Havemann-Schüler rütteln Lehrerkonferenz auf – Einsparpotenziale von 30.000 Euro pro Jahr gefunden

Tom Funke war etwas nervös. Vor 70 Lehrerinnen und Lehrern hatte er noch nie einen Vortrag gehalten. Die Gesamtkonferenz der Robert Havemann-Schule war zusammengekommen, um als ersten Tagesordnungspunkt den Bericht des „Köpfchen statt Kohle“-Projekts entgegenzunehmen. Fast ein halbes Jahr lang hatten sich 18 Schüler und eine Schülerin der 9. Klasse im Rahmen des Wahlpflichtkurses Physik mit den energetischen Einsparmöglichkeiten an ihrer Schule beschäftigt.

Sowohl beim Wärmeenergie- als auch beim Stromverbrauch ist die Havemann-Schule negativer  Spitzenreiter aller „Köpfchen statt Kohle“-Schulen in Pankow. Nicht nur, weil die Schule mit die meisten Schüler hat, sondern auch, wenn man die Steigerung des Verbrauchs zwischen 2010 und 2011 analysiert. „Die Zahlen für den Wärmeenergieverbrauch sind klimabereinigt, es liegt also auch nicht daran, dass ein Winter mal etwas kälter ist“, erklärte Tom Funke, der sich die Präsentation mit seiner Mitschülerin Clara Hönel teilte (Foto oben).

Sind die technischen Voraussetzungen schuld am hohen Energiebedarf oder wird auf Seiten der Nutzer zu verschwenderisch gehandelt? Dieser Frage sind die Schüler auf den Grund gegangen.

Bei einem Besuch in der Heizzentrale entdeckten sie, dass werktags durchgehend von 4:00 Uhr bis 22:00 auf Hochtouren geheizt wird. Clara Hönel schlägt vor: „Man könnte ohne Komforteinbußen die Heizzeit von bisher 18 auf 10 Stunden reduzieren. Das sollte ausreichen, um die empfohlenen 20 °C in den Klassenräumen zu erreichen.“

Die Schüler wollten auch genau wissen, wie warm es in den einzelnen Schulräumen ist. Messungen in 34 Klassenräumen, 11 Toiletten, den Fluren auf allen drei Etagen sowie sieben sonstigen Räumen bestätigten die Vermutung, dass es fast überall viel zu warm ist. 22 Grad in einem Raum, in dem nur Bücher gelagert werden, oder permanente knapp 21 Grad auf den Fluchttreppen, die nur im Notfall betreten werden, erschienen den Schülern des Physikkurses ebenso absurd wie die weit über dem Normwert von 17 °C aufgeheizten Toiletten. Auch hier hatte man konsequent gemessen (siehe Foto).

Um dieser Verschwendung entgegenzuwirken, haben die Schüler zahlreiche Verbesserungsvorschläge entwickelt. Zunächst sollten die defekten Thermostatventile ausgetauscht und regelbare in den Fachräumen eingesetzt werden sowie die Temperatureinstellung am Wochenende, in den Ferien und nachts an der zentralen Steuerung deutlicher abgesenkt werden. Auch die Schüler und Lehrer sollten jedoch stärker darauf achten, dass die Thermostatventile richtig eingestellt und bei Schulschluss die Fenster geschlossen würden. Durch diese einfachen Veränderungen ließe sich ohne Qualitätsverlust mindestens 10% Energie einsparen. Tom Funke und Clara Hönel rechneten vor, dass dadurch bei der Heizenergie mindestens 14.500 Euro pro Jahr eingespart werden könnten. Außerdem würden dadurch jährlich 75 Tonnen CO2 vermieden.

Neben der Wärmeenergie  beschäftigten sich die Schüler auch mit dem Stromverbrauch an der. Als größtes Energieleck machten sie hierbei die Dauerbeleuchtung auf den Fluren aus. Auch dort, wo durch großflächige Oberlichte das Tageslicht die Flure erhellt, brennt zusätzlich das elektrische Licht mit einer Leistung, als wäre es draußen stockdunkel. Durch eine tageslichtabhängige Regulierung der 321 Flurleuchten im Schulhaus ließen sich 14.000 Euro Stromkosten sparen – und dabei haben die Schüler bereits den günstigeren Stromtarif für die Schulen von 15,6 Cent pro kWh zugrunde gelegt.

Die Lehrerkonferenz der Robert Havemann-Schule reagierte nach der Präsentation sofort. Eine Kurzfassung der Ergebnispräsentation sollen allen Klassen- und Schulsprechern zur Verfügung gestellt und von allen Klassenlehrern mit ihren Klassen diskutiert werden – dieser Antrag einer Lehrkraft wurde einhellig angenommen. Da nicht alle Abhilfevorschläge von der Schule aus eigener Kraft umgesetzt werden können, möchten Clara Hönel und Tom Funke ihren Vortrag vor zuständigen Vertretern des Bezirks Pankow wiederholen. Immobilien-Bezirksstadträtin Christine Keil hat diesem Wunsch bereits zugestimmt, nach einem Termin noch vor den Sommerferien wird gesucht.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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