Keine Regelung funktioniert ohne den Menschen – So kommen Hausmeister ihrer Heizung auf die Schliche

Viele der Schulen, die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitmachen, verfügen über eine zentrale Einzelraumsteuerung. Die Idee dahinter ist faszinierend: Vom Computer aus kann der Hausmeister für jeden Klassenraum, aber auch für die Flure und Toiletten, für Lehrerzimmer und Kantine genaue Vorgaben über die Heizzeiten und die gewünschten Temperaturen machen und sie jederzeit an die Bedürfnisse der Schüler und Lehrer anpassen. Soweit die Theorie. Dass die Praxis oft ganz anders aussieht, bewies der Hausmeister-Workshop, zu dem „Köpfchen statt Kohle“ in die Grundschule am Kollwitzplatz eingeladen hatte. Für das Gruppenbild des Workshops (siehe oben) hat sich auch Claudia Tiedemann ablichten lassen, die seitens der Verwaltung die Hausmeister an den Schulen des Bezirks Pankow betreut.

An dem Workshop unter Leitung des Technik-Experten Jens Clemen von der Firma Sauter FM nahm auch ein Lehrer der Grundschule, Michael Temme, teil, der hinterher feststellte: „Das ist schon toll, was man alles selber machen kann!“ Aber auch machen muss.

Denn vor Ort überprüften die Hausmeister die Einstellungen der Heizungsregelung für einzelne Räume an der Schule und verglichen sie mit der Realität, sprich der Temperatur in den Räumen. Dabei stellte sich heraus:

  • Es gibt Räume, in denen ist die Temperatur tatsächlich viel höher, als das der Computer angibt.
  • In manchen Räumen scheint die Heizung ständig aus zu sein, wenn man den Informationen am Computer glaubt, und dennoch ist es ordentlich warm.
  • In manchen Klassenzimmern sind drei von vier Heizkörpern kalt, nur einer heizt fleißig vor sich hin.

Um den Ursachen für solche Widersprüche auf den Grund zu gehen, griff Jens Clemen zur Rohrzange und schraubte eines der Regelventile an einem Heizkörper ab. Prompte Erkenntnis: Dieses Ventil reagiert überhaupt nicht, es schließt nicht mehr. Am Steuerungscomputer war dies nicht erkennbar. Ein Einzelfall? Michael Temme, der eine Schüler-Projektgruppe im Rahmen von „Köpfchen statt Kohle“ betreut, stellt fest: „Nach unseren intensiven Messungen in der ganzen Schule, sind wahrscheinlich 11 Räume verdächtig, weil sie sich nicht richtig steuern lassen.“ Temme machte zusammen mit seinem Hausmeister die Probe aufs Exempel: Auch in einem anderen Klassenzimmer erwies sich das Steuerungsventil an der Heizung als defekt (siehe Foto oben). Damit ist das Ziel für das Energieprojekt im kommenden Schuljahr schon klar: Noch vor der Heizperiode sollen zusammen mit dem Hausmeister alle Ventile überprüft werden. Erst wenn die defekten Ventile ausgetauscht sind, sollen die Klassen dann die Möglichkeit bekommen, ihre Räume am Steuerungscomputer selbst einzustellen. Damit sie auch wissen, was sie tun, werden Schüler und Lehrer von der Energie-Projektgruppe vorher in die Steuerung eingewiesen. Zweifel, ob Grundschüler mit dem Heizprogramm umgehen können, konnte Michael Temme auf Grund seiner Erfahrungen zerstreuen: „Das Programm ist auf der Benutzeroberfläche so einfach, das verstehen die Schüler auch. Und außerdem nehmen sie es sehr ernst und machen sicher nicht absichtlich Quatsch.“

Auch die Hausmeister fühlten sich durch den Workshop motiviert, in Zukunft mit der Heizungssteuerung aktiver umzugehen. Andreas Sieber (Homer Grundschule) und Hans-Jürgen Hoeltke (Grundschule an der Marie) liehen sich dafür gleich je eines der digitalen Thermometer aus, mit denen die Schüler am Kollwitzplatz arbeiten (siehe Foto oben). Auch sie wollen ihrer Heizung und den defekten Ventilen demnächst auf die Schliche kommen.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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