Schüler diskutieren mit der Baustadträtin – Schnittstellen zur Verwaltung sind entscheidend – Energiemanager bekommen jetzt ein Aktionshandbuch – Ventilcheck im Blumenviertel hatte Folgen

floyds_skizze01In der Theorie ist es ganz einfach – da funktioniert die Technik ebenso wie die Verwaltung. Schulen bekommen eine technische Einrichtung, um die Heizung genau an die Verhältnisse in den Klassenräumen anzupassen. Der Hausmeister bekommt einen Computer, um diese Anpassung zu überwachen und zu steuern. Die Heizungsventile bekommen ihre Befehle vom Computer und öffnen und schließen sich genau dann, wenn dies für eine angenehme Temperatur im Raum nötig ist. Der Computer entscheidet auch, wann angefangen wird, zu heizen, damit der Raum um 8 Uhr morgens 20 Grad hat. Und Lehrer und Schüler müssen weder frieren noch die Fenster aufreißen, damit überschüssige Wärme entsorgt wird, was wir gemeinhin als Energieverschwendung bezeichnen würden. Wenn dann mal was nicht in Ordnung ist, findet der Hausmeister schnell heraus, ob z.B. ein Thermostatventil nicht mehr mitspielt – und er schickt eine Reparaturmeldung an das Schulamt. Im Schulamt wird diese Meldung sofort registriert und zusammen mit den Meldungen aus allen anderen Schulen des Bezirks an das Bauamt weitergeleitet. Dort erkennen fachkundige Mitarbeiter schnell, was zu tun ist, stellen Prioritäten auf und veranlassen die notwendigen Überprüfungen und Reparaturen – über deren Ergebnisse bzw. Ausführung der betreffende Schulhausmeister umgehend informiert wird.

So haben sich Techniker und Verwaltungsfachleute das ausgedacht. Dass die Realität anders aussieht, stellen die Schülerinnen und Schüler fest, die als „Energiemanager“ in den „Köpfchen statt Kohle“-Schulen unterwegs sind. Was sie dabei lernen, ist eine gute Vorbereitung aufs Leben, denn es zeigt den Dritt- bis Sechstklässlern, wo überall in Systemen Fehler auftreten können und wie sie selbst einen Teil der Verantwortung dafür übernehmen können, Fehler zu erkennen, zu verstehen und dazu beizutragen, sie zu beseitigen.

energiemanager_am_werk04Diese Verantwortung besteht zum Teil in Daueraufgaben, zum Teil aber auch in zeitlich begrenzten Aktionen. Zur Daueraufgabe der jungen Energiemanager gehört die Anpassung der Heizzeiten an die wechselnden Stundenpläne der Schulklassen, die Überwachung der Maximaltemperaturen und die Überprüfung der Heizkurven, die Hinweise darauf geben, wo vielleicht technische Probleme im Heizsystem aufgetreten sind. Kein Hausmeister kann in seiner Arbeitszeit diese Aufgaben so konsequent erledigen wie die Schüler selbst, die dadurch auch eine Menge Wissen über physikalische und technische Zusammenhänge erwerben und in den Genuss einer praktisch verankerten Energiebildung kommen.

Zu den punktuellen Aufgaben der Energiemanager gehört es, technische Mängel aufzuklären und an Verantwortliche heranzutragen. Dabei lernen die Grundschüler Ausdauer und Frustrationstoleranz. Denn erstens ist es beileibe nicht immer einfach, herauszufinden, warum sich Heizkörper nicht so verhalten, wie sie sollen, oder Temperaturverläufe nicht den Vorgaben des Computerprogramms folgen. Zweitens lernen die Schüler, dass es viele Zuständige für ein Problem geben kann, an die man aber nicht immer leicht herankommt. Bei „Köpfchen statt Kohle“-Projekten ist der Kontakt zu Hausmeistern, Technikern, Verwaltungsleuten und auch verantwortlichen Politikern deshalb immer wieder Thema. Und drittens merken die beteiligten Schüler und Lehrkräfte, dass eine Reparaturmeldung auch durchaus in den Mühlen der Ämter hängenbleiben kann, zumindest dass es kaum jemals eine direkte amtsseitige Rückmeldung gibt. Es gibt eben viele Schulen im Bezirk, zu wenig Behördenmitarbeiter, manchmal auch mangelndes Wissen und immer wieder mal Löcher in den öffentlichen Kassen.

ingrid_temme_energiemanager01Dies ist der Hintergrund, vor dem die Energiemanager der fünften und sechsten Klassen der Grundschule am Falkplatz zusammen mit der sie betreuenden Lehrkraft Ingrid Temme (Foto) die zuständige Baustadträtin Christine Keil zu sich eingeladen haben. An einem Dienstagmorgen zwischen 7 und 8 Uhr – der normalen Projektarbeitszeit der Energiemanager – kam die Stadträtin dann auch in die Schule, um sich zeigen zu lassen, wie die Schülerinnen und Schüler arbeiten – und an welche Grenzen sie dabei zuweilen stoßen.

elmer_keil_auf_schulbank01Christine Keil nahm zusammen mit der im Schulamt für die Reparaturmeldungen zuständigen Mitarbeiterin, Iris Ellmer, gerne auf der Schulbank in Raum 006 der größten Pankower Grundschule Platz, um sich zu informieren (Foto). Aus Verwaltungssicht konnte sie zwar nur darauf hinweisen, dass der Hausmeister für Reparaturmeldungen zuständig ist. Aber dass die Energiemanager Iris Ellmer als zuständige Ansprechpartnerin jetzt persönlich kennen, ist sicher von Vorteil. „Dann kann man im Einzelfall auch mal darüber reden, wenn es irgendwo hakt“, schlug die Schulamtsmitarbeiterin vor.

Aufgaben_Energiemanager_0005Beeindruckt war die Baustadträtin von dem ernsthaften Engagement, mit dem ihr die Schüler erläuterten, wie sie am Programm der Heizungssteuerung die bisher vorhandene „Blockbeheizung“ von Montag bis Freitag, 7 Uhr bis 18 Uhr, ausdünnen. Am Computerbildschirm demonstrierten die Energiemanager, wie das dann auch grafisch aussieht, wenn die roten Flächen, die für die Zeiten mit Wärmebedarf stehen, immer weniger werden und nur noch dann geheizt wird, wenn die Schüler wirklich in der Klasse sind. „So lernen die Kinder sehr praktisch und anschaulich, was Energieeffizienz bedeutet“, bekräftigte Claudia Kerns von der das Projekt betreuenden Agentur stratum den pädagogischen Effekt.

workbook_im_einsatz01Ab sofort kann sich auch jeder genau darüber informieren, was die Energiemanager von „Köpfchen statt Kohle“ wissen und können müssen. Denn das 90-seitige Arbeitsbuch „Praxislernen für junge Energiemanager“ ist soeben aus der Druckerei gekommen, Die ersten, die es gleich genutzt haben, waren die Fünftklässler der Paul Lincke-Grundschule (Foto). Beide fünfte Klassen bekommen derzeit einen Einstieg in das Energiethema. Nach jeweils zwei Doppelstunden können sich die Schülerinnen und Schüler entscheiden, ob sie noch dieses Schuljahr im Rahmen eines neuen Wahlpflichtkurses Energiemanager werden wollen. Der Kurs findet immer mittwochs von 13 bis 14:30 Uhr statt. Er wird vom „Köpfchen statt Kohle“-Projektteam betreut; außerdem ist eine junge Lehrerin für Naturwissenschaften, Franziska Rossau, immer mit dabei. Die Gruppe bereitet sich auf die Energiemanager-Prüfung vor, die sie noch in diesem Schuljahr ablegen wird. Damit ist auch die Paul Lincke-Grundschule im Kreis der „Energiemanager“-Schulen dabei und wird gleich mit Beginn des neuen Schuljahres mit einem qualifizierten Schülerteam starten. Um möglichst viele Klassen direkt einzubeziehen, müssen dann jedoch auch weitere Energiemanager in den vierten und fünften Klassen geworben werden.

cover_aktionsbuch_3dDas Aktionsbuch „Praxislernen für junge Energiemanager“ bekommen alle Schüler und Lehrkräfte, die in „Köpfchen statt Kohle“-Projekten mitarbeiten. Weiteren Interessenten stellen wir das gedruckte Arbeitsbuch gegen Versandkostenerstattung zur Verfügung. Die Bestellung erfolgt über die stratum-Website. „Praxislernen für junge Energiemanager“ ist aus der Praxis entstanden und wird voraussichtlich jedes Schuljahr in einer aktualisierten Fassung aufgelegt.

posterfreude02Während in der Paul Lincke-Grundschule das Energiemanager-Projekt jetzt erst startet, sinkt in den meisten anderen Schulen das Aktivitätsniveau zum Sommer hin etwas ab. Die meisten Gruppen, die den ganzen Winter über aktiv waren, haben inzwischen auch bereits Aktionsposter über ihre Arbeit gestaltet und in der Schule präsentiert. Auch die Energiemanager der Grundschule im Blumenviertel erklären mit ihren Postern den Mitschülern, Lehrern und Eltern, was sie tun und welche Ziele sie verfolgen. Die Poster sind vor allem auch hilfreich, um neue Energiemanager für das kommende Schuljahr bereits jetzt zu motivieren. Denn zum einen müssen die Sechstklässler, die im Sommer ja die Schule verlassen, ersetzt werden. Zum anderen verfolgen die Energiemanager-Projekte das Ziel, dauerhaft in allen Klassen von der dritten bis zur sechsten mindestens einen oder zwei Energiemanager zu gewinnen. In der Blumenviertel-Grundschule freuen sich die Energiemanager besonders über den raschen Erfolg des Heizungs-Ventile-Checks vor den Osterferien. Alarmiert durch den begründeten Verdacht, dass etliche der Ventile defekt sein könnten oder andere technische Gründe dafür verantwortlich sein müssen, dass sich viele der Klassenräume mit dem Heizungsprogramm gar nicht steuern ließen, erfolgte während der Schulferien eine gründliche Überprüfung durch eine Fachfirma, die auch gleich die notwendigen Reparaturen vornahm. Die Schüler bekamen durch den Ingenieur Peter Schoof laufend Auskunft über die Arbeiten: „Im Keller waren zwei Wasserschäden. Ich habe vier Ventilantriebe ausgetauscht und drei Ventilkegel beanstandet. In der Hausanschluss-Station hatte jemand den Regler so verstellt, dass die Schule rund um die Uhr beheizt wurde… Im Keller ist noch ein Fehler, mit dem ich mich erst in der übernächsten Woche beschäftigen kann. Es könnten also noch ein oder zwei Antriebe mehr werden.“

Vielleicht hätte Baustadträtin Christine Keil ja nicht nur in die Falkplatzschule kommen sollen, sondern besser auch die Blumenviertel-Schule besucht – dann hätten die jungen Energiemanager weniger über Probleme, sondern über die Erfolge ihres hartnäckigen Engagements berichten können.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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