wettbewerb U4ENERGY zugelassen. Vielleicht wird im Herbst aus dem Teilnahmezertifikat (Foto) sogar eine Siegerurkunde…

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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