Auch die kleinen Schritte zählen – Jede Menge Energiesparideen warten auf die Umsetzung – GRÜNSPAR als Sponsor gewonnen

Für die Sechstklässler der Schule am Hohen Feld, die sich zusammen mit ihrer Lehrerin Steffi Barchewitz um die Energieeinsparung an ihrer Schule kümmern, ist es ein Spagat zwischen Spaß und Ernst. Auf der einen Seite sind sie begeistert, mit Messgeräten im Schulhaus auszuschwärmen, um die Beleuchtungssituation zu erfassen. Auf der anderen Seite müssen sie aber auch lernen, dass es mühevoll sein kann, systematisch Daten zu erfassen, sie zu berechnen und zu interpretieren. Denn natürlich stoßen sie zum Beispiel auf die Frage, was der Unterschied zwischen Watt und Wattstunde, also zwischen elektrischer Leistung und Stromverbrauch ist (siehe Bild oben). Und auch die Umrechnung von Watt- in Kilowattstunden ist für die 12-jährigen Schülerinnen und Schüler nicht immer ohne Hürden. Die Energieprojekte von „Köpfchen statt Kohle“ sind deshalb immer auch eine Art von Unterricht – nur mit anderen Mitteln.

Denn im Zentrum steht die Eigenaktivität der Schüler. Tatsächlich entwickeln sie in den Projekten ganz eigenständig Fragen und Ideen und sind auch kreativ bei der Suche nach einem methodischen Vorgehen. Einigen Mädchen aus der 6b am Hohen Feld fiel beispielsweise auf, dass die Flurbeleuchtung eine ganze Weile brennt, sobald jemand den Schalter gedrückt hat. Sie wollten genau wissen, wie lange die Lampen brennen und haben mit der Stoppuhr nachgemessen – es sind fast 10 Minuten! „Wieso so lange?“, fragen sie sich und wollen dem Schulamt demnächst vorschlagen, das Intervall auf fünf Minuten zu verkürzen. Wie viele Kilowattstunden Energie damit gespart werden können, wollen sie vorher noch genau ausrechnen…

Manche Schüler kommen auch auf die Idee, die Situation bei sich zu Hause zu untersuchen, nachdem sie z.B. im Köpfchen statt Kohle-Projekt messen konnten, wie hoch der Standby-Verbrauch von Geräten sein kann, die eigentlich ausgeschaltet sein sollten. Der Umgang mit dem Messgerät wird in der Schule geübt (siehe Bild), danach nehmen die Schüler das Gerät dann mal für einen Tag  mit nach Hause.

Nicht auf die Situation zu Hause übertragen können sie freilich den Umgang mit der Heizungsteuerung in der Schule. Einmal deshalb, weil die Umgebungsbedingungen in einem Klassenraum ganz andere sind als daheim. Zum anderen aber auch, weil in einigen „Köpfchen statt Kohle“-Schulen zentrale Einzelraumsteuerungen für die Heizung vorhanden sind, wo an einem Computer geregelt wird, wie warm es wann im Raum sein soll. In der Grundschule unter den Bäumen haben Fünftklässler dem Hausmeister über die Schulter geschaut und gesehen, dass ihr Klassenraum die ganze Woche über von 7 bis 15 Uhr warm gehalten wird (siehe Bild oben). „Aber wir sind doch nach 14 Uhr gar nicht mehr da“, stellten die Schüler sofort fest. Wenn sie ihren Hausmeister jetzt überzeugen, jeden Tag eine Stunde weniger zu heizen, ist das zwar nur ein kleiner Beitrag zur Energieeinsparung. Aber es könnte ein entscheidender Schritt zur Verbesserung der Energiebilanz sein, wenn alle Klassen es genauso machen würden.

Die Projektgruppe aus Viert-, Fünft- und Sechstklässlern an der Homer Grundschule, die sich immer Donnerstagnachmittags trifft, ist in diesem Punkt schon weiter. Denn die Schülerinnen und Schüler haben soeben einen eigenen neuen Computer mit großem 24-Zoll-Bildschirm und Farbdrucker bekommen, um die Heizungssteuerung für die Klassenräume ihrer Schule selbst zu übernehmen. Der Ingenieur, der die Einzelraumregelung für die Schulen in Pankow liefert, Peter Schoof von der Firma Schoof Gebäudeelektronik, hat es sich nicht nehmen lassen, die Schüler selbst bei den ersten Schritten im Umgang mit dem System zu begleiten (siehe Foto oben).

In den nächsten Wochen lernen die Schüler der Projektgruppe, mit dem Programm umzugehen und optimale Einstellungen für den energiesparenden Betrieb ihrer Schule vorzuschlagen. In Absprache mit den Schülern und Lehrkräften der einzelnen Klassen sollen diese Vorschläge dann abgestimmt und von den jungen „Energiemanagern“ umgesetzt und überwacht werden. Konkret bedeutet das, dass die Schüler selbst für jeden Raum der Schule festlegen, welche Temperatur als Obergrenze eingegeben wird und zu welchen Zeiten und in welchen Intervallen die Heizkörper überhaupt eingeschaltet werden. Sowohl anhand der Auswertungskurven, die die Software zur Verfügung stellt, als auch durch direkte Messungen im Raum soll der Erfolg der Energiespareinstellungen überprüft werden. Bis auf einen  Raum hat Peter Schoof den Schülern den Vollzugriff auf die ganze Schule gegeben. Der Raum, der sicherheitshalber erst einmal ausgenommen wurde, ist das Büro des Schulleiters. Die jungen „Energiemanager“ bekommen nach Abschluss der Lernphase und Bestehen einer eigenen Prüfung ein T-Shirt mit Aufschrift und ein Zeugnis der Schulverwaltung als Bestätigung. Auf unserem Bild oben probieren zwei angehende Energiemanager schon mal aus, wie ihnen die „Dienstkleidung“ steht.

Kleine, aber erfolgreiche Schritte vermeldet auch die „Köpfchen statt Kohle“-Gruppe an der Havemann-Schule. Die Siebtklässler des Gymnasiums wollen die Arbeit des letztjährigen Energieprojekts fortsetzen, das von Neuntklässlern begonnen wurde. Durch Temperaturmessungen hatten diese im letzten Schuljahr festgestellt, dass die Flure mit über 20 Grad Celsius unnötig stark beheizt werden. Das Problem: Die Heizkörper weisen frei einstellbare Thermostate auf, eine laufende Kontrolle und Einstellung auf die optimalen 1,5 Striche ist jedoch in einer Schule mit 800 Schülern illusorisch. Deshalb schlugen die Siebtklässler vor, man sollte die Thermostate durch fest eingestellte, nicht mehr verstellbare Ventile ersetzen. In Grundrissen der drei Etagen haben sie den Standort aller relevanten Ventile markiert. Am Ende waren es 98 Ventile, die getauscht werden sollen. Die Grundrisse mit den Ankreuzungen und einen erläuternden Brief haben die Siebtklässler inzwischen an das Hochbauamt geschickt, von wo die Auskunft kam, dass der Austausch der Ventile daraufhin sofort beauftragt worden ist. Ein Erfolg, der sich in der Energiebilanz dieses Winters in der Havemann-Schule sicher bereits niederschlagen wird.

Mit dem Thema Heizung beschäftigt sich auch eine fünfte Klasse der Carl Humann-Grundschule in diesem Winter. Allerdings gibt es hier keine zentrale Einzelraumsteuerung, sondern jede Klasse kann ihre Heizungsthermostate selbst einstellen. Die Fünftklässler wollen das Energiebewusstsein von Schülern und Lehrern an ihrer Schule jedoch nicht durch Appelle zur richtigen Thermostateinstellung beeinflussen. Stattdessen gehen sie einen geschickten Umweg und messen in allen Klassen die Luftqualität. Für Schulklassen ist bekannt, dass der CO2-Gehalt der Raumluft während des Unterrichts im Winter, wenn die Fenster zu sind, sehr schnell ansteigt. Ab 800 bis 1000 ppm CO2 wird es bereits muffig im Klassenzimmer. Meist werden nach einer halben bis Dreiviertelstunde jedoch schon Werte über 2000 ppm erreicht und die Konzentrationsfähigkeit der Schüler und Lehrer damit beeinträchtigt. Die Fünftklässler wollen ihren Mitschülern durch Messungen diesen Zusammenhang verdeutlichen und zeigen, wie man im Winter so lüftet, dass man beides erreicht – gute Luft und angenehme Temperaturen. In dem Projekt kommen Messgeräte zum Einsatz, die ein besonders großes Anzeigedisplay haben, so dass jeder im Raum schnell erkennen kann, wie hoch der CO2-Wert aktuell ist (siehe Bild oben).

Nicht nur der Bedarf an Messgeräten ist in den „Köpfchen statt Kohle“-Projekten vergleichsweise hoch, weil viele Schüler gleichzeitig damit arbeiten wollen und oft die ganze Schule einbezogen werden soll. Auch stromsparende Geräte wie z.B. schaltbare Steckdosenleisten sind wichtig, um den Stromverbrauch von Computerräumen zu senken. Das Unternehmen GRÜNSPAR, das über das Internet energiesparende Technologie verkauft, will „Köpfchen statt Kohle“ deshalb ab jetzt unterstützen. Das erste Paket mit Steckdosenleisten und Mess- und Steuerungsgeräten ist soeben bei „Köpfchen statt Kohle“ eingetroffen. Voraussichtlich wird damit der Computerraum der Grundschule am Kollwitzplatz ausgestattet. GRÜNSPAR-Marketingleiter Ingo Scheuermann ist speziell von der Idee der zentralen „Köpfchen statt Kohle“-Energie-Lernwerkstatt in Pankow fasziniert und hat angekündigt, dass sich sein Unternehmen auch hier als Sponsor engagieren wird.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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