Die 20 Grad-Allianz – Schüler und Hausmeister machen gemeinsame Sache

Grundschule unter den Bäumen, 10 Uhr morgens. In der 5a bei Klassenlehrerin Ilona Schnutz beginnt wieder eine Doppelstunde „Energieprojekt“. Vier Wochen lang beschäftigt sich die ganze Klasse immer dienstags und donnerstags mit Energiefragen. Heute stehen an der Tafel die großen Themen für diese Woche. In vier Teams bearbeiten die Jungs und Mädchen ihre Aufgaben und schwärmen dazu immer wieder im Schulhaus aus. Das ist kein normaler Unterricht, sondern mehr ein Forschungsprogramm. Neben Lerneffekten zum Thema „Energie“ sollen ja auch tatsächliche Hinweise auf Energieeinspar-Möglichkeiten an der Schule herauskommen.

Eines der Schüler-Teams überfällt den Hausmeister in der Heizzentrale. Hier liegt neben dem Heizraum mit Kesseln, Rohren und Pumpen auch das Büro des Hausmeisters, in dem der Computer steht, mit dem für jeden Raum in der Schule die Heizung einzeln geregelt werden kann. Eine Installation der Firma Schoof Gebäudeelektronik macht das möglich. Die Schülerinnen und Schüler lassen sich vom Hausmeister die Anlage erklären. Als sie vor dem Monitor stehen, stellen sie fest, dass in ihrem Klassenraum eine Temperatur von 21 Grad eingestellt ist. „Das ist zu viel“, ist sich das Team sofort einig. Haben sie sich doch gerade vorhin mit den Empfehlungen beschäftigt, die die Arbeitsstättenverordnung für Arbeitsplätze ausspricht, die den Anforderungen in einem Klassenzimmer entsprechen. „20 Grad sollen es sein“, das wissen alle noch. Ob der Hausmeister die Temperatureinstellung auf 20 Grad einstellen könnte. Er macht es – und alle sehen, wie einfach das per Mausklick geht.

Wieder im Klassenzimmer wird über die Änderung der Temperaturvorgabe gesprochen. Alle Schüler finden es toll, damit einen Beitrag zum Energiesparen zu leisten. Die Lehrkraft runzelt die Stirn, denn sie friert leicht, wie sie meint. Aber das Engagement ihrer Schüler will sie nicht enttäuschen. „Okay, wir probieren das mal aus.“

Schnitt. Homer-Grundschule am Nachmittag. Um 14:30 Uhr sammeln sich zwei Handvoll Schüler aus den vierten bis sechsten Klassen. Es sind die angehenden „Energiemanager“, die dafür sorgen wollen, dass demnächst die Klassen selbst darüber entscheiden, wie und wann ihr Klassenraum beheizt wird. Damit übernehmen erstmalig Schüler eine systematische Verantwortung für die Klimabilanz ihrer Schule. Auch hier steht heute ein Termin mit Hausmeister Andreas Sieber an, der den Schülern die Heizanlage zeigt und erklärt. Die erste Überraschung erlebt die Schülergruppe im Heizungskeller vor den Pumpen der Heizkreisläufe. Daneben befindet sich ein großer Schaltkasten, der eigentlich die Aufgabe hätte, die Vorlauftemperatur an die Außentemperaturen anzugleichen. „Aber das funktioniert schon seit Jahren nicht mehr“, gibt der Hausmeister Auskunft. Der Zugriff auf den Schaltkasten ist auch gar nicht mehr möglich, da das Bedienungsmanual mit den Zugangsdaten verloren gegangen ist.

Doch dann die gute Nachricht: Dank der Initiative von „Köpfchen statt Kohle“ wird der defekte Schaltkasten demnächst ausgewechselt. Freilich währt die Freude über dieser Erfolg nicht lange. Denn oben im Hausmeisterbüro vergleichen die Schüler die Angaben des Steuerungscomputers mit der Realität. So zeigt das Steuerungsprogramm zum Beispiel für das geräumige Hausmeisterbüro einen aktuellen Temperaturwert von 20 Grad an, die Nachprüfung mit dem digitalen Thermometer ergibt jedoch 24 Grad Celsius! Die Schüler suchen nach Erklärungen. „Der Temperaturfühler im Zimmer ist vielleicht kaputt.“ „Vielleicht ist es aber auch das Ventil am Heizkörper. Wenn das nicht mehr richtig schließt…“ Und noch ein Verdacht kommt auf: „Möglicherweise ist das Computerprogramm manipuliert!“ Ob das wirklich sein kann und wo die Fehlerquellen liegen, das wird das „Energiemanager“-Team in der laufenden Heizperiode genau untersuchen. Jeden Donnerstagnachmittag werden die Schüler im Schulhaus unterwegs sein, ausgerüstet mit genauen Thermometern und Luftmessgeräten. Außerdem werden sie einen eigenen PC mit Zugriff auf die Heizungssteuerung bekommen. Auch der Hausmeister bekommt einen solchen neuen Rechner, der dann nicht nur schneller sein wird, sondern an dem auch der gesamte Energie-Verbrauch der Schule besser visualisiert werden kann. Andreas Sieber freut sich auf die Zusammenarbeit mit den Schülern, die eine richtige Energie-Allianz zu  werden verspricht.

Schnitt. Ein Verwaltungsgebäude in Pankow. Auch hier ist eine Einzelraumsteuerung eingebaut. Aber es gibt kein „Energiemanager“-Team. Noch können hier nicht die Nutzer selbst bestimmen, wie warm es an ihrem Arbeitsplatz sein soll. Es erklärt ihnen auch keiner die technischen Zusammenhänge. Ab und an gibt es Beschwerden, es sei  nicht warm genug. Um die Verwaltungsmitarbeiter nicht zu verunsichern, hat man sogar eine intelligente Funktion der Heizungssteuerung erst einmal abgeschaltet, die normalerweise beim Öffnen der Fenster automatisch dafür sorgen würde, dass die Heizungsventile schließen. „Aber wenn ein Nutzer dieses Verhalten der Anlage nicht kennt, wird er besorgt sein, dass die Heizung nicht mehr funktioniert“, sagt der Techniker. Also laufen die Heizungen weiter, wenn gelüftet wird, und versucht das Thermostatventil sogar, gegen die Abkühlung anzusteuern. Natürlich ist das nicht energiesparend. Das Beispiel zeigt, dass Energieeffizienz an der Mensch-Maschine-Schnittstelle ansetzen muss. Technische Lösungen, die die Menschen nicht einbinden, bleiben suboptimal. Wir müssen alle noch dazulernen.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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