Personelle Verstärkung auf der ganzen Linie – Noch mehr Schulen wollen „Energiemanager“ ausbilden – Einspareffekte liegen hochgerechnet bei 20 Prozent

Das neue Schuljahr beginnt für „Köpfchen statt Kohle“ unter guten personellen Vorzeichen. An drei Stellen können die Energie- und Klimaprojekte künftig mit mehr Personalkapazität rechnen.

tobias_berger_und_schueler01In der Homer-Grundschule, die zu den erfolgreichen Vorreitern der Idee gehört, den Schülern das Energiemanagement selbst in die Hand zu geben, fängt ein junger Sachkundelehrer an und übernimmt die Leitung der „Energiemanager“-Gruppe. Unterstützt durch „Köpfchen statt Kohle“ wird Tobias Berger (Foto) mit den Schülerinnen und Schülern weiterarbeiten, die im letzten Schuljahr begonnen hatten, sich mit der zentralen Heizungssteuerung vertraut zu machen, und bereits für einzelne Räume Verbesserungsvorschläge umgesetzt haben. Im neuen Schuljahr geht es darum, für alle Räume ohne Ausnahme eine Überprüfung vorzunehmen, die Heizzeiten an den neuen Stundenplan anzupassen und so kurz als möglich zu halten sowie die Maximaltemperaturen auf 19 oder 20 Grad einzustellen.

floyd_erklaert_01Obwohl bis auf eine Ausnahme alle Schüler der letztjährigen dritten bis fünften Klassen weiter am Projekt mitarbeiten, müssen mindestens 10 bis 15 weitere Schüler ab Klassenstufe 3 gefunden werden. Auch diese Aufgabe übernimmt die Projektgruppe selbstständig. Da sich herausgestellt hat, dass die Bezeichnungen der Räume im zentralen Heizungscomputer oft nicht mehr stimmen und die Zuordnung zu den Klassen unnötig kompliziert ist, wird als erstes eine Inventur der Räume gemacht, damit die Tabelle im Computer wieder der Realität entspricht. Beim ersten Treffen musste sich der Lehrer Tobias Berger von Schülern noch einiges zeigen lassen (Foto).

SolarkollektorGute Nachrichten gibt es zum Schuljahresstart auch aus dem einzigen Gymnasium, das in Pankow bisher an „Köpfchen statt Kohle“ mitarbeitet. An der Robert Havemann-Schule in Karow sollte nämlich schon seit längerem eine zentrale Energie-Lernwerkstatt für die „Köpfchen statt Kohle“-Schulen sowie alle Pankower Schulen insgesamt entstehen. Jetzt ist die Entscheidung gefallen, dass der Leiter der Arbeitslehre-Werkstätten an der Schule, Norbert Hansen, bleiben kann und für die Lernwerkstatt zur Verfügung steht. Mehrere Werkstatt-Räume mit einem kompletten Maschinenpark für Holz, Metall und Elektro können in Zukunft genutzt werden, um Kindern ab der 4. Klasse erlebnisorientierte Angebote in der Energiebildung zu machen. Fachlich betreut wird die Lernwerkstatt von dem Physiklehrer Christian Strube. Zum Start eine Woche nach den Herbstferien wird als erstes Modul ein Baukurs zur Solarenergie angeboten, der für Grundschulkinder der 5. und 6. Klasse geeignet ist. Jedes Kind baut einen funktionsfähigen Solarkollektor, der bis zu einem Liter Wasser in der Stunde auf über  60 Grad aufheizen kann (Foto). Die Kreiselpumpe des Kollektors wird durch Solarzellen betrieben. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei Grundlagen der Energieumwandlung kennen und verbinden dieses theoretische Wissen mit den praktischen Erfahrungen beim Kollektorbau. Weil Christian Strube und Norbert Hansen auch erst praktische Erfahrungen mit dem Solarkollektor-Modul sammeln müssen, wird für den ersten Termin eine experimentierfreudige Klasse gesucht. Ob für das Modul ein oder zwei Projekttage bzw. zwei, drei oder vier Nachmittage benötigt werden, soll diese Klasse in der Lernwerkstatt ausprobieren.

Auch das Energierad, mit dem Energieumwandlungen und der große Unterschied zwischen dem Aufwand für Strom- und für Wärmeerzeugung direkt erlebbar werden, wird in der Lernwerkstatt in Karow stehen und im Rahmen von Lernmodulen genutzt werden können. Durch weitere Zusatzausstattungen wie eine Seilwinde kann ein großes Spektrum von Versuchen für die 4. bis 10. Klasse mit dem Energierad gemacht werden. Die Themen reichen von der Unterscheidung verschiedener Energiearten über Energieumwandlungen und den Leistungsbegriff bis hin zu Wirkungsgrad-Berechnungen.

waehner_burckhardt_haeusler01Und schließlich hat sich auch die Agentur, die „Köpfchen statt Kohle“ im Auftrag des Bezirks Pankow entwickelt und in die Schulen bringt – das Büro stratum mit Sitz in Friedrichshain – personell verstärkt, um den 17 teilnehmenden Schulen optimal gerecht zu werden. Mit Hanna Burckhardt ist eine frühere Praktikantin, die „Köpfchen statt Kohle“ bereits kennengelernt hat, jetzt fest angestellt worden. Beim Besuch des „Berliner Woche“-Journalisten Bernd Wähner war sie bereits dabei, um über den Einsatz von CO2-Messgeräten in „Köpfchen statt Kohle“-Projekten zu berichten. Auf dem Foto wird Hanna Burckhardt von Bernd Wähner (li.) und stratum-Geschäftsführer Richard Häusler eingerahmt. Der Artikel in der „Berliner Woche“  ist unter dem Titel „Mit Köpfchen Energie sparen“ bereits erschienen.

Neben der „Energiemanager“-Qualifizierung stellt die CO2-Messung im Rahmen von Schülerprojekten eine zweite wesentliche Aktionsschiene bei „Köpfchen statt Kohle“ dar. Dieses „Raumklima“-Projekt, das sich einerseits mit dem „Energiemanager“-Konzept gut verknüpfen lässt, aber andererseits einen guten Einstieg in die Projektarbeit in denjenigen Schulen bietet, die keine zentrale Einzelraumsteuerung aufweisen, sondern in den Klassenräumen, Fluren etc. von Hand regelbare Thermostatventile besitzen. Erfahrungsgemäß ist es weder für die Schüler und Lehrer besonders motivierend noch dauerhaft organisierbar, eine gute Kontrolle der Thermostateinstellungen und des Lüftungsverhaltens in den Klassen allein aufgrund einer theoretischen Belehrung zu erreichen. Dagegen erzielt die Beschäftigung mit der Frage „Wie erreichen wir gute Luft im Klassenzimmer auch im Winter?“ in Verbindung mit dem Einsatz von CO2-Mess- und Anzeigegeräten eine hohe Motivation bei Schülern und Lehrkräften, sich mit dem Lüftungsmanagement auseinanderzusetzen. Die Schüler lernen dabei außerdem chemisch-physikalische Zusammenhänge zu verstehen und setzen sich mit der Lösung von Zielkonflikten auseinander.

Die „Energiemanager“-Qualifizierung soll ab diesem Schuljahr auf mehr Schulen ausgedehnt werden. Neben den drei bereits beteiligten Grundschulen gibt es im Bezirk Pankow weitere sieben Schulen, die die technischen Voraussetzungen dafür erfüllen. Von ihnen sollen drei bis vier in diesem Jahr einbezogen werden, die übrigen Schulen ab dem Schuljahr 2014/15.

Die Einspareffekte, die mit dem Einsatz der „Energiemanager“ möglich sind, sollen in der Heizperiode des laufenden Schuljahres genauer evaluiert werden. Die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitarbeitenden Lehrkräfte der Grundschule am Kollwitzplatz, der Homer-Grundschule und der Schule am Falkplatz haben die Unterstützung der Evaluation bereits zugesagt. Eine erste Grobabschätzung der potenziellen Einspareffekte durch stratum hat ergeben, dass mit mindestens 20 Prozent Einsparung bei der Heizenergie zu rechnen ist. „Die Heizenergie ist der ganz große Kostenbrocken beim schulischen Energiebedarf“, stellt Projektleiter Richard Häusler fest. Er erhofft sich deshalb bei konsequenter Umsetzung des „Energiemanager“-Konzepts in den kommenden Jahren erhebliche Einsparerfolge.

Veröffentlicht unter Allgemein, Projekte, Schulen und Einrichtungen | Hinterlasse einen Kommentar

Noch mehr Schulen ab Herbst dabei – Havemann-Schule erhält ebenfalls das Klimaschulen-Gütesiegel – Kooperation mit dem „Haus der kleinen Forscher“ soll Basis der Energiebildung verbreitern

Der Bezirk Pankow setzt auf „Köpfchen statt Kohle“. Im Interview verrät Projektleiter Richard Häusler, was für die nächsten fünf Jahre geplant ist. Das Foto zeigt ihn beim Praxiseinsatz mit Schülerinnen der Grundschule im Panketal.

waermebildaufnahme_erklaeren01Frage: Ist es richtig, dass „Köpfchen statt Kohle“ noch ausgeweitet wird?

Antwort: Ja, das ist richtig. Der Bezirk Pankow hat uns beauftragt, in den nächsten fünf Jahren Schulen in Pankow zu betreuen, die Energieeinsparung und Klimaschutz als schulische Aufgabe verstehen und entsprechende Projekte in die pädagogische Arbeit und das Schulleben integrieren wollen.

Frage: Wie viele Schulen sind denn mit dabei?

Antwort: Bisher waren 14 Schulen beteiligt. Eine dieser Schulen scheidet aus, dafür sollen jetzt im kommenden Schuljahr vier neue  Schulen die Chance erhalten, mit dabei zu sein. Somit betreuen wir jetzt 17 Schulen. Das Gros sind Grundschulen. Mit der Tesla-Schule und der Robert Havemann-Schule sind aber auch eine Sekundarschule und ein Gymnasium mit dabei.

Frage: Welche vier Schulen stoßen den neu hinzu?

Antwort: Das Schulamt hat zusammen mit uns vier Schulen ausgesucht. Da diese Schulen aber noch nichts von ihrem Glück wissen, möchte ich nicht vorgreifen. Wir werden wie immer alle Schulen zu Schuljahresbeginn kontaktieren und mit den Schulleitungen und Lehrkräften die Projektarbeit absprechen. „Köpfchen statt Kohle“ funktioniert ja nicht nach Schema F, sondern geht ganz individuell vor.

Frage: Aber was sind die Kriterien, nach denen entschieden wurde?

zwei_energiemanager_unter_sich01Antwort: Aus unserer Sicht wollten wir vor allem Schulen dabei haben, die über eine sogenannte zentrale Einzelraumsteuerung verfügen, weil wir dann das Konzept von „Klasse Klima“ umsetzen können. Hierbei geht es darum, an jeder Schule etliche Schüler zu qualifizieren, die dann die Optimierung der Heizungseinstellungen und die Kontrolle des Raumklimas zusammen mit den Klassengemeinschaften übernehmen. Das heißt, die Schüler bekommen einen eigenen PC mit Zugang zur Heizungssteuerung, an dem sie die Heizkurven analysieren und ggf. auch Temperatur- und Zeiteinstellungen verändern können. Mit Messgeräten überprüfen sie, ob die gewünschte Verbesserung auch ankommt. Meistens geht es darum, Temperaturen und Heizzeiten zu verringern, aber manchmal ist es auch zu kalt oder wird zu langsam erst warm im Klassenzimmer. Außerdem entdecken die Schüler auf diese Weise immer wieder defekte Thermostatventile oder Temperaturfühler oder stoßen auf andere technische Mängel. Sie engagieren sich dann auch dafür, dass schnell Reparaturen erfolgen.

Frage: Damit bilden Sie quasi eine „Energie“-Elite an den Schulen aus?

Antwort: Ja und nein. Die Schülerinnen und Schüler lernen in der Tat in ihrem Job als „Energiemanager“ eine Menge über physikalische und technische Zusammenhänge, eignen sich aber auch übergreifende Handlungskompetenzen an. Ihre Arbeit erreicht aber nahezu alle Schüler und die Lehrkräfte der Schule, die zumindest verstehen sollen, was die „Energiemanager“ machen. Es ist auch geplant, durch Informationen, die auf einem großen Monitor im Schulhaus präsentiert werden, die Einsparungserfolge zu visualisieren.

Frage: Geht es dabei nur um Wärmeenergie?

Antwort: Die „Energiemanager“ konzentrieren sich während der Heizperiode zwischen Oktober und April auf die Heizung. Es sind ja auch 80 bis 90 Prozent der Energie und der entsprechenden Kosten, die in den Schulen auf die Heizung entfallen. Aber in der „Nebensaison“ oder wenn an einer Schule besonderes Interesse daran besteht, beschäftigen sich die Projekte auch mit dem Stromverbrauch. Ideal wäre es, wenn wir an den Schulen alle Ressourcenverbräuche – Wärme, Wasser, Strom – zeitnah erfassen und visualisieren könnten. Zusammen mit der Firma Schoof Gebäudeelektronik, mit der wir im Bereich der Einzelraumsteuerung für die Heizung eng zusammenarbeiten, weil sie die technischen Komponenten dafür bereitstellt, würden wir gerne an der einen oder anderen Schule so eine integrierte Ressourcenerfassung realisieren. Die Schüler und Lehrer könnten dann sehr viel genauer sehen, was die Schule energetisch benötigt und was den Energiebedarf beeinflusst.

Frage: Was machen Sie an Schulen, die keine solche zentrale Heizungssteuerung haben?

luftmessung_01_webAntwort: Hier ist es in der Tat schwieriger, eine breite und systematische Aktivität zur Energieeinsparung und Verbesserung der Energiebilanz zu etablieren. Denn manuell verstellbare Heizungsthermostate – wie wollen Sie die durch soziale Kontrolle auf ein Optimum bringen? Aber wir haben auch hier ein erfolgreiches Modell erprobt, wie man Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft bei Schülern und Lehrkräften erzeugt. Die Schüler beschäftigen sich nämlich in erster Linie nicht mit Energieeinsparung, sondern mit der Frage der Raumluftqualität. Dafür setzen sie CO2-Messgeräte ein und finden experimentell heraus, welche Lüftungsstrategien die besten sind, um im Winter gute Luft im Klassenzimmer zu haben. Und sie kommen dann auch nicht daran vorbei, das Funktionsprinzip von Heizungsthermostaten zu ergründen und zu verstehen, wieso man während der Lüftungsphasen die Heizung ausdrehen sollte. Mit diesem Projekt können einzelne Schülergruppen auch in allen Klassen ihrer Schule Interesse wecken. An der Carl Humann-Schule zum Beispiel sind Viertklässler in alle anderen Klassen gegangen, haben ihnen Messgeräte ausgeliehen und den Sinn des Ganzen erklärt, um anschließend herauszufinden, was es gebracht hat.

Frage: Den Schülern scheint das ja Spaß zu machen, aber was bringt es den Schulen?

Antwort: Die Schulen bekommen Unterstützung für den naturwissenschaftlichen Unterricht und können Geräte einsetzen, die sie sonst nicht haben. Das reicht vom Digitalthermometer bis zur Wärmebildkamera. Vier der Pankower „Köpfchen statt Kohle“-Schulen haben aufgrund ihres Energieengagements auch das vom Senat verliehene Klimaschulen-Gütesiegel bekommen, das mit 17.000 Euro verbunden ist, die die Schule für eigene Klimaschutzmaßnahmen einsetzen kann. Zuletzt haben die Homer-Grundschule und die Havemann-Schule diese Auszeichnung erhalten, das Jahr davon bereits die Schule am Falkplatz und die Grundschule am Kollwitzplatz. Letztere hat für ihr „Köpfchen statt Kohle“-Projekt auch 10.000 Euro beim bundesweiten Schulwettbewerb „Klima & Co“ bekommen. Daneben gab es noch ein paar kleinere Preise für einzelne Schulen. Wir unterstützen die Schulen auch in der Bewerbungsphase solcher Wettbewerbe. Außerdem hat die Teilnahme an „Köpfchen statt Kohle“ für die Schulen auch eine Öffentlichkeitswirkung.

Frage: In welchen Altersgruppen finden die Projekte statt? Es sind ja vor allem Grundschulen beteiligt? Ab wann kann man hier so anspruchsvolle Projekte mit Schülern starten?

energiemanager_test_02Antwort: Wir arbeiten ab der 3. Klasse mit den Schülerinnen und Schülern. Drittklässler haben sogar schon die „Energiemanager“-Prüfung geschafft. Nach oben waren wir bisher bis zur 10. Klasse unterwegs. In den Sekundarstufen ist der Zeitdruck durch den Lehrplan allerdings deutlich höher, da ist nicht mehr so viel Freiraum für Projektarbeit, obwohl die Schüler gerade hier wesentliche Methodenkompetenzen erwerben könnten. In den Grundschulen planen  wir jetzt in Zusammenarbeit mit dem „Haus der kleinen Forscher“ eine durchgehende Energiebildung ab der ersten Klasse. Das „Haus der kleinen Forscher“ bringt ja sehr viel Erfahrung im naturwissenschaftlichen Experimentieren mit 4- bis 7-jährigen Kindern in Kitas und Grundschulen mit.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Homer-Grundschule erhält Klimaschutz-Gütesiegel des Berliner Senats – Mit Solarbaukurs motiviert die Schule am Falkplatz die Schüler für die Energieprojekte im kommenden Schuljahr – Ab Herbst machen noch mehr Schulen bei „Köpfchen statt Kohle“ mit

geehrt01Grund zum Jubeln hat die Homer-Grundschule. Als dritte „Köpfchen statt Kohle“-Schule erhält sie jetzt das Gütesiegel „Berliner Klima Schule“. Aufgrund des eingereichten Klimaschutzplans wird der Schule dieses begehrte Siegel erstmalig verliehen, weil, so die offizielle Begründung, „an Ihrer Schule Klimaschutzthemen pädagogisch verankert sind und außerdem konkrete Ziele zum Klimaschutz am Schulstandort verfolgt werden.“ Damit ist die Arbeit der jungen Energiemanager gemeint, die im zu Ende gehenden Schuljahr gezeigt haben, dass Schüler die Verantwortung für eine energiesparende Heizungssteuerung selbst in die Hand nehmen können.

ausstellung2013_11_sponsoring_gruenspar_webDie Auszeichnung als Gütesiegel-Schule ist nicht nur ideell. Mit dem Gütesiegel verbunden ist die Möglichkeit, aus den Mitteln des Berliner Schulanlagensanierungsprogramms  einen Betrag in Höhe von bis zu 17.000 € zielgerichtet einzusetzen. Damit können Sanierungsmaßnahmen an der Schule finanziert werden, die nachweislich dem Klimaschutz dienen. Die Vorschläge dafür müssen von der Schule selbst kommen. Sicher werden sich auch die im „Köpfchen statt Kohle“-Projekt engagierten Dritt- bis Sechstklässler dazu etwas einfallen lassen und ihre Ideen mit Schulleiter Uwe Blachnik diskutieren, der die Arbeit der jungen Energiemanager schon bisher aktiv unterstützt hat. Unser Foto zeigt einige der Energiemanager der Homer-Grundschule vor einer selbst mitgestalteten Posterausstellung zu ihrem Projekt. Der Online-Shop für Energiesparprodukte „Grünspar“, dessen auffallende Taschen die Schüler hier präsentieren, unterstützt „Köpfchen statt Kohle“ mit Sachmitteln wie z.B. schaltbaren Steckdosen oder elektronischen Thermostatventilen.

Die Homer-Grundschule gehört zu den drei Pankower Grundschulen, die bisher das Klimaschutz-Gütesiegel bekommen haben. Alle drei Schulen – neben der Homer-Grundschule sind das die Schule am Falkplatz und die Grundschule am Kollwitzplatz – arbeiten bei „Köpfchen statt Kohle“ mit und qualifizieren Schüler zu Energiemanagern. Der neuartige Ansatz, den „Köpfchen statt Kohle“ dabei verfolgt, ist jetzt auch im Berliner Abgeordnetenhaus zur Sprache gekommen. Als Antwort auf eine Kleine Anfrage (KA/17 /12 021) berichtete der Staatssekretär für Verkehr und Umwelt, Christian Gaebler, den Abgeordneten: „Projekte, die sich mit Umweltbildung befassen und in der Lage sind, entsprechendes Wissen insbesondere durch praktisches Arbeiten altersgerecht zu vermitteln, sind sehr zu begrüßen. Sie stehen im Einklang mit der Klimaschutzpolitik des Landes Berlin. Daher werden in Berlin schon seit vielen Jahren verschiedene einschlägige Projekte umgesetzt. Mit »Köpfchen statt Kohle« wird ein weiteres interessantes umweltpädagogisches Projekt in Berlin angeboten. So wird beispielsweise an Schulen mit zentraler Einzelraumsteuerung die Verantwortung für die Heizungsregelung, auch auf zu geprüften Energiemanagern ausgebildeten Schülern bzw. Schülerinnen in den Grundschulen übertragen. Damit können sie mit der Klassengemeinschaft abgestimmt die Heizungseinstellungen steuern, kontrollieren und optimieren sowie die Beseitigung von Mängeln veranlassen und ggf. Verbesserungsvorschläge an verantwortliche Stellen richten. Mit ihrer Arbeit sensibilisieren sie Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Erwachsene sparsam mit natürlichen Ressourcen umzugehen. Im Wettbewerb der KlimaSchutzPartner Berlin, in dem innovative Umwelt- und Klimaschutzprojekte geehrt werden, gehörte »Köpfchen statt Kohle« in diesem Jahr zu den Preisträgern und gewann den Sonderpreis.“

Der Bezirk Pankow hat jetzt bekannt gegeben, dass „Köpfchen statt Kohle“ fortgeführt werden soll. Damit können die Projekte, die auf eine dauerhafte Aktivierung von Schülern für Energieeinsparung, Ressourcenschonung und Klimaschutz angelegt sind, weiterhin gezielt unterstützt werden. Ab dem kommenden Schuljahr werden außerdem einige weitere Grundschulen in Pankow die Chance erhalten, bei „Köpfchen statt Kohle“ mitzumachen. Welche Schulen dieses Angebot bekommen sollen, wird derzeit im Schul- und Bauamt geprüft. Beide Ressorts werden sich auch zukünftig für „Köpfchen statt Kohle“ verantwortlich fühlen. Die beiden zuständigen Bezirksstadträtinnen, Christine Keil (Bau) und Lioba Zürn-Kasztantowicz (Schule) begrüßen die verwaltungsinterne Kooperation, die bei „Köpfchen statt Kohle“ nahezu reibungslos funktioniert.

solarmodellbau03_webViele der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen haben in den letzten Wochen des Schuljahres bereits die Weichen für die Projekte im neuen Schuljahr gestellt, Termine festgelegt, zuständige Lehrkräfte benannt und nach Möglichkeiten einer Ausweitung der Projektarbeit gesucht. Die Grundschule am Kollwitzplatz wird beispielsweise ein zweites „Early Morning“-Team aufbauen. Diese Teams bestehen aus Schülerinnen und Schülern, die wöchentlich einmal bereits morgens früh im sieben Uhr in der Schule sind, um sich in ihrem Projekt zu engagieren. Einige der Schulen haben auch die Freiräume der letzten beiden Schulwochen genutzt, um z.B. bei Projekttagen oder Projektwochen bereits neue Schüler für die Mitarbeit im kommenden Jahr zu motivieren. An der Falkplatzschule hat Steffen Schoolmann zu diesem Zweck eine mehrtägige Projektwerkstatt „Solarmodellbau“ veranstaltet, die von „Köpfchen statt Kohle“ unterstützt wurde.

solarmodellbau07_webUnter den 20  teilnehmenden Schülern hat Schoolmann einige entdeckt, die sehr interessiert und eigenständig mitarbeiteten. Die möchte er gern für das „Köpfchen statt Kohle“-Projekt im neuen Schuljahr gewinnen. Die Vorstellung der gebauten Solarmodelle beim Schul-Sommerfest bot überdies die Chance, die Eltern zu informieren. Im Bild links erläutert ein stolzer Modellbauer seiner Mutter die Feinheiten der Konstruktion.

Die Mitarbeit in „Köpfchen statt Kohle“-Projekten ist auch ein Beitrag zur Verbesserung des naturwissenschaftlich-technischen Wissens und entsprechender Handlungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Die mitarbeitenden Schulen wissen das. Die Schüler erwerben ein grundlegendes und durch den Praxisbezug gut verankertes Energiewissen. Ein Energiemanager bei „Köpfchen statt Kohle“ kennt beispielsweise genau die Relationen im Energieverbrauch und weiß, dass der Löwenanteil der Energiekosten nicht aus dem Stromverbrauch, sondern aus dem Heizenergieverbrauch stammt. Die soeben abgeschlossene Untersuchung, die im Auftrag der RWE-Stiftung den Stand der Energiebildung an deutschen Schulen untersucht hat, stellt u.a. genau dies fest: „Besonders rar werden richtige  Antworten, wenn es um ökonomische Aspekte geht. So glaubt die Hälfte der Neunt- bis Elftklässler, dass die meisten Energiekosten im Haushalt für den  elektrischen Strom anfallen.“ Bei „Köpfchen statt Kohle“ wissen es schon die Dritt- bis Sechstklässler besser!

memoryspiel02b_webAus der Projektarbeit von „Köpfchen statt Kohle“ entstehen auch Lernmaterialien, die die Energiebildung unterstützen. So hat die Schülerfirma der Tesla-Schule jetzt ein „Energie-Memory“ vorgestellt, mit dem die verschiedenen Energiearten spielerisch erarbeitet werden können. Ein weiteres Spiel, nämlich ein „Energie-Domino“ in Kartenform, wird von der Schülerfirma unter Leitung des Physiklehrers Peter Streckenbach zu Beginn des nächsten Schuljahres vorgestellt. Darin geht es vor allem um verschiedene Energieumwandlungen. Denn die Schülerinnen und Schüler sollen ein grundlegendes Verständnis davon bekommen, dass Energie eigentlich nicht „verbraucht“ werden kann, sondern immer nur umgewandelt und übertragen wird.

Veröffentlicht unter Allgemein, Schulen und Einrichtungen | Hinterlasse einen Kommentar

„Köpfchen statt Kohle“ erhält Auszeichnung als „Klimaschutzpartner 2013“ – Energiemanager von drei Grundschulen vernetzen sich – Große Pläne für das neue Schuljahr

klimaschutzpartner_2013_poster_a4_digital_webJetzt ist das Pankower Energieeffizienzprojekt „Köpfchen statt Kohle“ als Vorbild für ganz Berlin bekannt: Am vergangenen Mittwoch wurde es vom Bündnis „KlimaSchutzPartner Berlin“ als Träger des Sonderpreises 2013 ausgezeichnet. Prämiert wurde das in drei Schulen bereits umgesetzte Konzept von „Klasse Klima“, bei dem die Schulklassen selbst die Verantwortung für eine energieeffiziente und optimale Heizungsregelung übernehmen. Möglich ist dies in Schulgebäuden, die eine zentrale Einzelraumsteuerung haben. Das Konzept funktioniert als 7-Schritte-Programm, das auf einem Poster (siehe Foto oben) für den Wettbewerb eingereicht worden war – das Poster ist im Download-Bereich des Weblogs auch als PDF verfügbar):

  1. Schüler der Klassen 3 bis 6 in den Grundschulen werden zu „Energiemanagern“ qualifiziert. Sie legen eine theoretische und praktische Prüfung zu Fragen des Raumklimas, der Wärmephysik, der Messtechnik und der Heizungssteuerung ab.
  2. Um den Schülern Zugang zur Einzelraumregelung zu geben, wird eine eigene Infrastruktur geschaffen, die aus einem PC mit Anschluss an den Steuerungsserver, einem Farbdrucker und einem großen externen Monitor im Publikumsbereich des Schulhauses besteht.
  3. An ihrem Regelungs-PC analysieren die Schüler die Einstellungen und Auswertungsdiagramme und verändern gezielt Heizungseinstellungen, um Einsparmöglichkeiten zu realisieren.
  4. Änderungen an den Heizungseinstellungen nehmen die „Energiemanager“ nur in Abstimmung mit den Lehrkräften und Klassengemeinschaften vor.
  5. Um Fehlern und Ausfällen auf die Spur zu kommen, prüfen die „Energiemanager“ die Komponenten der Heizung auch direkt, z.B. durch Temperaturmessungen im Raum und an den Heizkörpern. Defekte Hardware (wie z.B. Thermostatventile) wird auf diese Weise rasch entdeckt und repariert.
  6. Zusätzlich zur laufenden Kontrolle und Optimierung des Heizenergiebedarfs wird auch die Raumluftqualität durch CO2-Messungen überprüft.
  7. Die Befunde der „Energiemanager“, ihre Verbesserungsvorschläge und die Ergebnisse ihrer Aktivitäten werden protokolliert und veröffentlicht.

In der Homer-Grundschule, der Grundschule am Kollwitzplatz und der Schule am Falkplatz ist dieses Programm in der Heizperiode dieses Schuljahres praktisch eingeführt und mit Erfolg erprobt worden. Junge Energiemanager dieser drei Schulen waren zur Preisverleihung ins Ludwig Erhard Haus gekommen. Unser Foto unten zeigt die stolzen Gewinner zusammen mit einigen Erwachsenen, die hinter „Köpfchen statt Kohle“ stehen (v.l.n.r.): Schulleiter Uwe Blachnik, Lehrer Michael Temme, Bezirksstadträtin Christine Keil, Lehrerin Ingrid Temme, Bauamtsingenieur Jürgen Bornschein.

klimaschutzpartner_berlin2013_01_web

Das Bündnis „KlimaSchutzPartner Berlin“ ist ein Zusammenschluss von Architektenkammer Berlin, Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg e.V., Baukammer Berlin, Bund der Berliner Haus- und Grundbesitzervereine e.V., BFW Berlin-Brandenburg e.V., Handwerkskammer Berlin, IHK Berlin, Investitionsbank Berlin, TSB-Innovationsagentur Berlin GmbH und Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsbauunternehmen e.V. Die Prämierung von „Köpfchen statt Kohle“ beweist, dass der Ansatz, die Schüler als Nutzer von Schulgebäuden direkt in das Energiemanagement einzubeziehen, verstanden wird und als zukunftsträchtiges Modell angesehen wird.

karte_berlin_klimaschutzpartner_webAnders als in bisherigen Projekten erschöpft sich der pädagogische Ansatz von „Köpfchen statt Kohle“ nicht in Verhaltensappellen und isolierten Unterrichtsprojekten. Stattdessen wird eine dauerhafte Verzahnung von Schüleraktivitäten mit realen Verbesserungen und messbaren Einsparzielen angestrebt. Entwickelt wurde dieser Ansatz von der Berliner Nachhaltigkeitsagentur stratum, die auch die pädagogische Betreuung in den Pankower Schulen übernimmt. Projektleiter Richard Häusler von stratum kann sich vorstellen, dass dieses Konzept berlinweit übernommen wird. Bislang ist „Köpfchen statt Kohle“ nur im Bezirk Pankow verankert, wo das innovative Konzept durch eine intensive Zusammenarbeit  zwischen Schulamt, Bauamt und Senatsbildungsverwaltung möglich wurde.

ausstellung2013_02_webDass „Köpfchen statt Kohle“ auch zur Vernetzung der beteiligten Schulen führt, bewiesen jetzt die jungen Energiemanager der drei Pankower Pilotschulen. Zur Eröffnung einer Ausstellung über „Klasse Klima“, die die Schüler der Homer-Grundschule zusammen mit ihren Betreuern von stratum erarbeitet hatten, waren auch die Energiemanager der beiden anderen Schulen vom Kollwitzplatz und vom Falkplatz eingeladen. Die Homer-Schüler erläuterten ihren Mitschülern sowie einigen interessierten Eltern anhand von sechs großformatigen Postern, warum die Schule die Arbeit der Energiemanager braucht. Anschließend tauschten sich die jungen Energieexperten über ihre Erfahrungen aus und verglichen die verschiedenen Vorgehensweisen an den drei Pilotschulen.

Als Anerkennung und zur Unterstützung ihrer bewusstseinsbildenden Wirkungen gegenüber Mitschülern und Lehrkräften schenkte der Online-Shop für Energiespartechnologie „Grünspar“ den jungen Energiemanagern schaltbare Mehrfachsteckdosen. Denn neben der Heizenergie kümmern sich die Energiemanager auch um die Möglichkeiten, den Stromverbrauch im Schulgebäude zu senken. Mit den schaltbaren Steckdosen wird vor allem der Standby-Stromverbrauch gesenkt. Unser Foto zeigt, woran man die Energiemanager künftig erkennen wird:  An ihren schwarzen T-Shirts mit dem Schriftzug „Energiemanager“ und den knalligen „Grünspar“-Taschen. Dem Sponsor sei Dank!

ausstellung2013_10_sponsoring_gruenspar

Weil der Bezirk Pankow zugesagt hat, „Köpfchen statt Kohle“ weiter zu fördern und sogar auszuweiten, können die Energiemanager jetzt auch schon für das neue Schuljahr planen. In der Grundschule am Kollwitzplatz will Michael Temme, der als Lehrer die Energieprojekte unterstützt, eine weitere Projektgruppe gründen, um das Ziel, alle Klassenräume systematisch einzubinden, zu erreichen. Schulleiter Uwe Blachnik kündigte beim Energiemanager-Meeting in seiner Homer-Grundschule an, dass im kommenden Jahr ebenfalls eine Lehrkraft als Unterstützung hinzukommen solle. Außerdem versprach er den Energiemanagern, dass die Projektarbeit sofort mit Schuljahresbeginn wieder aufgenommen werden soll. Damit wird das Energiemanager-Projekt zur Dauereinrichtung. Als wichtigste erste Aufgabe werden die bisher qualifizierten Energiemanager für ausgebildeten Nachwuchs sorgen müssen, weil ja die Sechstklässler die Schule jetzt verlassen. Projektleiter Richard Häusler geht davon aus, dass es ab dem kommenden Schuljahr gelingt, sämtliche der mehr als 20 Schulen in Pankow in das Projekt mit einzubeziehen, die ebenfalls bereits über eine zentrale Einzelraumsteuerung verfügen. Aber auch an den Schulen mit manuell einstellbaren Thermostaten will „Köpfchen statt Kohle“ aktiv werden. Hier hat stratum mit Projekten für ein lernfreundliches Raumklima im Winter, bei dem mit CO2-Messungen in den Klassen gearbeitet wird, einen für Lehrer und Schüler motivierenden Ansatzpunkt gefunden. „Insofern könnte ‚Köpfchen statt Kohle‘ ab dem nächsten Schuljahr prinzipiell in allen Pankower Schulen verankert werden“, meint Projektleiter Richard Häusler.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

„Köpfchen statt Kohle“-Projekte sind Meister der Kommunikation – Posterausstellung in der Homer-Grundschule

thermometer_zielen01_webWie ganzheitlich „Köpfchen statt Kohle“-Projekte sein können, zeigt sich jetzt in den bisher drei Projektschulen, an denen „Energiemanager“ ausgebildet wurden. Als Energiemanager übernimmt eine Gruppe von Dritt- bis Sechstklässlern die energiesparende Heizungsregelung für die ganze Schule. Die Heizungseinstellungen für jeden einzelnen Klassenraum werden analysiert, auf Verbesserungsmöglichkeiten hin untersucht und in Absprache mit den Klassengemeinschaften optimiert. Was im Winter 2012/2013 als Pilotprojekt in der Homer-Grundschule, der Schule am Falkplatz und der Grundschule am Kollwitzplatz begann, soll in diesen und weiteren Schulen  im kommenden Schuljahr nun systematisch ausgeweitet werden. Das Projekt läuft innerhalb von „Köpfchen statt Kohle“ unter einem eigenen Programmnamen – „Klasse Klima“.

einladung_veranstaltung_23.05_web

Dabei stehen die Projektgruppen nicht nur vor fachlichen, technischen und organisatorischen Herausforderungen. Um rechtzeitig interessierte Schüler für die Energiemanager-Aufgaben im kommenden Schuljahr zu finden, machen sich die Schüler jetzt schon Gedanken. Die Gruppen kümmern sich weitgehend selbstständig um die Rekrutierungsfrage und jede Schule findet ihre eigenen Wege dafür. Die jungen Energiemanager der Homer-Grundschule haben eigens eine Ausstellung aus sechs DIN A 1-Postern entworfen, die nicht nur in der eigenen Schule für „Klasse Klima“ werben soll, sondern sich auch für die Information und Motivation anderer Schulen eignet. In einer Schulveranstaltung am 23. Mai (10-11:30 Uhr) wird die Ausstellung offiziell eröffnet. Dazu haben die Energiemanager der Homer-Grundschule nicht nur die Schüler, Lehrer und Eltern der eigenen Schule eingeladen, sondern sie kamen auch auf die Idee, einmal mit den Energiemanagern der beiden anderen Pilotschulen zusammenzukommen und sich auszutauschen. Prompt wurde dieser Punkt in das Veranstaltungsprogramm (siehe oben) mit aufgenommen.

Die sechsteilige Posterausstellung (siehe Abbildung unten) kann im Download-Bereich des Weblogs als PDF heruntergeladen werden. Interessierte Schulen können sie außerdem kostenlos ausleihen.

Ausstellung_Energiemanager_Collage

Die Energiemanager der Grundschule am Kollwitzplatz sind Teil eines umfassenderen Engagements der Schule. Umwelt- und Energiethemen werden hier auf verschiedenen Ebenen – im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts ebenso wie in Arbeitsgemeinschaften – bearbeitet. Als Dachmarke der Aktivitäten entwickeln die Schüler derzeit ein eigenes Logo unter dem Titel „Energiewichtel“. Als „Energiewichtel“ nutzen die Schüler jede Gelegenheit, das Umweltbewusstsein ihrer Mitschüler zu stärken und entsprechende Verhaltensangebote zu machen. Wenn zum Beispiel die Energiemanager in ihren Klassen am Notebook den Mitschülern die aktuellen Heizungseinstellungen für ihren Klassenraum erklären und über Einsparmöglichkeiten diskutieren, schließen sie das Notebook gleich über eine schaltbare Steckdose an das Netz an und erklären auch, warum. Mit schaltbaren Steckdosen lassen sich an vielen Stellen in der Schule Standby-Stromverbräuche reduzieren. Dafür haben die Grundschüler am Kollwitzplatz mit der Firma „Grünspar“ jetzt auch einen Sponsor gewonnen, der ihnen  die benötigte große Anzahl an schaltbaren Steckdosen zur Verfügung stellt. Unser Bild unten zeigt die Begeisterung der Energiemanager für ihren Sponsor.

gruenspar_03_web

Mit einem großen Poster im Format DIN A 1 wird in den nächsten Tagen die Lebenskunde-Klasse der 4c an der Carl Humann-Schule die Mitschüler und Lehrkräfte der Schule über die Ergebnisse ihrer „Luftforscher“-Aktion informieren. Noch während der Heizperiode haben die vierzehn Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrer Lehrerin Kathrin Hillers in 14 Klassen über energiesparendes und gesundes Lüften informiert und den Klassen als Hilfestellung ein CO2-Messgerät mit Warnampel für ein bis zwei Wochen zur Verfügung gestellt. Die Erfahrungen damit und die Ergebnisse der Aktion stellen die Schüler jetzt unzensiert auf ihrem Poster zur Diskussion. Neben sehr positiven Ergebnissen – „Die Kinder haben verstanden, worum es geht. Oft war die Ampel gelb. In der Hofpause wurde immer intensiv gelüftet“ – gab es auch Klassen, bei denen entweder die Lehrer nicht mitgespielt und z.B. den Stecker des Messgeräts einfach herausgezogen haben oder in denen sich bedingt durch die Raumgröße ein ausreichender Luftaustausch als schwierig herausgestellt hat. Auch in Klassen, in denen anfangs eine gewisse Reserviertheit gegen die Aktion bestand und sich Lehrkräfte und Schüler mit dem Lüftungsproblem nicht gerne auseinandersetzen wollten, kam am Ende oft eine positive Reaktion auf die Messgeräte: „Die Messanzeige ist schon eine gute Orientierung und Motivationshilfe“, stellten Lehrkräfte fest.

Auch das Poster dieser Aktion (siehe Bild unten)  ist im Download-Bereich des Weblogs als PDF-Datei verfügbar.

luftforscher_carl_humann2013

Veröffentlicht unter Projekte, Schulen und Einrichtungen | Hinterlasse einen Kommentar

Junge „Energiemanager“ sind intrinsisch motiviert, aber Zeugnisse und Belohnungen geben manchmal den letzten Kick – Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz hebt pädagogische Effekte von „Köpfchen statt Kohle“ hervor

energiemanager_an_notebook_01_WEBMittwoch, siebte Stunde, Grundschule am Kollwitzplatz: Von 13 bis 14:30 Uhr bleibt ein Dutzend Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen im Nawi-Raum bei ihrem Lehrer Michael Temme. Dass kein regulärer Unterricht mehr stattfindet, merkt man daran, dass jeder was anderes macht. Während ein paar Schüler die letzten Fragen ihrer „Energiemanager“-Prüfung bearbeiten, sitzen andere am Notebook und beschäftigen sich mit einem neuen Messgerät, das in einen USB-Stick eingebaut ist und die Luftgüte im Klassenraum misst. Wieder andere schauen sich das Übungsprogramm für die zentrale Heizungssteuerung an und klären offene Fragen. „Wieso schließt das Heizungsventil nicht, wenn die Fenster alle für eine Lüftungspause aufgemacht werden? Sollen wir also besser während der Hofpause die Heizung regelmäßig deaktivieren?“ Eine weitere Gruppe von zwei Schülern bereitet eine Powerpoint-Präsentation zu leichtflüchtigen organischen Verbindungen (VOC) vor, sie übersetzen den chemischen Fachausdruck für ihre Mitschüler als „Stinkegase“.

fensteroeffnen_01_WEBZwei Mädchen machen einen etwas unglücklichen Eindruck. Sie haben erst die Hälfte der 17 Seiten umfassenden 30 „Energiemanager“-Prüfungsfragen gelöst und keine große Lust, heute den Rest zu bearbeiten. Michael Temme versucht zu motivieren: „Wenn ihr heute schon das Energiemanager-T-Shirt haben wollt, müsst ihr die Prüfung abschließen.“ Glücklicherweise ist „Köpfchen statt Kohle“-Projektleiter Richard Häusler heute mit dabei. Er setzt sich mit den beiden Schülerinnen in eine Ecke und ermutigt sie, durchzuhalten. Bei manchen Fragen tasten sich die Schülerinnen in einem Frage-Antwort-Spiel an die Lösung heran. Als sie fertig sind, bringen sie die Aufgabenblätter stolz zu Michael Temme, der die Aufgaben offiziell korrigiert. In der Zwischenzeit haben andere Schüler schon einen Lüftungsversuch vorbereitet und bevor die Zeit um ist, wird noch einmal getestet, wie lang es bei weit geöffneten Fenstern dauert, bis die CO2-Anzeige auf den Luftmessgeräten im Raum in den grünen Bereich sinkt. Bei dieser Gelegenheit stellt sich heraus, dass es gar nicht einfach ist, die Fenster im Klassenraum schnell zu öffnen, denn die Fensterbretter sind mit allerhand Material zugestellt (siehe Foto oben). Manche Fenster sind sogar mit einem Schloss gesperrt und lassen sich von den Schülern nicht öffnen. Thema fürs nächste Mal…

energiemanager_mit_michael_temme_01_WEBDie Aussicht auf das “Energiemanager“-T-Shirt kann eine Zusatzmotivation sein – Michael Temme setzt sie bei Bedarf ein

So oder ähnlich geht es in vielen „Köpfchen statt Kohle“-Projekten zu. Mit normalem Unterricht haben sie nichts zu tun. Die Schülerinnen und Schüler verfolgen reale Fragestellungen, gehen mit Messtechnik um und suchen Lösungen, um in ihrer Schule die Energieverschwendung einzudämmen und für gute klimatische Lernbedingungen auch im Winter zu sorgen. Lösungen, die noch niemand wirklich kennt, auch die betreuenden Lehrkräfte nicht. Für die Schüler ist es selbstverständlich, dass sie ständig etwas dazulernen müssen, um den Problemen auf den Grund zu gehen. Die 30 teils recht schwierigen Fragen der „Energiemanager“-Prüfung nehmen sie ohne Murren auf sich, da die Schüler die Prüfung in ihrem eigenen Tempo ablegen können und die Prüfungssituation von den Betreuern auch als Lern- und Übungsgelegenheit genutzt wird. An der Homer-Grundschule hat ein Sechstklässler, der schon länger in den Energieprojekten von „Köpfchen statt Kohle“ mitarbeitet, ganz selbstverständlich und von sich aus die gemeinsame Ergebnisbesprechung des Tests übernommen. Die traditionelle Schüler-Lehrer-Rollenverteilung löst sich also auf und Schüler bekommen die Chance, mehr Verantwortung zu übernehmen als im normalen Schulalltag.

Solche Aspekte haben die Pankower Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz auf der jüngsten Bilanzkonferenz des Projekts zu der Überzeugung kommen lassen: „Der pädagogische Effekt von ‚Köpfchen statt Kohle‘ sollte meiner Meinung nach noch stärker ausgebaut werden.“ Und die Bezirksverordnetenvorsteherin von Pankow, Sabine Röhrbein, teilte schriftlich mit: „Insbesondere die Einbindung und Gestaltung durch die Schülerinnen und Schüler selbst ist ein großer Pluspunkt, da die jungen Menschen anknüpfend an ihre konkrete Lebenswelt Erfahrungen im schonenden Umgang mit unseren Ressourcen sammeln können.“ Und deshalb wünscht sich die Sprecherin des Pankower Kommunalparlaments, dass „‘Köpfchen statt Kohle‘ künftig noch mehr junge Menschen anspricht und begeistert“.

zeugnisse_energiemanager_collage_WEB
Ein Theorie- und ein Praxis-Zertifikat bekommen die jungen „Energiemanager“, unterschrieben nicht nur von der jeweiligen Schulleitung, sondern auch von der Schul- und der Baustadträtin sowie der Senatsbildungsverwaltung

Dass die „Energiemanager“ ein offizielles Zertifikat der Schulverwaltung für ihr Engagement bekommen (siehe Bild oben), das auch im Jahreszeugnis gewürdigt wird, beweist den politischen Willen, die Energieprojekte als Teil des pädagogischen Auftrags der Schule zu sehen. Für die beteiligten Schüler ist das zwar nicht entscheidend, aber wie die eingangs geschilderte Praxis zeigt, kann die Aussicht auf ein Plus im Zeugnis durchaus einen zusätzlichen und manchmal entscheidenden Kick geben.

Was aber begeistert die Schülerinnen und Schüler an „Köpfchen statt Kohle“ am meisten? Projektmitarbeiterin Hanna Burckhardt hat die jungen „Energiemanager“ der Homer-Grundschule gefragt. Hier die häufigsten Antworten:
•    Weil es toll ist, mal was richtig Wichtiges in der Schule selbst zu steuern…
•    Weil wir so der Schule helfen, viel Energie zu sparen – das ist sehr wichtig…
•    Weil es Spaß macht und lustig ist…
•    Weil ich hier mit echten Messgeräten arbeiten kann…
•    Weil es spannend ist…
•    Weil es cool ist
•    Weil ich spannende Sachen lernen kann…
•    Weil ich möchte, dass die Welt – wenn ich irgendwann mal alt bin – immer noch so ist wie heute und nicht verschmutzt und kaputt…

Die Dritt- bis Sechstklässler, die in diesem Winter an der Homer-Grundschule den Einstieg als „Energiemanager“ gemacht haben, wollen ihre Erfahrungen zum Ende des Schuljahres an alle Mitschüler und Lehrkräfte weitergeben. Zu diesem Zweck bereiten sie gerade eine Posterausstellung vor, die außerdem jetzt schon Mitschüler motivieren soll, im nächsten Schuljahr auch „Energiemanager“ zu werden. Denn nach dem ersten Pilotwinter soll im kommenden Schuljahr die Heizungssteuerung systematisch für alle Räume von Beginn der Heizperiode an optimiert werden. Schulleiter Uwe Blachnik will im kommenden Schuljahr deshalb nicht nur eine eigene Informationssäule für die „Energiemanager“-Arbeit im Eingang der Schule aufstellen, sondern auch eine Lehrkraft als zusätzliche Unterstützung der „Energiemanager“-AG gewinnen.

Veröffentlicht unter Projekte, Schulen und Einrichtungen | Hinterlasse einen Kommentar

„Köpfchen statt Kohle“ soll ausgeweitet werden – Stadträtinnen: „Ein Quantensprung“ – Projektleiter sieht Chancen für eine bahnbrechende Innovation im Energiemanagement an Schulen

schueler_berichten_03a_webZur Bilanzkonferenz von „Köpfchen statt Kohle“ am 15. April in der Falkplatzschule stießen zwei Welten aufeinander. Hier die erwachsenen Verantwortungsträger – Politiker, Verwaltungsleute, Experten und Schulleiter, dort Fünft- und Sechstklässler aus drei Grundschulen, die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitmachen. Was den Schülerinnen und Schüler rhetorisch noch gefehlt haben mag, glichen sie jedoch leicht durch Engagement und Authentizität aus. Als drei Jungs aus der Grundschule am Kollwitzplatz berichteten, dass sie jede Woche dienstags schon um 7 Uhr in der Schule sind, um ihr Energiesparprojekt voranzubringen, ernteten sie verblüfften Applaus. Was mag die jungen Menschen nur motivieren?

Schul-Stadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz hatte Antworten auf diese Frage. „Es ist der Realcharakter der Projekte, die die Schüler besonders motiviert“, stellte sie fest. „Die Vorgaben kommen in diesem Fall eben nicht von Lehrern, sondern von echten Problemen, vor die die Energieprojekte gestellt werden.“ Außerdem steht bei „Köpfchen statt Kohle“ sehr viel praktisches und anschauliches Arbeiten im Vordergrund. Die Schülerinnen und Schüler organisieren Messungen, untersuchen Wärmelecks mit Thermokameras, überprüfen Raumtemperaturen, Luftqualität und Beleuchtungsverhältnisse mit professioneller Messtechnik, die normalerweise an den Schulen nicht vorhanden ist.

podium02_web

Suchten und fanden die Erfolgsfaktoren von „Köpfchen statt Kohle“ (v.l.n.r.): Baustadträtin Christine Keil, Umweltpolitiker Danny Freymark, Physiklehrer Christian Strube, Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz, Schulrätin Ilse Rudnick, Bauamts-Ingenieur Jürgen Bornschein

 Dabei stoßen sie auf eine Reihe von konkreten Mängeln in ihren Schulen – undichten alten Fenstern, defekten Thermostatventilen und mangelnden Lüftungsmöglichkeiten, die alle dazu führen, dass Energie unnötig verloren geht und dennoch die meisten Schulräume oft überheizt sind. Wäre „Köpfchen statt Kohle“ eine rein pädagogische Veranstaltung, müsste an diesem Punkt Schluss sein mit der Projektarbeit. Hier aber geht sie weiter, weil die Schüler wissen, wen sie ansprechen müssen, und falls nötig mit Petitionen und Powerpoint-Folien auch ins Rathaus kommen. Bau-Stadträtin Christine Keil ging auf der Konferenz ausdrücklich auf diesen Punkt ein: „Reparaturen und Verbesserungen brauchen Zeit – aber auch Zusammenarbeit und sogar ein bisschen Druck von unten“, stellte sie fest. Sie berichtete: „In den Schüler-Projekten von ‚Köpfchen statt Kohle‘ sind immer wieder – und teilweise in Quantitäten – defekte Thermostatventile entdeckt worden, die natürlich ausgewechselt werden müssen. Neuntklässler der Robert Havemann-Schule waren bei mir und haben u.a. moniert, dass die Heizkörperventile in den Fluren der Schule verstellbar und in der Regel zu hoch eingestellt sind. Sie haben den Antrag gestellt, 98 solche Ventile durch Feststellventile zu ersetzen. Ich gebe gerne zu, dass wir in der Verwaltung schon auch darauf angewiesen sind, solche Anforderungen von der Basis zu bekommen. Und glauben Sie mir: Es nimmt Ihnen auch niemand übel, wenn die Schüler hier nachhaken und ein bisschen Handlungsdruck aufbauen.“

Dass dieser Druck zu Erfolgen führt, konnte auch die gastgebende Schule am Falkplatz bestätigen.130 alte, undichte Kastendoppelfenster weist dieses Schulgebäude noch auf. Die Umweltgruppe untersuchte im Rahmen von „Köpfchen statt Kohle“ die Situation genau, wies den Energieverlust nach und kümmerte sich sogar um den Nachweis einer wirksamen Abdichtung, die für alle Fenster 20.000 Euro gekostet hätte. Dieses Geld hätte die Schülergruppe für die Fensterabdichtung auch bekommen, bestätigte Christine Keil, wenn nicht im kommenden Jahr jetzt sogar die ganz große Lösung möglich würde – der komplette Austausch aller Fenster durch neue.

energiemanager_information_01_webDass bauliche und technische Verbesserungen ein wichtiges Kriterium für die Schulen sind, um auch Projektarbeit der Schüler zu unterstützen, bestätigte der Schulleiter der Homer-Grundschule, Uwe Blachnik (Bild oben zusammen mit Viertklässlern bei einer „Köpfchen statt Kohle“-Information in der Schule). „Wenn wir sehen, dass das Ganze nicht nur auf die Beschäftigung unserer Schüler und Schülerinnen hinausläuft, sondern parallel dazu auch reale Verbesserungen der Situation möglich sind, macht das Sinn“, stellte er fest. Die Homer-Grundschule beteiligt sich bereits im dritten Projektjahr und mit stetig wachsender Intensität an „Köpfchen statt Kohle“. Gleichzeitig wurde vor kurzem aber auch die Hälfte der maroden alten Fenster an der Schule ausgetauscht.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis von „Köpfchen statt Kohle“ verriet Jürgen Bornschein, der als Ingenieur in der Pankower Hochbauverwaltung das Projekt mit auf den Weg gebracht hat und betreut. Bei „Köpfchen statt Kohle“ verfolgt man einen konsequent kooperativen Ansatz. Bornschein bekräftigte, wie außergewöhnlich es sei, dass über lange Zeit mehrere Ämter und Behörden so eng zusammenarbeiten. Schulamt, Bauamt und Senatsbildungsverwaltung haben bei „Köpfchen statt Kohle“ einen Projektbeirat gegründet, der sich alle Vierteljahre trifft und dabei offen über alles redet, alle Probleme auf den Tisch legt und Entscheidungen trifft oder vorbereitet. Auch die beiden externen Dienstleister – der pädagogische und der technische – sind dabei eingebunden, so dass auf kürzesten Wegen agiert werden kann.

zeugnisvergabe03a_webSchulrätin Ilse Rudnick, die als Vertreterin der Senatsverwaltung für Bildung in das Projekt und den Beirat einbezogen ist, bestätigte diese Einschätzung. Die Erfolgsvoraussetzungen von „Köpfchen statt Kohle“ seien „Kommunikation, Kommunikation und Kommunikation“. Auf allen Ebenen – der politischen und der Verwaltungsebene, der innerschulischen und öffentlichen – sei im Projekt eine intensive Kommunikationsarbeit gemacht worden, wie sie normalerweise nicht stattfinde. Mit den beiden zuständigen Bezirksstadträtinnen war sie sich einig, dass hauptsächlich darin der Grund dafür liege, wenn man im Bezirk Pankow einhellig der Meinung sei, dass mit „Köpfchen statt Kohle“ ein „Quantensprung“ erreicht worden sei. Beide Stadträtinnen verkündeten den Teilnehmern der Konferenz deshalb, dass im Bezirk der politische Beschluss gefallen sei, „Köpfchen statt Kohle“ nicht nur fortzuführen, sondern auch auszuweiten. Das bedeutet, dass sowohl die Projektlaufzeit, die seinerzeit nur auf zwei Jahre festgelegt war, deutlich verlängert wird, um nachhaltigere Effekte zu erzielen – als auch die Ausweitung über die bisher beteiligten 14 Schulen hinaus, wobei auf der Konferenz von künftig 50 Pankower Schulen die Rede war. (Unser Bild oben zeigt Ilse Rudnick bei der Verleihung des „Energiemanager“-Zertifikats an Julienne Löbe aus der 5c der Homer-Grundschule.)

Christian Strube, der als Physiklehrer am Havemann-Gymnasium an der „Köpfchen statt Kohle“-Konferenz teilnahm, wünschte sich, dass diese Ausweitung auch die Oberschulen stärker berücksichtige. Bisher waren bis auf zwei Ausnahmen nur Grundschulen an „Köpfchen statt Kohle“ beteiligt. Das Problem, das Strube sieht, ist der höhere Lehrplan-Druck in den Sekundarschulen und Gymnasien. Für die bevorstehende Überarbeitung der Rahmenlehrpläne wünscht er sich deshalb, dass das Thema „Energie“ stärker berücksichtigt wird. „Dann hätten wir den zeitlichen und personellen Spielraum für die Energieprojekte“, stellte er fest. Ilse Rudnick versprach, diesen Gedanken in die Senatsverwaltung zu tragen.

Die Ausstrahlung, die „Köpfchen statt Kohle“ inzwischen als neues Modell der Energiebildung und der Einbindung der Nutzer öffentlicher Gebäude in ein nachhaltiges Energiemanagement hat, bewies Danny Freymark. Der umweltpolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus verfolgt die Arbeit von „Köpfchen statt Kohle“ bereits seit einiger Zeit und er hat das Projekt durch Schulbesuche auch bereits von der praktischen Seite kennengelernt. Nun möchte er es in seinen Heimatbezirk Lichtenberg exportieren und ist davon überzeugt, eine parteienübergreifende Zustimmung dafür zu bekommen.

Am Tag nach der Bilanzkonferenz war Projektleiter Richard Häusler bei der Berliner Energieagentur eingeladen, um vor Energiebeauftragten der Berliner Bezirke über „Köpfchen statt Kohle“ zu referieren. Die angeregte Diskussion in diesem Gremium, die sein Bericht auslöste, hat ihn in der Auffassung bestärkt, dass im Rahmen von „Köpfchen statt Kohle“ eine Innovation gelungen sei, die bisherige Modelle der Nutzerintegration in das öffentliche Energiemanagement übertreffe. Im Gegensatz zu den früheren „Fifty-/Fifty-Projekten“, bei denen Schulen die Hälfte der durch verhaltensbezogene Maßnahmen eingesparten Energiekosten ausbezahlt worden sei, setze „Köpfchen statt Kohle“ erfolgreich auf eine intrinsische, keine finanzielle Motivation der beteiligten Schulen. Den Clou der Innovation sieht Richard Häusler jedoch in der Idee, die Schüler und Schulklassen direkte Verantwortung für die Betreuung und Optimierung der zentralen Einzelraumsteuerung zu geben, die in vielen Schulen die manuell verstellbaren Heizungsthermostate abgelöst hat. „An dieser Stelle verbinden sich Technik und Nutzerbeteiligung zu einer wirklich nachhaltigen Praxis“, ist der Projektleiter von „Köpfchen statt Kohle“ sicher. Die notwendige Qualifizierung von Schülern ab der 4. Klasse zu „Energiemanagern“ sei ein echter Beitrag zum naturwissenschaftlichen Lernen ebenso wie zur Einübung sozialer Kompetenzen und zur Partizipation.

absolventen_gruppenbild01_web

 Hier präsentieren sich einige qualifizierte junge „Energiemanager“ mit Zeugnis, zusammen mit – v.r.n.l. – Ilse Rudnick, Lioba Zürn-Kasztantowicz und Christine Keil

Auf der anderen Seite böte das Konzept, das innerhalb des „Köpfchen statt Kohle“-Programms unter dem Namen „Klasse Klima“ figuriert, die begründete Chance, Einsparungspotenziale auch dauerhaft zu sichern. „Handthermostate werden immer wieder verstellt und letztlich fühlt sich keiner verantwortlich“, so Häusler. Optimierte Einstellungen am Heizungscomputer, die mit den Nutzerbedürfnissen jedes einzelnen Klassenraums abgestimmt sind, bleiben aber dauerhaft bestehen, vermutet er. In drei Grundschulen wurde das Konzept in diesem Winter erfolgreich umgesetzt, es könnte also ausgeweitet werden. Wenn es nach Richard Häusler ginge, sollten die künftigen „Köpfchen statt Kohle“-Aktivitäten alle ca. 25 Schulen mit zentraler Einzelraumsteuerung für die Heizung in Pankow einbinden. Außerdem solle man prüfen, wie alle anderen Schulen Schritt für Schritt ebenfalls solche Steuerungssysteme bekommen könnten. Mit „Klasse Klima“ habe man eine „echte Innovation an der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik“ gefunden, behauptet der Diplomsoziologe Richard Häusler, die zur Energiewende passe und mit der jungen Generation auch diejenigen erreiche, „die einmal ganz ohne fossile Energien auskommen“ müssten.

energiemanager_ganz_entspannt_01_web

Der Fünftklässler Silvan Aras drückt die Coolness und Kompetenz der jungen Energiemanager bei „Köpfchen statt Kohle“ aus

Veröffentlicht unter Allgemein, Veranstaltungen | 1 Kommentar

Mit Litfaßsäule und Messgeräten: In der Humann-Schule klären Viertklässler Kinder und Erwachsene auf – Umweltpolitiker Danny Freymark sieht Vorbild für Bezirk Lichtenberg

saeule_03b_webMief macht müde. Vor allem in Klassenräumen machen sich im Winter, wenn geheizt wird, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme bemerkbar. Die Produktivität des Lehrens und Lernens nimmt ab. Forscher haben herausgefunden, dass mit dem CO2-Gehalt der Atemluft in Klassenräumen auch das Ansteckungsrisiko für Grippeerkrankungen signifikant steigt. Nachzulesen ist dies in einer Bekanntmachung des Umweltbundesamts von 2008 sowie in einem Beitrag auf SPIEGEL ONLINE von 2010.

Die Viertklässler im Lebenskunde-Unterricht der Carl Humann-Schule brauchen solche wissenschaftlichen Beweise nicht, denn sie erleben es täglich. Aber sie wollen etwas tun, damit es besser wird. Deshalb haben sie in den letzten Wochen mit Messgeräten die Veränderung des CO2-Gehalts im Klassenzimmer verfolgt und experimentell herausgefunden, ob es eine Lösung für das Raumklima-Problem gibt. Unterstützt durch „Köpfchen statt Kohle“ entwickelten die Schülerinnen und Schüler dabei auch den Ehrgeiz, die ganze Schule, alle Mitschüler und auch die Lehrkräfte zu erreichen.

litfasssaeule_07_webZu diesem Zweck gestalteten sie eine Litfaßsäule, die in Wort und Bild informiert und aufklärt. Letzte Woche wurde die Säule im Schulhaus offiziell enthüllt – unter Anwesenheit nicht nur von Schulleiterin Katrin Meissner, einigen Klassen und Lehrkräften. Auch die Presse war dabei sowie der umweltpolitische Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Danny Freymark. Der Lichtenberger Jungpolitiker ließ sich von den Schülern genau erläutern, worum es geht (siehe Foto), und erklärte, dass er es gerne sähe, wenn es auch im Bezirk Lichtenberg solche erfolgreichen „Köpfchen statt Kohle“-Projekte an den Schulen gäbe.

praesentation_vor_der_klasse04_webDie Aufstellung der Luftgüte-Litfaßsäule ist für die Viertklässler der Carl Humann-Schule indes noch nicht der ganze Erfolg. Sobald die Säule enthüllt war, schwärmten sie in Zweier-Teams in alle Klassen aus, um ihre Mission zu erfüllen. Ausgerüstet mit einem CO2-Messgerät und einer Liste von Fragen stellen sich die jungen „Luftforscher“, wie sie sich auf den mit Stolz getragenen Buttons nennen, vor die fremden Klassen und versuchen herauszubekommen, welches Bewusstsein über Luftqualität, Heizen und Lüften bei Schülern und Lehrkräften vorhanden ist. Und das ist durchaus unterschiedlich. Während die „Luftforscher“ in manchen Klassen nicht einmal darauf hinweisen müssen, dass es sinnvoll ist, während der Lüftungspausen auch die Heizkörper abzudrehen, stehen in anderen Klassen bei voller Beheizung ständige einige Fenster auf Kippstellung, ohne dass ausweislich der CO2-Messung die Luftqualität wirklich im grünen Bereich läge. Aus diesem Grund stellen die „Luftforscher“ auch jeder der besuchten Klassen für ein oder zwei Wochen ein Messgerät zur Verfügung, mit dem eine objektive Kontrolle der Luftgüte möglich ist. Die Schüler der Projektgruppe erhoffen sich davon eine Sensibilisierung für das Thema. Bei einem zweiten Besuch ein oder zwei Wochen später wollen sie herausfinden, ob sie Erfolg hatten und sich das Lüftungsverhalten verändert hat.

button02_webOffen ist auch die Frage, ob eine CO2-Anzeige permanent im Klassenraum verfügbar sein sollte. „Köpfchen statt Kohle“-Projektleiter Richard Häusler berichtet, dass an anderen beteiligten Schulen die dauerhafte Anschaffung von Messdisplays mit Luftqualitäts-Ampel für alle Klassenräume derzeit erwogen wird.

Veröffentlicht unter Projekte, Schulen und Einrichtungen | Hinterlasse einen Kommentar

Jede Menge Aufträge für die Energiemanager – Seit Schüler die Heizungssteuerung übernehmen, wird das Ausmaß der Einsparmöglichkeiten erst so richtig deutlich

schuelerin_mit_raumthermometer02_WEBDer Job als Energiemanager ist für die Grundschüler, die an dem Modellprojekt von „Köpfchen statt Kohle“ teilnehmen, kein leichter. Entweder schließen sich für die Dritt- bis Sechstklässler nach einem anstrengenden 8-Stunden-Schultag noch eineinhalb Stunden Energiemanager-AG am Nachmittag an (wie z.B. in der Homer-Grundschule) oder die Schülerinnen und Schüler kommen jede Woche einmal schon eine Stunde vor Schulbeginn, um zwischen 7 und 8 Uhr Daten zu analysieren, Messungen zu machen, Einstellungen am Heizungscomputer zu verändern, Protokolle zu verfassen und Briefe an Lehrkräfte und Hausmeister zu schreiben. In „Frühschicht“ arbeiten derzeit die jungen Energiemanager an zwei Schulen, der Schule am Falkplatz und der Grundschule am Kollwitzplatz. Dass ihnen dabei das Lachen nicht vergeht,  beweist unser Bild oben, das in der Falkplatzschule aufgenommen wurde und Marnie zeigt, die gerade ein Raumthermometer für eine der über 20 zu betreuenden Klassen vorbereitet.

Um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, müssen sich die jungen Energiemanager obendrein einer Prüfung unterziehen. 30 Fragen auf 17 Seiten sind zu beantworten. Dabei geht es um Grundlagen der Wärmephysik und der Heizungstechnik ebenso wie um den Umgang mit der zentralen Einzelraumsteuerung der Firma Gebäudeelektronik Schoof (siehe Bild unten). Die ausgebildeten Energiemanager kennen das System inzwischen teilweise besser als der Hausmeister, mit dem sie eng zusammenarbeiten. Denn nur über den Hausmeister können beispielsweise Reparaturanforderungen an die Schulverwaltung eingereicht werden.

energiemanager_pruefungsaufgaben_collage_WEB

Und das ist nicht selten das Thema. Sowohl an der Falkplatzschule als auch an der Homer-Grundschule entdecken die Energiemanager immer wieder Klassenräume, in denen Heizkörper ständig Wärme abgeben, auch dann, wenn der Raum nicht genutzt wird. Auf diese Weise haben Räume Tag und Nacht und auch an Wochenenden und in den Ferien ständig Temperaturen bis zu 26 Grad – was nicht nur Energie verschwendet und unnötig das Klima belastet, sondern oft auch die Aufenthaltsqualität in den Räumen sehr beeinträchtigt. Die Klassenlehrerin einer vierten Klasse der Homer-Grundschule wandte sich mit folgenden Zeilen an die Energiemanager: „Bei uns ist es viel zu heiß! Besonders, wenn die Sonne scheint, schwitzen die Kinder und ziehen sich zum Teil bis aufs Unterhemd aus.“ Die Energiemanager analysierten die Situation des Raumes zuerst am Computer, um dann die Heizkörper im Raum zu messen. Das Ergebnis ist ein Brief an die Lehrerin mit dem Versprechen, zusammen mit dem Hausmeister an einer Lösung zu arbeiten: „Liebe Frau Schumacher, am 7.3.2013 haben wir festgestellt, dass in Ihrem Raum die Temperatur 23,4 °C beträgt. Unsere andere Feststellung ist, dass die Heizkörper alle warm sind und eine Temperatur von 40,3 °C haben. Aber unsere Computeranalyse hat ergeben, dass Ihre Heizung immer aus ist (Ventile geschlossen). Deswegen werden wir uns an den Hausmeister wenden. Liebe Grüße, Ihr Köpfchen statt Kohle-Team“.

an_frau_boback_webDie Erfahrungen, die die Schüler in ihrer Rolle als Energiemanager machen, sind vielfältig. Sie lernen nicht nur energietechnische Zusammenhänge kennen, sondern üben auch Fehlersuche, Problemanalyse und systematisches Vorgehen und trainieren die sozialen Fähigkeiten, die sie für ihren Job benötigen. Auch der Umgang mit eigenen Fehlern, die im Eifer passieren, gehört dazu. Im Logbuch der Energiemanager an der Homer-Grundschule findet sich der Eintrag:

„Aus Versehen wurden am 25.02.13 die regelmäßigen Heizzeiten verstellt. Dabei wurde übersehen, dass dienstags die Heizung komplett ausgeschaltet wurde. Wir haben den Fehler korrigiert. Von Dienstag bis Freitag haben wir den Heizbeginn um zwei Stunden verkürzt. Montags nicht, weil da die Wochenendabsenkung ausgeglichen werden muss. (Der Raum ist vom Wochenende möglicherweise mehr ausgekühlt.) AUFTRAG: Beobachten, ob es morgens die ganze Woche über warum genug ist!“

grosser_monitor_01_WEBDie genauere Eingrenzung von Heizzeiten gehört für die Energiemanager zu den häufigsten Aufgaben. Dies ist für nahezu jeden Klassenraum sinnvoll. Da die Heizzeiten natürlich nur in Abstimmung mit den Nutzungszeiten und den Bedürfnissen der Schüler und Lehrer verändert werden sollen, ist der Zeitaufwand dafür nicht unerheblich. Weil die jungen Energiemanager erst seit kurzem aktiv sind und nicht an allen drei Schulen auch bereits in jeder Klasse ab Stufe 3 Energiemanager benannt und ausgebildet werden konnten, wird bis zum Ende der Heizperiode in diesem Schuljahr nicht alles erledigt werden können, was auf dem Tisch der Energiemanager liegt. Aber das Projekt soll ja auch eine Dauereinrichtung an den Schulen werden. Homer-Schulleiter Uwe Blachnik hat seinen Lehrkräften bereits angekündigt, dass im nächsten Schuljahr ab September die Energiemanager wieder im Einsatz sein werden und dann auch in allen dritten bis sechsten Klassen weitere Energiemanager rekrutiert werden sollen. Die Kampagne zu Schuljahresbeginn wird dann wieder den großen Monitor nutzen, der im Foyer der Schule eigens für „Köpfchen statt Kohle“ montiert wurde (Bild oben). Auf ihm werden außerdem aktuelle Verbrauchsdaten, die „Energiebilanz“ der Schule und motivierende Beispiele aus der Praxis der Energiemanager gezeigt werden.

Die Aussicht, einen nachmessbaren Beitrag zum Energiesparen leisten zu können, und die Erfahrung, von den Lehrern und Schulleitungen wirklich ernstgenommen und beauftragt zu werden, die Situation zu verbessern, motiviert die Grundschüler jedoch sichtlich. Auf unserem Foto, das sieben frisch gebackene Energiemanager der Homer-Grundschule zeigt, ist ihnen die Motivation ins Gesicht geschrieben (v.l.n.r.: Milo, Silvan, Lana, Mara, Xenia, Anna).

energiemanager_team01_WEB_neuAuch auf dem Foto erkennbar ist, dass sich mehr Mädchen als Jungs freiwillig für die Arbeit als Energiemanager interessieren. Das freut den Projektleiter von „Köpfchen statt Kohle“, Richard Häusler, besonders, denn es zeige, dass Mädchen mindestens genauso stark wie Jungs mit technischen Zusammenhängen umgehen.

Veröffentlicht unter Projekte, Schulen und Einrichtungen | Hinterlasse einen Kommentar

So funktioniert „Klasse Klima“ – Großer Andrang von jungen Energiemanagern in der Homer-Grundschule – Ein Horterzieher war der erste „Kunde“

energiemanager_information_02_WEBSchon am ersten Tag kamen acht Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 3 bis 5 – Lana, Finn und Jacob waren perplex. Die drei jungen Energieexperten, die seit Wochen die Aktion „Klasse Klima“ in ihrer Schule vorbereiten, hatten am Vormittag für ihr Projekt gegen Energieverschwendung geworben. Im Halbstunden-Rhythmus waren die dritten bis fünften Klassen vor dem großen Monitor in der Eingangshalle der Schule erschienen, um sich zusammen mit ihren Lehrkräften erklären zu lassen, wie die Homer-Grundschule im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg künftig Heizenergie sparen will (siehe Foto). „Die Kosten für Heizenergie sind ein Vielfaches dessen, was wir an unserer Schule für Strom benötigen“, erklärte Finn aus der 6b anhand einer Grafik, die gerade auf dem Bildschirm hoch über den Köpfen der Schüler flimmerte.

energiemanager_information_06_WEBIn einer kurzen Einführung in die Temperatur-Messtechnik vermittelten die Viertklässler Jakob und Lana den Mitschülern den Unterschied zwischen Oberflächen- und Luftmessung. Mit dem Luftthermometer prüfen die Schüler in ihren Klassenräumen, ob die am Zentralcomputer eingestellten Temperaturen tatsächlich im Raum ankommen. Mit der Oberflächenmessung kommen sie defekten Heizkörperventilen auf die Spur, die sich nicht mehr regeln lassen, weil sie entweder ständig geöffnet oder geschlossen sind. Dass so etwas durchaus vorkommt und bisher anscheinend völlig unbeachtet geblieben war, zeigte sich bei der anschließenden Besichtigung der Steuerzentrale für die Heizung, die sich neuerdings nicht mehr nur im Hausmeister-Büro befindet, sondern auch im Zugriffsbereich der Schüler. In der Homer-Grundschule wurde in einem kleinen Computerraum ein eigener Computer aufgestellt, der Echtzeitzugriff auf die Heizungseinstellungen aller Klassenräume hat und von den jungen Energiemanagern selbst bedient werden kann (siehe Foto).

heizkurven_bioraum01_WEBBeispiel Unterrichtsraum Biologie: In Erstaunen versetzte die Schüler der 5c die Messkurve des Heizungscomputers für den Bio-Raum, in dem es ihnen immer zu warm ist. Als sie gelernt hatten, die Kurve (siehe Foto) zu lesen, schüttelten sie den Kopf. Obwohl angeblich den ganzen Tag über kein Heizungsventil öffnet, hat der Raum von früh bis spät ein Temperaturniveau von 25 Grad Celsius! Die im System eingestellten 21 Grad Wunschtemperatur werden also weit übertroffen. Wie kann das sein. „Wahrscheinlich sind die Heizungsventile defekt“, schlug Finn vor und erklärte, was der erste Job der künftigen Energiemanager aus der 5c sein wird: Die Heizkörper einen Tag lang zu messen, dann mit dem Hausmeister über das Problem zu reden und ihn zu überzeugen, eine Reparaturmeldung an das Schulamt zu schicken. Nur ein Techniker kann überprüfen, ob die Heizungsventile tatsächlich kaputt sind oder nicht vielleicht der Temperaturfühler im Raum – oder ob es noch andere Ursachen geben kann. Aber eins ist klar: Das Problem muss gelöst werden, wenn die Energieverschwendung beendet werden soll, die ja außerdem die Ursache für schlechtere Lernbedingungen im Bio-Raum ist.

energiemanager_test_01_WEBUm solche Zusammenhänge zu durchschauen, müssen sich die jungen Energiemanager zusätzliches Wissen, analytische Kompetenzen und Problemlösefähigkeiten aneignen. In der Homer-Grundschule geschieht dies im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft, die sich immer am Donnerstagnachmittag von 14:30 bis 16:00 Uhr trifft. Betreut wird sie von den drei „Pionieren“ in Sachen Energie, Finn, Lana und Jakob, sowie dem Projektleiter von „Köpfchen statt Kohle“, Richard Häusler. Obwohl Finn bei den Vorführungen auf dem Schulhausflur nicht mit den hohen Anforderungen an die Energiemanager hinter dem Berg gehalten hat, gibt es Klassen, in denen sich gleich sechs Kinder melden, die Energiemanager werden wollen. Maximal drei pro Klasse können jedoch die Chance bekommen. Silvan hatte Glück, er wurde in seiner Klasse, der 5c, unter den sechs Bewerbern ausgelost. Am Donnerstagnachmittag stürzte er sich gleich auf die 30 Prüfungsfragen in dem 17-seitigen Testbogen. Wer in den nächsten Wochen alle Fragen richtig  beantworten kann und auch in der Praxis zeigt, dass er oder sie mit der Heizungssteuerung umgehen und die eigene Klasse in die Entscheidungsprozesse einbinden kann, bekommt ein offizielles Zeugnis der Schulverwaltung – und ein schwarzes T-Shirt mit dem Schriftzug „Energiemanager“. Silvan hat schon am ersten Tag auch den Praxistest bestanden. Er hat nämlich die Chance genutzt, als ein Horterzieher zur Tür hereinkam und sein Problem schilderte. In einem Hortraum sei es nämlich zu bestimmten Zeiten zu kalt. Zusammen mit Finn zeigte Silvan dem Hortner, welche Einstellungen man am Heizungscomputer verändern kann, um das Problem zu lösen. Mit einigen Mausklicks war es erledigt. Der Erzieher zog beglückt von dannen und Silvan strahlte: „Das war unser erster Kunde!“

Unterdessen hatte Xenia aus der 3c von Lana die Ausdrucke der Heizkurven für ihren Klassenraum erhalten und sich darüber zusammen mit ihren Mitschülern Floyd und Noah Gedanken gemacht. „Warum ist es schon um 5:00 Uhr 21 Grad? Reicht es nicht auch, wenn es um 8:00 Uhr warm ist?“, schreibt sie gleich auf das Blatt mit der Heizkurve, so dass man den Zusammenhang sofort erkennt (siehe Foto unten). Mit dieser Frage will sie in ihre Klasse gehen und mit ihren Mitschülern und der Lehrkraft darüber entscheiden, ob der Versuch gemacht werden soll, die Heizzeiten statt um fünf Uhr morgens erst um sieben Uhr beginnen zu lassen. Und eine weitere Frage hat sich Xenia auch gleich überlegt: Sie möchte wissen, ob statt der eingestellten 21 Grad nicht auch 20 Grad als Obertemperatur reichen. Denn in den Unterlagen zur Energiemanager-Prüfung hat sie gelesen, dass dies der offizielle Normwert für den „Arbeitsplatz Schule“ ist.

analyse_heizkurven01_WEB

energiemanager_kernteam_mit_schulleiter02_WEBAuch wenn es für Finn, Lana und Jakob keine leichte Aufgabe war, auf einen Schlag gleich acht neue Energiemanager einführen zu müssen, nehmen sie die Herausforderung an. „Um alle Klassen ab der 3. Stufe zu erreichen, brauchen wir 20 bis 30 Energiemanager“, hat Finn ausgerechnet. Schulleiter Uwe Blachnik unterstützt die Aktion, die er dauerhaft in seiner Schule etablieren will. Und er ist stolz auf das Dreierteam, dem es gelungen ist, jetzt die ganze Schule für das Thema zu begeistern. Unser Foto zeigt ihn zusammen mit den Dreien vor ihrem Arbeitsplatz am Heizungscomputer.

Veröffentlicht unter Projekte, Schulen und Einrichtungen | Hinterlasse einen Kommentar