„Klasse Klima“ startet an 3 Schulen – Energierad auf Tour durch Pankow – Erste Solartechnik-Fortbildungen in der Lernwerkstatt

Drei Grundschulen in Pankow treten jetzt in eine neue Ära der Energieverantwortung ein: Am Falkplatz, am Kollwitzplatz und in der Pasteurstraße sollen in diesem Winter die Schüler aller Klassen das Energie- und Heizungsmanagement selbst in die Hand nehmen. „Klasse Klima“ heißt das Programm, dem sie folgen. Die drei Schulen haben, wie viele andere in Berlin, eine sogenannte zentrale Einzelraumsteuerung. Das heißt, man kann  für jeden Klassenraum, für die verschiedenen Flure, für die Toiletten und alle beheizten Nebenräume am PC ein Heizregime definieren, das Ober- und Untertemperaturen und die Heizzeiten stundengenau an die Nutzerbedürfnisse anpasst – das Bild oben zeigt ein Bedienfenster des Programms. Natürlich geht das nicht automatisch, sondern es muss jemand, der die Nutzerbedürfnisse kennt, die Einstellungen vornehmen, die für den Normalbetrieb, für Wochenenden und Ferienzeiten gelten sollen.

Darin liegt auch schon eines der Probleme, die in der Vergangenheit dazu geführt haben, dass oft viel zu lange Heizzeiten und auch zu hohe Temperaturen eingestellt waren. Damit war der Hausmeister oder wer auch immer den Steuerungscomputer bedient hat, zwar auf der sicheren Seite, denn es beschwerte sich niemand, dass es zu kalt sei. Dass es umgekehrt oft zu warm in den Schulräumen war und man die Feinsteuerung der Temperatur über die Fensteröffnung vornehmen musste, kostet allerdings unnötig viel Energie. Deshalb soll in den drei „Köpfchen statt Kohle“-Schulen jetzt eine intelligentere Steuerung eingeführt werden, die von den Schülern selbst bedient und überwacht wird, die nebenbei einiges über Energie, Wärmephysik und Heizungstechnik lernen.

Ein weiteres Problem, das bisher kaum lösbar erschien, wird dadurch vermieden. Sobald die Schüler bei der Kontrolle des Raumklimas nämlich feststellen, dass Ventile an Heizkörpern nicht mehr richtig reagieren, können sie rasch ausgetauscht werden. Entsprechende Reparaturmeldungen sollen in Zukunft möglichst auf direktem Weg an die richtige Adresse in der Bezirksverwaltung gelangen. Das wünschen sich jedenfalls die Schulleiter und Lehrkräfte der drei Pilotschulen, die den Eindruck haben, dass das Reparaturmanagement bislang nur schlecht funktioniert hat.

Uwe Blachnik, Schulleiter der Homer Grundschule, Karin Fey, Konrektorin der Schule am Falkplatz, Ingrid Temme und Steffen Schoolmann, Lehrkräfte an dieser Schule sowie Michael Temme, der als Lehrkraft in der Grundschule am Kollwitzplatz die dortigen Energieprojekte betreut, trafen sich jetzt zum ersten Mal, um gemeinsam das Vorgehen beim Start von „Klasse Klima“ zu diskutieren. Das Foto zeigt von links nach rechts Uwe Blachnik, Michael Temme, Ingrid Temme, Steffen Schoolmann und Karin Fey. Die „Energiemanager“ aus den 4. bis 6. Klassen, die in diesen Schulen – in Zusammenarbeit mit dem Hausmeister oder einer Lehrkraft – die Heizungssteuerung für die eigene und nach Möglichkeit auch für Patenklassen aus den Klassenstufen 1 bis 3 übernehmen sollen, werden  durch eine besondere Schulung vorher qualifiziert. Ziel ist es allerdings, die Inhalte dieser Schulung allgemein in den naturwissenschaftlichen Unterricht zu integrieren. Ilse Rudnick, zuständige leitende Schulrätin, teilte mit, dass diese Intention durch die Schulaufsicht voll und ganz mitgetragen und unterstützt wird. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die auch praktische Verantwortung als „Energiemanager“ übernehmen, werden in jedem Fall eine Prüfung ablegen. Sie bekommen dann ein zeugnisrelevantes Zertifikat, das von der Bildungs- und Schulverwaltung ausgestellt wird.

Während in den Schulen am Falkplatz und am Kollwitzplatz bereits Schüler-Projektgruppen bestehen, die sich schon länger mit Energie und Umwelt beschäftigen, ist in der Homer Grundschule für „Klasse Klima“ erstmalig ein Team aus, Viert-, Fünft- und Sechstklässlern zusammengestellt worden.

Um auch andere Schulen zu motivieren, der Energiebildung mehr Platz im Unterricht und in unterrichtsbegleitenden Projekten zu geben, hat „Köpfchen statt Kohle“ ein Energierad (siehe Foto) auf Schultour geschickt. Mit dem Energierad können Schüler, aber auch Lehrer, unter anderem elektrische Leistung ganz körperlich erfahren und beim Treten auf dem Rad erkennen, wie groß die Unterschiede im Energiebedarf zwischen einer Glühbirne und einer Energiesparlampe oder gar bei einem Wasserkocher sind. Speziell für Schulveranstaltungen und Tage der offenen Tür wurde für diesen Versuch ein Wettbewerb konzipiert, bei dem es auch immer etwas zu gewinnen gibt. Bis Weihnachten wird das Energierad in sieben Pankower Schulen unterwegs gewesen sein. Ab Beginn des neuen Jahres können Schulen sich für die kostenlose Ausleihe jederzeit anmelden.

Zur Motivation von Lehrkräften hat die im Aufbau befindliche Pankower Lernwerkstatt „Energie“ jetzt auch erste Fortbildungen veranstaltet. In Zusammenarbeit mit der Robert Havemann-Schule und den dort vorhandenen Arbeitslehre-Werkstätten wurde gezeigt, wie Grundkenntnisse der Solartechnik in Verbindung mit dem Bau von Solarmodellen auch schon in der Grundschule vermittelt werden können. Auf unserem Foto freut sich Werkstattleiter Norbert Hansen über einen ersten selbstgebauten Solarpropeller, der zum solargetriebenen Schiff weiterentwickelt werden könnte. Im praktischen Teil lernten die Lehrkräfte in dem Kurs auch das Laminieren von Solarzellen und das Auflöten der elektrischen Anschlüsse für die Modelle (Foto unten, mitte). Geleitet wurden die Kurse von Diplom-Ingenieur Christian Lutz aus Lüchow.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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