Lernwerkstatt im Energiezentrum fasziniert auch die Lehrer – Energiemanager bereiten sich schon auf einen heißen Herbst vor – Das ist das neue „Köpfchen statt Kohle“-Team

lehrerfortbildung_nils_04In den letzten Wochen des Schuljahres florierte der Betrieb im Energiezentrum Pankow an der Robert Havemann-Schule. Neben etlichen Gruppen von Energiemanagern aus den „Köpfchen statt Kohle“-Grundschulen, die an jeweils 2-3 Vormittagen Solarautos bauten, nutzten auch fortbildungsfreudige Lehrergruppen die neuen Möglichkeiten, Energie – und insbesondere erneuerbare Energietechnik – experimentell zu behandeln und in den Unterricht zu integrieren. Physik-Fachleiter Christian Strube, der sich im Energiezentrum engagiert, konnte sogar absolute Didaktik-Experten aus Hannover für die Fortbildung der Pankower Lehrkräfte gewinnen. Mit der Niedersächsischen Lernwerkstatt für solare Energiesysteme (NILS) am Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) will Strube eine längerfristige Zusammenarbeit aufbauen. NILS entwickelt neue technische und didaktische Modelle, um Schülern solare Energietechnik anschaulich nahezubringen. Das klappt natürlich dann am besten, wenn es auch die Lehrkräfte fasziniert.

lehrerfortbildung_nils_02Bei einer Fortbildung für die Sekundarstufe I konnten die Lehrkräfte selbst ein Solarauto-Modell bauen, das über mehrere Messausgänge verfügt. Oberstudienrat und NILS-Geschäftsführer Wolf-Rüdeger Schanz (Foto) demonstrierte die Nutzanwendungen, die sich daraus für das Verständnis solarer Technologie ergeben. So können die Schüler experimentell nachvollziehen, was z.B. bei Verschattungen einer Solarzelle passiert. Kurzschlussstrom, Leistung und Spannung verhalten sich dabei nämlich durchaus unterschiedlich. Das nicht nur in der Theorie zu lernen, sondern am Modell selbst auszuprobieren und zu „sehen“, verspricht nachhaltigere Lernergebnisse und erhöht vermutlich auch das Interesse der Schüler an der Materie.

strube_wagnitz_waermepumpe02Grundschüler beschäftigen sich natürlich noch nicht mit den Kennlinien von Solarzellen. Aber sie sollen im Energiezentrum und auch in der Schule selbst die grundlegenden Modellvorstellungen von Energie und Energieumwandlung erwerben, damit in den weiterführenden Schulen darauf aufgebaut werden kann. Deshalb werden im Energiezentrum Pankow auch speziell für Grundschul-Lehrkräfte Fortbildungen angeboten, die neue didaktische Wege aufzeigen. Gleich nach den Sommerferien findet z.B. ein Experimental-Workshop „Solarenergie im Fach Nawi“ für die Pankower Grundschulen statt, in dem die Lehrkräfte von der Grundschuldidaktikerin Marie-Luise Kröger gezeigt bekommen, wie bereits Fünft- und Sechstklässler in einem experimentellen „Lernzirkel“ an mehreren Stationen sich selbst das Verständnis für solare Technologien erarbeiten können. Wenn der vorgestellte Lernzirkel von den teilnehmenden Grundschullehrkräften empfohlen wird, will das Energiezentrum diese Lernstationen dauerhaft anschaffen und für weitere Fortbildungen sowie Schüler-Projekttage zur Verfügung stellen. Über den beständigen Ausbau der Experimentierumgebung in der Havemann-Schule freut sich auch die Leiterin des Schulamtes, Ilka Wagnitz – auf unserem Bild oben zusammen mit Christian Strube und dem Funktionsmodell einer Wärmepumpe.

winner_01So wie die Kinder der Trelleborg-Schule (Bild) freuten sich an allen bisher neun Pankower Grundschulen, in denen Energiemanager unterwegs waren, die Schülerinnen und Schüler über die Ehrung, die ihnen am Schuljahresende für ihr Engagement zuteil wurde. Sie konnten nicht nur stolz sein auf die bestandene Theorieprüfung, sondern vor allem auf ihren praktischen Einsatz für mehr Energiebewusstsein und energieeffizientes Verhalten an der Schule. An einigen Schulen wird das Energiemanager-Projekt im nächsten Schuljahr deshalb sogar aufgewertet, indem aus Arbeitsgruppen richtiger Wahlpflicht- oder Schwerpunktunterricht wird.

zertifikatsuebergabe03Auch Schulleiter Jürgen Stolze, der die Energiemanager-Zertifikate an die Fünft- und Sechstklässler verteilte (Foto), möchte, dass die Projektgruppe im kommenden Jahr in der Grundschule an der Marie einen höheren Status als „Profilkurs“ bekommt. Im kommenden Schuljahr wird die Projektgruppe dann auch endlich ihren eigenen Rechnerzugang zum Heizungsserver haben. Damit können die Schüler selbst die Heizkurven ihrer Schule nicht nur analysieren, sondern auch für jeden Klassenraum und oft auch für Flure, Toiletten und Nebenräume Heizzeiten und Soll-Temperaturen selbst einstellen. Auf diese Weise ist es möglich, die Energieverschwendung im gesamten Schulgebäude anzugehen und reale Einsparungen zu erzielen. Weil die jungen Energiemanager dabei auch auf technische Mängel und Reparaturbedarf stoßen, tragen sie außerdem dazu bei, dass die Heizanlagen besser gewartet werden.

energiemanager_am_werk04Da auch an weiteren acht Pankower Schulen mit Beginn des neuen Schuljahres erstmalig die Computer zur Verfügung stehen werden, mit denen die Energiemanager direkt die Verantwortung für das Klima und den Energieverbrauch in ihrer Schule übernehmen können, bereitet sich das Projektteam von „Köpfchen statt Kohle“ auf einen heißen Herbst vor. „Damit kommt eine große Welle auf uns zu“, erklärt Projektleiter Richard Häusler und rechnet vor, dass ab Herbst dann etwa 200 junge Energiemanager in 12 Pankower Schulen ständig aktiv sein werden. Diese Breitenwirkung habe man sich gewünscht. Tendenziell sollen es sogar noch mehr werden, denn das Ziel ist, in allen Klassen ab Stufe 3 mindestens drei bis vier Schüler zu qualifizieren und praktisch tätig werden zu lassen. „Das wird dann eine organisatorisch-logistische Herausforderung“, so Häusler. 

zertifikatsfreude04Die Schüler selbst schreckt das freilich kaum. So wie auf unserem Bild die Drittklässler der Homer-Grundschule (zusammen mit dem betreuenden Lehrer Tobias Berger), die im kommenden Schuljahr alle als Energiemanager weitermachen und auch noch weitere Schüler hinzugewinnen möchten, sind in allen Schulen die engagierten Schüler motiviert, noch mehr Erfolg zu haben und bei ihren Mitschülern noch mehr Aufmerksamkeit und Interesse zu finden. Die Homer-Schüler haben dabei neben der Optimierung der Heizungssteuerung und der Verbesserung der Lüftungssituation sogar ein weiteres ehrgeiziges Ziel. Sie wollen erreichen, dass im nächsten Winter die manuell eingestellten und auf einen festen Thermostatwert fixierten Flurheizungen in allen Obergeschossen gedrosselt werden, weil es auf den Fluren zu warm ist. Hier müssten nicht 20 Grad oder mehr sein, meinen die Energiemanager – im Einklang mit den geltenden Normen. In der dritten Etage konnten sie im vergangenen Winter bereits eine Absenkung durch ein Herunterdrehen auf Einstellung „2“ erreichen. Sie stellten dabei fest, dass sogar diese Einstellung noch zu hoch ist. Um sich Gehör beim Schulleiter und beim Hausmeister zu verschaffen, organisierten die Schüler sogar eine dauerhafte Messwertaufzeichnung und Datenauswertung (siehe Bild unten).

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Um den Ansprüchen der Schüler und der beteiligten Schulen nachzukommen, verstärkt Projektleiter Richard Häusler von der Agentur stratum, die „Köpfchen statt Kohle“ pädagogisch betreut, im kommenden Schuljahr sein Team. Der Diplom-Soziologe, der selbst in den Schule unterwegs ist (Foto), kann längst nicht mehr alle Gruppen selbst betreuen. In den meisten Schulen sind die „Köpfchen statt Kohle“-Betreuer einmal pro Woche vor Ort. Das sind die beiden neuen Mitarbeiterinnen, die sich in den letzten Wochen bereits eingearbeitet haben:

konstanze_gergs_01Konstanze Gergs ist Medienwissenschaftlerin und Mutter von zwei Kindern. Die gebürtige Berlinerin war beruflich bisher als Redakteurin, Autorin und Projektkoordinatorin tätig. Sie kennt sich außerdem mit der Gremienarbeit aus, weil sie u.a. Vorstand in einem Kita-Bezirkselternausschuss und Gesamtelternvertreterin ist. Ihr Faible für Pädagogik verwirklicht sie u.a. als Schwimmlehrerin für Kinder. Die Verbindung von Lernen mit einer „echten Mission“ fasziniert sie besonders bei „Köpfchen statt Kohle“. Unter den Projektschulen hat sie bisher die Paul Lincke- und die Klecks-Grundschule kennengelernt. Ab Herbst wird sie voll einsteigen und Verantwortung für ungefähr die Hälfte der „Köpfchen statt Kohle“-Schulen übernehmen.

jule_schmidt01Auch Jule Schmidt ist in Berlin geboren. Sie hat einen Abschluss als Diplom-Psychologin. In ihrem Studium hat sie sich auf neurokognitive Psychologie spezialisiert. Seit 10 Jahren betreut sie Freizeitcamps und Sommerferienlager für Kinder und Jugendliche. Ihre pädagogischen Fähigkeiten hat sie auch als Nachhilfelehrerin in Mathematik sowie als Erstsemester-Tutorin unter Beweis gestellt. Auch sie hat die „Köpfchen statt Kohle“-Praxis bisher in der Paul Lincke- und der Klecks-Grundschule kennengelernt und möchte sie im neuen Schuljahr vertiefen. Das Energie-Thema findet sie persönlich spannend und den Ansatz von „Köpfchen statt Kohle“ hält sie auch für lernpsychologisch überzeugend.


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Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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