Wie geht es weiter mit „Köpfchen statt Kohle“? Projektleiter Richard Häusler verrät die Strategie für das nächste Schuljahr

Was haben die Projektverantwortlichen aus den ersten eineinhalb Jahren gelernt? Und wie sieht die Planung für das neue Schuljahr aus? Anlässlich der Zwischenbilanz-Ausstellung von „Köpfchen statt Kohle“ im Jugendclub K14 befragten wir Projektleiter Richard Häusler dazu, der auf unserem Foto bei einem seiner schulischen Beratungseinsätze zu sehen ist.

Frage: Kann man denn sagen, dass in den Schulen tatsächlich Energie verschwendet wird?

Richard Häusler: Ich denke schon. Viele Schulen sind überheizt. Die Durchschnittstemperaturen in den Klassenräumen liegen oft deutlich über 20°C. Auch die Turnhallen sind meistens sehr viel wärmer als 17°C, ebenso haben wir oft festgestellt, dass Flure und Toiletten unnötig intensiv beheizt werden.

Frage: Wer kann das ändern? Ist das nicht eine Frage falscher Einstellungswerte an der Heizanlage?

Richard Häusler: Ja, das ist sicher die eine Seite des Problems. Die zentralen Einzelraumsteuerungen für die Heizung funktionieren aber nur dann optimal, wenn die Einstellungen in enger Abstimmung mit den Nutzern festgelegt und überwacht werden. Schulklassen können dafür durchaus Verantwortung übernehmen und zusammen mit dem Hausmeister und der Schulleitung das „Energiemanagement“ für ihren Klassenraum eigenverantwortlich übernehmen. Auch technische Defekte werden so schnell festgestellt und behoben.

Frage: Sind denn die Hausmeister überall bereit, sich darauf einzulassen? Das macht doch sicher Mehrarbeit für sie?

Richard Häusler: Voraussetzung ist, dass auch die Hausmeister ausreichend für den Umgang mit der Regelungstechnik qualifiziert und bereit sind, aktiv Verantwortung für die Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäude zu übernehmen. Wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Hausmeister daran interessiert ist, selber besser Bescheid zu wissen. Man muss sie aber auch seitens der Schulleitungen und der Verwaltung einbeziehen und zeigen, wie wichtig sie sind.

Frage: Was können denn die Schüler und Lehrkräfte dazu beitragen, dass ihre Schule Energie spart?

Richard Häusler: Die wichtigste Erkenntnis in eineinhalb Jahren Projektarbeit ist: Das richtige Lüften ist überall – von den Schülern wie den Lehrkräften – nicht gelernt. Die richtige Lüftungspraxis ist jedoch nicht nur ein wichtiges Mittel gegen die Energieverschwendung in den Schulen, sondern auch Voraussetzung für gute Luftqualität in den Klassen räumen. In allen Projekten, die sich damit bisher bei Köpfchen statt Kohle beschäftigt haben, war der CO2-Gehalt in den Klassenzimmern deutlich zu hoch. Deshalb werden wir neben der gezielten Einbindung der Schulklassen in die Heizungssteuerung im nächsten Schuljahr auch eine schulweite Kampagne zur Ausbildung von „Klimamanagern“ an allen „Köpfchen statt Kohle“-Schulen unterstützen. Dazu bräuchten wir eigentlich in allen Klassen gut sichtbare CO2-Ampeln und Thermometer mit großem Digitaldisplay. Mal sehen, ob wir Sponsoren für die Finanzierung finden.

Frage: Am Geld scheitert dann auch wohl manch anderer Vorschlag zur Verbesserung der Energieeffizienz, oder?

Richard Häusler: „Köpfchen statt Kohle“ hat den Auftrag, unterhalb der Schwelle großer Sachinvestitionen zu bleiben. Aber auch hier kann man eine Menge tun und braucht dazu keine allzu großen Finanzmittel. Dort, wo Schülerprojekte teurere Vorschläge entwickeln, wie z.B. die Schule am Falkplatz, wo die Abdichtung von 130 alten Kastendoppelfenstern 20.000 Euro kosten würde, versuchen die Projekte selbst, durch Teilnahme an Wettbewerben das Geld hereinzubekommen. In den meisten Fällen braucht man aber sehr viel weniger Mittel und ist die Anschaffung von 100 schaltbaren Steckdosenleisten für 300 Euro schon das Maximum.

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Keine Regelung funktioniert ohne den Menschen – So kommen Hausmeister ihrer Heizung auf die Schliche

Viele der Schulen, die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitmachen, verfügen über eine zentrale Einzelraumsteuerung. Die Idee dahinter ist faszinierend: Vom Computer aus kann der Hausmeister für jeden Klassenraum, aber auch für die Flure und Toiletten, für Lehrerzimmer und Kantine genaue Vorgaben über die Heizzeiten und die gewünschten Temperaturen machen und sie jederzeit an die Bedürfnisse der Schüler und Lehrer anpassen. Soweit die Theorie. Dass die Praxis oft ganz anders aussieht, bewies der Hausmeister-Workshop, zu dem „Köpfchen statt Kohle“ in die Grundschule am Kollwitzplatz eingeladen hatte. Für das Gruppenbild des Workshops (siehe oben) hat sich auch Claudia Tiedemann ablichten lassen, die seitens der Verwaltung die Hausmeister an den Schulen des Bezirks Pankow betreut.

An dem Workshop unter Leitung des Technik-Experten Jens Clemen von der Firma Sauter FM nahm auch ein Lehrer der Grundschule, Michael Temme, teil, der hinterher feststellte: „Das ist schon toll, was man alles selber machen kann!“ Aber auch machen muss.

Denn vor Ort überprüften die Hausmeister die Einstellungen der Heizungsregelung für einzelne Räume an der Schule und verglichen sie mit der Realität, sprich der Temperatur in den Räumen. Dabei stellte sich heraus:

  • Es gibt Räume, in denen ist die Temperatur tatsächlich viel höher, als das der Computer angibt.
  • In manchen Räumen scheint die Heizung ständig aus zu sein, wenn man den Informationen am Computer glaubt, und dennoch ist es ordentlich warm.
  • In manchen Klassenzimmern sind drei von vier Heizkörpern kalt, nur einer heizt fleißig vor sich hin.

Um den Ursachen für solche Widersprüche auf den Grund zu gehen, griff Jens Clemen zur Rohrzange und schraubte eines der Regelventile an einem Heizkörper ab. Prompte Erkenntnis: Dieses Ventil reagiert überhaupt nicht, es schließt nicht mehr. Am Steuerungscomputer war dies nicht erkennbar. Ein Einzelfall? Michael Temme, der eine Schüler-Projektgruppe im Rahmen von „Köpfchen statt Kohle“ betreut, stellt fest: „Nach unseren intensiven Messungen in der ganzen Schule, sind wahrscheinlich 11 Räume verdächtig, weil sie sich nicht richtig steuern lassen.“ Temme machte zusammen mit seinem Hausmeister die Probe aufs Exempel: Auch in einem anderen Klassenzimmer erwies sich das Steuerungsventil an der Heizung als defekt (siehe Foto oben). Damit ist das Ziel für das Energieprojekt im kommenden Schuljahr schon klar: Noch vor der Heizperiode sollen zusammen mit dem Hausmeister alle Ventile überprüft werden. Erst wenn die defekten Ventile ausgetauscht sind, sollen die Klassen dann die Möglichkeit bekommen, ihre Räume am Steuerungscomputer selbst einzustellen. Damit sie auch wissen, was sie tun, werden Schüler und Lehrer von der Energie-Projektgruppe vorher in die Steuerung eingewiesen. Zweifel, ob Grundschüler mit dem Heizprogramm umgehen können, konnte Michael Temme auf Grund seiner Erfahrungen zerstreuen: „Das Programm ist auf der Benutzeroberfläche so einfach, das verstehen die Schüler auch. Und außerdem nehmen sie es sehr ernst und machen sicher nicht absichtlich Quatsch.“

Auch die Hausmeister fühlten sich durch den Workshop motiviert, in Zukunft mit der Heizungssteuerung aktiver umzugehen. Andreas Sieber (Homer Grundschule) und Hans-Jürgen Hoeltke (Grundschule an der Marie) liehen sich dafür gleich je eines der digitalen Thermometer aus, mit denen die Schüler am Kollwitzplatz arbeiten (siehe Foto oben). Auch sie wollen ihrer Heizung und den defekten Ventilen demnächst auf die Schliche kommen.

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Gute Projektarbeit muss auch öffentlich gemacht werden – Bezirksstadträtin Christine Keil lobt die innovativen Ansätze von „Köpfchen statt Kohle“ – Energieprojekte sollen über 2013 hinaus fortgesetzt werden

Schulleiter, Lehrerinnen und Lehrer, die Presse und zwei Bezirksstadträtinnen waren zur Eröffnung der Posterausstellung „Am Ende zahlen wir alle“ in den Jugendclub K14 gekommen, um eine Zwischenbilanz des Energieprojekts „Köpfchen statt Kohle“ zu ziehen. Christine Keil, die die Abteilung „Jugend und Facility Management“ des Bezirks Pankow führt, erläuterte, warum sie „Köpfchen statt Kohle“ nicht als Fortsetzung früherer Energiesparinitiativen an den Schulen versteht, sondern als innovativen Schritt, der in die Zukunft führt.

Ausdrücklich hob sie hervor, dass mit „Köpfchen statt Kohle“ nicht nur gute pädagogische Projekte in den Schulen stattfänden, sondern zum ersten Mal auch eine breite Öffentlichkeitsarbeit über die Projekte hergestellt wird. Das sei nicht nur für die öffentlichen Auftraggeber als Aktivitäts- und Erfolgsnachweis wichtig, sondern motiviere auch die Schulen und andere öffentliche Einrichtungen, sich zu engagieren. Dass das Ziel von „8 bis 10 Prozent Einsparung“ in den vorgesehenen drei Projektjahren erreicht werde, bestätigte Keils Mitarbeiter Jürgen Bornschein, der das Projekt von Seiten der Bauverwaltung mit begleitet. Bornschein wies auch darauf hin, dass die Einrichtung eines regelmäßig zusammenkommenden Projektbeirats unter Moderation von stratum zu den weiteren Erfolgsgeheimnissen von „Köpfchen statt Kohle“ gehöre. Dadurch sei eine enge Abstimmung zwischen den beiden beteiligten Ressorts des Bezirks – Schul- und Baubehörde – sowie der Senatsbildungsverwaltung und den beiden externen Projektdienstleistern (Sauter FM und stratum) möglich. Auf dem Foto oben präsentieren sich bei der Ausstellungseröffnung neben den beiden Bezirksstadträtinnen (im Vordergrund) von rechts nach links: Jürgen Bornschein (Bezirksverwaltung), die Schulleiter Marian Imke (Schule am Hohen Feld) und Thomas Josiger (Robert Havemann-Schule), sowie Burkhard Dirksen (Sauter FM) und Richard Häusler (stratum).

Die Ausstellung bereitet in 14 großformatigen Postern nicht nur die bisherige Projektgeschichte auf, sondern analysiert die Erfahrungen auch unter kritischen Aspekten. Nicht verschwiegen wird, dass die Unterrichtsprojekte in den Schulen oft auf technische und organisatorische Mängel stoßen, die durch ein verändertes Nutzerverhalten allein nicht zu beheben sind. „Aber das ist zusätzlich motivierend für Schüler und Lehrer und hebt den Realcharakter der Projektarbeit“, findet Projektleiter Richard Häusler von der Firma stratum auch hieran etwas Positives. Vielleicht sei es diese konstruktive Grundeinstellung in Verbindung mit einem sehr individuellen Projektzuschnitt, die den bisherigen Erfolg  von „Köpfchen statt Kohle“ ausmacht, vermutete Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (auf dem Foto oben im Gespräch mit Richard Häusler). Sie verriet auch, dass bei den bevorstehenden Haushaltsberatungen der Bezirksverordnetenversammlung über eine Verlängerung der Energieprojekte über das Jahr 2013 hinaus diskutiert werden soll.

Die Ausstellung im K14 (Achillesstr. 14 in Karow) ist noch bis zum 30. März täglich (außer Sonntag und Montag) von 13 bis 20 Uhr (freitags nur bis 16 Uhr) zu besichtigen. Jugendclubleiter Dieter Karger wünscht sich vor allem viele Schulklassen als Besucher, die auch ohne Voranmeldung (Telefon 030.9480064201) kommen können.

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Pankow pusht das Energiebewusstsein in öffentlichen Gebäuden – Ausstellung zieht Zwischenbilanz eines 3-jährigen Innovationsprojekts – Eröffnung mit Bezirksstadträtin Keil am 14. März

Gegen die steigenden Energiekosten will der Bezirk Pankow mit einem neuen Konzept vorgehen. Da in öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Kultureinrichtungen und Ämtern die Nutzer es nicht direkt am eigenen Geldbeutel spüren, wenn Energie verschwendet wird, sucht man nach anderen Motivationsfaktoren. Eine Posterausstellung in der Karower Jugendfreizeiteinrichtung K14 (Achillesstraße 14) stellt die bisherigen Ergebnisse und Erfolge ab dem 14. März der Öffentlichkeit vor. Eröffnet wird die Ausstellung durch Immobilienstadträtin Christine Keil.

In einem auf drei Jahre angelegten Modellprojekt mit dem Titel „Köpfchen statt Kohle“ wird von 2010 bis 2013 getestet, wie Schüler, Lehrkräfte oder Verwaltungsmitarbeiter für energiebewusstes Verhalten gewonnen werden können. Dazu haben sich die Schul- und die Bauverwaltung im Bezirk Pankow zusammengetan. Unterstützt durch zwei externe Dienstleister für die pädagogische und die technische Seite finden seit eineinhalb Jahren Projekte in 15 Schulen sowie testweise auch in einer Verwaltung und einer Freizeit- und Kultureinrichtung statt.

Während frühere Initiativen versucht haben, die Gebäudenutzer durch finanzielle Anreize zu energieverantwortlichem Verhalten zu motivieren, setzt „Köpfchen statt Kohle“ bewusst auf eine „intrinsische“ Motivation. „Damit Schüler, Lehrkräfte oder Verwaltungsmitarbeiter dauerhaft zur Energieeffizienz beitragen, brauchen wir ein besseres Motiv als Geld“, sagt Bezirksstadträtin Christine Keil, die am 14. März um 15 Uhr die Posterausstellung im K14 eröffnen wird. Schon der Titel der Ausstellung – „Am Ende zahlen wir alle“ – zeigt, was damit gemeint ist. Man wolle ein grundlegendes Bewusstsein dafür schaffen, dass öffentliche Gebäude keine Allmende darstellen, die von allen nur ausgenutzt werden kann, ohne dafür bezahlen zu müssen. „Als Steuerzahler stehen wir letztlich für jeden Euro, der für Energiekosten unnötig ausgegeben wird, gerade“, betont Christine Keil. Die kommunale Armut habe auch etwas damit zu tun, wie wir uns als Nutzer öffentlicher Güter verhalten.

Zusammengestellt wurde die Posterausstellung von der Berliner Agentur stratum, die auch die pädagogische Betreuung des Modellprojekts übernommen hat. stratum-Geschäftsführer Richard Häusler freut sich über den bisherigen Erfolg von „Köpfchen statt Kohle“, der seiner Ansicht nach vor allem darauf beruht, dass man nicht nach einem einheitlichen Schema vorgegangen sei, sondern für jede Schule und jedes Gebäude nach individuellen Wegen gesucht habe, die Interessen der Nutzer in die Projekte von Anfang an mit einzubeziehen. Deshalb ist das methodische Spektrum der Projekte sehr breit. Die Ausstellung versucht, diese Breite dennoch zu systematisieren. Ziel des Projekts sei es ja, die Übertragbarkeit und Multiplizierbarkeit des Ansatzes von „Köpfchen statt Kohle“ darzustellen, so Häusler.

Dabei werden aber auch die Schwierigkeiten und Grenzen nicht verleugnet. Beispielsweise seien viele schulische Projekte auch auf technische Mängel gestoßen und habe man feststellen müssen, dass die Hausmeister eine bisher vernachlässigte Rolle spielen. Durch Einbindung von technischen Experten in das Projekt sei es jedoch gelungen, diese Probleme konstruktiv anzugehen und die Schnittstelle zwischen Technik und Mensch in die Projektarbeit zu integrieren. So haben z.B. die Neuntklässler an der Robert Havemann-Schule herausgefunden, welche Einstellungen in der Fernwärme-Heizzentrale mitverantwortlich für die Überheizung ihrer Schule sind, oder lernen Hausmeister in speziellen Workshops, die Einzelraumsteuerung der Heizung zusammen mit Schülern und Lehrern zu optimieren. Um die Nachhaltigkeit solcher Ergebnisse zu sichern, stellt sich Richard Häusler beispielsweise vor, dass künftig jede Schulklasse selbst in Zusammenarbeit mit dem Hausmeister das Energiemanagement für ihren Klassenraum übernimmt und die fünften oder sechsten Klassen im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts regelmäßig am Beginn einer Heizperiode das Funktionieren der Technik durch systematische Temperaturmessungen überprüfen. Die Hälfte des Modellprojekts „Köpfchen statt Kohle“ wird dazu dienen, solche nachhaltigen Lösungen in den Schulen zu etablieren.

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Erste Verbrauchsstatistik vorgestellt – Verhaltensabhängige Einsparpotenziale sind an sechs Schulen besonders hoch

Zum ersten Mal können im Projekt „Köpfchen statt Kohle“ jetzt Vergleiche der Verbrauchsdaten angestellt werden. Für den Heizenergiebedarf lässt sich daraus nicht nur ein Vergleich zwischen den einzelnen Schulen und Einrichtungen ziehen, die an „Köpfchen statt Kohle“ teilnehmen. Auch die Verbrauchsentwicklung über die Jahre 2010 und 2011 ist mit den jetzt vorliegenden Zahlen darstellbar.

Zu den Schulen mit dem größten Heizenergieverbrauch zählen die Robert Havemann-Schule, an deren Heizzentrale auch die Schule am Hohen Feld hängt, die Schule am Falkplatz, die Grundschule im Panketal, die Homer Grundschule und die Grundschule am Kollwitzplatz (siehe Grafik oben).

Um das Potenzial für verhaltensbedingte Einsparungen festzustellen, ist es beim Vergleich der Verbrauchsentwicklung der einzelnen Schulen wichtig, dass die Verbräuche klimabereinigt dargestellt werden, denn in kälteren Wintern muss natürlich mehr geheizt werden als in wärmeren. Die untenstehende Grafik berücksichtigt den Klimafaktor und verdeutlich, welche der Schulen unabhängig von den Wetterbedingungen 2011 relativ mehr Energie verbraucht hat als 2010. Bis auf die Panketal-Schule sind die Mehrverbraucher identisch mit den oben genannten „Großverbrauchern“. Hinzu kommen jedoch jetzt auch noch die Grundschulen im Moselviertel und am Wasserturm.

Der absolute „Spitzenreiter“ in beiden Kategorien ist die Robert Havemann-Schule, die zusammen mit der heiztechnisch angeschlossenen Schule am Hohen Feld über 1.100 Schüler aufweist. Die Spitzenreiterposition beim Mehrverbrauch weist darauf hin, dass nicht nur die absolute Größe den hohen Energieverbrauch verursacht. Tatsächlich gelten große Teile der Robert Havemann-Schule als überheizt. Eine Projektgruppe aus Neuntklässlern geht diesem Problem derzeit im Rahmen eines schulischen „Köpfchen statt Kohle“-Projekts auf den Grund. Der Physik-Unterrichtsraum, in dem sich die Projektgruppe jeden Donnerstagmorgen trifft, hat regelmäßig bereits um 8 Uhr mindestens 26 Grad Raumtemperatur, die trotz mehrerer gekippter Fenster nach zwei Stunden sogar noch angestiegen ist. Ein weiteres Indiz für die Überheizung der Schule fand die Projektgruppe bei der Inspizierung der Heizzentrale, in der die Fernwärmeleitungen ankommen, die die Schule versorgen. Der Blick in die zentralen Steuerungseinstellungen offenbarte, dass die Schule bisher sieben Tage die Woche von morgens 4 Uhr bis abends 22 Uhr unter Volllast beheizt wird (siehe Bild unten). Erste Korrekturen nahm Jens Clemen von Sauter FM bei dem Ortstermin mit den Schülern bereits vor. Warum aber viele Räume stark überhitzt und manche zu kühl sind, wollen die  Neuntklässler noch ganz genau herausfinden. Denn eines ist sicher: An ihrer Schule wird zu viel Energie verschleudert.

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Schüler vom Kollwitzplatz beraten Bezirksstadträtinnen – Allein für Heizung könnte die Schule mehr als 3.000 Euro pro Jahr sparen

Der Klassenraum war schon gerammelt voll, als Christine Keil (Bild li.) und Lioba Zürn-Kasztantowicz (Bild re.) wieder mal in einer Schulbank Platz nahmen. Die beiden Bezirksstadträtinnen leiten die Abteilungen der Pankower Stadtverwaltung, die im Projekt „Köpfchen statt Kohle“ zusammenarbeiten – das Bau- und das Schulressort. Eingeladen hatten sie die Fünft- und Sechstklässler der Grundschule am Kollwitzplatz, die seit fünf Monaten im Auftrag des Bezirks in ihrer Schule nach Energielecks suchen. „Wo kann man Energiekosten sparen und dadurch auch etwas gegen den Klimawandel tun“ war die Frage, auf die die Veranstaltung den beiden Politikerinnen Antworten geben wollte.

Zwei Untersucherteams waren in der Schule unterwegs, die einen („Stromfresser“) konzentrierten sich auf den Stromverbrauch von Computern, Druckern und Smartboards, die anderen („Wärmedetektive“) überprüften die Raumtemperaturen. Die Einsparmöglichkeiten beim Stromverbrauch, die durch Energiekostenmessungen und Hochrechnungen ermittelt wurden, belaufen sich auf knapp 2.000 Euro pro Jahr. Was dabei wenig bringt, ist das ständige Aus-und wieder Einschalten von Druckern und Kopierern. Nicht, weil das Hochfahren der Geräte sehr viel Energie verbraucht, sondern weil die Standby-Verbräuche dieser Geräte minimal sind – hier ergäben sich Einsparungen im Bereich von unter 10 Euro im Jahr. Dagegen fallen die Einsparpotenziale bei Computern, Beamern und Smartboards deutlich höher aus, vor allem wegen der Vielzahl dieser Geräte an der Schule. Am Kollwitzplatz sind 100 PCs, 30 Notebooks, 10 Beamer und 5 Smartboards im Einsatz. Obwohl die „Stromfresser“-Gruppe bei der Berechnung der einsparbaren Kosten die faktischen Nutzungszeiten berücksichtigt hat, ergeben sich erkleckliche Mehrkosten daraus, dass alle diese Geräte ständig am Netz angeschlossen bleiben. „Wenn wir 100 schaltbare Steckdosenleisten anschaffen und die Schüler und Lehrer sie auch benutzen würden, könnte die Schule viele Hunderte von Euros jedes Jahr sparen“, stellten die Schüler fest. Auch unter Berücksichtigung der Anschaffungskosten würden sich die abschaltbaren Steckdosenleisten bereits im ersten Jahr rentieren.

Wasser in den Wein gossen ein paar Mitschüler, die angesichts der Einsparmöglichkeiten fragten: „Was hat aber die Schule davon?“ Denn die Energierechnung zahlt ja nicht die Schule, sondern der Bezirk. Die gleiche Frage warfen auch die „Wärmedetektive“ auf, deren Arbeit dazu führt, dass die Schule künftig über 3.000 Euro Heizkosten pro Jahr sparen und das Klima damit um 34 Tonnen CO2 entlasten könnte.  Die Projektgruppe hatte herausgefunden, dass die Schule im Durchschnitt fast 3 Grad zu warm ist, und ihren Hausmeister dazu motiviert, an der zentralen Heizungssteuerung inzwischen eben diese 3 Grad herunterzuschalten. Obwohl wegen technischer Mängel der Heizungssteuerung bisher nur 2 Grad Reduzierung wirklich in den Klassenräumen angekommen ist, sind alle Lehrkräfte der Schule dankbar für die spürbare Klimaverbesserung. Im nächsten Schritt möchten die „Wärmedetektive“ erreichen, dass die Heizungsanlage genau überprüft und repariert wird, damit die Klassen zusammen mit dem Hausmeister die Räume selbst regulieren können. Von 28 Räumen, die intensiv beobachtet wurden, lassen sich derzeit nur 12 sinnvoll regeln. Man habe jetzt schon Räume auf 11 Grad eingestellt, berichtete Michael Temme, der als Lehrer die Energieprojekte betreut, um im Klassenzimmer dann wenigstens auf 21 Grad zu kommen. Manche Räume würden sogar wärmer, wenn man sie am Heizungscomputer herunterregelt. Um die Mittel für die nötigen Reparaturen zu erhalten, hat sich die Schule am Wettbewerb „Klima & Co“ beteiligt. Etwa 10.000 Euro werden für den großen Anlagencheck und die notwendigen Reparaturen und Neueinstellungen veranschlagt.

Baustadträtin Christine Keil freute sich über dieses Engagement, sagte aber ihrerseits zu, dass sie sich um die Heizungsanlage der Kollwitzplatz-Schule kümmern wolle. Beide Stadträtinnen gaben außerdem ein klares Statement für den Klimaschutz ab, nachdem die Schülerinnen und Schüler im Publikum eine Pro-und Contra-Diskussion begonnen hatten. Die „Klimaskeptiker“ unter ihnen trafen einen neuralgischen Punkt, als sie die Frage stellten: „Was ändert es denn, wenn wir hier an unserer Schule Energie sparen und CO2 vermeiden – und alle anderen tun nichts?“ Dabei zeigten sie zwar eine Folie, die darauf hinwies, wie wenig man sich z.B. in China um den Klimaschutz zu sorgen scheint, aber der Vergleich lässt sich auch auf Berliner Verhältnisse herunterbrechen: Was nützt es, wenn eine Grundschule in Pankow Energie spart und die anderen 50 nicht? Lioba Zürn-Kasztantowicz konnte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass immerhin ein Dutzend der Pankower Grundschule an „Köpfchen statt Kohle“ teilnimmt, auch wenn noch nicht alle so eindrucksvolle Ergebnisse in ihren Energieprojekten erzielt hätten wie die Schule am Kollwitzplatz. Die Frage, was denn die Schule von den erzielten Energieeinsparungen habe, beantwortete Michael Temme aus der Sicht des Lehrers. Durch „Köpfchen statt Kohle“ habe er eine Messgeräteausstattung erhalten, die den naturwissenschaftlichen Unterricht insgesamt verbessere.

Aus Sicht der Schüler scheinen zwei andere Motivationsfaktoren für die Beteiligung an der anspruchsvollen Projektarbeit ausschlaggebend zu sein, die zusätzliche Zeit neben dem Unterricht erfordert. Zum einen die Beschäftigung mit dem Klimaproblem, über das sich alle sehr viel Gedanken machen – fast die Hälfte der Veranstaltungszeit diskutierten die Schülerinnen und Schüler über die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Lebensbedingungen. Das andere Motiv stand auf einer Folie ganz oben, die Schüler präsentierten, um den Sinn der Energieprojekte zu begründen: „Es macht einfach Spaß!“ Was auch durch ein 2-Minuten-Video belegt wurde, das eine Filmgruppe der fünften Klassen über die Rolle des Hausmeisters im Energieprojekt gemacht hat. Mit diesem Video nominieren sie ihren Hausmeister Lutz Domann beim diesjährigen BP-Wettbewerb „Klima & Co“.

Abschlussbild mit den „Wärmedetektiven“: In der unteren Reihe die beiden Bezirksstadträtinnen Christine Keil (li.) und Lioba Zürn-Kasztantowicz (re.). Obere Reihe Schulleiterin Janett Hartig (re.), Lehrer Michael Temme (außen li.), daneben Richard Häusler von der Firma stratum, die die Energieprojekte im Auftrag des Bezirks pädagogisch betreut

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Klima-Bananen und CO2-Experimente – Einblicke in laufende „Köpfchen statt Kohle“-Projekte

Kein Projekt gleicht dem anderen. Weil „Köpfchen statt Kohle“ nicht nur auf die Bedürfnisse der einzelnen Schulen individuell eingeht, sondern auch weil die Situation überall anders ist und außerdem die Schülerinnen und Schüler die Projekte zu einem großen Teil selbst bestimmen, verfolgt jede Schule einen eigenen Weg zu mehr Energieeffizienz. Unsere heutige Übersicht gibt Einblicke in die Aktivitäten von fünf verschiedenen Schulen.

Obwohl die Robert Havemann-Schule ein moderner Bau mit gut isolierten Wänden und Wärmeschutzfenstern ist, haben die Neuntklässler der Projektgruppe gravierende Mängel entdeckt. Viele der Räume in der Schule sind deutlich überheizt – bis über 26 Grad Celsius – und auf jeder Etage wurden defekte Thermostatventile und Temperaturregler entdeckt. Die Regelungsmöglichkeiten der Fernwärme-Heizanlage werden dadurch stark eingeschränkt. Um zu verstehen, wie die Wärmeversorgung des Gymnasiums, an der auch eine Grundschule und die Stadtteilbibliothek angeschlossen sind, funktioniert, lud die Projektgruppe Experten der Firma Sauter FM ein. Jens Clemen (Bild oben rechts) erklärte vor dem Ortstermin in der Heizzentrale die Grundlagen an der Tafel. Das Projekt im Physikkurs will demnächst eine Auswertung der selbst erhobenen Messdaten und Mängelbefunde in der Schulkonferenz vorstellen und konkrete Verbesserungsvorschläge machen.

Nachdem der Hausmeister der Grundschule am Kollwitzplatz die Messungen der Schüler-Projektgruppe zum Anlass genommen hat, die am Regelungscomputer eingestellten Temperaturen für die gesamte Schule um 3 Grad abzusenken, haben die Schüler ihre Kontrollmessungen in den Klassenräumen fortgesetzt. Diese Messungen haben jetzt ergeben, dass die Durchschnittstemperatur aller Etagen um 1,8 Grad gesunken ist. Auch dann war allerdings die dritte Etage immer noch die wärmste im Schulhaus (siehe Grafik). Bevor eine weitere Absenkung am Steuerungscomputer vorgenommen werden kann, muss jedoch erst die Funktionsfähigkeit der Heizungssteuerung sichergestellt werden. Denn dass bei einer zentralen Absenkung um 3 Grad nur 1,8 Grad wirklich im Klassenraum ankommen, ist nicht befriedigend. Die Projektgruppe hat also noch einiges zu tun. Das hohe Engagement des Hausmeisters hat andere Mitschüler motiviert, ihren Hausmeister beim Wettbewerb „Klima & Co“ als „Klimameister“ zu benennen. „Klima & Co“ wird demnächst einen Schulhausmeister prämieren, der die Energie- und Klimaprojekte von Schülern in besonderer Weise unterstützt. Dazu muss ein Zwei-Minuten-Video eingereicht werden, das die Schüler über ihren Hausmeister gedreht haben. Das Filmteam der Kollwitzplatz-Schule hat zu diesem Zweck ein Action-Movie gedreht – mit dem Titel „Klima-Bananen“ (demnächst zum Abspielen auf dieser Website).

Außenwirkung strebt auch die Klasse 5b der Schule am Hohen Feld an, die sich seit dem Herbst mit der Suche nach Energiesparmöglichkeiten beschäftigt. Angeregt durch ihre Naturwissenschafts-Lehrerin Steffi Barchewitz hat die gesamte Klasse jetzt ein Redaktionsteam gebildet, um eine 16-seitige Zeitung über das Energiethema herauszubringen. Alle Schüler und Lehrer werden diese Zeitung erhalten, in der die Schüler nicht nur die Ergebnisse ihrer Messungen und Befragungen zum Raumklima darstellen, sondern auch konkrete Verbesserungsvorschläge machen. Unter anderem plädieren die Fünftklässler dafür, die Heizungen im Winter prinzipiell auf der Thermostateinstellung „1“ zu belassen. „Das reicht für 20 bi2 21 Grad aus und berücksichtigt, dass die Schulkinder im Raum ja auch zu einer Erwärmung des Klassenzimmers beitragen“, so die jungen Temperaturexperten. Als Sympathieträger führt die Karikatur eines Temperaturmessgeräts durch die Zeitung, den die Nachwuchsredakteure „MiniMax“ genannt haben. Der Name könnte für die Botschaft stehen „Temperaturen minimieren – Lebensqualität maximieren“.

Mit einer Zeitung soll auch die Grundschule am Wasserturm über die Energieprojekte von „Köpfchen statt Kohle“ informiert werden. Auch hier ist es die 5b, die in mehreren Projekttagen das Schulklima untersucht hat. Die Auswertung der Temperaturmessungen steht noch aus. In einer Meinungsumfrage unter 240 Schülerinnen und Schülern haben die Fünftklässler jedoch herausgefunden, dass fast ein Drittel nur bereit ist, Energie zu sparen, wenn auch die anderen mitmachen. Dieses Ergebnis zeigt, wie wichtig es ist, dass an der Schule eine „Energiekultur“ entsteht, die immer wieder zu energiebewusstem Verhalten  motiviert. Sogar im eigenen Klassenzimmer der 5b war es bislang üblich, ständig die  Oberlichte gekippt zu halten, wenn es im Winter im Raum zu warm oder zu stickig wurde. Mit einem CO2-Messgerät von „Köpfchen statt Kohle“ wurde deshalb ein Experiment gemacht: Wird durch diese Art der Lüftung tatsächlich eine gute Luftqualität erreicht – oder ist sie pure Energieverschwendung? Wenn alle Oberlichte gekippt, die Klassenzimmertür geöffnet und alle Schüler aus dem Zimmer gegangen sind, dauert es dennoch 20 Minuten, bis die Luftgüteampel von „Rot“ auf „Gelb“ springt. „Grün“ wurde in dieser Zeit gar nicht erreicht, der CO2-Wert lag immer noch über 1.000 ppm. Als Ursache des Problems wurden die nicht zu öffnenden Fensterflügel erkannt. Die Fenster sind versperrt und obendrein sind alle Fensterbänke mit Blumenkästen vollgestellt. Leider sorgen die Grünpflanzen aber nicht für genügend Sauerstoff im Klassenzimmer.

Kontinuierlich arbeitet die Umweltgruppe der Schule am Falkplatz am Energiethema. Die Fünft- und Sechstklässler messen regelmäßig zu Unterrichtsbeginn die Temperaturen in den Klassenzimmern, regeln selbstständig am Computer die einzelnen Räume nach und beziehen seit neuestem auch alle Klassen in die Temperaturkontrolle mit ein. Denn in jeder Klasse hängt neben einem erläuternden Poster eine große Tabelle, in die täglich die Temperatur im Klassenzimmer eingetragen werden soll. Für diese Temperaturkontrolle hat jede Klasse ein Raumthermometer erhalten. Jetzt konnte erstmals auch statistisch der Erfolg dieser konzertierten Aktion der Umweltgruppe nachgewiesen werden. Die Durchschnittstemperaturen sind auf allen Etagen dauerhaft gesunken und erreichen nahezu die Normtemperatur von 20 Grad Celsius (siehe Grafik). Der Energieverbrauch kann somit nur noch weiter gesenkt werden, wenn es der Umweltgruppe gelingt, die alten Kastendoppelfenster abdichten zu lassen. 130 dieser Fenster gibt es noch an der Schule. Die Mittel für die Abdichtungsmaßnahme will die Umweltgruppe unter Leitung von Ingrid Temme und Steffen Schoolmann durch die Beteiligung am Wettbewerb „Klima & Co“ erzielen.

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Über Nacht 3 Grad runter – Hausmeister nimmt Ergebnisse eines Schülerprojekts ernst – Diskussion mit den „Klima-Stadträtinnen“ geplant

Kaum hatten wir von den Messergebnissen der Schülergruppe an der Kollwitzplatz-Schule berichtet, setzte Hausmeister Lutz Domann sie in die Tat um. Nachdem die Schülerinnen und Schüler nachgewiesen hatten, dass es in der ganzen Schule bereits morgens zu Schulbeginn in den Klassen um zwei bis drei Grad zu warm ist, zog er den logischen Schluss, die Richttemperatur am Regelungscomputer der Heizung um ganze drei Grad zu senken. Seit Wiederbeginn der Schule nach den Winterferien haben zwar viele Lehrkräfte bemerkt, dass die Räume nicht mehr so warm sind wie vorher, aber die meisten begrüßen das sehr – nicht in erster Linie aus Energiespargründen, sondern wegen des Komforts. Vor allem in der zweiten Etage der Grundschule am Kollwitzplatz war es den Lehrkräften oft viel zu warm.

Um zu überprüfen, ob die 3-Grad-Reduzierung wie beabsichtigt auch überall in den Klassenräumen ankommt, gehen die Wärmedetektive in den nächsten Tagen wieder mit ihren Messgeräten durch die Schule. Die Messwerte werden am Computer von den Schülerinnen und Schülern selbst ausgewertet (siehe Bild). Schon aus der ersten Messaktion wissen die Untersucher, dass einzelne Räume „ausscheren“ und entweder viel kühler oder viel wärmer sind als der Durchschnitt. Woran das liegen kann, will man zusammen mit dem Hausmeister und weiteren Experten herausfinden. Vermutlich weist die Heizungsregelung in der Schule auch einige technische Mängel auf. Unter anderem steht einer der Außenfühler im Verdacht, nicht richtig zu funktionieren, und auch defekte Heizkörperventile hat die Messaktion bereits aufgedeckt.

Langfristig will die Projektgruppe erreichen, dass jede Klasse ihr eigenes Energiemanagement übernimmt, indem sie – überwacht durch den Hausmeister – selbst die Einstellung der Heizzeiten und Richttemperaturen für ihren Klassenraum übernimmt. Voraussetzung dafür ist, dass die Regelung technisch einwandfrei funktioniert. Für den großen Anlagencheck und die eventuell nötigen Reparaturen sowie die Realisierung des Direktzugriffs der einzelnen Klassen auf ihre Einzelraumsteuerung sind Finanzmittel erforderlich, die schätzungsweise zwischen 5.000 und 10.000 Euro liegen. Diese Mittel möchten die Wärmedetektive vom Kollwitzplatz beim Wettbewerb „Klima & Co“ gewinnen. Und weil Hausmeister Lutz Domann sie so tatkräftig beim Energiesparen unterstützt, dreht eine andere Schülergruppe derzeit ein kleines Video, das ebenfalls bei „Klima & Co“ eingereicht werden kann. Im Erfolgsfall darf sich der Hausmeister dann offiziell „Klimameister“ nennen – was auf unserem Bild oben bereits vorweggenommen ist.

Die Grundschule am Kollwitzplatz gehört zu den aktivsten „Köpfchen statt Kohle“-Schulen. Unterstützt durch ihren Lehrer Michael Temme sind hier mehrere Projektgruppen unterwegs, die sich mit Energie-, Ressourcen- und Umweltfragen nicht nur theoretisch beschäftigen. Die „Stromfresser“ z.B. haben inzwischen herausgefunden, wie viel Energie man beim Betrieb der fünf elektronischen Whiteboards an der Schule sparen könnte. Auch sie werden auf einem „Energieforum“ der Schule am 27. Februar über ihre Arbeit berichten und Verbesserungsvorschläge machen, die nicht nur in Richtung ihrer Mitschüler und der Lehrkräfte gehen, sondern auch an die Politik adressiert sind. Deshalb nehmen am 27. Februar auch die beiden zuständigen „Klima-Stadträtinnen“ Lioba Zürn-Kasztantowicz (Bild rechts) und Christine Keil (Bild links) teil.

Michael Temme hofft, dass seine Schule die Umweltaktivitäten künftig in ihr Schulprofil übernimmt. Nicht nur die Umwelt profitiere von diesen Aktivitäten, betont Temme, sondern auch die Schüler. „In den Projekten lernen die jungen Menschen sehr viel über methodisches Vorgehen, über natur- und sozialwissenschaftliches Fragen und Interpretieren“, betont er. Die Arbeit macht den Schülern außerdem sehr viel Spaß. Die Unterstützung durch Know-how und Messgeräte, wie sie von „Köpfchen statt Kohle“ kommt, setzt zusätzliche Energien frei, die auch die Lernmotivation erhöhen. So ist auch die von PCE gesponserte Wetterstation sofort auf großes Interesse gestoßen (siehe Foto). Sie wird in den nächsten Tagen vom Hausmeister auf dem Dach der Schule installiert und dann nicht nur von den Energieprojekten genutzt. Vielleicht bekommen wir demnächst sogar einen Wetterbericht auf dem „Kanal Kollwitzplatz“.

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Wärmestau in der zweiten Etage – Wärmedetektive der Schule am Kollwitzplatz legen erste Ergebnisse vor

700 Messdaten haben die „Wärmedetektive“ der Grundschule am Kollwitzplatz im November und Dezember des letzten Jahres in insgesamt 33 Räumen ihrer Schule erhoben. Immer am Donnerstagmorgen zwischen 7 und 8 Uhr sind sie mit den Messgeräten, die ihnen „Köpfchen statt Kohle“ zur Verfügung gestellt hat, waren sie unterwegs. Kurz vor den Winterferien zog die Projektgruppe, die aus Schülern der 5a und der 5d besteht, eine erste Bilanz ihrer Forschungen. Diesen Text posteten sie auch gleich an die Pinnwand vor ihrem Klassenraum (siehe Foto oben):

„Wir haben 33 Räume gemessen. Dabei haben wir herausgefunden, dass die mittlere Temperatur aller gemessenen Räume bereits  morgens zwischen 7 und 8 Uhr bei 22,7 oC liegt. Das sind 2,7 oC zu viel. Die höchste gemessene Temperatur betrug sage und schreibe 29,7 Grad Celsius (Raum 207). Unsere Messungen haben auch ergeben, dass die zweite Etage die „heißeste“ ist, hier beträgt die Durchschnittstemperatur 23,8 Grad Celsius (siehe Diagramm). Wir stehen jetzt vor folgenden Fragen:

  1. Wie viel Energie könnte die Schule sparen, wenn wir es schaffen würden, die Durchschnittstemperatur in den Klassenräumen um 2,7 oC auf 20,0 oC zu senken?
  2. Wie groß wäre die Einsparung in Euro und wie viel CO2 würden wir dadurch vermeiden?
  3. Wie sieht in den besonders warmen Räumen der Temperaturverlauf über den Schultag hinweg aus und was tun die Schüler und Lehrer, wenn es in den Räumen zu warm wird bzw. die Luft zu schlecht wird.“

Um diese Fragen zu beantworten, sind weitere Recherchen, Befragungen und Messungen notwendig. Bei einem Ortstermin mit Hausmeister Lutz Domann (siehe Bild unten) machten sich die drei Schülerinnen und vier Schüler mit der Heizanlage und den Regelungsmöglichkeiten vertraut. Nach den Ferien wollen sie zusammen mit Domann am Steuerungscomputer versuchsweise die Einstellungen für die zweite Etage verändern, um anschließend eine Woche lang zu messen, ob sich dadurch die zu hohen Temperaturen in den Räumen in den Griff bekommen lassen.

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PCE wird Sponsor für „Köpfchen statt Kohle“-Schulen – Wetterstationen unterstützen die Energieprojekte

Genaue Wetterdaten am Schulstandort sind in vielen Energieprojekten von Vorteil, um den Heizenergiebedarf zu bestimmen und die Funktionsfähigkeit von zentralen Heizungssteuerungen zu überprüfen. Auch Projekte, die sich mit undichten Fenstern beschäftigen, benötigen genaue Daten über Außentemperaturen und Windgeschwindigkeiten. Da der Sachmitteletat von „Köpfchen statt Kohle“ begrenzt ist, konnten jedoch bisher für die beteiligten Schulen keine Wetterstationen beschafft werden. Hier hilft uns nun ein Sponsoringangebot der PCE Deutschland GmbH, einem großen Distributor für Messgeräte und Regeltechnik.

Sieben „Köpfchen statt Kohle“-Schulen haben dieses Angebot inzwischen angenommen und sind umgehend mit der Funk-Wetterstation PCE-FWS 20 beliefert worden. Als eine der ersten freute sich die Umweltgruppe der Schule am Falkplatz über die Ausrüstung – unser Foto (unten) zeigt einige Gruppenmitglieder zusammen mit den beiden betreuenden Lehrkräften, Ingrid Temme (2.v.r.) und Steffen Schoolmann (3.v.l.). Weitere Schulen, die mit der Wetterstation arbeiten werden, sind die Robert Havemann-Schule (Gymnasium), die Grundschule am Kollwitzplatz, die Schule am Hohen Feld, die Tesla-Schule (Gemeinschaftsschule), die Grundschule im Blumenviertel und die Grundschule unter den Bäumen.

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