Wie geht es weiter mit „Köpfchen statt Kohle“? Projektleiter Richard Häusler verrät die Strategie für das nächste Schuljahr

Was haben die Projektverantwortlichen aus den ersten eineinhalb Jahren gelernt? Und wie sieht die Planung für das neue Schuljahr aus? Anlässlich der Zwischenbilanz-Ausstellung von „Köpfchen statt Kohle“ im Jugendclub K14 befragten wir Projektleiter Richard Häusler dazu, der auf unserem Foto bei einem seiner schulischen Beratungseinsätze zu sehen ist.

Frage: Kann man denn sagen, dass in den Schulen tatsächlich Energie verschwendet wird?

Richard Häusler: Ich denke schon. Viele Schulen sind überheizt. Die Durchschnittstemperaturen in den Klassenräumen liegen oft deutlich über 20°C. Auch die Turnhallen sind meistens sehr viel wärmer als 17°C, ebenso haben wir oft festgestellt, dass Flure und Toiletten unnötig intensiv beheizt werden.

Frage: Wer kann das ändern? Ist das nicht eine Frage falscher Einstellungswerte an der Heizanlage?

Richard Häusler: Ja, das ist sicher die eine Seite des Problems. Die zentralen Einzelraumsteuerungen für die Heizung funktionieren aber nur dann optimal, wenn die Einstellungen in enger Abstimmung mit den Nutzern festgelegt und überwacht werden. Schulklassen können dafür durchaus Verantwortung übernehmen und zusammen mit dem Hausmeister und der Schulleitung das „Energiemanagement“ für ihren Klassenraum eigenverantwortlich übernehmen. Auch technische Defekte werden so schnell festgestellt und behoben.

Frage: Sind denn die Hausmeister überall bereit, sich darauf einzulassen? Das macht doch sicher Mehrarbeit für sie?

Richard Häusler: Voraussetzung ist, dass auch die Hausmeister ausreichend für den Umgang mit der Regelungstechnik qualifiziert und bereit sind, aktiv Verantwortung für die Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäude zu übernehmen. Wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Hausmeister daran interessiert ist, selber besser Bescheid zu wissen. Man muss sie aber auch seitens der Schulleitungen und der Verwaltung einbeziehen und zeigen, wie wichtig sie sind.

Frage: Was können denn die Schüler und Lehrkräfte dazu beitragen, dass ihre Schule Energie spart?

Richard Häusler: Die wichtigste Erkenntnis in eineinhalb Jahren Projektarbeit ist: Das richtige Lüften ist überall – von den Schülern wie den Lehrkräften – nicht gelernt. Die richtige Lüftungspraxis ist jedoch nicht nur ein wichtiges Mittel gegen die Energieverschwendung in den Schulen, sondern auch Voraussetzung für gute Luftqualität in den Klassen räumen. In allen Projekten, die sich damit bisher bei Köpfchen statt Kohle beschäftigt haben, war der CO2-Gehalt in den Klassenzimmern deutlich zu hoch. Deshalb werden wir neben der gezielten Einbindung der Schulklassen in die Heizungssteuerung im nächsten Schuljahr auch eine schulweite Kampagne zur Ausbildung von „Klimamanagern“ an allen „Köpfchen statt Kohle“-Schulen unterstützen. Dazu bräuchten wir eigentlich in allen Klassen gut sichtbare CO2-Ampeln und Thermometer mit großem Digitaldisplay. Mal sehen, ob wir Sponsoren für die Finanzierung finden.

Frage: Am Geld scheitert dann auch wohl manch anderer Vorschlag zur Verbesserung der Energieeffizienz, oder?

Richard Häusler: „Köpfchen statt Kohle“ hat den Auftrag, unterhalb der Schwelle großer Sachinvestitionen zu bleiben. Aber auch hier kann man eine Menge tun und braucht dazu keine allzu großen Finanzmittel. Dort, wo Schülerprojekte teurere Vorschläge entwickeln, wie z.B. die Schule am Falkplatz, wo die Abdichtung von 130 alten Kastendoppelfenstern 20.000 Euro kosten würde, versuchen die Projekte selbst, durch Teilnahme an Wettbewerben das Geld hereinzubekommen. In den meisten Fällen braucht man aber sehr viel weniger Mittel und ist die Anschaffung von 100 schaltbaren Steckdosenleisten für 300 Euro schon das Maximum.

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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