Umweltbewusstsein braucht Grundlagen – Eine Schule reißt aus – Elternversammlung beschäftigt sich mit dem Lüftungsthema

licht_aus_01Fragt man heutige Grundschüler zum Thema „Energiesparen“, so erscheinen sie voll informiert und voller Umweltbewusstsein. Das Klima ist zu schützen, Ressourcen müssen gespart werden und Solarzellen sind der Inbegriff von Energie überhaupt. Das Ganze ist allerdings viel mehr eine Haltung oder Einstellung – ohne sehr viel belastbares Wissen um Fakten und Zusammenhänge.

Auch die jungen „Energiemanager“, die mit Begeisterung die Heizzeiten am Computer überwachen, Temperaturen messen und CO2-Diagramme interpretieren, können oft nicht erklären, woher die Sonne eigentlich ihre Energie bekommt oder wie aus Kohle, Öl oder Gas in Kraftwerken Strom wird. Deshalb vermitteln die Betreuer von „Köpfchen statt Kohle“ zwischendurch auch dieses Grundlagenwissen. Bewährt hat sich dabei ein pädagogischer Ansatz, der die Antworten nicht quasi frei Haus liefert, sondern versucht, fragend vorzugehen und an die Denk- und Vorstellungsweisen und das vorhandene Wissen der Kinder anzuknüpfen.

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Und natürlich verankert sich Energie-Wissen immer am besten, wenn es mit praktischen Aufgaben verknüpft werden kann. An einigen Schulen bauen die Grundschüler zum Beispiel aus einem Bausatz ein Wärmekraftwerk, in dem aus „Kohle“ (Esbit) Wärme erzeugt wird, die Wasser zum Verdampfen bringt und durch Dampfdruck einen Generator antreibt, der ein Lämpchen zum Leuchten bringt (Bild oben). Die Schülerinnen und Schüler, die sich die Mühe gemacht haben, das gar nicht so einfache Modell selbst zu bauen und zum Laufen zu bringen, werden diesen Zusammenhang nicht mehr vergessen…

powerhouse_08Auch „Power House“-Wochen gehören für einige der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen zum Begleitprogramm der Energiemanager-Projekte. Die beiden sechsten Klassen der Grundschule am Hohen Feld bauten jetzt ihre Styroporhäuser und bestückten sie mit Solar- und Windenergie-Anlage. Dabei beschäftigten sie sich auch mit Wärmeausbreitung und Dämmung. Durch Aufnahmen mit der Thermokamera konnten sie selbst herausfinden, welche Teile der Häuser als „Wärmelecks“ erscheinen (siehe Fotos unten).

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Im realen Schulgebäude geht es den Energiemanagern jedoch meistens nicht um die Wärmedämmung, sondern um die Einstellungen der Heizanlagen. Da viele der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen über eine zentrale Einzelraumsteuerung für die Heizung verfügen, versuchen sie selbst, am Computer die Heizzeiten an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Das gelang ihnen in den meisten Schulen auch im vergangenen Winter. Nur eine Schule, das zeigte jetzt die Auswertung, ergibt einen drastischen Ausreißer im statistischen Vergleich. In der Grundschule an der Marie stiegen die durchschnittlichen Heizzeiten pro Woche im Vergleich zum vorangegangen Schuljahr in den Klassenräumen von 40 auf 55 Stunden, in allen Räumen der Schule zusammen von 32 auf 52 Stunden (siehe folgende Grafik).

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Das mag einerseits damit zusammenhängen, dass die Ausbildung der neuen Energiemanager zu Beginn des neuen Schuljahres recht lange gedauert hat und die Schülerinnen und Schüler kaum dazu kamen, die Heizungseinstellungen tatsächlich flächendeckend zu überprüfen. Zum anderen aber scheint auch der Hausmeister die Heizungseinstellungen wieder auf „Nummer Sicher“ gestellt zu haben. Nahezu alle Klassenräume sind nämlich durchgehend zwischen 7 und 16 Uhr beheizt.

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Eine Anpassung an den tatsächlichen Stundenplan oder gar die Berücksichtigung der langen Hofpausen während des Schultages sind nirgends zu erkennen. Die Einstellungen, die die Energiemanager im Vorjahr gemacht hatten, sind anscheinend alle rückgängig gemacht worden. Für die Schülergruppe an der Marie ist das ein Auftrag für den kommenden Herbst. Ab September wollen sie als erstes die Heizzeiten konsequent an die Stundenpläne anpassen. Denn der nächste Winter kommt bestimmt. Die nächste Statistik aber soll anders aussehen…

energiemanager_havemann_collage_zwei_seitenPläne für das kommende Schuljahr machen auch die Energiemanager des Robert Havemann-Gymnasiums. Mit den Ergebnissen ihrer Untersuchung zum Einfluss von festinstallierten CO2-Messdisplays in Klassenräumen auf das Lüftungsverhalten vor allem der Lehrkräfte wurden sie jetzt von ihrem Schulleiter auf die Elternversammlung eingeladen. Fünf Siebt- und Achtklässler aus der Projektgruppe (Foto oben) hielten einen Powerpoint-Vortrag, in dem sie zeigen konnten, dass durch die Messdisplays zwar die Lüftungshäufigkeit deutlich zunimmt, aber die Effektivität des häufigeren Lüftens ist nicht so hoch wie erwartet. Sprich: Gemessen in Minuten „guter“ Luft (unter 1.000 ppm CO2) sind die Klassen mit häufigerem Lüften nur um 10 Prozent besser.

co2_diagramme_interpretieren_07Die Schüler wollen deshalb im kommenden Winterhalbjahr das Thema weiter vertiefen. Geplant ist eine intensive Informationskampagne in allen Klassen. Auch einen Lüftungs-Wettbewerb zieht die Energiemanager-Gruppe in Erwägung. Außerdem soll weiter gemessen und ausgewertet werden. U.a. möchten die Schüler wissen, welche Lüftungsvarianten tatsächlich am besten sind. Von den Eltern des Havemann-Gymnasiums wurden sie ermutigt, weiter am Thema zu bleiben. Die Eltern zeigten sich stolz darauf, dass ihre Schule mit der Ausstattung der Klassen mit CO2-Messanzeigen im Bezirk Pankow vergleichsweise weit vorne liegt.

wettbewerbssieger_bestimmen_03Auch andere „Köpfchen statt Kohle“-Schulen haben inzwischen Erfahrungen mit dem Lüftungsproblem und möglichen Lösungen gesammelt. In der Grundschule unter den Bäumen wurde jetzt ein Lüftungswettbewerb unter allen fünften und sechsten Klassen ausgewertet und die Gewinnerklasse ermittelt. Auch hier setzten die Schülerinnen und Schüler Datenlogger ein, um über einen längeren Zeitraum CO2-Werte und Temperaturen aufzuzeichnen und auswerten zu können.

co2_messgeraet_erwuenscht_01Vorreiter mit Lüftungswettbewerben ist die Schule am Falkplatz. Hier haben die Fünft- und Sechstklässler bereits im letzten Schuljahr in vier Klassenstufen einen Wettbewerb organisiert. In diesem Winter waren jetzt die letztes Jahr noch nicht beteiligten Klassen dran – die jetzigen vierten und fünften Klassen. An den Ideenkarten, die sich in den drei in der Schule aufgehängten Kummerkästen der Energiemanager sammeln, lässt sich ablesen, dass die zeitlich begrenzten Lüftungswettbewerbe durchaus eine nachhaltige Wirkung haben. Auf den meisten Karten äußern die Klassen den Wunsch, dauerhaft ein CO2-Messgerät für das Klassenzimmer zu bekommen.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

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Auf die bevorstehenden Hof- und Schulfeste bereiten sich einige „Köpfchen statt Kohle“-Teams vor, indem sie Solarautos bauen, um kleine Solarrallyes auf dem Schulhof zu veranstalten. Wie hier in der Grundschule am Sandhaus kommen verschiedene Modelle zum Einsatz. Die komplizierteren werden in der Werkstatt des Energiezentrums Pankow gebaut, einfachere Modelle, bei denen man nur schrauben und löten muss, lassen sich auch im Klassenzimmer konstruieren.

plakatwand_01An die nächste Generation der Energiemanager denken ebenfalls bereits einige Projektgruppen. Denn nur ein Teil der Schüler wird auch im kommenden Schuljahr weitermachen (können), alle derzeitigen Sechstklässler verlassen ja auf jeden Fall die Schule. Um auf „Köpfchen statt Kohle“ aufmerksam zu machen und für neue Interessenten zu werben, haben die Energiemanager der Schule am Falkplatz eine Infowand gestaltet und im Schulhaus an einer Stelle aufgebaut, an der fast alle vorbei müssen.

neue_energiemanager_03Die erste Generation der Energiemanager/innen an der Carl Humann-Schule ist jetzt ausgebildet. Auf Anhieb bestanden alle 19 Lebenskundeschüler der 4b den Theorietest, obwohl ihre Lehrerin, Kathrin Hillers, der Meinung war, der Test sei viel zu schwer für Viertklässler. Umso größer war dann  der Stolz der Kinder auf das Erreichte. Im neuen Schuljahr soll die Energiemanager-Arbeit dann richtig losgehen, nachdem allen klar geworden ist, dass es eine Menge zu tun gibt. Unter anderem soll die problematische Anbringung der Temperaturfühler in den Fensternischen der Klassenräume näher untersucht werden.

monitorshow01Dass die Beschäftigung mit dem Energie-Thema auch Spaß macht, zeigen jetzt vier kleine Videoclips, die die Energiemanager der Homer-Grundschule mit Unterstützung durch das Medienkompetenzzentrum Pankow produziert haben. In den Clips erklären die Schülerinnen  und Schüler ihre Arbeit. Dabei schlüpfen sie in die Rollen eines „Heizungsdoktors“, erklären wissenschaftlich kompetent die CO2-Messung oder führen stolz ihren Messgeräte- und Werkzeugkoffer vor. Im Eingang der Schule laufen die Clips auf einem großen Monitor immer während der Unterrichtspausen.

lieber_herr_jungeIn der Trelleborg-Schule ist die jüngste „Köpfchen statt Kohle“-Truppe unterwegs. Hier sind es Dritt- und Viertklässler, die Mitverantwortung für die Klimabilanz ihrer Schule übernehmen und den Ursachen der Energieverschwendung auf die Spur kommen. Was die Heizungstechnik betrifft, sind die Schülerinnen  und Schüler fast schon professionell unterwegs. So entdecken sie zum Beispiel abgerissene Thermostatventile und machen formvollendete Meldung an ihren Hausmeister (Foto).

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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