Grundschüler übernehmen die Heizungssteuerung – Bahnbrechende Innovation wird jetzt erprobt – Junge Energiemanager bekommen zeugnisrelevantes Zertifikat

Im dritten Projektjahr bahnt sich eine Innovation an, die Energiegeschichte schreiben könnte. Zum ersten Mal überhaupt sollen Grundschüler selbst direkt die Verantwortung für die Regelung der Heizung übernehmen und so den Energieverbrauch in ihrer Klasse selbstständig steuern. Möglich ist das in allen Schulen, die mit einer Einzelraumregelung ausgestattet sind. In Pankow haben viele Schulen ein solches System der Firma Schoof Gebäudeelektronik installiert.

„Wir haben hier die ideale Schnittstelle zwischen Mensch und Technik gefunden“, freut sich Projektleiter Richard Häusler. Während es nahezu unmöglich ist, dass in Klassenräumen, in denen die Heizkörper mit einzelnen Thermostatreglern ausgestattet sind, immer die richtige Einstellung herrscht, weil ja jeder Schüler ständig daran drehen kann, bietet die Einzelraumregelung über den Computer eine verlässliche Steuerungsmöglichkeit. Von den Schülern, die diese Steuerung übernehmen, wird dennoch einiges verlangt. In drei Schulen sollen in der kommenden Heizperiode deshalb pro Klasse (ab Klassenstufe 4) mehrere „Energiemanager“ qualifiziert werden. Unterstützt werden die „Energiemanager“ außerdem durch eine Schülergruppe, die das gesamte Projekt überwacht und auswertet und als Coach für die „Energiemanager“ aktiv wird. Als Pilotschulen werden sich die Grundschule am Kollwitzplatz, die Homer Grundschule und die Schule am Falkplatz engagieren. Das Projekt hat den Claim „Klasse Klima. Wir sind die Energiemanager“ und wird als 7-Stufen-Modell erprobt:

  1. Zunächst werden in den beteiligten Schulen pro Klasse (ab Klasse 4) mindestens 2-3 „Energiemanager“ qualifiziert. Die Qualifizierung umfasst u.a. eine grundlegende Kenntnis der Heizungssteuerung, Basiswissen über Temperatur und Raumklima, die Kompetenz im Umgang mit relevanten Messmethoden und Messgeräten, Knowhow zu naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden und die kommunikativen Fähigkeiten zur Organisation eines „Energiekonsenses“ in der Klassengemeinschaft (einschließlich der Lehrkraft). Die Qualifizierung wird von der Senatsbildungsverwaltung zertifiziert und hat Zeugnisrelevanz. Von fachlicher Seite unterstützt Peter Schoof (Schoof Gebäudeelektronik) die Qualifizierung der jungen Energie-Experten.
  2. Jede Klasse erhält auf der obersten Bedienebene Zugang zur Steuerung der Temperaturparameter und der Heizzeiten für den eigenen Klassenraum und ggf. angrenzende Flurbereiche und Toiletten sowie Fachräume. In geeigneten Abständen werden von den Energiemanagern der Klassen die Einstellungen vorgenommen, überprüft und korrigiert. Dabei werden sie von einer Lehrkraft oder dem Hausmeister unterstützt.
  3. Für die Klassen 1 bis 3 übernehmen Klassen 4 bis 6 „Energiepatenschaften“ und beziehen diese Klassen in das Energie- und Klimamanagement ein.
  4. Der Energiebedarf und die Heizungseinstellungen jeder Klasse werden (zumindest in den Klassenräumen ab Stufe 4) in geeigneter Weise visualisiert. Dies kann durch den Anschluss von Notebooks an das Schulnetz und die Darstellung entsprechender Auswertungen in den Klassenräumen geschehen oder durch größere Displays im Eingangsbereich und im Lehrerzimmer.
  5. Ein schulinterner Wettbewerb um den „Energiesparmeister“ präsentiert regelmäßig die Einspar- bzw. Verbrauchsergebnisse. In der Mitte und am Ende der Heizperiode wird die Sieger-Klasse ermittelt und prämiert, um die Wettbewerbsmotivation anzusprechen und mehrere Gelegenheiten zu schaffen, das Thema Energiesparen in die Schulöffentlichkeit zu bringen.
  6. Die Klassen überprüfen laufend die tatsächlichen Temperatur- und Raumklimawerte, um ggf. Anpassungen in der Regelung vorzunehmen, aber auch, um defekte Ventile oder Temperaturfühler oder Fehler in der Regelungstechnik festzustellen. Dadurch wird eine zeitnahe Behebung solcher Fehler und Defekte möglich.
  7. Das Programm „Klasse Klima“ führt auch dazu, dass bewusster Umgang mit Energie, richtiges Lüften und andere Verhaltensaspekte (wie z.B. angepasste Kleidung) immer wieder zum Thema wird und praktische Relevanz bekommt. Da auch die Luftqualität durch CO2-Messungen kontrolliert wird, könnten sogar die Lernbedingungen in den Klassen besser werden.

Ein zusätzlicher Effekt des Programms „Klasse Klima“ ergibt sich für die Schulen daraus, dass vor dem Start des Projekts von Seiten der Bauverwaltung die Technik überprüft wird und defekte Ventile, Wärmemengenzähler etc. ausgetauscht werden. Oftmals wurden diese Überprüfungen und Reparaturen in den letzten Jahren unterlassen, so dass sich ein Instandhaltungsdefizit in den Schulen angestaut hat. Unser Bild zeigt ein abgebautes Automatikventil, an dem die künftigen „Energiemanager“ den Aufbau und die Funktionsweise erlernen.

Das neue Konzept eröffnet aber auch noch weitere Chancen für die Erhöhung der Energieeffizienz in den Schulen. Es sollen nämlich nicht nur der Wärmeverbrauch, sondern auch der Strom- und Wasserverbrauch erfasst und visualisiert werden. Die Schüler würden dann auch motiviert, in diesen Bereichen Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung zu entwickeln und zu überwachen.

Und schließlich werden die Hausmeister von „Klasse Klima“ profitieren – nicht nur, weil die „Energiemanager“ ihnen etliche Kontrollarbeit abnehmen, sondern weil sie auch in die Qualifizierungsoffensive einbezogen werden und die Einzelraumsteuerung selbst besser kennenlernen. Jens Beckmann (Foto) in der Falkplatzschule ist ganz besonders glücklich. Der Hausmeister, der erst vor einem Dreivierteljahr in der Schule angefangen hat, kann nur selten an den Steuerungscomputer, um sich in die Technik zu vertiefen, denn das Gerät steht im Büro der Schulleitung. Durch „Klasse Klima“ wird ein zweiter Steuerungscomputer in einem Raum aufgestellt, wo die „Energiemanager“ und auch der Hausmeister ständig Zugang haben.

Mit „Klasse Klima“, so Richard Häusler, zeichne sich eine innovative Lösung ab, die

  • Einsparpotenziale systematisch erschließt
  • pädagogischen Mehrwert hat
  • schulorganisatorisch nachhaltig umsetzbar ist
  • auf zahlreiche Schulen in Pankow  und in ganz Berlin übertragbar ist.

Ohne die engagierte Vorarbeit von Schülern und Lehrkräften der beteiligten Schulen wäre man nicht so weit gekommen, betont Häusler. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist in seinen Augen die „hervorragende Kooperation des Hochbau- und des Schulamtes“ mit dem „Köpfchen statt Kohle“-Team sowie das Engagement von Peter Schoof, der trotz der saisonalen Belastungsspitze jetzt vor der Heizperiode zugesagt hat, in kürzester Zeit die technischen Voraussetzungen für „Klasse Klima“ zu schaffen.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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