Messtechnik und Ergebnisorientierung sind die wesentlichen Motivationsfaktoren – Schüler von zehn „Köpfchen statt Kohle“-Schulen befragt

Seit zwei Jahren verfolgt die Bezirksverwaltung in Berlin-Pankow mit dem Projekt Köpfchen statt Kohle einen innovativen Ansatz mit dem Ziel, die vorhandenen Potenziale zur Energieeinsparung in öffentlichen Gebäuden durch intensivere Einbindung der Nutzer zu realisieren. Dieser Ansatz ist insbesondere in Schulen des Bezirks – Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien – zum Tragen gekommen. Über den Projektverlauf informiert der Weblog unter www.koepfchenstattkohle.org.

Eine von stratum® durchgeführte Befragung hat nun die Motivation und das Feedback von 214 Schülern, die an Köpfchen statt Kohle-Projekten teilnahmen, genauer untersucht. Schüler von insgesamt zehn teilnehmenden Partnerschulen füllten dazu einen Fragebogen aus.

Zentrale Fragen waren hierbei, was für die Schülerinnen und Schüler persönlich am interessantesten an der Projektarbeit war, ob das Projekt wiederholt werden sollte und welche Ziele von Köpfchen statt Kohle als die wichtigsten angesehen werden.

Absolutes Highlight war für den Großteil der Befragten (83 %) der Umgang mit den Messgeräten, mit denen sie unter normalen Umständen nie in Berührung gekommen wären. Ausgerüstet mit Wärmebildkameras, professionellen Messgeräten für Temperatur und Luftqualität sowie mit Strommessgeräten gehen die Schüler in den unterschiedlichen Projektgruppen dem Energieverbrauch in der Schule auf den Grund. Doch nicht nur die moderne Gerätetechnik scheint sie zu faszinieren, sondern auch die Möglichkeit, damit reale Ergebnisse zu erzielen und so die Auswirkungen ihres Handels nachvollziehbarer zu machen. Für 71 % der befragten Schüler ist die Ergebnisorientierung ein besonderer Ansporn, sich im Energieprojekt zu engagieren. Sie spüren technische Mängel an den Gebäuden auf, entwickeln Verhaltensalternativen für Schüler und Lehrkräfte, suchen nach Wegen für Information und Aufklärung, suchen den direkten Austausch mit Verantwortlichen in Verwaltung und Politik und beteiligen sich mit ihren Projekten an Wettbewerben, um Verbesserungsmaßnahmen auch finanziell unterstützen zu können.

Gerade in den offenen Antworten wurde immer wieder von den Schülern betont, dass die Projekte den Unterricht (insbesondere die naturwissenschaftlichen Fächer) sinnvoll ergänzen und methodisch bereichern. Inwieweit sich die Köpfchen statt Kohle-Projekte  in den Unterricht integrieren lassen, ist eine Frage, die freilich in erster Linie von den Lehrkräften beantwortet werden sollte. Da die Zahl der an solchen Projekten bisher direkt beteiligten Lehrkräften überschaubar ist (ca. 20), soll eine qualitative Befragung der Lehrkräfte im nächsten Schuljahr darüber Aufschluss geben.

Betrachten wir die Antworten auf die Frage, was die wichtigsten Ziele von Köpfchen statt Kohle aus Sicht der Schülerinnen und Schüler sind. Bereits bei Viertklässlern zeigt sich ein verstärktes Bewusstsein für die Relevanz von energieeffizienterem Verhalten in Aussagen wie „Ich finde es schön, dass wir mit unserem Projekt ganz Deutschland helfen“ .

Das von der Bezirksverwaltung Pankow gesteckte Ziel, energiesparendes Verhalten an den Schulen zu fördern, scheint bei den Schülern klar angekommen zu sein. Mit 77 % ist dieses Ziel das am meisten genannte. Zusammen mit dem hohen Wert für die Aussage „einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“ (65 %) zeigen diese Ergebnisse, dass die objektive Zielebene im Vordergrund steht – im Vergleich zum subjektiven Ziel „Spaß haben“, das 56 % Zustimmung erhält. Mit fast 50 % bekommt auch die „Behebung technischer Mängel“ hohe Bedeutung in den Projekten. Dieses Ergebnis zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler bei ihren Messungen, Beobachtungen und Untersuchungen häufig auf Probleme stoßen, die im technischen Bereich von Heizanlagen, Steuerungssystemen, Wärmedämmung etc. liegen.

Erstaunlich ist, dass in den Augen der Schüler der finanzielle Effekt einer Projektbeteiligung das am seltensten genannte Ziel von Köpfchen statt Kohle darstellt. Geld scheint der geringste Anreizfaktor zu sein, die Motivation, sich zu beteiligen, basiert in erster Linie auf dem Engagement für Energieeffizienz und Klimaschutz und wird getragen vom Spaß an der Projektarbeit und den Herausforderungen im Umgang mit Messtechnik sowie von der realen Bedeutung der Ergebnisse, die weit über den pädagogischen Rahmen hinausgehen und in die Situation der Schule eingreifen. Zumindest aus Sicht der Schüler ist somit das „Fifty/Fifty-Modell“ irrelevant, das auf der Motivationswirkung von finanziellen Ausschüttungen aus den eingesparten Energiekosten beruht.

45 % der befragten Schülerinnen und Schüler gaben an, dass Köpfchen statt Kohle-Projekte auch im nächsten Schuljahr stattfinden sollen, während knapp 10 % keine Wiederholung oder Fortsetzung wünschen. Unter den restlichen 45 %, die auf diese  Frage mit „vielleicht“ antworteten, waren viele, die bei der abschließenden offenen Frage, was sie noch zu dem Projekt sagen möchten, doch eine Fortführung wünschen. Möglicherweise kamen die vielen „vielleicht“-Antworten dadurch zustande, dass viele der Schüler realistischerweise nicht davon ausgehen, dass sie selber darüber entscheiden können, ob an ihrer Schule oder in ihrer Klasse Köpfchen statt Kohle-Projekte stattfinden.

Die Befragung soll zum Ende des kommenden Schuljahres in erweiterter Form wiederholt werden, wobei dann die Schulleitungen und Lehrkräfte mit einem eigenen Fragebogen angesprochen werden und zusätzlich mit einem halbqualitativen Verfahren interviewt werden sollen.

Eine PDF-Version der Evaluationsergebnisse finden Sie auch im Downloadbereich!

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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2 Antworten zu Messtechnik und Ergebnisorientierung sind die wesentlichen Motivationsfaktoren – Schüler von zehn „Köpfchen statt Kohle“-Schulen befragt

  1. Christopher Neumann schreibt:

    Danke, dass Sie die interessierte Öffentlichkeit mit häufigen und lesenswerten Updates über den Projektverlauf informieren. Eine solch transparente Kommunikation würde ich mir auch für andere Projekte wünschen.

  2. Gruenspar schreibt:

    Sehr schönes Projekt. Wir würden uns gerne als Sponsor beteiligen. Ich freue mich auf die Zusendung von Infos und einem kurzen Gespräch.

    Gruß,
    Gruenspar

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