Jede Menge Aufträge für die Energiemanager – Seit Schüler die Heizungssteuerung übernehmen, wird das Ausmaß der Einsparmöglichkeiten erst so richtig deutlich

schuelerin_mit_raumthermometer02_WEBDer Job als Energiemanager ist für die Grundschüler, die an dem Modellprojekt von „Köpfchen statt Kohle“ teilnehmen, kein leichter. Entweder schließen sich für die Dritt- bis Sechstklässler nach einem anstrengenden 8-Stunden-Schultag noch eineinhalb Stunden Energiemanager-AG am Nachmittag an (wie z.B. in der Homer-Grundschule) oder die Schülerinnen und Schüler kommen jede Woche einmal schon eine Stunde vor Schulbeginn, um zwischen 7 und 8 Uhr Daten zu analysieren, Messungen zu machen, Einstellungen am Heizungscomputer zu verändern, Protokolle zu verfassen und Briefe an Lehrkräfte und Hausmeister zu schreiben. In „Frühschicht“ arbeiten derzeit die jungen Energiemanager an zwei Schulen, der Schule am Falkplatz und der Grundschule am Kollwitzplatz. Dass ihnen dabei das Lachen nicht vergeht,  beweist unser Bild oben, das in der Falkplatzschule aufgenommen wurde und Marnie zeigt, die gerade ein Raumthermometer für eine der über 20 zu betreuenden Klassen vorbereitet.

Um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, müssen sich die jungen Energiemanager obendrein einer Prüfung unterziehen. 30 Fragen auf 17 Seiten sind zu beantworten. Dabei geht es um Grundlagen der Wärmephysik und der Heizungstechnik ebenso wie um den Umgang mit der zentralen Einzelraumsteuerung der Firma Gebäudeelektronik Schoof (siehe Bild unten). Die ausgebildeten Energiemanager kennen das System inzwischen teilweise besser als der Hausmeister, mit dem sie eng zusammenarbeiten. Denn nur über den Hausmeister können beispielsweise Reparaturanforderungen an die Schulverwaltung eingereicht werden.

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Und das ist nicht selten das Thema. Sowohl an der Falkplatzschule als auch an der Homer-Grundschule entdecken die Energiemanager immer wieder Klassenräume, in denen Heizkörper ständig Wärme abgeben, auch dann, wenn der Raum nicht genutzt wird. Auf diese Weise haben Räume Tag und Nacht und auch an Wochenenden und in den Ferien ständig Temperaturen bis zu 26 Grad – was nicht nur Energie verschwendet und unnötig das Klima belastet, sondern oft auch die Aufenthaltsqualität in den Räumen sehr beeinträchtigt. Die Klassenlehrerin einer vierten Klasse der Homer-Grundschule wandte sich mit folgenden Zeilen an die Energiemanager: „Bei uns ist es viel zu heiß! Besonders, wenn die Sonne scheint, schwitzen die Kinder und ziehen sich zum Teil bis aufs Unterhemd aus.“ Die Energiemanager analysierten die Situation des Raumes zuerst am Computer, um dann die Heizkörper im Raum zu messen. Das Ergebnis ist ein Brief an die Lehrerin mit dem Versprechen, zusammen mit dem Hausmeister an einer Lösung zu arbeiten: „Liebe Frau Schumacher, am 7.3.2013 haben wir festgestellt, dass in Ihrem Raum die Temperatur 23,4 °C beträgt. Unsere andere Feststellung ist, dass die Heizkörper alle warm sind und eine Temperatur von 40,3 °C haben. Aber unsere Computeranalyse hat ergeben, dass Ihre Heizung immer aus ist (Ventile geschlossen). Deswegen werden wir uns an den Hausmeister wenden. Liebe Grüße, Ihr Köpfchen statt Kohle-Team“.

an_frau_boback_webDie Erfahrungen, die die Schüler in ihrer Rolle als Energiemanager machen, sind vielfältig. Sie lernen nicht nur energietechnische Zusammenhänge kennen, sondern üben auch Fehlersuche, Problemanalyse und systematisches Vorgehen und trainieren die sozialen Fähigkeiten, die sie für ihren Job benötigen. Auch der Umgang mit eigenen Fehlern, die im Eifer passieren, gehört dazu. Im Logbuch der Energiemanager an der Homer-Grundschule findet sich der Eintrag:

„Aus Versehen wurden am 25.02.13 die regelmäßigen Heizzeiten verstellt. Dabei wurde übersehen, dass dienstags die Heizung komplett ausgeschaltet wurde. Wir haben den Fehler korrigiert. Von Dienstag bis Freitag haben wir den Heizbeginn um zwei Stunden verkürzt. Montags nicht, weil da die Wochenendabsenkung ausgeglichen werden muss. (Der Raum ist vom Wochenende möglicherweise mehr ausgekühlt.) AUFTRAG: Beobachten, ob es morgens die ganze Woche über warum genug ist!“

grosser_monitor_01_WEBDie genauere Eingrenzung von Heizzeiten gehört für die Energiemanager zu den häufigsten Aufgaben. Dies ist für nahezu jeden Klassenraum sinnvoll. Da die Heizzeiten natürlich nur in Abstimmung mit den Nutzungszeiten und den Bedürfnissen der Schüler und Lehrer verändert werden sollen, ist der Zeitaufwand dafür nicht unerheblich. Weil die jungen Energiemanager erst seit kurzem aktiv sind und nicht an allen drei Schulen auch bereits in jeder Klasse ab Stufe 3 Energiemanager benannt und ausgebildet werden konnten, wird bis zum Ende der Heizperiode in diesem Schuljahr nicht alles erledigt werden können, was auf dem Tisch der Energiemanager liegt. Aber das Projekt soll ja auch eine Dauereinrichtung an den Schulen werden. Homer-Schulleiter Uwe Blachnik hat seinen Lehrkräften bereits angekündigt, dass im nächsten Schuljahr ab September die Energiemanager wieder im Einsatz sein werden und dann auch in allen dritten bis sechsten Klassen weitere Energiemanager rekrutiert werden sollen. Die Kampagne zu Schuljahresbeginn wird dann wieder den großen Monitor nutzen, der im Foyer der Schule eigens für „Köpfchen statt Kohle“ montiert wurde (Bild oben). Auf ihm werden außerdem aktuelle Verbrauchsdaten, die „Energiebilanz“ der Schule und motivierende Beispiele aus der Praxis der Energiemanager gezeigt werden.

Die Aussicht, einen nachmessbaren Beitrag zum Energiesparen leisten zu können, und die Erfahrung, von den Lehrern und Schulleitungen wirklich ernstgenommen und beauftragt zu werden, die Situation zu verbessern, motiviert die Grundschüler jedoch sichtlich. Auf unserem Foto, das sieben frisch gebackene Energiemanager der Homer-Grundschule zeigt, ist ihnen die Motivation ins Gesicht geschrieben (v.l.n.r.: Milo, Silvan, Lana, Mara, Xenia, Anna).

energiemanager_team01_WEB_neuAuch auf dem Foto erkennbar ist, dass sich mehr Mädchen als Jungs freiwillig für die Arbeit als Energiemanager interessieren. Das freut den Projektleiter von „Köpfchen statt Kohle“, Richard Häusler, besonders, denn es zeige, dass Mädchen mindestens genauso stark wie Jungs mit technischen Zusammenhängen umgehen.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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