Personelle Verstärkung auf der ganzen Linie – Noch mehr Schulen wollen „Energiemanager“ ausbilden – Einspareffekte liegen hochgerechnet bei 20 Prozent

Das neue Schuljahr beginnt für „Köpfchen statt Kohle“ unter guten personellen Vorzeichen. An drei Stellen können die Energie- und Klimaprojekte künftig mit mehr Personalkapazität rechnen.

tobias_berger_und_schueler01In der Homer-Grundschule, die zu den erfolgreichen Vorreitern der Idee gehört, den Schülern das Energiemanagement selbst in die Hand zu geben, fängt ein junger Sachkundelehrer an und übernimmt die Leitung der „Energiemanager“-Gruppe. Unterstützt durch „Köpfchen statt Kohle“ wird Tobias Berger (Foto) mit den Schülerinnen und Schülern weiterarbeiten, die im letzten Schuljahr begonnen hatten, sich mit der zentralen Heizungssteuerung vertraut zu machen, und bereits für einzelne Räume Verbesserungsvorschläge umgesetzt haben. Im neuen Schuljahr geht es darum, für alle Räume ohne Ausnahme eine Überprüfung vorzunehmen, die Heizzeiten an den neuen Stundenplan anzupassen und so kurz als möglich zu halten sowie die Maximaltemperaturen auf 19 oder 20 Grad einzustellen.

floyd_erklaert_01Obwohl bis auf eine Ausnahme alle Schüler der letztjährigen dritten bis fünften Klassen weiter am Projekt mitarbeiten, müssen mindestens 10 bis 15 weitere Schüler ab Klassenstufe 3 gefunden werden. Auch diese Aufgabe übernimmt die Projektgruppe selbstständig. Da sich herausgestellt hat, dass die Bezeichnungen der Räume im zentralen Heizungscomputer oft nicht mehr stimmen und die Zuordnung zu den Klassen unnötig kompliziert ist, wird als erstes eine Inventur der Räume gemacht, damit die Tabelle im Computer wieder der Realität entspricht. Beim ersten Treffen musste sich der Lehrer Tobias Berger von Schülern noch einiges zeigen lassen (Foto).

SolarkollektorGute Nachrichten gibt es zum Schuljahresstart auch aus dem einzigen Gymnasium, das in Pankow bisher an „Köpfchen statt Kohle“ mitarbeitet. An der Robert Havemann-Schule in Karow sollte nämlich schon seit längerem eine zentrale Energie-Lernwerkstatt für die „Köpfchen statt Kohle“-Schulen sowie alle Pankower Schulen insgesamt entstehen. Jetzt ist die Entscheidung gefallen, dass der Leiter der Arbeitslehre-Werkstätten an der Schule, Norbert Hansen, bleiben kann und für die Lernwerkstatt zur Verfügung steht. Mehrere Werkstatt-Räume mit einem kompletten Maschinenpark für Holz, Metall und Elektro können in Zukunft genutzt werden, um Kindern ab der 4. Klasse erlebnisorientierte Angebote in der Energiebildung zu machen. Fachlich betreut wird die Lernwerkstatt von dem Physiklehrer Christian Strube. Zum Start eine Woche nach den Herbstferien wird als erstes Modul ein Baukurs zur Solarenergie angeboten, der für Grundschulkinder der 5. und 6. Klasse geeignet ist. Jedes Kind baut einen funktionsfähigen Solarkollektor, der bis zu einem Liter Wasser in der Stunde auf über  60 Grad aufheizen kann (Foto). Die Kreiselpumpe des Kollektors wird durch Solarzellen betrieben. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei Grundlagen der Energieumwandlung kennen und verbinden dieses theoretische Wissen mit den praktischen Erfahrungen beim Kollektorbau. Weil Christian Strube und Norbert Hansen auch erst praktische Erfahrungen mit dem Solarkollektor-Modul sammeln müssen, wird für den ersten Termin eine experimentierfreudige Klasse gesucht. Ob für das Modul ein oder zwei Projekttage bzw. zwei, drei oder vier Nachmittage benötigt werden, soll diese Klasse in der Lernwerkstatt ausprobieren.

Auch das Energierad, mit dem Energieumwandlungen und der große Unterschied zwischen dem Aufwand für Strom- und für Wärmeerzeugung direkt erlebbar werden, wird in der Lernwerkstatt in Karow stehen und im Rahmen von Lernmodulen genutzt werden können. Durch weitere Zusatzausstattungen wie eine Seilwinde kann ein großes Spektrum von Versuchen für die 4. bis 10. Klasse mit dem Energierad gemacht werden. Die Themen reichen von der Unterscheidung verschiedener Energiearten über Energieumwandlungen und den Leistungsbegriff bis hin zu Wirkungsgrad-Berechnungen.

waehner_burckhardt_haeusler01Und schließlich hat sich auch die Agentur, die „Köpfchen statt Kohle“ im Auftrag des Bezirks Pankow entwickelt und in die Schulen bringt – das Büro stratum mit Sitz in Friedrichshain – personell verstärkt, um den 17 teilnehmenden Schulen optimal gerecht zu werden. Mit Hanna Burckhardt ist eine frühere Praktikantin, die „Köpfchen statt Kohle“ bereits kennengelernt hat, jetzt fest angestellt worden. Beim Besuch des „Berliner Woche“-Journalisten Bernd Wähner war sie bereits dabei, um über den Einsatz von CO2-Messgeräten in „Köpfchen statt Kohle“-Projekten zu berichten. Auf dem Foto wird Hanna Burckhardt von Bernd Wähner (li.) und stratum-Geschäftsführer Richard Häusler eingerahmt. Der Artikel in der „Berliner Woche“  ist unter dem Titel „Mit Köpfchen Energie sparen“ bereits erschienen.

Neben der „Energiemanager“-Qualifizierung stellt die CO2-Messung im Rahmen von Schülerprojekten eine zweite wesentliche Aktionsschiene bei „Köpfchen statt Kohle“ dar. Dieses „Raumklima“-Projekt, das sich einerseits mit dem „Energiemanager“-Konzept gut verknüpfen lässt, aber andererseits einen guten Einstieg in die Projektarbeit in denjenigen Schulen bietet, die keine zentrale Einzelraumsteuerung aufweisen, sondern in den Klassenräumen, Fluren etc. von Hand regelbare Thermostatventile besitzen. Erfahrungsgemäß ist es weder für die Schüler und Lehrer besonders motivierend noch dauerhaft organisierbar, eine gute Kontrolle der Thermostateinstellungen und des Lüftungsverhaltens in den Klassen allein aufgrund einer theoretischen Belehrung zu erreichen. Dagegen erzielt die Beschäftigung mit der Frage „Wie erreichen wir gute Luft im Klassenzimmer auch im Winter?“ in Verbindung mit dem Einsatz von CO2-Mess- und Anzeigegeräten eine hohe Motivation bei Schülern und Lehrkräften, sich mit dem Lüftungsmanagement auseinanderzusetzen. Die Schüler lernen dabei außerdem chemisch-physikalische Zusammenhänge zu verstehen und setzen sich mit der Lösung von Zielkonflikten auseinander.

Die „Energiemanager“-Qualifizierung soll ab diesem Schuljahr auf mehr Schulen ausgedehnt werden. Neben den drei bereits beteiligten Grundschulen gibt es im Bezirk Pankow weitere sieben Schulen, die die technischen Voraussetzungen dafür erfüllen. Von ihnen sollen drei bis vier in diesem Jahr einbezogen werden, die übrigen Schulen ab dem Schuljahr 2014/15.

Die Einspareffekte, die mit dem Einsatz der „Energiemanager“ möglich sind, sollen in der Heizperiode des laufenden Schuljahres genauer evaluiert werden. Die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitarbeitenden Lehrkräfte der Grundschule am Kollwitzplatz, der Homer-Grundschule und der Schule am Falkplatz haben die Unterstützung der Evaluation bereits zugesagt. Eine erste Grobabschätzung der potenziellen Einspareffekte durch stratum hat ergeben, dass mit mindestens 20 Prozent Einsparung bei der Heizenergie zu rechnen ist. „Die Heizenergie ist der ganz große Kostenbrocken beim schulischen Energiebedarf“, stellt Projektleiter Richard Häusler fest. Er erhofft sich deshalb bei konsequenter Umsetzung des „Energiemanager“-Konzepts in den kommenden Jahren erhebliche Einsparerfolge.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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