Bilanz 2016: Mini-Hausmeister und Hochbegabte – Heizzeiten-Statistik – Neues aus den Schulen

christine_keil_mit_team_unter_den_baemen_01aNach sechs Jahren „Köpfchen statt Kohle“ – und vor dem Beginn weiterer zwei Jahre, in denen stratum den Auftrag hat, die Projekte an den insgesamt 17 Schulen zu betreuen – zogen alle Beteiligten auf einer öffentlichen Veranstaltung im Rathaus Pankow Bilanz. Baustadträtin Christine Keil (auf dem Foto links mit einer Gruppe der Grundschule unter den Bäumen) begründete, warum Energieeffizienz nicht nur eine technische Frage ist: „Wir wissen, dass in den Schulen – wie in öffentlichen Gebäuden allgemein – noch große Potenziale für Energieeinsparung und mehr Energieeffizienz liegen. Baulich kann man das durch energetische Sanierung, durch neue Fenster, bessere Heizanlagen und automatische Gebäudeleittechnik angehen. Abgesehen davon, dass für große Sanierungsmaßnahmen immer noch zu wenig Geld da ist, um hier wirklich bedarfsgerecht vorzugehen, zeigt sich aber in der Praxis auch immer wieder, dass Bauen und Technik eine Nutzerschnittstelle haben, an der sich entscheidet, ob Effizienz tatsächlich realisiert wird. Wir haben z.B. eine Schule in Pankow komplett mit einem Infosystem zur Raumluftqualität ausgerüstet, um Lehrkräften Anhaltspunkte für effektives Lüften zu geben. Das Ergebnis: Nach Lehrerprotesten wurde das System abgeschaltet. Ich traue mich zu sagen: Wenn  das eine „Köpfchen statt Kohle“-Schule gewesen wäre, wäre das nicht passiert.

Mit den inzwischen in die Hunderte gehenden jungen Energiemanagerinnen und Energiemanagern, die in den Pankower Schulen unterwegs sind, so betonte Christine Keil, habe man eine Truppe von „Mini-Hausmeistern“, die dafür sorgten, dass Energielecks aufgespürt, Reparaturbedarf entdeckt und Heizungseinstellungen verbessert werden.

Man solle allerdings nicht den Eindruck bekommen, der Bezirk würde mit den Schülern quasi die Hausmeister einsparen wollen. Die vielen Energieprojekte, die die „Köpfchen statt Kohle“-Teams vorantreiben, machten den Beteiligten großen Spaß und würden von den Schulen als Bereicherung des naturwissenschaftlichen Unterrichts und auch als Teil des sozialen Lernens sehr geschätzt.

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Schulleiter bestätigten dies. Als Vertreter seiner Zunft war Marian Imke, Chef der Grundschule am Hohen Feld, persönlich zu der Bilanzveranstaltung gekommen. An seiner Schule gibt es für die sechsten Klassen jedes Jahr eine kompakte Projektwoche zu erneuerbaren Energien, die vom „Köpfchen statt Kohle“-Team betreut wird, sowie eine ständig am Energiethema arbeitende Gruppe von Viert- und Fünftklässlern. Imke berichtete davon, dass die Projektarbeit genau das Richtige für die ansonsten oft unterforderten Hochbegabten an seiner Schule sei: „Die sind mittlerweile alle im Energieprojekt.“ (Auf dem Gruppenbild der Konferenz ist Marian Imke der dritte von links in der hinteren Reihe.)

Weitere Statements kamen von einigen Schulleitern, die nicht auf der Veranstaltung sein konnten, uns aber schriftlich ihre Einschätzung übermittelt hatten.

dampfkraftwerk03Niklas Stratenwerth, Schulleiter Klecks-Grundschule: „Die Gruppe der Energiemanager an unserer Schule wächst von Jahr zu Jahr. Die Arbeit an interessanten Umweltprojekten wie Solarmobilen oder die Nachbildung eines Dampfkraftwerks führt unseren Schülerinnen und Schülern die Wirksamkeit der Naturwissenschaft vor Augen. Sie verstehen sich als Forscher auf dem Gebiet des Umweltschutzes und bringen sich engagiert bei der Nutzung von Wärmeenergie und Raumklima in unserer Schule ein. Sie lernen hier ganz praktisch und können ihr Wissen 1:1 in die Lebenswirklichkeit transportieren.“

datenlogger_einstellen_01bBernd Woitinek, Schulleiter Grundschule unter den Bäumen: „Heizkostensenkung und Behebung von Wärmelecks an der Hausfassade waren die Top-Themen, mit denen sich unsere Energiemanager in letzter Zeit intensiv beschäftigt haben. Es konnten konkrete Vorhaben umgesetzt werden, die verdeutlichen, dass man gegen Energieverschwendung viel tun kann. Weiter so und ein herzliches Dankeschön an alle Schülerinnen und Schüler und an die Projektbetreuer Richard Häusler und Martin Biermann.

scheeres15Thomas Josiger, Schulleiter Robert Havemann-Gymnasium: „Nach verschiedenen Versuchen mit Energiesparmodellen, z.B. ‚fifty-fifty‘, war ich sehr skeptisch, ob eine Nachhaltigkeit mit ‚Köpfchen statt Kohle‘ möglich ist. Die Zusammenarbeit kam auch nur zustande, weil ich durch die Stadträtin ‚angewiesen‘ wurde, eine Kooperation einzugehen. Glücklicherweise hatten wir an unserer Schule den Kollegen Strube, der in Fragen erneuerbarer Energien sehr engagiert arbeitete und mit seinen Teams auch einige Wettbewerbe erfolgreich gestalten und Geldprämien gewinnen konnte. Diese wurden in weitere Projekte investiert und auch eine AG Energiemanager konnte gemeinsam mit Herrn Häusler arbeiten. Wenn man heute durch die Klassen geht, sieht man auch zur Freude der Klassenlehrer/innen Geräte, die anzeigen, wann die Räume zu lüften sind. Auf alle Fälle leisten die Mitglieder der AG einen konstruktiven Beitrag zum energiebewussten Handeln, erlernen statistische Erhebungen und Auswertungen anzulegen und computergestütztes Arbeiten. Herr Häusler selbst ist auch sehr pfiffig. Er steht beim Besuch der Schule durch die Senatorin jedenfalls neben ihr – und nicht ich.

kummerkasten_03Einen großen Teil der Bilanzkonferenz bestritten Schülerinnen und Schüler selbst. Aus den Schulen am Falkplatz, unter den Bäumen und aus der Homer-Grundschule waren Abordnungen gekommen, um ihre Arbeit vorzustellen und auch über Probleme zu berichten, für deren Lösung sie manchmal die Unterstützung der Bezirksverwaltung benötigen. So berichteten die Energiemanager vom Falkplatz zum Beispiel darüber, dass die WLAN-Verbindung von ihrem Rechner zum Heizungsserver immer wieder abbricht, so dass sie während der Hälfte ihrer wöchentlichen Projekttermine im Winterhalbjahr die Überprüfung und Einstellung von Heizzeiten und Temperaturen gar nicht vornehmen konnten. Große Resonanz hatten die Falkplatz-Schüler mit schulweiten CO2-Lüftungswettbewerben. Sie möchten sie gerne fortsetzen, um in allen Klassen Aufmerksamkeit zu bekommen und energieeffizientes und wirksames Lüftungsverhalten zu vermitteln. Mit drei orangefarbenen „Kummerkästen“ (Foto), die im Schulhaus verteilt sind, fordern sie zudem alle Schüler und Lehrkräfte in ihrer Schule auf, sich mit Beobachtungen und Ideen rund um Energie und Klima zu beteiligen.

Projektleiter Richard Häusler verzichtete auf der Bilanzveranstaltung bewusst darauf, Statistiken und Balkendiagramme zu präsentieren. Eine zeitnah verfügbare und wirklich transparente Datenlage zur Veränderung des Energieverbrauchs in den beteiligten Schulen sei auch nur sehr schwer bis gar nicht zu bekommen, führte er aus. Umbaumaßnahmen, Umstellungen auf Fernwärme oder die Veränderung der Raumnutzung kämen erschwerend hinzu, so dass die Auswirkungen einzelner Maßnahmen auf den Energieverbrauch kaum zurückzuverfolgen seien. In den zehn Schulen, die über eine zentrale Einzelraumregelung verfügen, haben sich die Energiemanager allerdings leichter überprüfbare Ziele gesetzt. Hier können und wollen sie selbst die Heizzeiten sehr eng an die Stundenpläne anpassen und die Temperaturen möglichst auf 20 Grad begrenzen. Oft ließe sich auch wegen der langsamen Abkühlung bereits ein bis zwei Stunden vor Unterrichtsschluss die Heizung ausstellen. Alle diese Maßnahmen sollen jedoch mit den Klassen rückgekoppelt und in ihren Auswirkungen überprüft werden – was viel Zeit kostet. Außerdem kommen Erschwernisse wie defekte Heizungsventile oder nicht mehr mit der Wirklichkeit übereinstimmende Raumbezeichnungen hinzu, die die Optimierung der Heizzeiten zu einer oft beschwerlichen Aufgabe machten. Die untenstehende Grafik zeigt die Evaluation des letzten Winterhalbjahres.

vergleich_gesamtIn fast allen Schulen ist es den Energiemanagern gelungen, eine Ausweitung der Heizzeiten zu verhindern, teilweise sogar eine Reduzierung zu erreichen. (Über den „Ausreißer“ der Grundschule an der Marie berichteten wir in unserem letzten Beitrag.) Dennoch ist da noch „Luft“ drin, wie Richard Häusler feststellt. In den beiden kommenden Jahren hat „Köpfchen statt Kohle“ den Ehrgeiz, noch deutlichere Einsparungen an Heizzeiten zu erreichen. U.a. soll dies durch konsequente, längere Heizunterbrechungen während der großen Hofpausen geschehen, die für eine wirksame Raumlüftung genutzt werden sollten.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

energiemanager_mit_poster_03An der Carl Humann-Schule ist das Pilotprojekt zum Einstieg in die Energiemanager-Ära erfolgreich verlaufen. Knapp 20 Schülerinnen und Schüler einer vierten Klasse befassten sich im Rahmen des Lebenskundeunterrichts mit Theorie und Praxis des Energiesparens. Auch den Computer für die Heizungssteuerung haben sie inzwischen in ihrem Fachraum stehen. Im kommenden Herbst geht dann eine dauerhafte Projektgruppe an den Start, die das ganze Jahr über am Energiethema arbeitet. Mit einer fünfteiligen Posterserie wollen die Energiemanager ihre Mitschüler informieren und aufklären. Zum Abschluss des Pilotprojekts kamen auch der Hausmeister und die Schulleiterin (hintere Reihe Bildmitte und rechts). Seitens der Schule wird das „Köpfchen statt Kohle“-Team von Kathrin Hillers (hinter Reihe links) mitbetreut.

schories_mit_schuelern_01Im Energiezentrum Pankow, das im Robert Havemann-Gymnasium angesiedelt ist, fand vor kurzem eine Lehrerfortbildung zum Thema „Einsatz von Modellbausätzen für den Energieunterricht“ statt. Im Energiezentrum können Schüler/innen ab der vierten Klasse eine Reihe von Funktionsmodellen zu Solar- und Windenergie bauen. Der wichtigste Lieferant von Bausätzen ist die Firma MS Werklehrmittel. Inhaber und Chefentwickler Markus Schories stellte bei der Fortbildungsveranstaltung die Möglichkeiten der Modelle selbst dar. Die jungen Energiemanager des Havemann-Gymnasiums nutzten die Gelegenheit beim Schopf, um sich Beratung aus erster Hand zu holen. Als Belohnung für die anstrengende Projektarbeit im Winterhalbjahr, als die Schüler intensive Untersuchungen über Raumluftqualität anstellten, dürfen sie in der Werkstatt des Energiezentrums jetzt selbst Modelle bauen. Dabei wollen sie nicht einfach etwas bereits Vorhandenes nachbauen, sondern selbst entwerfen, ausprobieren und optimieren.

collage_pruefung_falkplatzErst jetzt, gegen Ende des Schuljahres, haben alle neu hinzugekommenen Energiemanager/innen an der Falkplatzschule die Theorie-Prüfung abgelegt. Vorher gab es zu viele praktische Aufgaben in der größten Grundschule des Bezirks zu erledigen. Ohne die Theorieprüfung gibt es zum Jahresabschluss kein offizielles Zertifikat. Und auch kein Energiemanager-T-Shirt!

powerhouse_praesentationen_01Die diesjährigen sechsten Klassen der Grundschule am Hohen Feld haben jetzt die Abschlusspräsentationen über erneuerbare Energienutzung gehalten. Nach einer geballten Projektwoche zu Solar- und Windenergie sowie Wasserstoff als Energieträger haben die Gruppen aus jeweils drei oder vier Sechstklässlern, die während des Projekts zusammenarbeiteten, spezielle Fragestellungen bearbeitet. Sie wissen jetzt recht genau, wie aus Wind oder aus Sonnenlicht elektrischer Strom werden kann, was eine Elektrolyse ist und wie eine Brennstoffzelle funktioniert.

destillation01In den “Köpfchen statt Kohle”-Projekten stehen zwar jede Menge definierter Aufgaben für die beteiligten Schülerinnen und Schüler an, aber als pädagogisches Grundprinzip setzen die Betreuer auf möglichst viel Eigenaktivität der jungen Energiemanager. Dazu gehört auch, dass die Forschungsfragen der jungen Menschen und ihre eigenen Ideen, wie man den Dingen auf den Grund gehen kann, viel Raum bekommen. So kann es passieren, dass z.B. ein nebensächlicher Aspekt eines Themas – wie die Verwendung von destilliertem Wasser für die Herstellung von Wasserstoffgas, mit dem ein Brennstoffzellen-Fahrzeug betankt werden soll – plötzlich für ein paar Schüler zum interessanten Hauptthema wird. Wie kann man Wasser destillieren? In der Grundschule am Sandhaus begannen die Schüler selbst mit einfachen Versuchsaufbauten dazu. Da Destillation durchaus auch was mit Energie zu tun hat, kann es sein, dass wir uns zu Beginn des nächsten Schuljahres damit auch mal etwas intensiver auseinandersetzen.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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