Regelungs- und Verhaltensdefizite überall – Energieprojekte werden häufig fündig

In den ersten Monaten des laufenden Schuljahres waren 10 der 15 an „Köpfchen statt Kohle“ beteiligten Schulen sowie die Jugendfreizeitstätte K14 Schauplatz von Aktionen und Projekten, die alle ein Ziel haben – zusammen mit den Nutzern der Gebäude die tägliche Energieverschwendung in den Griff zu bekommen. Unsere kurze Bestandsaufnahme zeigt: die Regelungs- und Verhaltensdefizite sind überall. In den nächsten eineinhalb Projektjahren wird es darum gehen, praktische Antworten und funktionierende Lösungen zu finden.

Jugendfreizeitstätte K14: Im März 2012 wird in dem Karower Jugendclub die erste „Köpfchen statt Kohle“-Ausstellung stattfinden. Dabei werden auch die energetischen Schwachstellen des K14 beleuchtet. Beim letzten Ortstermin zusammen mit einem Techniker der Firma Sauter FM stellte sich heraus, dass die Möglichkeiten der zentralen Heizungssteuerung überhaupt nicht genutzt werden, sondern alle Tage konstant durchgeheizt wird, unabhängig von der Belegung. Der Hauptgrund liegt wohl in der schlechten Zugänglichkeit und komplizierten Bedienung der Regelungsanlage.

Schule am Hohen Feld: Im letzten Schuljahr hat eine 6. Klasse  im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts das Energieprojekt bearbeitet. Weil die Schüler nach der 6. Klasse aber die Schule verlassen, musste in diesem Schuljahr ein Neuanfang gestartet werden, diesmal in einer 5. Klasse. Damit die Schülerinnen und Schüler auch verstehen, was sie tun, wurde in dieser Klasse der eigentlichen Projektarbeit eine mehrteilige Unterrichtssequenz zum Energiebegriff vorgeschaltet. Da die Schule baulich und technisch in guten Zustand ist, geht es hier in erster Linie um das richtige Lüftungs- und Temperaturmanagement in den Klassen. Denn je dichter die Fenster sind, desto schneller wird die Luft in den niedrigen Klassenzimmern schlecht. Die Projektgruppe arbeitet deshalb nicht nur mit dem Thermometer, sondern misst auch den CO2-Gehalt der Atemluft im Klassenraum. Damit die Erkenntnisse der Projektgruppe nicht auf die eine Klasse beschränkt bleiben, sollen die Ergebnisse in Form einer Schulzeitung veröffentlicht werden.

Thomas Mann-Grundschule: Der „Demokratie“-Kurs aus Schülerinnen und Schülern der 5. und 6. Klassen hat sich an dieser Schule für die Teilnahme an „Köpfchen statt Kohle“ entschieden. Das erste Projekt, das die Gruppe angehen wollte, betraf die Turnhalle, die die meisten als überheizt empfanden. Durch Messungen und Befragungen sollte die Grundlage für Verbesserungsvorschläge gelegt werden. In den Klassen stießen die Interviewer auf großes Interesse und die Erwartung, ihre Ergebnisse bald der Schulöffentlichkeit zu präsentieren. In einem Ortstermin zusammen mit dem Hausmeister und dem technischen Leiter des Bezirksamts machte sich die Projektgruppe auch ein eigenes Bild von der Heiz- und Regeltechnik in ihrer Schule.

Schule am Falkplatz: Diese Schule verdankt ihren Ruf als „Umweltschule“ der ehrgeizigen Umweltgruppe unter Leitung von Ingrid Temme und Steffen Schoolmann. Die Fünft- und Sechstklässler waren von Anfang an bei „Köpfchen statt Kohle“ dabei und nutzten die Unterstützung durch Messtechnik und Projektmanagement, um die Temperatur in allen Klassenräumen auf 20 bis 21 Grad einzuregeln. Im neuen Schuljahr hat die Projektgruppe in allen Klassenräumen Thermometer und Protokoll-Listen aufgehängt, damit sich die Klassen aktiv an der Temperaturkontrolle beteiligen. Da ein Drittel der Fenster in der fast 100 Jahre alten Schule alt und undicht sind, plant die Umweltgruppe eine professionelle Fensterabdichtung. Um die Mittel für die Abdichtung von 130 Fenstern zu erhalten, für die über 2.000 Meter Schlauchdichtung benötigt werden, will die Umweltgruppe ihr Konzept beim Wettbewerb „Klima & Co“ einreichen.

Robert Havemann-Schule: Diese Schule ist erst im zweiten Projektjahr zu „Köpfchen statt Kohle“ dazu gestoßen. Der Physikkurs der 9. Klasse unter Leitung seines Lehrers Christian Strube will im Rahmen eines Mess- und Befragungsprojekts nicht nur herausfinden, wie man die Energieeffizienz der Schule verbessern kann. Die 18 Jungs und das eine Mädchen in dem Kurs sollen sich mit dem Projekt auch methodisches Know-how und systematisches Vorgehen aneignen. Gemessen werden in dem Projekt Temperaturverteilung und Luftgüte in Abhängigkeit von verschiedenen Variablen wie z.B. Lüftungsintensität, Tageszeit oder Raumgeometrie. Schon beim Projektstart fanden die „Köpfchen statt Kohle“-Coaches das gewohnte Bild vor – ein auf 25 Grad aufgeheizter Unterrichtsraum, in dem die ganze Zeit über die Fenster gekippt waren.

Grundschule unter den Bäumen: Ein fünfte Klasse der Grundschule nimmt in diesem Schuljahr an „Köpfchen statt Kohle“ teil. In zwei Phasen beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Energieverbrauch ihrer Schule. In der ersten Phase setzten sie sich mit den verschiedenen Arten der Wärmeübertragung auseinander und lernten als Nutzanwendung die Methode der Thermografie kennen. Durch die Teilnahme an Wärmebildaufnahmen und deren Auswertung erkannten sie, wie Strahlungsverluste an Gebäuden entstehen. Versuchsobjekt war die Turnhalle der Schule. In der zweiten noch bevorstehenden Phase beschäftigt sich die Klasse mit der Temperatur im Klassenzimmer. Dabei werden „Lüftungsmanager“ ernannt, die sich in den Wintermonaten darum kümmern, dass ein Optimum aus Temperatur und Luftqualität in der Klasse erreicht wird.

Homer Grundschule: Schon im letzten Schuljahr nahmen alle vierten Klassen der Homer Grundschule am Energieprojekt teil und hatten so viel Spaß und Erfolgserlebnisse dabei, dass die Schulleitung zugestimmt hat, die Motivation der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen und ihnen die Gelegenheit zu geben, auch im Folgejahr – jetzt als 5.Klassen – weiter am Energiethema zu arbeiten. Um die Energiekompetenz zu vertiefen, wurden als Einstieg die verschiedenen Energiearten behandelt und das Energieverständnis der Schülerinnen und Schüler im Bilderquiz auf die Probe gestellt. Die Auswertung der Temperaturverläufe in den Klassen ergab, dass es den Vormittag über in allen drei gemessenen Klassenräumen durchgängig wärmer als 20 Grad ist – teilweise wurden Temperaturen zwischen 24 und 27 Grad gemessen. Alle Klassen werden die Messungen in den nächsten Wochen fortsetzen und die Messwerte regelmäßig per Fax an „Köpfchen statt Kohle“ durchgeben. In einer abschließenden Energiekonferenz sollen die Ergebnisse besprochen und Vorschläge für eine bessere Temperaturregelung diskutiert werden.

Grundschule im Moselviertel: Nach den Wärmebildaufnahmen im letzten Schuljahr startete das Energieprojekt in der 5b der Grundschule mit einer Einführung in das Messen von Temperaturen. Die Schülerinnen und Schüler lernten den Umgang mit dem Infrarot-Thermometer und erarbeiteten sich eine eigene Vorstellung davon, wie man zu einem verlässlichen Durchschnittswert auf der Basis mehrerer Messungen im Raum kommt. Da das Interesse der Schulklasse sehr groß war, hat uns die Lehrkraft angeboten, den Projektunterricht nach den Weihnachtsferien fortzusetzen.

Grundschule im Panketal: Die drei vierten Klassen nehmen in diesem Schuljahr am Energieprojekt teil. Im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts beschäftigen sie sich mit den Methoden der Temperaturmessung. Dabei kamen verschiedene Messtechniken zur Anwendung (Messung mit Infrarotgeräten und Einsatz von Thermoelement-Messgeräten), um möglichst genaue Ergebnisse zu bekommen. Jede Klasse erstellte für den eigenen Klassenraum eine Messtabelle, um den Temperaturverlauf über einen ganzen Schultag zu erfassen. Auch an dieser Schule stellte sich heraus, dass die Regeltemperatur von 20 Grad meistens und deutlich überschritten wird. In jeder Klasse übernehmen deshalb künftig „Lüftungsmanager“ die Temperaturkontrolle und das energiesparende Lüften. Zwei Poster in jeder Klasse erläutern das Warum und Wie. Außerdem bekam jede Klasse einen Taschenrechner mit integriertem Thermometer. So können nicht nur Messwerte erfasst, sondern auch gleich Tagesdurchschnitte berechnet werden.

Grundschule am Kollwitzplatz: Jeden Mittwoch kommen die Mitglieder der Energie-Projektgruppe – Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen – eine Stunde vor Unterrichtsbeginn bereits in die Schule, um ihr Projekt voranzutreiben. Zu zweit schwärmen sie aus, um auf allen Etagen der Schule und in allen Klassenräumen die Temperatur zu messen und zu protokollieren. In ihren eigenen Klassenräumen messen sie im Stundentakt, um auch den Temperaturverlauf über den Tag hinweg zu erfassen. Fast jede Woche gibt es einen neuen „Temperaturrekord“: „Ich habe heute in der dritten Etage 27,9 Grad gemessen!“, mit dieser Botschaft kommt dann ein Messteam zurück. Eigentlich ist das aber kein Grund zur Freude. Warum die Temperaturen sich im Schulhaus so unterschiedlich darstellen, will das Energieteam als nächstes herausfinden. Zur Kontrolle holt man sich dafür auch die Messdaten, die die Einzelraumsteuerung der Heizanlage ausgibt. Nach den Weihnachtsferien sollen erste statistisch belastbare Auswertungen vorliegen. Die Eingabe der vielen Daten in EXCEL-Tabellen ist für die 11- bis 13-Jährigen keine leichte Aufgabe. Zusammen mit dem Fachlehrer Michael Temme unterstützt auch Hausmeister Lutz Domann die Arbeit der Projektgruppe.

Grundschule am Wasserturm: In der Wasserturm-Schule konnte „Köpfchen statt Kohle“ zum ersten Mal ausprobieren, wie man die Wärmebildaufnahmen der Schule systematisch mit einem Projektunterricht verbinden kann, bei dem sich die Schülerinnen und Schüler auch physikalisches Grundwissen über Thermodynamik aneignen. Ausgehend von kleinen Versuchen wurden hier zunächst die Unterschiede zwischen Wärmeleitung, Wärmeströmung und Wärmestrahlung erarbeitet, um dieses Wissen dann auf die Analyse der Energieverluste des Schulgebäudes anzuwenden. Um sich mit der Wärmebildkamera vertraut zu machen, nahmen die Schüler der Klasse 5b zusammen mit ihrer Lehrerin Petra Roscher zuerst Thermografiebilder von sich selbst auf und analysierten sie. Danach wurden Bilder vom Schulgebäude gemacht und ausgewertet. Unter anderem wurde eine vermutliche Wärmebrücke am Fundament der Turnhalle entdeckt. Auch der Wärmeverlust durch ständig gekippte Fenster im Winter ließ sich durch die thermografische Darstellung eindrucksvoll belegen. Nach den Weihnachtsferien möchte die Klasse ihre Ergebnisse weiter diskutieren und in wettbewerbsreifer Form präsentieren.

In der Grundschule an der Marie, der Grundschule im Blumenviertel und in der Tesla-Schule beginnen die Energieprojekte erst nach den Weihnachtsferien. Wir berichten weiterhin laufend.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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