Wieder kommt eine Energiemanager-Schule hinzu – Volle CO2-Kontrolle am Falkplatz – Fragen an den Hausmeister

Eine ewige Baustelle ist die Carl Humann-Schule am Prenzlauer Berg, die Schule wird seit Jahren saniert – bei laufendem Schulbetrieb. „Köpfchen statt Kohle“ war bisher jedes Jahr mit einem mehrmonatigen Energieprojekt im Lebenskundeunterricht von Kathrin Hillers präsent. Jetzt stehen die Zeichen auf Erweiterung.

collage_energiemanger_01Weil im Zuge der baulichen Sanierung an dieser Schule die alten Heizungsthermostate abgebaut und eine zentrale Heizungssteuerung installiert wurde, stimmte die Bauverwaltung unserer Anfrage zu, ob dann nicht auch an dieser Schule die Schüler einen direkten Computerzugang zur Heizungsregulierung erhalten sollten. Zwischen Winter- und Osterferien beschäftigen sich jetzt knapp 20 Viertklässler mit ihrer neuen Aufgabe. Ab dem kommenden Schuljahr wird dann ein Teil dieser Lebenskunde-Klasse als Energiemanager im Dauereinsatz sein. Die Motivation ist hoch. Beim ersten Treffen fragte eine Schülerin den Projektbetreuer gleich: „Dürfen wir dann bis zur sechsten Klasse Energiemanager sein?“ Klar, das dürfen sie! Auf dem Foto oben links die neuen computergesteuerten Heizungsthermostate, rechts die angehenden Energiemanager beim Ortstermin mit dem Hausmeister im Heizungskeller.

co2_messampel_01Die Schule am Falkplatz möchte die erste Schule in Berlin sein, die in allen Klassen CO2-Messampeln einsetzt. Schon seit letztem Schuljahr beschäftigen sich die Energiemanager aus den fünften und sechsten Klassen an dieser Schule zusammen mit ihrem Lehrer Elia Henze unter anderem mit dem Lüftungsproblem im Winter. In vielen Klassen stehen bereits Messampeln und die Lehrer und Schüler versuchen, mit Hilfe der Messanzeigen ihr Lüftungsverhalten zu optimieren.

aktionskarte_collageNach einem erfolgreichen Lüftungswettbewerb in vier Klassenstufen im letzten Schuljahr haben die Energiemanager jetzt auch die verbliebenen beiden Klassenstufen zu einem Wettbewerb um die Klasse mit der besten Raumluft eingeladen. Mehrere Wochen lang stehen neben den Messampeln auch Aufzeichnungsgeräte in den Klassen, die es den Energiemanagern ermöglichen, das tatsächliche Lüftungsergebnis in jeder Klasse exakt nachzuweisen. Mit Aktionskarten (Bild oben) beziehen die Umweltaktivisten inzwischen auch alle Schüler in ihre Arbeit mit ein. Jede Klasse kann auf den Karten Rückmeldungen geben, ob es zu kalt oder zu warm ist, ob es mit dem richtigen Lüften klappt oder welche Ideen für Energiesparen und Klimaschutz die Schüler haben. Die Karten können in drei knallorange Kummerkästen geworfen werden, die der Hausmeister im Schulhaus angebracht hat. Die Klassen, die sich am fleißigsten beteiligen, sollen mit kleinen Gewinnen belohnt werden.

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An der Klecks-Grundschule geben die Energiemanager nicht auf. Wie berichtet, haben die Schüler zwar auch an dieser Schule einen eigenen Computer-Zugang zur Heizungssteuerung, dürfen aber bisher nur die Daten analysieren, jedoch selbst keine Veränderungen an den Heizzeiten oder Temperatureinstellungen vornehmen. Der Hausmeister sträubt sich dagegen, den Schülern zuzugestehen, was die Energiemanager an den anderen „Köpfchen statt Kohle“-Schulen längst dürfen. Deshalb hängen die Schüler und Schülerinnen jetzt jeden Dienstagnachmittag als Ergebnis ihrer Suche nach Fehlern und Schwachstellen im Heizungssystem eine Liste mit Fragen und Verbesserungsvorschlägen an die Tür des Hausmeisterbüros.

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Wie die Schüler erfahren haben, wandern die Aushänge vom Hausmeister zum Schulleiter. Was dieser damit macht, haben die Energiemanager noch nicht in Erfahrung gebracht. In Abständen leiten sie ihre Mängelbefunde auch direkt an das zuständige Ingenieurbüro weiter, das die Schule energietechnisch betreut, oder schicken ihre Beobachtungen auch direkt ans Bauamt. Und die Schüler finden viel. Anscheinend sind etliche Räume der Schule rund um die Uhr beheizt, was möglicherweise an defekten Ventilen liegt. Andere Räume werden viel zu langsam warm. Beanstandet wird von den Energiemanagern auch, dass die Minimaltemperatur nachts und übers Wochenende mit 18 Grad zu hoch eingestellt ist. An den anderen Schulen ist dieser Wert auf 15 Grad festgelegt.

WEITERE KURZNACHRICHTEN

ksk_show_01Homer-Schüler erklären es im Video. Was die Aufgabe der Energiemanager ist und womit sie sich beschäftigen, das erklären die Aktiven an der Homer-Grundschule jetzt mit kleinen Video-Clips. An mehreren Nachmittagen haben sie Sequenzen ihrer „Köpfchen statt Kohle-Show“ aufgenommen. In drei Projekttagen im Pankower Medienkompetenzzentrum werden die Schülerinnen und Schüler die Videos mit Unterstützung durch eine Medienpädagogin selbst schneiden, vertonen und untertiteln. Dann wollen sie sie auf dem großen Monitor im Eingangsbereich der Schule zeigen.

co2_untersuchung_01Am Gymnasium gehen die Energiemanager wissenschaftlich vor. Eine Gruppe von Siebt- und Achtklässlern des Havemann-Gymnasiums in Karow untersucht jetzt noch einmal systematisch die Wirkung von dauerhaften CO2-Messdisplays in Klassenräumen. Im letzten Schuljahr hatten Schüler bereits mit dem Untersuchungsprojekt begonnen. Inzwischen hat die Schule im Rahmen von „Köpfchen statt Kohle“ neun Klassenräume mit den unübersehbaren Messanzeigen ausgestattet. In einer Vergleichsstudie messen die Schüler – die Gruppe besteht zurzeit nur aus Jungs – die Unterschiede im Lüftungsverhalten von Räumen mit und ohne Messanzeigen. Insgesamt müssen sie also 18 Klassen- und Fachräume im Auge behalten. Die Ergebnisse wollen sie nutzen, um die weitere Ausstattung mit den Messanzeigen zu unterstützen und eine begleitende Informations- und Kommunikationskampagne zu entwickeln.

messwerte_anpinnen01Sandhaus-Schüler beginnen auch zu messen. Der Großteil der erst in diesem Schuljahr eingerichteten Energiemanagergruppe in der Grundschule am Sandhaus beschäftigt sich derzeit mit dem Bau von Solarmodellen und anderen Energieexperimenten. Aber einige Schüler interessieren sich auch für Klimamessungen. So haben sie zum Beispiel in der Klasse 5a ein CO2– und Temperaturmessgerät aufgestellt und einige Wochen sogar Daten aufgezeichnet. Das Ergebnis hat ein Schüler der Klasse ausgewertet und die Diagramme von zwei repräsentativen Schultagen mit einer Erklärung versehen. Die Diagramme hängen jetzt am Pinboard der Klasse und werden kommende Woche diskutiert.

klasse5a_temperaturverlaufHohes Feld: Nachtabsenkung angemahnt. Schon vor einiger Zeit hatten die Energiemanager der Grundschule am Hohen Feld den begründeten Verdacht, dass die Schule nachts zu stark beheizt wird. Eine Überprüfung der Nachtabsenkung wurde daraufhin versprochen. Jetzt haben die Grundschüler noch einmal in mehreren Räumen Temperatur-Datenlogger ausgelegt und ausgewertet. Das Ergebnis: Nach wie vor gibt es nahezu keine Temperaturabsenkung in der Nacht und auch an den Wochenenden sind alle Räume mindestens 19 Grad warm, wie obenstehendes Diagramm zeigt. Mit diesen Ergebnissen wollen die Energiemanager sich deshalb noch einmal an die Schul- und Bauverwaltung wenden.

energiemanager_test_03Unter den Bäumen viel zu tun. Erst zum Ende des ersten Schulhalbjahres kamen die Energiemanager an der Grundschule unter den Bäumen dazu, endlich den Energiemanager-Test zu schreiben. Vorher hatte stets die praktische Arbeit Vorrang. Zuletzt hatten sie auch noch einem Journalisten des Deutschlandfunks ihr Projekt zu erklären; der Beitrag ist inzwischen gesendet worden und liegt zum Nachhören auf der Website der Kindersendung Kakadu.

neue_energiemanager_01Trelleborg-Schule fängt früh an. Energiemanager werden hier schon die Drittklässler. An der Trelleborg-Schule findet „Köpfchen statt Kohle“ derzeit am Nachmittag im Rahmen des Hortbetriebs statt. An die zwanzig Drittklässler kommen einmal die Woche zusammen, um sich mit Energie, Klima und der Situation in ihrer Schule zu befassen. Spielerische und praktische Aufgaben stehen im Vordergrund, allerdings gibt es auch eine Gruppe von Kindern, die sich mit der zentralen Einzelraumsteuerung am eigenen Heizungscomputer der Energiemanager befassen. Und obwohl der Energiemanager-Test eigentlich für Fünft- und Sechstklässler angelegt ist, hat über die Hälfte der Gruppe den Test mit gezielter Vorbereitung und einem kleinen Dritte-Klasse-Bonus jetzt geschafft und sich das Energiemanager-T-Shirt verdient (siehe Foto oben). Die „Köpfchen statt Kohle“-Betreuer wollen dennoch für das nächste Schuljahr auch einen eigens für Dritt- und Viertklässler zugeschnittenen Test anbieten.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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