Umweltgruppe am Falkplatz denkt schon an den Winter – Über 50 defekte Heizungsventile gefunden

Auch wenn es heute schon am frühen Morgen spätsommerliche 15 Grad hatte – die Umweltgruppe der Schule am Falkplatz rüstet sich bereits für den Winter. In der bevorstehenden Heizperiode wollen sie endlich dafür sorgen, dass die Energielecks in dem Schulgebäude mit über 10.000 Quadratmeter Nutzfläche gestopft werden. Wie berichtet, ist geplant, dass an dieser Schule – wie an zwei weiteren Pankower Grundschulen – in diesem Winter die Klassen die Steuerung ihrer Heizung am Computer selbst übernehmen.

Nun wollen die zwölf Umweltaktivisten aus den fünften und sechsten Klassen, unterstützt durch die Lehrerin Ingrid Temme, die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das, was im Regelungscomputer eingegeben wird, auch an den Heizkörpern in den Klassenräumen, Fluren und Toiletten ankommt. Bei einer ersten Sichtprüfung stellten die Schülerinnen und Schüler fest, dass mindestens 5 Ventile mechanisch nicht mehr in Ordnung sind, weil z.B. die Verbindung zur Stromversorgung herausgerissen ist oder das Ventil gar nicht mehr mit dem Heizkörper verbunden ist. Sehr viel erstaunter waren die Jungs und Mädchen aber heute Morgen (25. September), dass fast 60 einzelne Heizkörper heiß waren, obwohl es noch viel zu warm war, um zu heizen. Die Heizanlage ist zwar schon in Bereitschaft, aber dass in vielen Klassenräumen durch ein oder zwei Heizkörper außerplanmäßig heißes Wasser floss, das erstaunte die Lehrkraft ebenso wie ihre Schüler. Der Verdacht war schnell geäußert: „Wahrscheinlich lassen sich an diesen Heizkörpern die Ventile gar nicht mehr schließen!“ Unser Foto oben zeigt Ingrid Temme und Schüler der Umweltgruppe bei der Auswertung der Daten der Heizkörperüberprüfung. Das Bild unten ist ein Ausschnitt aus den manuellen Protokollen, bevor die Daten in den Computer eingegeben werden.

Eine genauere Überprüfung wollen die Schüler deshalb jetzt dem Bezirksamt bzw. der zuständigen Wartungsfirma abverlangen. „Erst wenn die Heizkörperventile in Ordnung sind, macht es Sinn, dass die Schüler am Heizungscomputer die Einstellungen für ihre Klassen vornehmen und überprüfen“, so Ingrid Temme, die sich mit ihrer Umweltgruppe schon seit mehreren Wintern mit überheizten Räumen beschäftigt. „Aber so weit wie bisher waren wir noch nie gekommen“, meint sie. Mit diesem Schuljahr sei nun eine echte Reduzierung der Energieverschwendung an ihrer Schule in Aussicht.

Demnächst werden sich an der Falkplatzschule die Lehrer und Schulleitungen der drei Pankower Grundschulen zusammensetzen, die den gleichen Weg gehen wollen und die Verantwortung für die Steuerung des Energiebedarfs der Schule in die Hände der Schüler geben wollen. Dazu werden in den Klassen ab Stufe 4 „Energiemanager“ ausgebildet und Zugriffsmöglichkeiten auf den Heizungscomputer auch für die Schüler geschaffen. Mit diesem Projekt ist der Bezirk Pankow derzeit Innovationsführer im Bereich der nutzerorientierten Energieeinsparung. Wenn das Beispiel Schule macht, hofft Projektleiter Richard Häusler, dass schon bald alle Schulen mit Einzelraumsteuerungen in Berlin einen echten Beitrag zur Energiewende leisten werden.

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Grundschüler übernehmen die Heizungssteuerung – Bahnbrechende Innovation wird jetzt erprobt – Junge Energiemanager bekommen zeugnisrelevantes Zertifikat

Im dritten Projektjahr bahnt sich eine Innovation an, die Energiegeschichte schreiben könnte. Zum ersten Mal überhaupt sollen Grundschüler selbst direkt die Verantwortung für die Regelung der Heizung übernehmen und so den Energieverbrauch in ihrer Klasse selbstständig steuern. Möglich ist das in allen Schulen, die mit einer Einzelraumregelung ausgestattet sind. In Pankow haben viele Schulen ein solches System der Firma Schoof Gebäudeelektronik installiert.

„Wir haben hier die ideale Schnittstelle zwischen Mensch und Technik gefunden“, freut sich Projektleiter Richard Häusler. Während es nahezu unmöglich ist, dass in Klassenräumen, in denen die Heizkörper mit einzelnen Thermostatreglern ausgestattet sind, immer die richtige Einstellung herrscht, weil ja jeder Schüler ständig daran drehen kann, bietet die Einzelraumregelung über den Computer eine verlässliche Steuerungsmöglichkeit. Von den Schülern, die diese Steuerung übernehmen, wird dennoch einiges verlangt. In drei Schulen sollen in der kommenden Heizperiode deshalb pro Klasse (ab Klassenstufe 4) mehrere „Energiemanager“ qualifiziert werden. Unterstützt werden die „Energiemanager“ außerdem durch eine Schülergruppe, die das gesamte Projekt überwacht und auswertet und als Coach für die „Energiemanager“ aktiv wird. Als Pilotschulen werden sich die Grundschule am Kollwitzplatz, die Homer Grundschule und die Schule am Falkplatz engagieren. Das Projekt hat den Claim „Klasse Klima. Wir sind die Energiemanager“ und wird als 7-Stufen-Modell erprobt:

  1. Zunächst werden in den beteiligten Schulen pro Klasse (ab Klasse 4) mindestens 2-3 „Energiemanager“ qualifiziert. Die Qualifizierung umfasst u.a. eine grundlegende Kenntnis der Heizungssteuerung, Basiswissen über Temperatur und Raumklima, die Kompetenz im Umgang mit relevanten Messmethoden und Messgeräten, Knowhow zu naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden und die kommunikativen Fähigkeiten zur Organisation eines „Energiekonsenses“ in der Klassengemeinschaft (einschließlich der Lehrkraft). Die Qualifizierung wird von der Senatsbildungsverwaltung zertifiziert und hat Zeugnisrelevanz. Von fachlicher Seite unterstützt Peter Schoof (Schoof Gebäudeelektronik) die Qualifizierung der jungen Energie-Experten.
  2. Jede Klasse erhält auf der obersten Bedienebene Zugang zur Steuerung der Temperaturparameter und der Heizzeiten für den eigenen Klassenraum und ggf. angrenzende Flurbereiche und Toiletten sowie Fachräume. In geeigneten Abständen werden von den Energiemanagern der Klassen die Einstellungen vorgenommen, überprüft und korrigiert. Dabei werden sie von einer Lehrkraft oder dem Hausmeister unterstützt.
  3. Für die Klassen 1 bis 3 übernehmen Klassen 4 bis 6 „Energiepatenschaften“ und beziehen diese Klassen in das Energie- und Klimamanagement ein.
  4. Der Energiebedarf und die Heizungseinstellungen jeder Klasse werden (zumindest in den Klassenräumen ab Stufe 4) in geeigneter Weise visualisiert. Dies kann durch den Anschluss von Notebooks an das Schulnetz und die Darstellung entsprechender Auswertungen in den Klassenräumen geschehen oder durch größere Displays im Eingangsbereich und im Lehrerzimmer.
  5. Ein schulinterner Wettbewerb um den „Energiesparmeister“ präsentiert regelmäßig die Einspar- bzw. Verbrauchsergebnisse. In der Mitte und am Ende der Heizperiode wird die Sieger-Klasse ermittelt und prämiert, um die Wettbewerbsmotivation anzusprechen und mehrere Gelegenheiten zu schaffen, das Thema Energiesparen in die Schulöffentlichkeit zu bringen.
  6. Die Klassen überprüfen laufend die tatsächlichen Temperatur- und Raumklimawerte, um ggf. Anpassungen in der Regelung vorzunehmen, aber auch, um defekte Ventile oder Temperaturfühler oder Fehler in der Regelungstechnik festzustellen. Dadurch wird eine zeitnahe Behebung solcher Fehler und Defekte möglich.
  7. Das Programm „Klasse Klima“ führt auch dazu, dass bewusster Umgang mit Energie, richtiges Lüften und andere Verhaltensaspekte (wie z.B. angepasste Kleidung) immer wieder zum Thema wird und praktische Relevanz bekommt. Da auch die Luftqualität durch CO2-Messungen kontrolliert wird, könnten sogar die Lernbedingungen in den Klassen besser werden.

Ein zusätzlicher Effekt des Programms „Klasse Klima“ ergibt sich für die Schulen daraus, dass vor dem Start des Projekts von Seiten der Bauverwaltung die Technik überprüft wird und defekte Ventile, Wärmemengenzähler etc. ausgetauscht werden. Oftmals wurden diese Überprüfungen und Reparaturen in den letzten Jahren unterlassen, so dass sich ein Instandhaltungsdefizit in den Schulen angestaut hat. Unser Bild zeigt ein abgebautes Automatikventil, an dem die künftigen „Energiemanager“ den Aufbau und die Funktionsweise erlernen.

Das neue Konzept eröffnet aber auch noch weitere Chancen für die Erhöhung der Energieeffizienz in den Schulen. Es sollen nämlich nicht nur der Wärmeverbrauch, sondern auch der Strom- und Wasserverbrauch erfasst und visualisiert werden. Die Schüler würden dann auch motiviert, in diesen Bereichen Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung zu entwickeln und zu überwachen.

Und schließlich werden die Hausmeister von „Klasse Klima“ profitieren – nicht nur, weil die „Energiemanager“ ihnen etliche Kontrollarbeit abnehmen, sondern weil sie auch in die Qualifizierungsoffensive einbezogen werden und die Einzelraumsteuerung selbst besser kennenlernen. Jens Beckmann (Foto) in der Falkplatzschule ist ganz besonders glücklich. Der Hausmeister, der erst vor einem Dreivierteljahr in der Schule angefangen hat, kann nur selten an den Steuerungscomputer, um sich in die Technik zu vertiefen, denn das Gerät steht im Büro der Schulleitung. Durch „Klasse Klima“ wird ein zweiter Steuerungscomputer in einem Raum aufgestellt, wo die „Energiemanager“ und auch der Hausmeister ständig Zugang haben.

Mit „Klasse Klima“, so Richard Häusler, zeichne sich eine innovative Lösung ab, die

  • Einsparpotenziale systematisch erschließt
  • pädagogischen Mehrwert hat
  • schulorganisatorisch nachhaltig umsetzbar ist
  • auf zahlreiche Schulen in Pankow  und in ganz Berlin übertragbar ist.

Ohne die engagierte Vorarbeit von Schülern und Lehrkräften der beteiligten Schulen wäre man nicht so weit gekommen, betont Häusler. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist in seinen Augen die „hervorragende Kooperation des Hochbau- und des Schulamtes“ mit dem „Köpfchen statt Kohle“-Team sowie das Engagement von Peter Schoof, der trotz der saisonalen Belastungsspitze jetzt vor der Heizperiode zugesagt hat, in kürzester Zeit die technischen Voraussetzungen für „Klasse Klima“ zu schaffen.

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Energieschleuder Havemann-Schule – Zehntklässler machen Verbesserungsvorschläge – Baustadträtin Christine Keil dringt auf rasche Umsetzung

„Unsere Schule ist Spitze beim Energieverbrauch“ erläuterte Tom Funke anhand der ersten beiden Folien seines Vortrags im Rathaus Weißensee. Zusammen mit seiner Klassenkameradin Clara Hönel stellte der Zehntklässler die Ergebnisse eines Untersuchungsprojekts vor, mit dem sich ein Physik-Wahlpflichtkurs des Karower Gymnasiums im letzten Schuljahr an „Köpfchen statt Kohle“ beteiligt hatte. Weil die Spitzenstellung beim Wärme- und Stromverbrauch niemanden stolz macht, drehte sich die Diskussion vor allem um die von den Schülern vorgeschlagenen Verbesserungsmaßnahmen.

Hochbauamts-Chef Detlev Lindner begrüßte die Initiative der Schüler, weil, wie er sagte, „uns im Amt oft die Erfahrungen und der Rat der Betroffenen selbst, also der Schüler und Lehrer, fehlen“. „Unsere Heizung läuft seit über zehn Jahren 18 Stunden am Tag und sieben Stunden die Woche auf Hochtouren“, so der Befund der Schüler, die auch die Heizzentrale genau inspiziert hatten (Foto oben). Warum ist das so, fragten sie die Verantwortlichen aus der Bezirksverwaltung. Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz verwies auf die Sünden der Vergangenheit: „Vor 15 Jahren ist man mit dem Thema Energieverbrauch noch anders umgegangen.“ Die Schüler erfuhren aber auch, dass der Code für die Bedienung der zentralen Fernwärme-Heizungssteuerung in der Schule lange Zeit verschollen gewesen sei, weshalb niemand die Anlage bedienen konnte.

Jürgen Bornschein, Ingenieur im Hochbauamt, ärgert sich am meisten darüber, dass die Schüler jede Menge defekte Thermostatventile gefunden hatten, die nicht erst seit gestern defekt sind: „Aber das Problem kommt anscheinend bei uns nicht an!“ Bezirksstadträtin Christine Keil, die politisch verantwortliche Leiterin der Immobilien-Abteilung des Bezirks, möchte diesen Zustand schnellstens ändern. „Schnelle Information  und schnelle Reaktion“ ist die Devise, die sie für die Zukunft ausgeben möchte. Dabei möchte sie gerne in allen Schulen so kritische und aktive Schüler wie in der Havemann-Schule haben, denn „die Nutzer vor Ort wissen als erste, wenn etwas nicht funktioniert“. Detlev Lindner stimmte zu: „Wir brauchen die Schüler als laufende Betreuer der Energieanlagen in den Schulen. Die Nutzer müssen mitwirken, sonst erreichen wir unsere Energieziele nicht.“

Weil die Beschäftigung mit Heiz- und Beleuchtungssystemen, die Suche nach Energielecks und die Entwicklung von Einsparvorschlägen sowohl inhaltlich als auch methodisch in den Lehrplan der Schulen passen, wie Physiklehrer Christian Strube bestätigte, könnte diese Rechnung tatsächlich aufgehen. Die Schüler erwerben naturwissenschaftliche und technische Kompetenz und erlernen Projektmanagement, die Schule profitiert durch ein besseres Raumklima und der Bezirk als Schulträger spart Geld – eine bessere Win-Win-Situation könne es gar nicht geben, bekräftigte „Köpfchen statt Kohle“-Projektleiter Richard Häusler.

Das waren die konkreten Vorschläge der Havemann-Schüler:

  • Noch vor der nächsten Heizperiode alle defekten Thermostatventile austauschen
  • Auf den Fluren und in den Toiletten „Sparclips“ einbauen, um eine Festeinstellung der Thermostaten auf Stufe „2“ zu erreichen
  • Die teilweise vorhandene Holzverkleidung vor den Heizkörpern und die langen Vorhänge vor den Fenstern, die die Heizkörper abdecken, entfernen
  • Die zentrale Heizungssteuerung in Absprache mit den Nutzerbedürfnissen optimieren
  • Den Schülern und Lehrern beibringen, wie sie mit der dezentralen Einstellung an den Thermostatventilen umgehen müssen und wie effektiv gelüftet wird
  • Die zentrale Dauerbeleuchtung der Schule durch dezentrale Schaltmöglichkeiten und Bewegungsmelder sowie Zeitschaltungen ersetzen.

Sobald sie ihm eine detaillierte Liste der Mängel schicken, versprach Jürgen Bornschein den Schülern sofortige Abhilfe: „Eine Woche später sind die Reparaturen ausgeführt“. Bornschein will auch prüfen, ob die Heizanlage hydraulisch abgeglichen werden muss, damit die Druckverhältnisse im Heizungssystem eine gleichmäßige Wärmeverteilung ermöglichen. Ist die Hydraulik nicht in Ordnung, so erklärte er, müssten am Beginn des Heizkreislaufs Räume überheizt werden, damit die Räume am Ende halbwegs warm würden.

Auch ein Vorschlag des Physiklehrers der Havemann-Schule wurde aufgegriffen. Christian Strube hatte angeregt, dass einfache Überprüfungen und der Austausch von Heizungsventilen künftig von Schülerfirmen übernommen werden könnten, das sei schneller und billiger als wenn immer die Schul- und die Bauverwaltung eingeschaltet werden müssten. In einem Modellprojekt soll dieser Vorschlag jetzt erprobt werden. Bedenken von Verwaltungsseite gegen die Schülerfirmen-Lösung wurden hinsichtlich der Gewährleistungspflicht geäußert. In einem Pilotprojekt an einer Sekundarschule, so Hochbauamtsleiter Detlev Lindner, könne man aber auch diese Frage klären. Wegen der Nähe zum Havemann-Gymnasium wurde die Hufeland-Schule für das Modellprojekt vorgeschlagen. Christian Strube und Richard Häusler wurden beauftragt, die Konzeption für eine solche Schülerfirma zu entwickeln.

Dass sie es mit der Umsetzung von Verbesserungen in der Havemann-Schule ernst meint, gab Christine Keil zum Schluss der Veranstaltung noch einmal zu erkennen. Sie möchte bald nach den Herbstferien zu einem Lokaltermin in die Schule eingeladen werden. Dann soll festgestellt werden, was bereits geschehen ist und was noch zu tun wäre. Die Schüler und ihr Physiklehrer waren angetan von der Entschlusskraft des Gremiums und wollen nun das ihre tun, damit die Havemann-Schule sich künftig nicht mehr als Spitzenverbraucher in den Charts der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen wiederfindet.

Auf unserem Foto stellen sich alle Beteiligten nach der Sitzung zum „Beweisfoto“ auf (v.r.n.l.): Clara Hönel, Lioba Zürn-Kasztantowicz, Christine Keil, Tom Funke, Christian Strube, Jürgen Bornschein, Richard Häusler, Detlev Lindner

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Mit Schulwegprojekt und Solarkochkiste am Energie-Thema dranbleiben – In der Blumenviertel-Schule sind es die Mädchen, die sich engagieren

„Ich finde es gut, dass Sie nicht lockerlassen“, bescheinigt Irmtraud Pelzl dem „Köpfchen statt Kohle“-Projektleiter Richard Häusler. Die Lehrerin für Naturwissenschaften und Sport an der Grundschule im Blumenviertel ist die Bezugsperson für die „Köpfchen statt Kohle“-Projekte an ihrer Schule. Im ersten Projektjahr war die Situation der alten Turnhalle im Fokus dieser Projekte. Die Schüler konnten nachweisen, dass die Heizungsregelung nicht funktioniert und die Halle meistens überheizt ist. Wärmebildaufnahmen zeigten überdies, dass ein großer Teil der Wärme zu schnell verloren geht. Da die alte Halle aber nicht mehr sanierungswürdig ist, konnten die Mängel nicht abgestellt werden.

Damit die Motivation, sich mit Energie zu beschäftigen, dennoch nicht einschläft, haben Irmtraud Pelzl und ihre Schüler sich andere Projekte einfallen lassen. Auch dafür bekommen sie Unterstützung durch „Köpfchen statt Kohle“. In diesem Schuljahr starten vier Mädchen aus der 5. und 6. Klasse ein Schulwegprojekt, um herauszufinden, ob noch mehr Kinder dazu motiviert werden können, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Das sei ja nicht nur klimafreundlicher, stellt die elfjährige Kaja fest, sondern auch gesünder. Mit einer Fragebogenaktion bei allen Schülern und ihren Eltern wollen die Mädchen die Ist-Situation an ihrer Schule erfassen: Wie kommen Schüler und Lehrer zur Schule? Mit dieser Datenbasis wollen sie dann überlegen, wo Ansatzpunkte sind, um die Blumenviertel-Schule bei der Mobilität noch klimafreundlicher zu machen.  Einzelne Vorschläge kommen jetzt schon von den Mädchen. „Wir bräuchten noch mehr Fahrradständer“, meint Greta. Und Motja fände die Idee gut, wenn es an der Schule eine Fahrradwerkstatt gäbe.

Zwischendurch beschäftigen sich die Schülerinnen dann auch mit Solarenergie. Zusammen mit ihrem Hausmeister haben sie eine Solarkochkiste zusammengebaut, die bei Sommerfesten zum Einsatz kommen soll.

Die Grundschule im Blumenviertel gehört zu den sechs Schulen im „Köpfchen statt Kohle“-Projekt, die ihre Heizung mit einer Einzelraumsteuerung für jeden Klassenraum separat regeln können. Damit könnte jede Klasse selbst die Verantwortung für den Energieverbrauch übernehmen und auch die Funktionsfähigkeit des Heizungssystems überwachen. Die Grundschulen am Kollwitzplatz und Falkplatz sowie die Homer-Grundschule haben sich bereits entschlossen, ihren Schülern in der kommenden Heizperiode auf diese Weise die volle Energieverantwortung zu geben.

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„Köpfchen statt Kohle“ hat jetzt eine Schülerfirma – Tesla-Schule bietet Neuntklässlern die Chance, das Energiethema unternehmerisch anzugehen

„Tesla-Schule – da geht mir ein Licht auf“, das ist der Slogan der früheren Oberschule und jetzigen Gemeinschaftsschule  an der Rudi-Arndt-Straße (Prenzlauer Berg). So ein Licht ging auch dem Physiklehrer und Betreuer der seit 2004 bestehenden Schülerfirma TOS S-GmbH auf: Wieso nicht mit den Neuntklässlern, die mit dem neuen Schuljahr als nachrückende Generation in die Schülerfirma kommen, das Geschäftsmodell ausweiten und es mit dem Energiethema verbinden? Gesagt getan, schon in der zweiten Schulwoche saßen zehn Schülerinnen und Schüler mit ihrem Lehrer Rolf-Peter Streckenbach und mit Richard Häusler von stratum zusammen, um zu überlegen, wie die Schülerfirma mit „Köpfchen statt Kohle“ kooperieren könnte. Die Neuntklässler haben die Chance, mit dem Energieprojekt der Schülerfirma eine neue Ausrichtung zu geben. Natürlich sollen die vorhandenen Kapazitäten und Kompetenzen genutzt werden, aber mit dem Thema „Energie“ könnten sich Produkte und Kunden erweitern. „TOS S-Energy“ würde in der Startphase zunächst Materialien für die Unterrichtsprojekte und die Lernwerkstatt mit entwickeln und produzieren. „Da die Schüler für zwei Jahre im Projekt bleiben, ist die Chance gegeben, wirklich ein neues Geschäftskonzept zu entwickeln“, begrüßt Richard Häusler die Initiative. Unser Foto zeigt sieben Mitarbeiter der neuen Schülerfirmen-Generation an der Tesla-Schule (v.l.n.r.: Fritz Andratschke, Cihan Wegener, Jasmin Vokic, Jule Schiller, Jo-Ann Bluhm, Jasmin Schirmer, Dominik Fiedler).

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Auf dem Energierad in die Zukunft – Zwei sechste Klassen beginnen das Schuljahr besonders energiegeladen – Enttäuschung durch Vattenfall

In der Grundschule am Kollwitzplatz begann das neue Schuljahr gleich auf höchstem Aktivitätsniveau. In neun Projektgruppen beschäftigten sich  45 Schülerinnen und Schüler der 6a und der 6d eine Woche lang zusammen mit ihren Lehrkräften Cornelia Nickel und Michael Temme mit Energiefragen. Unterstützung bekamen sie dabei von „Köpfchen statt Kohle“-Mitarbeitern. Die Projektwoche war aber nur der Einstieg in ein ehrgeiziges Energieprogramm an der Schule, die im neuen Schuljahr alle Schulklassen zu selbstständigen Energiemanagern machen und auf breiter Linie Energiesparmaßnahmen umsetzen will. Die Grafik zeigt das Grundprinzip: In allen Klassen werden ein oder zwei Schüler zu Energiemanagern qualifiziert. Eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft „Energiemanagement“ besteht aus ungefähr zehn Schülerinnen und Schülern, die als Coaches der Energiemanager fungieren und die Klassen dabei unterstützen, ihren Energiebedarf zu senken. Zusätzlich ist eine Schülergruppe als „Wärmedetektive“ unterwegs, die im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts Messungen machen und die Technik kontrollieren.

Hier ein paar Streiflichter aus den Präsentationen der Projektwoche, mit der sich die Kollwitzplatzschule für das ehrgeizige Energie- und Klimaprogramm im neuen Schuljahr sozusagen warmgelaufen hat:

Energierad: Ein Fahrrad-Ergometer mit Zubehör können „Köpfchen statt Kohle“-Schulen ab dem neuen Schuljahr für die Energiebildung nutzen. Die Grundschüler vom Kollwitzplatz haben es getestet und selbst Versuche entwickelt. An die Adresse des Herstellers gehen einige Hinweise, wie man das Energierad noch verbessern könnte: „Man sollte einen Stromspeicher einbauen. Wichtig wäre, dass man das Energierad auch als Tandem betreiben kann.“ Richtig futuristisch ist die Vorstellung, dass die Produktion von Energie per Fahrrad bald schon im Schüler-Alltag genutzt werden könnte: „Das Energierad ist eine tolle Erfindung. Vielleicht gibt es 2019 sogar schon das erste ‚fahrende Energierad‘. Du fährst damit zur Schule und merkst, dein Handy ist alle, nimmst ein Kabel und steckst es ins Fahrrad.“ So wird das Handy durch die Tretenergie aufgeladen.

Solarpioniere: Diese Vorstellung vom Fahrrad als Handy-Ladegerät könnte durch das Projekt der Solarpioniere inspiriert worden sein, die ein neues Patent für die Produktion von Solarstrom zum Aufladen von Handys getestet haben. Das Prinzip haben die Schülerinnen und Schüler unter dem Titel „Strom zum Mitnehmen“ so beschrieben: „Die Firma changers.com stellt Minisolarplatten her, die man mit Hilfe von Saugnäpfen an die Fensterscheibe pappt. Diese Minisolarplatten sind mit Kabeln an einen kleinen Akku angeschlossen. Dieser Akku kann Geräte bis zu der Größe in einem iPad aufladen. Den Akku kann man abstöpseln und in die Tasche stecken, so kann man jederzeit sein Handy, iPod etc. aufladen. Der Akku kann bis zu 16 Wattstunden speichern. Diese 16 Wattstunden lädt er innerhalb von 4 Stunden (bei Sonnenschein) auf.“ In den beiden sechsten Klassen erproben die Schüler das neuartige Gerät während des ganzen Schuljahres und stellen ihren Mitschülern eine kostenlose Solartankstelle für ihre Handys zur Verfügung. Die Akkus werden außerdem mit dem Internet verbunden, so dass der kleine Beitrag zur Energiewende, der dadurch zustande kommt, erfasst und dokumentiert wird. Unter www.changers.com vergrößern die Solarpioniere an der Kollwitzplatzschule damit den Berliner Anteil im weltweiten Wettbewerb der Anwender dieser Alltagstechnologie, die nach Auskunft der Hersteller auch das Energiebewusstsein vergrößern soll.

Lichtgruppe: Mit Messgeräten war ein Team im Haus unterwegs, um die Lichtintensität in den Klassenzimmern, Arbeitsräumen, Fluren und Toiletten zu messen. Außerdem informierten sich die Sechstklässler über die geltenden Normen für die Beleuchtungsstärke. In Klassenräumen sollten es mindestens 300 bis 500 Lux sein, fanden sie heraus, und verglichen ihre Messergebnisse mit dieser Norm. An vielen Stellen fanden die Licht-Forscher, dass es bei ausgeschalteter elektrischer Beleuchtung zwar deutlich zu dunkel war, bei eingeschaltetem Licht aber sehr viel heller als vorgeschrieben. In diesem Fällen schlägt die Projektgruppe vor, die Zahl der Leuchtkörper zu reduzieren oder eine Teilschaltung zu ermöglichen.

Solarkraftwerk: Angeregt durch die Möglichkeit, vom Energieversorger Vattenfall eine 1 Kilowatt-Fotovoltaik-Anlage für die Schule zu bekommen, hat sich eine Projektgruppe mit den damit zusammenhängenden praktischen Fragen beschäftigt. Da die Dachfläche der Schule bereits an ein Bürgerkraftwerk vermietet ist und dort montierten Solarzellen weder für die Schüler zugänglich sind noch der produzierte Strom der Schule zu Gute kommt, waren die Schüler fasziniert von der Idee, ein eigenes kleinen Solarkraftwerk betreiben zu können. Bei der Bauverwaltung erkundigten sie sich und erfuhren, dass sie den so gewonnenen Strom für den Bedarf der Schule verwenden könnten, also einen Beitrag zum Energiesparen und zur Nutzung erneuerbaren Energien für die eigene  Schule leisten könnten. Auch die Platzierung der 10 Quadratmeter Solarpanel konnten die Sechstklässler klären. Ihr Vorschlag, die Solarmodule an der auch von der Straße her gut sichtbaren Giebelseite der Schule (siehe Foto) senkrecht an die Wand zu hängen, ist prinzipiell umsetzbar. Die Enttäuschung kam am Ende der Projektwoche, als Vattenfall den Schülern mitteilte, dass Grundschulen keine Solaranlagen zur Verfügung gestellt bekämen, weil man bei dem Energieversorger der Ansicht ist, dass erst ab der 7. Klasse ein pädagogischer Nutzen damit verbunden sei. Die Sechstklässler vom Kollwitzplatz wollen aber deswegen noch nicht aufgeben. Sie suchen jetzt einen anderen Sponsor für ihr Solarkraftwerk, denn sie wollen beweisen, dass sie etwas damit anfangen können. Zusammen mit ihrem Lehrer Michael Temme planen sie bereits, in einem vorhandenen Kellerraum ein größeres Speichermodul für die Solarenergie zu testen. Denn die Sechstklässler haben längst gelernt, dass die Speicherung von Solarenergie der Engpass bei der Nutzung des Sonnenstroms ist.

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Solartechnik zum Anfassen – Die Lernwerkstatt will für Schüler und Lehrer Neues bieten

Noch ist die zentrale Energie-Lernwerkstatt, die in der Robert Havemann-Schule entstehen und für alle Pankower Schulen nützlich sein soll, mehr Theorie als Praxis. Dennoch – oder gerade deswegen – trafen sich jetzt Praktiker von in- und außerhalb der Schule, um erste Schritte zu besprechen, wie solartechnische Anwendungen in der Lernwerkstatt entwickelt werden können. Aus Lüchow war dazu eigens Christian Lutz angereist (auf unserem Foto 2. v. r.), der als Ingenieur vielfältige Erfahrungen mit dem Bau von Solarmodellen und der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Solarprojekten mitbringt. Mitgebracht im wörtlichen Sinne hatte er auch gleich ein Anschauungsbeispiel dafür, wie man mit einfachen Mitteln Sonnenenergie einfangen und speichern kann. Dafür werden fünf postkartengroße Solarzellen in Eigenarbeit laminiert, elektrisch miteinander verbunden und an ein selbstgebautes Speichermodul gehängt. Um Solartechnik zu verstehen, so erläuterte Christian Lutz an diesem Modell, müssen Schüler nicht nur den Aufbau einer Solarzelle kennen. Große Herausforderungen stellt auch die Speichertechnologie und Laderegelung dar, die Schüler beim Selbstbau von kleinen Solarkraftwerken und Solarmodellen auch praktisch erfassen und begreifen können.

Christian Strube, Physiklehrer am Havemann-Gymnasium (auf dem Foto ganz links), brachte die Vorführung gleich auf mehrere Ideen. Zusammen mit „Köpfchen statt Kohle“ könnten in der Lernwerkstatt zwei Lehrerfortbildungen organisiert werden:

  • Solartechnik in der Grundschule richtet sich an Lehrkräfte für die 5. und 6. Klassen. Vermittelt werden die Grundlagen der Solartechnik mit Schwerpunkt auf der Photovoltaik, Anleitung zum Bau eines Solarmodells (z.B. solarbetriebener Propeller/Lüfter) und manuelle Umsetzung an einem Beispielprojekt. Als Erweiterung bietet sich das Thema Speichertechnologien an (Akku-Arten, Ladetechnik, Basiswissen zu Ladecharakteristik). Als Praxisbeispiel könnte sogar die solare Produktion von Wasserstoff und dessen Einsatz in einem Modellfahrzeug behandelt werden.
  • Solartechnik in Oberschulen und Gymnasien basiert auf der Solarstrom-Laminiertechnik und der Einführung in die Booster-Elektronik mit Erläuterungen am Oszilloskop und praktischen Anwendungen, wobei der Bau von Solar-Booten oder Solar-Autos am geeignetsten ist.

Um den nötigen Erfahrungshintergrund aufzubauen und auch die Arbeitslehre-Lehrkräfte im Umgang mit der Praxis der Solartechnik vertraut zu machen (auf unserem Foto mit dabei ist Heidrun Fritzenwanker neben Werkstattleiter Norbert Hansen), könnten in einem Physik-Wahlpflichtkurs verschiedene Ladegeräte mit Solarzellen gebaut und getestet und die Möglichkeiten der elektronischen Regelung erarbeitet werden, um optimale praktische Modelle zu konstruieren. Die Laminate mit Solarzellen sollen dabei in den Arbeitslehre-Werkstätten selbst gefertigt werden, wobei auch die Recherche nach Solarzellen-Lieferanten, Industrie-Folien und geeigneten Laminiergeräten sowie die Rahmung der Solarmodule zu den praktischen Aufgaben gehören.

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Eine ganze Woche Energie – Wie eine „Köpfchen statt Kohle“-Schule ins neue Schuljahr startet

Die Grundschule am Kollwitzplatz war unter den „Köpfchen statt Kohle“-Schulen im letzten Schuljahr am erfolgreichsten beim Abräumen von Preisen. Für die Energieprojekte der 5.- und 6.-Klässler, die von ihrem Lehrer Michael Temme und vom „Köpfchen statt Kohle“-Team begleitet wurden, gab es kurz vor den Sommerferien gleich drei prominente Auszeichnungen:

  • einen mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis im BP-Schulwettbewerb „Klima & Co“
  • den mit 500 Euro prämierten Siegertitel im Wettbewerb um den Pankower Umweltpreis (unser Foto oben zeigt die Schülergruppe bei der Preisverleihung; hintere Reihe 2. v. r. Umweltstadtrat Dr. Torsten Kühne)
  • die Anerkennung als „Klimasiegel“-Schule durch das Land Berlin; diese Auszeichnung haben derzeit nur 17 Berliner Schulen, die damit bei Sanierungsmaßnahmen für den Klimaschutz bevorzugt behandelt werden; im Gegenzug engagieren sich die Schulen verbindlich für eine nachhaltige Klimastrategie im Schulalltag.

Soviel Erfolg verpflichtet anscheinend. Jedenfalls ist die Kollwitzplatz-Schule unter allen Pankower „Köpfchen statt Kohle“-Schulen diejenige, die am schnellsten in  das Projektjahr 2012/2013 startet. Schon in der ersten Schulwoche veranstalten zwei Klassen von Montag bis Freitag eine Projektwoche um Thema „Energie“, bei der in Gruppen mit 4-6 Schülern die verschiedensten Fragestellungen bearbeitet werden. Neben der von Michael Temme betreuten sechsten Klasse macht auch die sechste Klasse von Conni Nickel mit – damit haben die Energieprojekte an der Schule eine zweite Lehrkraft als tatkräftige Unterstützerin bekommen.

Die Arbeitsgruppen der Energie-Projekte befassen sich u.a. mit folgenden Aufgaben:

Energierad-Gruppe: Hier kommt zum ersten Mal das Energierad (Foto) zum Einsatz, das „Köpfchen statt Kohle“ für die Energieprojekte beschafft hat. Mit dem Ergometer können Schüler buchstäblich körperlich erfahren, was Energie ist. Sie betreiben durch Körpereinsatz Glühbirnen, Energiesparlampen, Radios oder Wasserkocher, analysieren die verschiedenen Leistungsdaten und lösen Aufgaben, die im Schwierigkeitsgrad zwischen den Anforderungen der 4. bis 10. Klasse variieren können. In der Projektwoche sollen die Schülerinnen und Schüler selbst überlegen, wie man das Energierad für die Motivation zum Energiesparen und für die Energiebildung einsetzen könnte.

Braunkohle-Film-Gruppe: Die beiden sechsten Klassen werden am 19. September eine Tagesexkursion zur Braunkohle-Lagerstätte und zum Vattenfall-Kohlekraftwerk Jänschwalde (bei Cottbus) machen. Ein Schüler-Filmteam soll den Tag dokumentieren, um ein Motivations-Video zum Energiesparen zu erstellen. Der Auftrag für die Projektwoche: „Seht euch Materialien und Filme zum Thema an! Schreibt ein Drehbuch für den Film, der am Exkursionstag gedreht werden kann. Überlegt dabei, welche Bilder und Themen in den Film müssen, um Kinder zu motivieren, sparsamer mit Energie umzugehen.“

Licht-Gruppe: Schon im letzten Schuljahr hat eine Projektgruppe begonnen, sich mit den Einsparmöglichkeiten bei der Beleuchtung zu beschäftigen, und darüber ein Poster erstellt. Die Aufgabenstellung für die Projektwoche lautet: „Diskutiert anhand des vorliegenden Posters, wie ihr die Vorschläge für das Energiesparen bei der Beleuchtung umsetzen könntet. Wie könntet ihr nachweisen, wie viel Energie tatsächlich in einem Schuljahr dadurch gespart wurde? Beschäftigt euch mit den Lichtverhältnissen in der Schule! Stellt Vermutungen zum Winterhalbjahr auf! Mit Luxmetern könnt ihr die Beleuchtungsstärken im Klassenzimmer, auf den Fluren etc. messen. Findet heraus, wann und wo man die elektrische Beleuchtung abschalten könnte, ohne dass es zu dunkel wird! Welche Ausstattung braucht ihr, um die Verbesserungsvorschläge umzusetzen? Macht ein Poster über eure Arbeit und eure Ergebnisse!“

Stromfresser: Diese Gruppe bekommt den Auftrag, ein oder zwei Poster (ähnlich wie die Beleuchtungsgruppe) zur Aufklärung über energiesparendes Verhalten beim Einsatz von Whiteboards, PCs, Notebooks, Kopierer, Drucker und Beamern zu erstellen. Fragen sind: „Welche Ausstattung braucht ihr, um die Verbesserungsvorschläge umzusetzen? Wie wollt ihr die Lehrer und Schüler überzeugen? Macht einen schrittweisen Plan!“

Solarpioniere: In zwei Gruppen kann eine neue Technologie zur Förderung des Energie- und Klimabewusstseins getestet werden – der solare Energiespeicher von changers.com (Foto): „Ausgestattet mit dem Equipment von www.changers.com (jede der beiden Klassen bekommt nach der Projektwoche ein Set zum Dauereinsatz) könnt ihr selbst Sonnenenergie speichern, damit die Handys in der Klasse aufladen und eure Klasse in die Energiespar- und Klimaschutz-Community von changers.com eintragen. Organisiert alles, damit wir da mitmachen können! Berechnet, wie groß der Klimaeffekt sein könnte, wenn ihr die Aktion das ganze Jahr macht bzw. wenn alle Klassen mitmachen. Überlegt euch auch, wie ihr Eltern davon überzeugen könntet, sich zu beteiligen! Macht ein Poster über eure Arbeit und eure Ergebnisse!“ Daniela Schiffer von changers.com wird selbst zur Projektwoche kommen, um das Konzept zu erklären.

Weitere Projektgruppen befassen sich mit der Ausbildung von Schüler-Energiemanagern, die künftig die Heizungssteuerung in ihren Klassen selbst übernehmen sollen, mit Aktionen zur klimafreundlichen Schulweg-Mobilität oder mit dem Für und Wider von Energiesparaktionen.

Nach der Projektwoche werden dann im Rahmen eines Wahlpflichtkurses, der während des regulären Schulunterrichtes stattfindet, die Energiespar-Aktionen geplant und umgesetzt, die ein dauerhafteres Engagement verlangen. „Köpfchen statt Kohle“ wird nicht nur die Projektwoche, sondern auch die laufende Projektarbeit weiterhin unterstützen.

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Bekommen die Energieschulen in Pankow schon bald eine zentrale Lernwerkstatt?

Die Weichen sind gestellt: Der Bezirk Pankow soll eine zentrale Lernwerkstatt „Energie“ bekommen, um die Energiebildung an den Schulen wirksam zu unterstützen. Durch das Angebot der Lernwerkstatt sollen die Anschaulichkeit, der Praxisbezug und auch das Anspruchsniveau von Unterrichtsprojekten zum Energiethema erhöht werden. Auch der Ort, an dem die Lernwerkstatt entstehen soll, steht bereits fest – die Robert Havemann-Schule in Karow.

In einer Planungssitzung noch vor den Schulferien, an der u.a. Havemann-Schulleiter Thomas Josiger und die leitende Schulrätin Ilse Rudnick teilnahmen, erläuterte der Fachleiter Physik Christian Strube die Argumente für eine zentrale Lernwerkstatt. Nach seiner Auffassung erfordert der Umbau des Energiesektors in Deutschland ein hohes Maß an Energiesparmaßnahmen, die man ohne die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger nicht realisieren könne. Den Schulen komme deshalb eine wichtige Aufgabe zu: „Wir müssen die zukünftigen Bürger erreichen.“ Ziel sei die Implementierung von Energiebildung in Theorie und Praxis an den Schulen. Neben einem intensivierten Energieunterricht seien Praxisprojekte und Energierundgänge mit dem Ziel einer konkreten Verbesserung der Energieeffizienz in den Schulen erforderlich. Ohne eine Beteiligung der Nutzer können die vorhandenen Einsparpotenziale an den Schulen nicht realisiert werden.

Die Einrichtung einer zentralen Energie-Lernwerkstatt für alle Pankower Schulen und Schularten hat unter pädagogischen Aspekten folgende Argumente für sich:

  • Möglichkeit, auch „teure“ Experimente verfügbar zu machen
  • Aufbau komplexer technischer Anlagen für Mess-, Analyse- und Simulationsaufgaben
  • Bereitstellung von Technik „zum Anfassen“
  • Bau von Modellen und speziellen Experimentiersets (z.B. zur Darstellung und Berechnung von Wirkungsgraden)
  • Ausleihe von Experimentier- und Messgeräteausstattungen.

Zum Arbeitsprogramm der Lernwerkstatt sollen u.a. folgende Aktivitäten gehören, die zielgruppengerecht für alle Schulstufen und Schularten angeboten werden und auf die jeweiligen Rahmenlehrpläne angepasst werden könnten:

  • Zentrale Lehrerfortbildungen
  • Erarbeitung von pädagogischem Material und didaktischen Anleitungen
  • Expertise für Gerätebeschaffung, Standardisierung der Lehrmittel für die Energiebildung an den Schulen
  • Projekttage und Projektwochen für Schülergruppen
  • Ausbildung von „Energiemanagern“ in den Schulklassen.

Dass die Energie-Lernwerkstatt in Pankow bereits mit Beginn des kommenden Schuljahres schrittweise realisiert werden wird, liegt an dem Zusammentreffen einer Reihe von Faktoren, die das Vorhaben begünstigen. Dazu zählt das Freiwerden von räumlichen Kapazitäten in der Robert Havemann-Schule und die Möglichkeit der Nutzung der personellen und räumlichen Ressourcen an dieser Schule im Bereich der „Arbeitslehre“. Ausgebaute Metall- und Holzwerkstätten stehen inklusive der benötigten Fachlehrkräfte zur Verfügung.

Aber auch die zunehmende politische Unterstützung von Energieeffizienzmaßnahmen, die die Nutzer einbeziehen, motiviert die Idee der Lernwerkstatt. Die Berliner Senatsverwaltung möchte mit dem neuen Programm „Klimaschutz am Schulstandort“ Energiebildung und ressourcensparende und klimaschonende Praxis in den Schulen forcieren.

Da das „Gläserne Labor“ auf dem Campus Berlin-Buch an Kapazitätsgrenzen stößt, würde es in den Räumlichkeiten der Lernwerkstatt ein bis zwei Labore auslagern und betreuen können, wodurch sich eine zusätzliche Attraktivität des Lernwerkstatt-Standortes ergäbe.

Ein Motivationsfaktor der Lernwerkstatt ist nicht zuletzt die erfolgreiche Arbeit von „Köpfchen statt Kohle“ mit 15 Pankower Schulen. Denn durch „Köpfchen statt Kohle“ sind die Bereitschaft und das Interesse der Schulen in Pankow, sich an Energieprojekten zu beteiligen, stark gestiegen. „Köpfchen statt Kohle“ würde auch Kompetenzen im Bereich der pädagogischen Projektarbeit sowie Kapazitäten für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung in die Arbeit der Lernwerkstatt einbringen können. Auch Sponsoren aus der Wirtschaft sollen angesprochen werden, sich für den Ausbau der Lernwerkstatt zu engagieren.

Schließlich spricht auch der zunehmende Bedarf in den Schulen, die 5.- und 6.-Klässler am Nachmittag im Hortbetrieb pädagogisch zu betreuen und zu beschäftigen, für die Entwicklung von Angeboten, wie sie die Energie-Lernwerkstatt sowohl zentral als auch dezentral machen könnte.

Der Umbau und die Einrichtung der Räume der Lernwerkstatt sollen parallel zu einem ersten Probebetrieb stattfinden, für den sich bereits einzelne Schulen mit Energieprojekten angemeldet haben. Man wolle ganz bewusst nicht abwarten, bis man eine fertige, voll ausgebaute Lernwerkstatt hinstellen könne, sondern in einem Experimentierstadium beginnen, das die Anforderungen und Ideen der Schüler und Lehrkräfte von vornherein einbeziehe, so die Initiatoren.

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Schulabschluss im Rathaus – Falkplatz-Schüler geben der Bezirksstadträtin über die Ferien Hausaufgaben

Am vorletzten Schultag wollte die Energie-Projektgruppe der Schule am Falkplatz noch etwas tun, um das kommende Schuljahr vorzubereiten. Weil die Schüler herausgefunden hatten, wie viel Heizenergie durch die extrem undichten Fenster ihrer Schule entweicht und jedes Jahr nur durch die Fensterfugen mindestens 22 Tonnen CO2 mehr in die Luft gepustet werden als nötig, haben sie einen Abhilfevorschlag entwickelt. Damit dieser Vorschlag auch noch vor der nächsten Heizperiode umgesetzt wird, meldeten sie sich mit einer ausführlichen „Petition“ vor den Sommerferien bei der zuständigen Bezirksstadträtin, Christine Keil, zu einem Termin im Pankower Rathaus in Weißensee an (Foto oben).

Auch die Sechstklässler aus der Projektgruppe waren mitgekommen. Obwohl sie im neuen Schuljahr die Grundschule verlassen würden, war es ihnen ein Anliegen, die Abdichtung der insgesamt 130 alten Kastendoppelfenster ihrer Schule noch auf den Weg zu bringen. Um zu beweisen, dass die Abdichtung tatsächlich funktioniert, den Energiebedarf senkt und das Raumklima verbessert, hatten die Schülerinnen und Schüler noch im letzten Winterhalbjahr einen Klassenraum exemplarisch abgedichtet. Unterstützt wurden sie dabei von dem Fensterbauer Eduard Götz, der die Materialien und seine Arbeitszeit dafür als Spende einbrachte. Die Fenster sollten professionell abgedichtet werden, deshalb hatte die Schülergruppe nach besseren Möglichkeiten gesucht als sie im Baumarkt zu bekommen sind. Dabei sind sie auf die speziellen Kautschuk-Silikon-Dichtungen gestoßen, die in eine vorgefräste Nut geklemmt werden und sowohl hinsichtlich der Dämmungswirkung wie auch der Haltbarkeit eine optimale Wirkung versprechen (siehe Foto). Zudem werden die Dichtungsschläuche nicht verklebt, so dass sie z.B. für Malerarbeiten aus- und wieder eingebaut werden können. Für 20.000 Euro könnten alle Klassenräume ihrer Schule auf diese Weise abgedichtet werden, rechneten die Schüler aus. (Siehe auch die Projektbeschreibung „Wir machen unsere Schule dicht“ im Download-Bereich.)

Die Energiepioniere der Falkplatzschule sind überzeugt, dass sie damit eine Lösung nicht nur für ihre Schule, sondern auch für viele andere alte Gebäude gefunden haben, die unter Denkmalschutz stehen und die aus finanziellen Gründen in absehbarer Zeit nicht aufwendig energetisch saniert werden können. Mit diesem Vorschlag wurden sie bei Christine Keil vorstellig und gaben ihr damit sozusagen Hausaufgaben über die Ferien auf.

Die Bezirksstadträtin freute sich über das Engagement der Fünft- und Sechstklässler sichtlich und war besonders davon beeindruckt, dass die Projektarbeit nicht am Schuljahresende aufhört, sondern über die Jahrgänge hinweg Kontinuität hat. Die Schüler, die zusammen mit ihrer Lehrkraft Ingrid Temme gekommen waren, erklärten der Stadträtin, warum die Energieverschwendung in ihrem Schulgebäude ein Thema ist, das nicht innerhalb eines Schuljahres zu lösen ist. Es liege nämlich nicht nur an undichten Fenstern, sondern auch an defekten Heizkörper-Thermostaten und ungünstigen Einstellungen der zentralen Einzelraumsteuerung. Die Zukunftsvision der Energie-Projektgruppe sieht vor, dass jede Klasse die Einstellungen für ihren Klassenraum und zugehörige Räume wie Flur und Toiletten am Steuerungscomputer zusammen mit dem Hausmeister selbst vornimmt und das Ergebnis überprüft. Dadurch könnten die Schüler selbst entscheiden, wie viel Energieverbrauch und CO2-Ausstoß sie verantworten wollen. Außerdem würden kaputte Heizkörperventile oder andere technische Probleme sehr viel schneller entdeckt als es momentan der Fall ist.

Christine Keil versprach der Schülergruppe Unterstützung bei dem Abdichtungs-Vorhaben. Zwar liege ein millionenschwerer Antrag auf eine gründliche energetische Sanierung der Falkplatzschule beim Berliner Senat, aber es sei nicht sicher, ob der Antrag genehmigt werde. Außerdem würde die Umsetzung der Baumaßnahmen einige Jahre Zeit in Anspruch nehmen. „Da euer Fensterabdichtungs-Projekt eine Referenz für andere Gebäude darstellt und es außerdem in ein dauerhaftes und ganzheitliches Konzept für die Energieeinsparung an der Schule eingebettet ist“, begründete die Stadträtin ihre Unterstützung für eine Umsetzung noch in diesem Herbst. Um das konkrete Vorgehen abzusprechen, lud Christine Keil die Schülergruppe (Foto unten) ein, sich gleich mit Beginn des neuen Schuljahres zu einer Planungssitzung vor Ort in der Schule zu treffen. Das wäre dann die Gelegenheit, bei der die Schülerinnen und Schüler überprüfen können, ob die Bezirksstadträtin ihre Hausaufgaben auch tatsächlich gemacht hat.

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