Schulhaus-Giebel mal anders – Kummerkasten-Strategie – „Köpfchen statt Kohle“ ist weiter politisch gewollt

die_ganze_truppe_01aÜber zwei ungewöhnliche Giebelwände freuen sich die Energiemanager der Grundschule unter den Bäumen in Berlin-Blankenburg. Nachdem sie im letzten Winter moniert hatten, dass die zahlreichen Spechtlöcher in den beiden gedämmten Giebelfassaden ihrer Schule Wärmelecks darstellten, die sie mit der Thermokamera belegen konnten, war das Baureferat des Bezirks aktiv geworden. Rechtzeitig zur nächsten Heizperiode wurden die Löcher nicht nur abgedichtet, sondern auch der Versuch einer nachhaltigen Lösung unternommen.

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An beiden Giebelwänden wurden mehrere Nistkästen-Batterien für Höhlenbrüter eingebaut, um die Vögel davon abzuhalten, die Fassade aufzupicken. Man setzt auf die Bequemlichkeit der gefiederten Schulhaus-Nachbarn, die einem solchen Angebot für schöneres und zerstörungsfreies Wohnen vermutlich nicht widerstehen können. Falls diese Rechnung nicht aufgeht, hat die Bauverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund eine zweite Option in die Hauswände eingebaut – an jeder Seite des Hauses wurden ganz oben in die Giebelwände je zwei große Greifvögel-Nistkästen integriert. Die Beutegreifer sind sozusagen die Polizei, die pickfreudige Spechte fernhalten sollen. Sobald es jetzt winterlich kalt wird, wollen die jungen Energiemanager die Situation auch wieder mit der Wärmebildkamera weiter beobachten und dokumentieren.

kummerkasten_01Auf ihrer „Klimatour“ durch Pankower Schulen besuchte Baustadträtin Christine Keil jetzt zwei Grundschulen, die etwas gemeinsam haben: Gerüste und Planen vor den Fenstern und Bauarbeiter überall im Haus. Die Schule am Falkplatz und die Carl Humann-Grundschule liegen im Prenzlauer Berg und haben neben steigenden Schülerzahlen auch umfangreiche bauliche Sanierungen bei laufendem Betrieb zu bewältigen. Die Jungen und Mädchen, die sich in diesen Schulen als „Energiemanager“ betätigen, können Baulärm, Dreck und Chaos aber auch etwas Positives abgewinnen. In knallorangenen Briefkästen sammeln sie jetzt die Ideen ihrer Mitschüler für eine Verbesserung der Situation in der Schule.

besuch_der_stadtraetin_05Im Gespräch mit den Fünft- und Sechstklässlern am Falkplatz erinnerte sich die Baustadträtin daran, dass eine Abordnung von Schülern vor zwei Jahren bei ihr im Weißenseer Rathaus war, um eine Petition gegen die zahlreichen undichten Fenster abzugeben. „Und jetzt werden die Fenster bereits alle von Grund auf saniert“, freute sich Christine Keil. Die Schüler fanden das ebenfalls gut, verwiesen aber gleichzeitig darauf, dass mit den gut abgedichteten Fenstern jetzt eine neue Herausforderung entsteht. Um auch im Winter gute Luft in den Klassenräumen zu haben, müssen Lehrer und Schüler das richtige Lüften lernen. Mit CO2-Messgeräten, die die jungen „Energiemanager“ in den Klassen aufstellen, wollen sie das unterstützen. Damit während längerer Lüftungspausen keine Energie verlorengeht, haben die Schüler Zugriff auf die Computersteuerung der Heizung. Hier können sie festlegen, dass die Thermostate dann schließen, wenn niemand im Raum ist. Die Anpassung der Heizzeiten an den tatsächlichen Stundenplan, ist ebenfalls Aufgabe der Schüler. An der Falkplatzschule gab es auch Zertifikate für die Energiemanager, die außerdem ihre „Kummerkästen“ vorstellten, in die Schüler und Lehrkräfte künftig ihre Ideen fürs Energiesparen werfen sollen. Christine Keil (Foto oben, Bildmitte) neben Schulleiterin Sabine Bachmann.

enthuellung_01In der Carl Humann-Schule wird diese Möglichkeit im Rahmen der derzeitigen Baumaßnahmen gerade neu geschaffen. Mit Thermostatventilen, die jeder einfach auf- und zudrehen kann, haben die Schülerinnen und Schüler, die sich im Rahmen des Lebenskundeunterrichts für das Energiesparen engagieren, keine guten Erfahrungen gemacht. „In den Toiletten waren im Winter immer die Fenster ständig offen und die Heizungen standen auf Stufe 5“, berichten sie. Daran möchten sie dauerhaft etwas ändern. Dabei haben sie die volle Unterstützung ihrer Schulleiterin Katrin Meissner ebenso wie von der Lebenskundelehrerin Kathrin Hillers.

besuch_stadtraetin_carl_humann_schule_04An beiden Schulen enthüllte Baustadträtin Christine Keil bei ihrem Besuch eine Plakette, die die Schule als „Köpfchen statt Kohle“-Schule ausweist. „Wir machen Zukunft“ steht darauf. Die Stadträtin versprach den Schulen, dass „Köpfchen statt Kohle“ auch in den nächsten Jahren durch einen beauftragten externen Dienstleister weiterhin unterstützt werde. Die Carl Humann-Schüler präsentierten Messgeräte und ein Plakat. Christine Keil (Foto rechts, Bildmitte) neben Schulleiterin Katrin Meissner und Lebenskunde-Lehrkraft Kathrin Hillers.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

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Mission completed – jeden Dienstagmorgen befreien die jungen Energiemanager der Grundschule am Falkplatz wieder ein paar Klassenräume von unnötigen Heizzeiten. Jede Stunde zählt, spart Energie und schont das Klima, davon sind sie überzeugt. Dafür stehen sie einmal die Woche besonders früh auf. Die Energie-Projektgruppe an dieser Schule trifft sich nämlich zusammen mit ihrem Lehrer Elia Henze und dem externen Projektbetreuer der stratum GmbH, Richard Häusler, schon Punkt 7 Uhr in der Schule.

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Zu den Lerneffekten, die die Teilnahme an den „Köpfchen statt Kohle“-Projekten mit sich bringt, gehört zum Beispiel auch, dass die Kinder lernen, wie Strom aus Bewegung entsteht. Das wird jedoch nicht nur theoretisch vermittelt, sondern durch Experimentieren und Erleben. Zu diesem Zweck tourt nicht nur jedes Schuljahr das „Energierad“ durch die Schulen, die bei „Köpfchen statt Kohle“ mitmachen. Die Betreuer des Programms bringen auch immer wieder neue spielerische Ideen mit – wie z.B. den „Dynamocopter“, einen Leichthubschrauber, den die Kinder durch Drehen an einem Dynamo selbst fliegen lassen können. Erlebnis und eigenes Ausprobieren und Handeln, so ist man bei „Köpfchen statt Kohle“ überzeugt, liefert die besten Lernergebnisse auch in Sachen „Energie“.

planung_am_grundriss01Die „Köpfchen statt Kohle“-Energiemanager wollen aber nicht nur etwas lernen, sondern an ihre Schule auch die Energiebilanz verbessern. Dazu fixieren sie zum Beispiel in der Grundschule am Hohen Feld die an sich drehbaren Heizungsthermostate auf einer Einstellung, die für angenehme Temperaturen sorgt, ohne dass jedoch überhitzte Räume durch Fensterlüftung „reguliert“ werden. Denn dabei geht viel Energie verloren, wissen die Grundschüler. Um den richtigen Fixierpunkt am Thermostaten zu finden, ist auch die Lage eines Schulraumes innerhalb des Gebäudes wichtig. Deshalb planen die Schüler ihre Aktion unter anderem anhand der Grundrisse sämtlicher Etagen in ihrer Schule. Auf den Grundrissen dokumentieren sie auch die vorgenommenen Einstellungen für jeden einzelnen Raum.

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Ideale Bedingungen haben die Energiemanager in der Paul Lincke-Schule derzeit noch nicht für ihre Arbeit. Der Unterrichtsraum für Naturwissenschaft (Nawi-Raum), wo sie sich treffen, ist nicht nur etwas zu klein, sondern es ist auch noch ein reiner „Kreidetafel-Raum“. Ein elektronisches Smartboard mit Internet-Anschluss, damit die Schüler selbst recherchieren und Videos und Animationen für ihre Lernarbeit nutzen können, soll allerdings bald angeschafft werden. Derzeit beschäftigen sich die Schüler neben der Heizungssteuerung auch mit regenerativen Energien. Dabei lernen sie, wie in einer Solarzelle aus Licht elektrischer Strom wird oder warum ein LED-Lämpchen nur leuchtet, wenn das den Strom erzeugende Windrad sich in der richtigen Richtung dreht. Um die Lern- und Experimentiermodelle von einer Woche auf die andere sicher zu verstauen, muss der das Projekt begleitende Lehrer, Ralph Brinkmeier, auf den Tisch klettern; nur oben auf dem drei Meter hohen Schrank ist noch Stauraum frei…

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Es sind immer mehrere Themen, die die Energiemanager-Gruppen parallel und arbeitsteilig bearbeiten. In der Grundschule am Sandhaus sieht das so aus, dass beispielsweise ein Teil der Schüler sich für das Einstellen von Messgeräten interessiert, die in Klassenräumen aufgestellt werden, damit Schüler und Lehrer objektiv feststellen können, wie warm es ist und wie hoch die CO2-Werte der Luft sind. Ein anderer Teil der Gruppe lernt anhand von Videos, was elektrischer Strom eigentlich ist – nämlich Elektronenbewegung, während wieder andere sich mit einer Nutzanwendung beschäftigen und Solarpanels an Fenster anbringen, mit denen sie ihre Handys aufladen können. Wieder andere machen Versuche mit einem Generator noch einmal, um das Prinzip der Umwandlung mechanischer in elektrische Energie zu verstehen. Diese Differenzierung, so Projektleiter Richard Häusler, macht es möglich, dass sich die Kinder ihren eigenen Weg zur Thematik erschließen. „Mit der eigenen Neugier und ihrem individuellen Lernstil kommen die Kinder am weitesten“, ist Häusler überzeugt.

stats_2015Zugriffe auf die Website von „Köpfchen statt Kohle“ verzeichnet die Statistik inzwischen fast weltweit. Seit 2012 gab es fast 50.000 Views und über 15.000 Besucher auf www.koepfchenstattkohle.org. Die Grafik zeigt die Regionen, aus den gelb markierten Ländern und Regionen kamen die Besucher bisher, die meisten natürlich (rot markiert) aus Deutschland.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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