Kreidefrei – aber bitte energiesparend! Damit der Siegeszug der IT an den Schulen die Energiebilanz nicht versaut

Unsere Umfrage unter den Pankower „Köpfchen statt Kohle“-Schulen kurz vor Schuljahresende galt der Ausstattung mit Computern, Notebooks, Beamern und Whiteboards. In Zeiten, da die Schulverwaltung die „kreidefreie Schule“ ausgerufen hat, so war die Befürchtung, würde immer mehr stromfressende Elektronik angeschafft – und damit ergäbe sich eine neue Herausforderung für die Energiesparprojekte in den Schulen. Das Ergebnis der Umfrage zeigt, dass die Situation zumindest in Pankow so dramatisch noch nicht ist – mit der Betonung auf „noch“. Denn fast alle Schulen wünschen sich mehr elektronische Unterrichtshelfer – vor allem interaktive Whiteboards (Bild oben).

11 von 14 angeschriebenen Schulen fanden vor den Sommerferien noch Zeit, unseren Fragebogen auszufüllen. Die untenstehende Grafik zeigt den momentanen Ausstattungsstand der Schulen, unter denen ein Gymnasium, eine Gemeinschaftsschule und neun Grundschulen sind.

Im Durchschnitt haben die Schulen 2 Computerräume, 52 PCs, 11 Notebooks, 4 Beamer, 2 Kopierer, 8 Drucker und 0,7 interaktive Whiteboards. Nur drei der Schulen stehen am Anfang ihrer „kreidefreien“ Epoche, wobei zwei Schulen jeweils nur ein einziges interaktives Whiteboard haben und nur eine einzige Grundschule bereits 6 der elektronischen Tafelsysteme installiert hat. Vom „Ende der Kreidezeit“ in den Schulen kann also noch nicht gesprochen werden. Tablet PCs, die heute bereits als die bessere Alternative zu den Whiteboards betrachtet werden, hat noch keine einzige der befragten Schulen.

Die Wunschliste der Schulen für die Zukunft ist lang – 8 der Schulen haben sich in der schriftlichen Befragung spontan zu ihrem Bedarf dazu geäußert:

  • Wunsch: 1-2 Whiteboards, mehr Laptops und Beamer
  • Kein Internetanschluss in den einzelnen Klassen nur im PC-Raum
  • Es fehlen Whiteboards und neue, funktionierende PCs
  • Völlig veraltete Technik ohne einheitlichen Standard
  • Es fehlen Whiteboards, Server etc.
  • Whiteboards oder fest montierte Beamer in den Fachräumen
  • 2 Whiteboards und einen Klassensatz Laptops sowie einen Beamer

Die Grundschule, an der allein bereits 6 interaktive Whiteboards installiert sind, hat mit einer Schülergruppe im letzten Schuljahr bereits einmal nach den Energieeinsparpotenzialen in der Schul-IT gesucht. Sie wurden schnell fündig und stellten u.a. fest, was es an Stromkosten verursachen würde, wenn alle 28 Klassenräume ein Whiteboard bekämen: 3.000 Euro mehr Stromkosten per Jahr. Hinzukommen die Standby-Verbräuche der Computer und Notebooks und die Kosten, die der Betrieb der Geräte in den Zeiten verursacht, in denen sie gar nicht gebraucht werden. Nahezu die Hälfte der Stromkosten der Geräte könnte man mit den Spartipps wieder hereinbekommen, die die Schüler erarbeitet haben. Diese Tipps betreffen vor allem den Einbau von schaltbaren Steckdosenleisten und deren konsequenter Nutzung. Auch durch das zeitweise Ausschalten von Monitoren und Herunterfahren von Projektoren ließe sich in nennenswertem Umfang Strom sparen. Im kommenden Schuljahr wollen die Schüler ihre Berechnungen und Messungen noch einmal überprüfen, um sie in der Schule zu veröffentlichen. Dann sollen Steckdosenleisten angeschafft und eine Motivationskampagne bei Lehrern und Schülern gestartet werden, damit die dadurch eröffnete Sparoption auch genutzt wird.

Was die interaktiven Whiteboards anbetrifft, so sollten Instruktionen für den stromsparenden Betrieb künftig im Rahmen der Lehrkräfte-Einweisung in den Umgang mit den Tafeln erfolgen, schlägt „Köpfchen statt Kohle“ vor. Am besten wäre es, wenn die Erfüllung von Ausstattungswünschen der Schulen an die Bedingung geknüpft werden könnte, ein Stromspar-Projekt an der Schule einzurichten, meint Projektleiter Richard Häusler.

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Auf der Pole Position ins dritte Projektjahr

Im nächsten Schuljahr geht „Köpfchen statt Kohle“ in das dritte – und entscheidende – Projektjahr. Die ersten beiden Projektjahre dienten dem Vertrauensaufbau, der Entwicklung und Erprobung der didaktischen Projekte und der technischen Überprüfung der beteiligten Schulen und Einrichtungen. Dass man dabei nicht erfolglos war, zeigen auch einige Preise in Wettbewerben, die „Köpfchen statt Kohle“-Schulen gewonnen haben. Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt „Köpfchen statt Kohle“ auf dem Schulportal für Verbraucherbildung.

„Im dritten Jahr wollen wir die Nachhaltigkeit sichern und so etwas wie eine Energiekultur an den Schulen etablieren“, sagt Projektleiter Richard Häusler. Einer der Wege, die dahin führen, werde die systematische Ausbildung von „Energiemanagern“ in allen Klassen ab Stufe 3 sein. In den folgenden sechs Beispielen wird dargestellt, wie die einzelnen Schulen es im kommenden Schuljahr anpacken werden. Diese Schulen stünden auf der Pole Position, meint der „Köpfchen statt Kohle“-Projektleiter.

Grundschule am Kollwitzplatz: Diese Schule ist der Champion der diesjährigen Wettbewerbs-Saison. Nach dem mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis im BP-Wettbewerb „Klima & Co“ (siehe Foto) erhielt die Projektgruppe der fünften und sechsten Klassen unter Leitung ihres Lehrers Michael Temme letzte Woche auch den ersten Preis beim Pankower Umweltpreis-Wettbewerb „Pankow unter Strom“. Umwelt-Bezirksstadtrat Torsten Kühne überreichte den Preis von 500 Euro mitsamt der „Goldenen Kröte“ als Trophäe des Wanderpreises. Am wirksamsten dürfte jedoch die Auszeichnung sein, die die Grundschule am Kollwitzplatz von der Berliner Senatsbildungsverwaltung als eine von insgesamt 17 Berliner Schulen bekommen hat – das Siegel „Berliner Klima Schule 2012“. Dieses Siegel wird seit diesem Schuljahr erstmals an Schulen vergeben, die das Thema Klimaschutz in besonderer Weise in ihr Unterrichtskonzept integrieren. Dabei geht es aber nicht nur um eine symbolische Auszeichnung zur Motivation der pädagogischen Arbeit. Erstmals hat eine solche Auszeichnung auch materiellen Wert für die bauliche Ausstattung einer Schule: „Ausgezeichnete öffentliche Schulen werden überdies besonders bei der Vergabe von Mitteln aus dem Berliner Schulanlagensanierungsprogramm berücksichtigt“, heißt es in der Verlautbarung der Schulsenatorin Sandra Scheeres.

Die Carl Humann-Grundschule steigt erst mit dem kommenden Schuljahr in die praktische Projektarbeit ein – aber hier sind alle Voraussetzungen für schnelle praktische Erfolge gegeben: Eine aufgeschlossene Schulleitung, eine engagierte Lehrkraft und ein ansprechbarer Hausmeister, der beim Thema „Energiesparen“ mitdenkt. Als Besonderheit kommt hinzu, dass die Schule derzeit eine große Baustelle ist: Denkmalschutz und energetische Sanierung stehen an und ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, die kommendes Schuljahr im Energieprojekt mitarbeiten, auf die Bauarbeiten Einfluss zu nehmen. Wo machen Bewegungsmelder Sinn? Wieso werden die alten Thermostatventile nicht gegen elektronisch steuerbare ausgetauscht!? Solche Fragen werden sie stellen und eigene begründete Vorschläge zum Energiesparen machen.

An der Thomas Mann-Grundschule wird im kommenden Jahr ein eigener Wahlpflichtkurs „Energie“ eingerichtet. Die Vorarbeit einiger Schüler aus dem Demokratiekurs unter Leitung der Lehrerin Diana Gramatté hat sich gelohnt. Die Schulleiterin ist vom Sinn eines schulweiten Energieprojekts überzeugt. Weil keine Lehrkraft für die Betreuung des neuen Wahlpflichtkurses zur Verfügung stand, springt kurzerhand eine Mutter ein, die zwei Kinder an der Schule hat. Die Architektin organisiert eine Bürgerinitiative im Kiez und wird unterstützt durch „Köpfchen statt  Kohle“-Mitarbeiter nun zum ersten Mal in ihrem Leben in die Lehrerrolle schlüpfen.

Die Schule am Falkplatz ist die zweite der beiden Schulen im Bezirk Pankow, die – neben der Grundschule am Kollwitzplatz – das Klimasiegel der Senatsverwaltung erhalten hat. Die Energieprojektgruppe macht sich derzeit für eine Sanierung aller 130 alten Kastendoppelfenster stark, für 20.000 Euro notwendig sind. Der positive Effekt einer Abdichtung für die Energiekosten und das Klima ist bereits belegt, nachdem die Projektgruppe einen Fensterbauer dazu bewegen konnte, einen exemplarischen Klassenraum abzudichten. Kommende Woche will die Projektgruppe im Rathaus Weißensee ihren begründeten Antrag an Bezirksstadträtin Christine Keil übergeben. Sollte es nicht gelingen, die Mittel für die Abdichtung aus dem Bezirksetat zu bekommen, würden die Schüler Sponsoren für jedes einzelne Klassenzimmer suchen, die sich mit 600 bis 800 Euro beteiligen. Im kommenden Schuljahr sollen von der Energie-Projektgruppe auch in allen Klassen „Energiemanager“ geschult werden, damit jede Klasse selbst die Heizungssteuerung und die Überwachung des Raumklimas selbst übernehmen kann (Foto). Weil das nur Sinn macht, wenn defekte Heizkörperventile und Temperaturfühler rechtzeitig aufgespürt und ausgetauscht werden, hat die Gruppe mit der Bauverwaltung Anfang September einen Ortstermin für die Heizungsüberprüfung vereinbart.

Die Robert Havemann-Schule ist das einzige Gymnasium, das bisher bei „Köpfchen statt Kohle“ mitmacht. In diesem Schuljahr hat ein Physikkurs von Neuntklässlern die Quellen der Energieverschwendung an der Schule untersucht. Sowohl bei der Heizung als auch beim Stromverbrauch sind sie fündig geworden. Schätzungsweise 30.000 Euro ließen sich jährlich einsparen. Im kommenden Schuljahr werden 7.- und 8.-Klässler im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft das Projekt weiterführen und nach Möglichkeiten suchen, die Verschwendung zu minimieren. Unter anderem werden sie sich Gedanken machen, wie man die durchgehend brennende Flurbeleuchtung in die Griff bekommt. Denn auch wenn durch Fenster und Glasdächer das gleißende Sonnenlicht in die Flure scheint, brennt die volle Batterie der Flurleuchten (Foto). An der Robert Havemann-Schule soll im kommenden Schuljahr außerdem die Einrichtung einer zentralen Lern- und Experimentierwerkstatt zum Thema „Energie“ erfolgen, um alle Pankower Schulen bei Unterrichtsprojekten gegen die Energieverschwendung zu unterstützen.

Die Klasse 5b der Schule am Hohen Feld wird ihr Energieprojekt ins neue Schuljahr mitnehmen und dabei weiterhin durch ihre Naturwissenschaftslehrerin Steffi Barchewitz unterstützt werden. Um möglichst alle Klassen in die Verbesserung der Energiebilanz der Schule einzubinden, hat die 5b die erste Ausgabe einer eigenen Energiezeitung „Das Energiesparschwein“ herausgebracht, die gedruckt und an alle 500 Schülern und Lehrkräfte verteilt wurde. Damit ist die Grundlage geschaffen, um im neuen Schuljahr die Vorschläge für die Heizungseinstellung und das Lüftungsmanagement über die Klassensprecher in alle Schulklassen zu tragen. Unter anderen verfolgt die Projektgruppe das ehrgeizige Ziel, eine möglichst niedrige konstante Thermostateinstellung zu realisieren. An durchschnittlich kalten Wintertagen genüge eine Einstellung auf „1“, um eine angenehme Raumtemperatur in den meisten Räumen zu haben, sind die Fünftklässler überzeugt. Das von „Köpfchen statt Kohle“ begleitete Konzept für den Energie-Projektunterricht in der Schule am Hohen Feld wurde inzwischen auch zum europäischen Wettbewerb U4ENERGY zugelassen. Vielleicht wird im Herbst aus dem Teilnahmezertifikat (Foto) sogar eine Siegerurkunde…

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Messtechnik und Ergebnisorientierung sind die wesentlichen Motivationsfaktoren – Schüler von zehn „Köpfchen statt Kohle“-Schulen befragt

Seit zwei Jahren verfolgt die Bezirksverwaltung in Berlin-Pankow mit dem Projekt Köpfchen statt Kohle einen innovativen Ansatz mit dem Ziel, die vorhandenen Potenziale zur Energieeinsparung in öffentlichen Gebäuden durch intensivere Einbindung der Nutzer zu realisieren. Dieser Ansatz ist insbesondere in Schulen des Bezirks – Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien – zum Tragen gekommen. Über den Projektverlauf informiert der Weblog unter www.koepfchenstattkohle.org.

Eine von stratum® durchgeführte Befragung hat nun die Motivation und das Feedback von 214 Schülern, die an Köpfchen statt Kohle-Projekten teilnahmen, genauer untersucht. Schüler von insgesamt zehn teilnehmenden Partnerschulen füllten dazu einen Fragebogen aus.

Zentrale Fragen waren hierbei, was für die Schülerinnen und Schüler persönlich am interessantesten an der Projektarbeit war, ob das Projekt wiederholt werden sollte und welche Ziele von Köpfchen statt Kohle als die wichtigsten angesehen werden.

Absolutes Highlight war für den Großteil der Befragten (83 %) der Umgang mit den Messgeräten, mit denen sie unter normalen Umständen nie in Berührung gekommen wären. Ausgerüstet mit Wärmebildkameras, professionellen Messgeräten für Temperatur und Luftqualität sowie mit Strommessgeräten gehen die Schüler in den unterschiedlichen Projektgruppen dem Energieverbrauch in der Schule auf den Grund. Doch nicht nur die moderne Gerätetechnik scheint sie zu faszinieren, sondern auch die Möglichkeit, damit reale Ergebnisse zu erzielen und so die Auswirkungen ihres Handels nachvollziehbarer zu machen. Für 71 % der befragten Schüler ist die Ergebnisorientierung ein besonderer Ansporn, sich im Energieprojekt zu engagieren. Sie spüren technische Mängel an den Gebäuden auf, entwickeln Verhaltensalternativen für Schüler und Lehrkräfte, suchen nach Wegen für Information und Aufklärung, suchen den direkten Austausch mit Verantwortlichen in Verwaltung und Politik und beteiligen sich mit ihren Projekten an Wettbewerben, um Verbesserungsmaßnahmen auch finanziell unterstützen zu können.

Gerade in den offenen Antworten wurde immer wieder von den Schülern betont, dass die Projekte den Unterricht (insbesondere die naturwissenschaftlichen Fächer) sinnvoll ergänzen und methodisch bereichern. Inwieweit sich die Köpfchen statt Kohle-Projekte  in den Unterricht integrieren lassen, ist eine Frage, die freilich in erster Linie von den Lehrkräften beantwortet werden sollte. Da die Zahl der an solchen Projekten bisher direkt beteiligten Lehrkräften überschaubar ist (ca. 20), soll eine qualitative Befragung der Lehrkräfte im nächsten Schuljahr darüber Aufschluss geben.

Betrachten wir die Antworten auf die Frage, was die wichtigsten Ziele von Köpfchen statt Kohle aus Sicht der Schülerinnen und Schüler sind. Bereits bei Viertklässlern zeigt sich ein verstärktes Bewusstsein für die Relevanz von energieeffizienterem Verhalten in Aussagen wie „Ich finde es schön, dass wir mit unserem Projekt ganz Deutschland helfen“ .

Das von der Bezirksverwaltung Pankow gesteckte Ziel, energiesparendes Verhalten an den Schulen zu fördern, scheint bei den Schülern klar angekommen zu sein. Mit 77 % ist dieses Ziel das am meisten genannte. Zusammen mit dem hohen Wert für die Aussage „einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“ (65 %) zeigen diese Ergebnisse, dass die objektive Zielebene im Vordergrund steht – im Vergleich zum subjektiven Ziel „Spaß haben“, das 56 % Zustimmung erhält. Mit fast 50 % bekommt auch die „Behebung technischer Mängel“ hohe Bedeutung in den Projekten. Dieses Ergebnis zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler bei ihren Messungen, Beobachtungen und Untersuchungen häufig auf Probleme stoßen, die im technischen Bereich von Heizanlagen, Steuerungssystemen, Wärmedämmung etc. liegen.

Erstaunlich ist, dass in den Augen der Schüler der finanzielle Effekt einer Projektbeteiligung das am seltensten genannte Ziel von Köpfchen statt Kohle darstellt. Geld scheint der geringste Anreizfaktor zu sein, die Motivation, sich zu beteiligen, basiert in erster Linie auf dem Engagement für Energieeffizienz und Klimaschutz und wird getragen vom Spaß an der Projektarbeit und den Herausforderungen im Umgang mit Messtechnik sowie von der realen Bedeutung der Ergebnisse, die weit über den pädagogischen Rahmen hinausgehen und in die Situation der Schule eingreifen. Zumindest aus Sicht der Schüler ist somit das „Fifty/Fifty-Modell“ irrelevant, das auf der Motivationswirkung von finanziellen Ausschüttungen aus den eingesparten Energiekosten beruht.

45 % der befragten Schülerinnen und Schüler gaben an, dass Köpfchen statt Kohle-Projekte auch im nächsten Schuljahr stattfinden sollen, während knapp 10 % keine Wiederholung oder Fortsetzung wünschen. Unter den restlichen 45 %, die auf diese  Frage mit „vielleicht“ antworteten, waren viele, die bei der abschließenden offenen Frage, was sie noch zu dem Projekt sagen möchten, doch eine Fortführung wünschen. Möglicherweise kamen die vielen „vielleicht“-Antworten dadurch zustande, dass viele der Schüler realistischerweise nicht davon ausgehen, dass sie selber darüber entscheiden können, ob an ihrer Schule oder in ihrer Klasse Köpfchen statt Kohle-Projekte stattfinden.

Die Befragung soll zum Ende des kommenden Schuljahres in erweiterter Form wiederholt werden, wobei dann die Schulleitungen und Lehrkräfte mit einem eigenen Fragebogen angesprochen werden und zusätzlich mit einem halbqualitativen Verfahren interviewt werden sollen.

Eine PDF-Version der Evaluationsergebnisse finden Sie auch im Downloadbereich!

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Havemann-Schüler rütteln Lehrerkonferenz auf – Einsparpotenziale von 30.000 Euro pro Jahr gefunden

Tom Funke war etwas nervös. Vor 70 Lehrerinnen und Lehrern hatte er noch nie einen Vortrag gehalten. Die Gesamtkonferenz der Robert Havemann-Schule war zusammengekommen, um als ersten Tagesordnungspunkt den Bericht des „Köpfchen statt Kohle“-Projekts entgegenzunehmen. Fast ein halbes Jahr lang hatten sich 18 Schüler und eine Schülerin der 9. Klasse im Rahmen des Wahlpflichtkurses Physik mit den energetischen Einsparmöglichkeiten an ihrer Schule beschäftigt.

Sowohl beim Wärmeenergie- als auch beim Stromverbrauch ist die Havemann-Schule negativer  Spitzenreiter aller „Köpfchen statt Kohle“-Schulen in Pankow. Nicht nur, weil die Schule mit die meisten Schüler hat, sondern auch, wenn man die Steigerung des Verbrauchs zwischen 2010 und 2011 analysiert. „Die Zahlen für den Wärmeenergieverbrauch sind klimabereinigt, es liegt also auch nicht daran, dass ein Winter mal etwas kälter ist“, erklärte Tom Funke, der sich die Präsentation mit seiner Mitschülerin Clara Hönel teilte (Foto oben).

Sind die technischen Voraussetzungen schuld am hohen Energiebedarf oder wird auf Seiten der Nutzer zu verschwenderisch gehandelt? Dieser Frage sind die Schüler auf den Grund gegangen.

Bei einem Besuch in der Heizzentrale entdeckten sie, dass werktags durchgehend von 4:00 Uhr bis 22:00 auf Hochtouren geheizt wird. Clara Hönel schlägt vor: „Man könnte ohne Komforteinbußen die Heizzeit von bisher 18 auf 10 Stunden reduzieren. Das sollte ausreichen, um die empfohlenen 20 °C in den Klassenräumen zu erreichen.“

Die Schüler wollten auch genau wissen, wie warm es in den einzelnen Schulräumen ist. Messungen in 34 Klassenräumen, 11 Toiletten, den Fluren auf allen drei Etagen sowie sieben sonstigen Räumen bestätigten die Vermutung, dass es fast überall viel zu warm ist. 22 Grad in einem Raum, in dem nur Bücher gelagert werden, oder permanente knapp 21 Grad auf den Fluchttreppen, die nur im Notfall betreten werden, erschienen den Schülern des Physikkurses ebenso absurd wie die weit über dem Normwert von 17 °C aufgeheizten Toiletten. Auch hier hatte man konsequent gemessen (siehe Foto).

Um dieser Verschwendung entgegenzuwirken, haben die Schüler zahlreiche Verbesserungsvorschläge entwickelt. Zunächst sollten die defekten Thermostatventile ausgetauscht und regelbare in den Fachräumen eingesetzt werden sowie die Temperatureinstellung am Wochenende, in den Ferien und nachts an der zentralen Steuerung deutlicher abgesenkt werden. Auch die Schüler und Lehrer sollten jedoch stärker darauf achten, dass die Thermostatventile richtig eingestellt und bei Schulschluss die Fenster geschlossen würden. Durch diese einfachen Veränderungen ließe sich ohne Qualitätsverlust mindestens 10% Energie einsparen. Tom Funke und Clara Hönel rechneten vor, dass dadurch bei der Heizenergie mindestens 14.500 Euro pro Jahr eingespart werden könnten. Außerdem würden dadurch jährlich 75 Tonnen CO2 vermieden.

Neben der Wärmeenergie  beschäftigten sich die Schüler auch mit dem Stromverbrauch an der. Als größtes Energieleck machten sie hierbei die Dauerbeleuchtung auf den Fluren aus. Auch dort, wo durch großflächige Oberlichte das Tageslicht die Flure erhellt, brennt zusätzlich das elektrische Licht mit einer Leistung, als wäre es draußen stockdunkel. Durch eine tageslichtabhängige Regulierung der 321 Flurleuchten im Schulhaus ließen sich 14.000 Euro Stromkosten sparen – und dabei haben die Schüler bereits den günstigeren Stromtarif für die Schulen von 15,6 Cent pro kWh zugrunde gelegt.

Die Lehrerkonferenz der Robert Havemann-Schule reagierte nach der Präsentation sofort. Eine Kurzfassung der Ergebnispräsentation sollen allen Klassen- und Schulsprechern zur Verfügung gestellt und von allen Klassenlehrern mit ihren Klassen diskutiert werden – dieser Antrag einer Lehrkraft wurde einhellig angenommen. Da nicht alle Abhilfevorschläge von der Schule aus eigener Kraft umgesetzt werden können, möchten Clara Hönel und Tom Funke ihren Vortrag vor zuständigen Vertretern des Bezirks Pankow wiederholen. Immobilien-Bezirksstadträtin Christine Keil hat diesem Wunsch bereits zugestimmt, nach einem Termin noch vor den Sommerferien wird gesucht.

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Grundschule am Kollwitzplatz rettet Berlins Ehre in Klima-Wettbewerb – Energieprojekt bekommt 10.000 Euro

13 Preisträger gibt es beim diesjährigen Schulwettbewerb „Klima & Co“. Der Wettbewerb wird von BP gesponsert und ist Deutschlands höchstdotierter Klimaschutzwettbewerb für Schulen. Als einzige Berliner Schule hat jetzt die Grundschule am Kollwitzplatz einen Preis bei „Klima & Co“ gewonnen. Die Schule bekommt 10.000 Euro für die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen, die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen im Rahmen von „Köpfchen statt Kohle“ entwickelt haben. Über 33 Tonnen CO2 können damit jährlich eingespart werden, wie die Projektgruppe auf dem Wettbewerbstransparent stolz verkündet (siehe Foto).

Langfristig will die Projektgruppe zusammen mit ihrem Lehrer Michael Temme und Hausmeister Lutz Domann erreichen, dass jede Klasse ihr eigenes Energiemanagement übernimmt, indem sie zusammen mit dem Hausmeister selbst die Einstellung der Heizzeiten und Richttemperaturen für ihren Klassenraum übernimmt. Voraussetzung dafür ist, dass die Regelung technisch einwandfrei funktioniert. Für den großen Anlagencheck und die eventuell nötigen Reparaturen sowie die Realisierung des Direktzugriffs der einzelnen Klassen auf ihre Einzelraumsteuerung sind Finanzmittel erforderlich, die die Wärmedetektive jetzt von „Klima & Co“ bekommen.

Die Messungen der Projektgruppe haben ergeben, dass die Räume im Durchschnitt fast 3 Grad zu warm sind. Kontrollmessungen der „Wärmedetektive“ nach einer testweisen 3-Grad-Absenkung am Heizungscomputer haben ergeben, dass die Durchschnittstemperatur aller Etagen dann um 1,8 Grad sank. Die dritte Etage war auch jetzt immer noch viel zu warm. Bevor eine weitere Absenkung am Steuerungscomputer vorgenommen werden kann, muss somit erst die Funktionsfähigkeit der Heizungssteuerung sichergestellt werden. Denn dass bei einer zentralen Absenkung um 3 Grad nur 1,8 Grad wirklich im Klassenraum ankommen, erschien den Schülern nicht befriedigend.

Das ist das Programm, das sich die jungen Klimaschützer an der Kollwitzplatzschule für die nächsten 12 Monate vorgenommen haben:

  • Mai-Juli: Großer Anlagencheck und Überprüfung der Heizungssteuerung
  • August-September: Notwendige Reparaturen an der Anlage; Einrichtung des geschützten Direktzugriffs der Klassen auf die Steuerung ihres eigenen Klassenraumes
  • Oktober: Informationskampagne in allen Klassen, Benennung von „Energiemanagern“ in den Klassen, Probebetrieb in der zweiten Oktoberhälfte
  • November-April: „Energiemanager“-Betrieb an der gesamten Schule
  • April: Befragung in den Klassen (Schüler und Lehrkräfte), Auswertung der Erfahrungen, Verbesserungsmaßnahmen für die nächste Heizperiode benennen; Vergleich mit dem Heizenergieverbrauch der Vorjahre.

Das vollständige prämierte Konzept ist im Downloadbereich verfügbar.

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Geld ist nur Mittel, aber kein Motiv – Neuer Projektbrief erklärt den Erfolg von „Köpfchen statt Kohle“

In der Wirtschaft ist die Erkenntnis mittlerweile Gemeingut, dass (mehr) Geld die Menschen nicht zu mehr Engagement motiviert. Der deutsche Biologe und Gehirnforscher Gerhard Roth (Universität Bremen) stellt fest: „In zahllosen Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass ein dauerhaftes Engagement für eine Aufgabe nur zustande kommt, wenn günstige Bedingungen für innere Motivation geschaffen werden. Menschen müssen eine Aufgabe als sinnvoll ansehen, um sich dafür einsetzen zu können.“ Das ist auch der tiefere Grund dafür, dass „Köpfchen statt Kohle“ nicht auf finanzielle Anreize setzt, sondern auf die intrinsische Motivation aller Beteiligten, also z.B. von Schülern, Lehrern, Schul- und Amtsleitern.

Der soeben erschienene Projektbrief Nr. 4 verrät das Erfolgsrezept von „Köpfchen statt Kohle“ in Pankow, die auf dieser psychologischen Basis beruhen. Zu den praktischen Erfolgsfaktoren gehören demnach:

  • Intensive und individuelle pädagogische Unterstützung der Schulen durch einen externen Dienstleister
  • Bereitstellung von Messgeräten und Materialen für die Unterrichts- und Schulprojekte
  • Einbeziehung eines weiteren externen Dienstleisters für die technische Seite der Projekte und gute Verzahnung der pädagogischen und technischen Unterstützungsebenen
  • Koordination der zuständigen Verwaltungsressorts (Schulamt, Bauamt) durch einen transparenten Projektbeirat
  • Öffentlichkeitsarbeit und Unterstützung der Schulen bei Wettbewerben und Profilbildung.

In Gesprächen mit Energie- und Klimabeauftragten anderer Bezirke bekommen wir die Bestätigung, dass die Formel, die die Pankower Praxis auszeichnet, auf drei einfache Begriffe gebracht werden kann: „Drinbleiben, dranbleiben, darüber reden“! „Drinbleiben“ heißt, den Kontakt mit den Partnern in den Schulen und Einrichtungen halten und individuelle Unterstützung und Anregung dort bieten, wo sie wirklich passt. „Dranbleiben“ bedeutet, Problemen auf den Grund gehen, nach Lösungen suchen und die Auswirkungen tatsächlich kontrollieren. Und „Darüber reden“ heißt, die Arbeit in der Öffentlichkeit sichtbar machen. Intensive Öffentlichkeitsarbeit motiviert die Aktiven, wirbt für das Konzept, verstärkt Kontakte und Vernetzung und sichert die Unterstützung auf der politischen Ebene.

Der neue Projektbrief wird in der Printausgabe an die beteiligten Schulen und Einrichtungen verteilt und steht auf der Downloadseite als PDF bereit.

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Berliner Bezirk Pankow wird in Wiesbaden ausgezeichnet – Energiemanagement an Schulen mit Vorbildwirkung

Mit dem „nawi Award“ für nachhaltiges Wirtschaften zeichnete eine Initiative unter Schirmherrschaft der hessischen Umweltministerin Lucia Puttrich am 25. April in Wiesbaden den Berliner Bezirk Pankow aus. In Pankow praktiziert die Bezirksverwaltung seit zwei Jahren einen neuen Ansatz, um die Nutzer öffentlicher Gebäude – insbesondere Schulen – zu mehr Energieverantwortung zu motivieren. Das positive Echo dieses Projekts ist jetzt weit über Berlin hinaus gedrungen. In Wiesbaden nahm stellvertretend für den Bezirk Jürgen Bornschein den Preis aus den Händen von „Planet Wissen“-Moderator Jo Hiller und Jurorin Meriem Tazir entgegen. Mit dabei war auch Richard Häusler als Vertreter von stratum. (Auf unserem Foto v.l.n.r.: Jo Hiller, Jürgen Bornschein, Richard Häusler, Meriem Tazir.)

Die Aktion in Pankow hat sich den programmatischen Titel „Köpfchen statt Kohle“ gegeben. Das Potenzial, Energie einzusparen, ohne massiv in Technik und Baumaßnahmen zu investieren, schätzt der Ingenieur Jürgen Bornschein vom Pankower Bauamt auf „mindestens 10 Prozent der jährlichen Energiekosten“. Zusammen mit zwei externen Dienstleistern für die pädagogische und die technische Seite sind Schüler, Lehrkräfte und Hausmeister jetzt schon das zweite Jahr aktiv. Erreicht werden soll eine Bewusstseinsschärfung und schrittweise Verhaltensänderung der Nutzer der öffentlichen Gebäude. In derzeit 15 Schulen –von der Grundschule bis zum Gymnasium – haben die Kinder die Möglichkeit, im Projektunterricht mit Wärmebildkameras, professionellen Messgeräten für Temperatur und Luftqualität und mit Strommessgeräten ihren Energieverbrauch genauer unter die Lupe zu nehmen und Verbesserungsvorschläge zu machen. Wichtig für den Erfolg von „Köpfchen statt Kohle“, so Projektleiter Richard Häusler von der Beratungsagentur stratum, sei es vor allem, das diese Vorschläge mit Hilfe aller Beteiligten auch umgesetzt werden, so dass die Schüler und ihre Lehrer erkennen, dass sich der Einsatz wirklich lohnt.

Oftmals stoßen die Schülerprojekte nicht nur auf Wissenslücken und falsches Energieverhalten, sondern auch auf technische Mängel – seien es fehlende Steckdosenschalter oder undichte Fenster, defekte Heizkörperventile oder falsche Einstellungen an der zentralen Heizungssteuerung. Da der Sachmitteletat, den der Bezirk bereitstellen kann, zu begrenzt ist, beteiligen sich viele der schulischen Projektgruppen inzwischen an Wettbewerben, um eigene Finanzmittel zu generieren. Wer „Köpfchen statt Kohle“ dabei helfen möchte, kann unter www.zeichen-kleben.de/projekt/3300040 noch bis 30. April seine Stimme abgeben, um einen Sachmittel-Zuschuss von 5.000 € für die Pankower Energieprojekte zu ergattern.

Auch wenn der „nawi Award“ ein rein ideeller Preis ist, schätzt man ihn in Pankow hoch ein. „Auf der politischen Ebene ist so eine Bestätigung sehr hilfreich“, betont Jürgen Bornschein.

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Im Energieprojekt für das Leben lernen – Schulleiterin Eva Heitmann ist stolz auf ihre Schüler und wünscht sich mehr

„In den Räumen der zweiten und dritten Etage, in denen wir gemessen haben, ist es durchschnittlich 2,4 °C zu warm. Jeder Temperaturgrad macht 6 % der Heizkosten aus!“ Mit diesem Statement überreichten die Jungs aus dem Demokratiekurs der Thomas Mann-Grundschule ihrer Schulleiterin ein Poster (siehe Foto), das im gesamten Schulhaus Schüler und Lehrkräfte über die laufende Energieverschwendung informieren soll. Das DIN A2-Poster, das in einer Auflage von 10 Stück gedruckt wurde, vermittelt sowohl den Spaß als auch die Ernsthaftigkeit, mit der die sechsköpfige Schülergruppe vorgegangen ist. Schulleiterin Eva Heitmann war beeindruckt: „Was ihr in diesem Projekt methodisch und inhaltlich gelernt habt, wird euch auch im späteren Leben helfen!“

An der Thomas Mann-Grundschule ist das Energieprojekt von „Köpfchen statt Kohle“ nicht in den klassischen Unterricht integriert. Im Demokratiekurs sind Selbstbestimmung und Eigeninitiative gefragt – und das bedeutet erhöhte Anforderungen an die Schüler, sich selbst zu motivieren und ihr Projekt eigenständig zu organisieren. Der externe Projektcoach Richard Häusler agierte nicht als Ersatzlehrer, sondern half nur über die eine oder andere Hürde – sei es im Umgang mit der Messtechnik oder bei der Datenauswertung mit EXCEL. „Die Gruppe hat selbst eine produktive Arbeitsteilung entwickelt“, stellt Häusler fest. Das sei eine Erfahrung, die die Fünft- und Sechstklässler im normalen Unterrichtsgeschehen sonst kaum machen können.

Wie in den meisten Schulen, die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitmachen, stellte sich auch an der Thomas Mann-Grundschule heraus, dass es in den Klassenräumen ebenso wie auf den Fluren und in den Toiletten im Winter zu warm wird. Die Projektgruppe hat deshalb einen Wunsch: „Es wäre toll, wenn jede Klasse versuchen würde, im Winter nicht mehr als 20 Grad Raumtemperatur zu haben.“ Auf ihrem Poster appellieren die sechs Energiedetektive an ihre Mitschüler: „Jede Klasse sollte ihren Energiehaushalt selbstständig managen. Ihr alle könnt den Energieverbrauch regulieren, indem ihr darauf achtet, richtig zu lüften, und die Temperatureinstellung für euren Raum kontrolliert. Dazu müsst ihr mit dem Hausmeister reden.“

Die praktische Umsetzung dieses Appells wird im nächsten Schuljahr erfolgen. Eva Heitmann will das unterstützen. Im kommenden Schuljahr soll eine eigene Energiegruppe an der Schule eingerichtet werden. Die Thermometer für die professionelle Temperaturmessung, die die Projektgruppe bisher eingesetzt hat, werden jedoch auch in diesem Schuljahr noch gebraucht – denn im Sommer wird es in einigen Klassenräumen deshalb zu warm, weil ein Sonnenschutz an den Fenstern fehlt. Auch mit dem Stromverbrauch in der Schule wird sich die Projektgruppe noch im laufenden Schuljahr beschäftigen. Gemessen werden sollen u.a. die Standby-Verbräuche von Computern und Kopierern.

Das Poster „Warum ein Energie-Projekt an der Thomas-Mann-Grundschule“ ist im Downloadbereich als PDF verfügbar.

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„Köpfchen statt Kohle“-Schulen erweisen sich als wettbewerbsstark – Um den tesa-Preis zu gewinnen, müssen Stimmen gesammelt werden

Es ist nicht nur wegen der Ehre, sondern es geht auch ums Geld. Wenn „Köpfchen statt Kohle“-Schulen sich an Energie-, Umwelt- und Klimawettbewerben beteiligen, wollen sie nicht nur eine Plakette für die Schulhauswand gewinnen. Denn alle Energieprojekte sind bei ihren Recherchen, Messungen und Diskussionen sowohl auf Missstände gestoßen, die die Schüler beseitigen möchten, als auch auf Ideen, wie man Mitschüler und Lehrkräfte von energieeffizientem Verhalten überzeugen kann. Auch letzteres geht nicht ganz ohne finanzielle Mittel, seien es schaltbare Steckerleisten, Aufklärungsposter oder Thermometer und Luftgüteampeln in den Klassenräumen. Die Probleme und Ideen übersteigen nach eineinhalb Projektjahren bereits das Sachmittelbudget des Bezirks für „Köpfchen statt Kohle“, so dass die Projektgruppen durch die Wettbewerbsteilnahme selbst Mittel generieren wollen.

In den letzten 10 Wochen haben sich fünf der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen mit über einem Dutzend Beiträgen an insgesamt sieben Wettbewerben beteiligt. Die Entscheidungen der Jurys stehen noch aus – wir berichten natürlich über jeden Erfolg. Im Fall des tesa-Wettbewerbs „Zeichen kleben“ können die Projekte und alle ihre Fans und Mitstreiter selbst etwas dafür tun, die Gewinnchancen zu erhöhen. Ab dem 1. April dürfen sie alle für ihr favorisiertes Projekt  auf der tesa-Website stimmen. Die Projekte, die die meisten Voten bekommen, erhalten einen der 10 Gewinne à 5.000 Euro. Auch auf Facebook kann man die Aktion verfolgen.

Genau 122 Projekte haben sich dieses Jahr beim tesa-Wettbewerb beteiligt. „Köpfchen statt Kohle“ ist in der Kategorie „Energiesparen“ eines von fünf eingereichten Projekten. Wir bitten alle Freunde von „Köpfchen statt Kohle“, im April für unser Projekt zu stimmen – und dazu auch weitere Freunde, Kollegen und Bekannte, Mitschüler und Eltern zu motivieren! Den aktuellen Stand des Rankings finden Sie hier!

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Erfolge und neue Herausforderungen – ein Streiflicht

Weil Hausmeister Jens Beckmann vom letzten „Köpfchen statt Kohle“-Hausmeister-Workshop so motiviert in seine Schule zurückkam, nahm die Umweltgruppe der Schule am Falkplatz die Gelegenheit beim Schopf und ernannte Jens Beckmann zum ständigen Mitglied. Denn mit seiner Hilfe, so dachten die Fünft- und Sechstklässler, müsste man dem Problem der vielen „unregelbaren“ Räume auf die Schliche kommen. Denn nicht wenige Klassenzimmer am Falkplatz scheinen auf die zentrale Heizungssteuerung nicht zu reagieren. Zum Beispiel Raum 007: Schon vor Unterrichtsbeginn messen die Schüler hier Temperaturen von über 25 Grad Celsius. Die Luft ist entsprechend stickig. Alle Heizkörper sind sehr warm, die gemessene Vorlauftemperatur in den Rohren ist bei fast 50 Grad. Am Steuerungscomputer der Heizungsanlage hatten die Schüler jedoch selbst als Temperaturobergrenze 20 Grad eingegeben. Was war los? Der Steuerungscomputer zeigt auch, welche Raumtemperatur vom Temperaturfühler in dem Klassenraum übermittelt wird. Die Schüler prüften zuerst dies nach – tatsächlich meldete auch der Computer aktuelle 25,4 Grad. Also konnte der Temperaturfühler nicht defekt sein. Aber der Computer zeigte auch an, dass alle Heizkörperventile geschlossen seien. Dann müssten aber auch die Heizkörper in dem Raum kalt sein! Der Verdacht fiel also auf die Thermostatventile an den Heizkörpern. Jens Beckmann holte die Rohrzange und zeigte den Schülern der Umweltgruppe, wie man das Ventil abschraubt. Dabei legten auch die Mädchen der Gruppe Hand an (unser Foto). Nach den Osterferien will sich Jens Beckmann einen technischen Experten ins Haus holen, um zu lernen, wie man die Funktionsfähigkeit der Ventile prüfen kann. Mit Hilfe der Umweltgruppe sollen dann bis zum Herbst alle Ventile in der Schule überprüft werden.

Große Pläne für das kommende Schuljahr hat auch die Klasse 5b der Schule am Hohen Feld. Die Schülerinnen und Schüler wollen das Wissen und die Erfahrung, die sie über vier Monate hinweg im „Köpfchen statt Kohle“-Projekt gesammelt haben, für die Weiterarbeit nutzen. Schließlich haben sie Ideen, wie man an der ganzen Schule Heizenergie sparen kann. „Die Thermostateinstellung auf ‚1‘ reicht völlig aus und sollte der Normalfall sein“, sind sich die Schüler der 5b einig. Im kommenden Schuljahr wollen sie in allen Klassen für Mitarbeit an dem großen Experiment werben. Mit Messgeräten und durch Befragungen und Beobachtungen wollen sie prüfen, ob ihre Empfehlung befolgt wird und ob die niedrige Thermostateinstellung tatsächlich ausreicht. „Das geht natürlich nicht ohne richtiges Lüften“, stellen Hendrik, Steven, Fabian, Camillo und Robert fest, die in den letzten Monaten mit einem CO2-Messgerät experimentiert haben, um die Abhängigkeit der Luftqualität von den Raumtemperaturen zu erforschen. Sie schlagen vor, dass in allen Klassen künftig Luftgüteampeln, die den CO2-Wert messen, aufgestellt werden, um die Klassen zum richtigen Lüften zu motivieren. Um jetzt schon die Schüler und Lehrer ihrer Schule auf das Kommende vorzubereiten, hat die 5b eine 16-seitige Zeitung über das Energieprojekt geschrieben und selbst gestaltet (siehe Coverfoto oben). Aus „Köpfchen statt Kohle“-Mitteln wurde die Zeitung gedruckt. Sie wird noch vor den Osterferien an alle Schüler und Lehrer verteilt.

Die Schüler der 5b konnten bereits vorab das gedruckte Ergebnis ihrer Arbeit begutachten (siehe Foto). „So ein tolles Projektergebnis hatten wir noch nie“, stellt Steffi Barchewitz fest, die als Lehrerin das Projekt im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts betreut hat. Sie wird das Energiethema mit ihren Schülern ins kommende Schuljahr mitnehmen und die Ausweitung der Aktion auf die ganze Schule unterstützen. Die Energiezeitung ist auch im Download-Bereich dieser Website verfügbar.

Erstmals liegt jetzt auch die Verbrauchsstatistik für den Stromverbrauch der Schulen vor, die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitmachen. Die Grafik unten zeigt, dass wie auch bei der Heizenergie manche Schulen im Vergleich der Jahre 2010 und 2011 mehr und manche weniger Strom verbraucht haben. Woran das liegt, kann nur im Einzelfall geklärt werden. Eine generelle deutliche Zunahme des Stromverbrauchs lässt sich nicht feststellen, wenngleich einzelne Schulen wie die Grundschule im Blumenviertel und die Robert Havemann-Schule deutliche Steigerungen zu verzeichnen haben. Auch die Grundschulen im Moselviertel und am Kollwitzplatz haben 2011 höhere Stromrechnungen an den Bezirk geschickt. Fünftklässler der Kollwitzplatz-Schule haben jetzt errechnet, dass durch verschiedene Maßnahmen vor allem bei der Schul-EDV ungefähr 1.800 Euro pro Jahr gespart werden könnten, das sind immerhin 14 % der jährlichen Stromkosten.

Die Vorschläge der Kollwitzschüler betreffen (in Klammern Prozentsatz der Einsparung)

  • verschiedene Abschaltmöglichkeiten, wenn die 5 elektronischen Whiteboards nicht gebraucht werden (10 %)
  • Trennen der 10 Beamer vom Strom, wenn sie nicht gebraucht werden (12 %)
  • Trennen der 100 PCs von Stromnetz, wenn sie nicht gebraucht werden (18 %)
  • Trennen der 30 Notebooks vom Strom bei Nichtgebrauch (60 %).

Dagegen haben sie auch herausgefunden, dass das Aus- und Wiederanschalten von Druckern und Kopierern während des Schultages so gut wie keine Ersparnis bringt. Im kommenden Schuljahr sollen diese Berechnungen weiter überprüft werden und außerdem untersucht werden, wie viel Strom man bei einem besseren Beleuchtungsmanagement sparen könnte. Wie an vielen Schulen so brennt auch am Kollwitzplatz viel zu oft das Licht in Fluren und Klassenräumen, obwohl es gar nicht gebraucht wird.

Die meisten „Köpfchen statt Kohle“-Projekte finden im Winterhalbjahr statt, weil Heizenergie- und Stromverbrauch dann am höchsten sind. Die Grundschule im Blumenviertel hat sich jedoch Gedanken gemacht, wie Energie- und Klimathemen auch im Sommerhalbjahr platziert werden können. Irmtraud Pelzl, die als Lehrkraft auch die Naturwissenschaft an der Schule verantwortet, möchte gerne die Schulwegmobilität im Rahmen von „Köpfchen statt Kohle“ untersuchen. Falls sich eine interessierte Schülergruppe findet, wird nach den Osterferien eine große Befragung darüber stattfinden, wie die Schüler zur Schule kommen – zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem ÖPNV oder mit dem Auto. Aus den Ergebnissen soll der mobile CO2-Fußabdruck der Schule errechnet werden und sollen Vorschläge entwickelt werden, um die Schulwege der Blumenviertel-Schüler noch klimafreundlicher zu machen. Falls sich aber jetzt keine interessierte Schülergruppe findet, die das Projekt – unterstützt durch die „Köpfchen statt Kohle“-Coaches – anpacken möchte, soll es zu Schuljahresbeginn im Rahmen des Mathematik-Unterrichts gestartet werden, wenn statistische Erhebungen und Auswertungen auf dem Lehrplan stehen. Auch Heizenergie könnte im kommenden Schuljahr wieder zum Thema werden. Zwar sind die im letzten Schuljahr bereits aufgedeckten Probleme in der Turnhalle nur zum kleineren Teil gelöst worden – ein überdimensionierter Warmwassertank ging glücklicherweise kaputt und wurde durch neue energieeffiziente Technik ersetzt, aber die Heizungsregelung der Turnhalle ist nach wie vor defekt und lässt weder einen energiesparenden Betrieb noch ein angenehmes Arbeitsklima für Lehrkräfte und Schüler zu. Aber die Schule hat eine von PCE gesponserte Wetterstation eingerichtet, die bei den Schülern sehr viel Interesse findet. Im Winterhalbjahr könnte man damit z.B. für die Schule eine genaue Heizbedarfsanalyse erstellen und den Zusammenhang von Außen- und Innenraumtemperatur untersuchen. Unser Foto (oben) zeigt Irmtraud Pelzl am Empfangsgerät der Wetterstation, das mit einem Computer verbunden eine laufende Aufzeichnung von Klimadaten ermöglicht.

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