Wie viel Energiewissen braucht man zum Energiesparen? Projekt am Hohen Feld beginnt mit ungewöhnlicher Lerneinheit

Was verbinden Fünftklässler mit dem Begriff „Energie“? In der 5b der Schule am Hohen Feld war der Begriff „Strom“ der absolute Favorit, gefolgt von „Batterie“, „Licht“, „Lampe“, „Solar“ bzw. „Sonne“ und „Nintendo“. Auch „Plasma“, „Powerriegel“ und „Raumschiff“ wurden bei der ungesteuerten Abfrage des Begriffs genannt. Auffallend selten ging es um Wärmeenergie, die Begriffe „Wärme“ und „Heizung“ wurden nur vereinzelt genannt. Obwohl  – zumal im bereits beginnenden Winterhalbjahr – der größte Energieverbrauchsposten in der Schule und zuhause die Wärmeenergie darstellt, ist dies im Bewusstsein der 11- bis 12-Jährigen nicht angekommen. Insofern haben die „Köpfchen statt Kohle“-Projekte auch die Aufgabe, das Energiebewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu erweitern.

Wie man das systematisch tun könnte, zeigt eine ungewöhnliche Lerneinheit, die jetzt in einer fünften Klasse der Schule am Hohen Feld in Berlin-Karow vor den Beginn des eigentlichen Energiesparprojekts im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts (NaWi) geschaltet wurde. NaWi-Lehrkraft Steffi Barchewitz (auf dem Foto links) ließ sich dabei vom „Köpfchen statt Kohle“-Projektteam helfen und reservierte zwölf Doppelstunden ihres Unterrichts für die Einführung in die Energiethematik.

Diese Einführung geschah in drei Etappen:

  • Um von den Vorstellungen auszugehen, die in den Köpfen der Schüler zum Energiebegriff bestehen, konnten die Schüler mit selbstklebenden Moderationskarten die ganze Schultafel mit ihren Assoziationen zum Begriff „Energie“ bekleben. Anschließend wurde das Ergebnis gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern analysiert, indem die Begriffsinhalte geklärt wurden und zusammengehörende Begriffscluster gebildet wurden („Was hat alles mit Strom zu tun?“, „Inwiefern kann man ‚Öl‘ zu ‚Kraftwerk‘ zuordnen?“, „Was hat ‚Geschwindigkeit‘ mit Energie zu tun?“). Als Einzelaufgabe bekamen die Schüler anschließend eine Mindmap, in der sie alle Begriffe den Rubriken „Energiequelle“, „Energiespeicher“ und „Energieverbraucher“ zuordnen sollten. Dabei kamen sie selbst auf die Idee, eine vierte Rubrik „Energietransport“ anzulegen.
  • Im nächsten Schritt wurden die Schüler mit den sechs grundlegenden Energiearten konfrontiert. Jeder bekam ein Kartenset mit kurzen Erläuterungen und Fragen zu den Energiearten. In Gruppen stellten sie dann jeweils einen Energiebegriff vor und beantworteten die Fragen auf den Karten. Dieses „Kartenspiel“ war die Vorbereitung zu einem Bilderquiz, bei dem Schülerinnen und Schüler 15 Bilder zu der jeweils dargestellten Energieart zuordnen mussten. Dabei zeigte sich, dass es oftmals gar nicht um eine einzige Energieart geht, sondern wir es mit Prozessen der Energieumwandlung zu tun haben. Ein Windrad z.B. wird von mechanischer Energie angetrieben, erzeugt daraus elektrische Energie, die wiederum in Lichtenergie oder kinetische Energie umgewandelt werden kann.
  • Den Höhepunkt der Beschäftigung mit dem Energiethema bildeten 13 Experimente, bei denen es darum ging, die ablaufenden Energieumwandlungen zu erkennen und zu benennen. Vom schwebenden Magneten über ein Wasserthermometer bis hin zum selbst produzierten Wasserstoff, der ein Modellauto antreibt, beschäftigten die Experimente die Schüler, die jeweils in Zweiergruppen mit einem Protokollbogen unterwegs waren, um ihre Beobachtungen zu notieren. An jeder Experimentierstation befand sich eine kurze Anleitung. Wer gleich drauf loslegen wollte, ohne die Anleitung zu lesen, hatte meistens wenig Glück. In den kleinen Teams ergänzten sich die Neigungen meistens so, dass eine Arbeitsteilung zwischen den „Machern“ und den „Systematikern“ zustande kam.

Lehrerin Steffi Barchewitz ist überzeugt, dass sich der Aufwand gelohnt hat und ihre Schüler besser vorbereitet in das Energiesparprojekt gehen. Das Experimentieren mache den Kindern zwar immer Spaß, stellte sie fest, aber hier ist es eingebunden in die Erarbeitung eines genaueren Energiebegriffs. „Unser Ziel ist es, dass Grundschüler die Schule mit einem differenzierten Energiebewusstsein verlassen, damit sie verstehen, dass jede Form der Energienutzung mit Kosten verbunden ist“, erklärt Projektcoach Richard Häusler, der die Lerneinheit auch den anderen Pankower Schulen, die an „Köpfchen statt Kohle“ beteiligt sind, anbieten will.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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