„Die Verwaltung muss die Hausmeister ernster nehmen“ – Erster Hausmeister-Workshop legt die Probleme auf den Tisch

Sie sind die Schnittstellenmanager, wenn es um Energieeffizienz in Schulen und öffentlichen Gebäuden geht – die Hausmeister. Aber sie fühlen sich oft gar nicht so. Auch die Schulhausmeister, die am ersten „Köpfchen statt Kohle“-Hausmeister-Workshop teilgenommen haben, berichteten ohne Ausnahme, dass ihnen oft die Hände gebunden sind. „Bei uns könnte man einen von zwei Kesseln eigentlich abschalten!“ „Der Außenfühler für die Heizungsregelung ist falsch platziert.“ „Wir haben einen viel zu groß dimensionierten Wassertank in der Turnhalle.“ „Ich kann eigentlich gar nichts wirklich regeln.“ „Bei uns muss man ständig manuell in die Anlage eingreifen.“

So und ähnlich klang die Beschwerdeliste aus sechs der 15 „Köpfchen statt Kohle“-Schulen, die an dem Workshop teilnahmen, zu dem als Vertreter der Bezirksverwaltung auch Jürgen Bornschein vom „Amt für Immobilien und Jugend“ gekommen war. Bei der genaueren Analyse der Situation in den Schulen wurde auch Bornschein klar, dass das Hauptproblem in der Kommunikation liegt. „Wir haben eine Lücke in der Verwaltungskette“, stellte er fest. In dieser Lücke verschwinden nicht nur Reparaturanforderungen und Vorschläge der Hausmeister zur Verbesserung der Energieeffizienz, sondern nicht selten auch die Motivation der Hausmeister. Ganz konkret berichtete z.B. Lutz Domann (Grundschule am Kollwitzplatz), warum er sich von der Verwaltung allein gelassen fühlt. „Ich habe den Verdacht, dass einige Ventile und vielleicht auch ein Motor an unserer Heizanlage nicht richtig funktionieren. Wenn ich das dem Schulamt mitteile, dann fragen sie zurück: Ist die Anlage defekt oder nicht? Aber das will ich doch selbst wissen!“

Die Hausmeister wünschen sich, im Bedarfsfall nicht nur an die Schulverwaltung, sondern auch parallel an die Bauverwaltung Meldung machen zu können, weil dort der technische Sachverstand sitzt und möglicherweise auch schneller entschieden und reagiert werden kann. Jürgen Bornschein sagte zu, diesen Punkt auf die Agenda der nächsten Projektbeiratssitzung zu nehmen. Eine Arbeitsanweisung sollte künftig den direkten Kontakt der Hausmeister mit beiden zuständigen Stellen ermöglichen und die Kooperation der beiden Ämter regeln, damit Einsparpotenziale in den Schulen schneller realisiert werden. Dass es dabei nicht nur verfahrenstechnische Dinge, sondern auch um die Einstellung in den Köpfen von Verwaltungsmitarbeitern geht, wollte Bornschein nicht abstreiten: „Wir müssen die Hausmeister künftig auch verwaltungsseitig mehr ernstnehmen“, bekannte er.

Alle Teilnehmer des Workshops waren sich einig, dass man keine Schuldzuweisungen, sondern konkrete Verbesserungsvorschläge machen wolle. Um besser informiert und fachlich kompetenter mit den Energieanlagen der Schulen umgehen zu können, sind die Hausmeister auch bereit, sich weiter zu qualifizieren. Jens-Uwe Judis (Tesla-Schule) klagte darüber, dass es keinerlei Fortbildung gebe, um die Hausmeister in den Stand zu versetzen, die Regelungstechnik, mit der sie umgehen, zu verstehen. „Köpfchen statt Kohle“ wolle eine solche Fortbildung konzipieren, versprach Projektleiter Richard Häusler.

Da nur die Hälfte der eingeladenen Hausmeister zum Workshop erschienen war, stieß der Vorschlag, künftige Workshop- und Fortbildungstermine verpflichtend zu machen, auf breite Unterstützung. Dies solle für die Hausmeister, aber auch für zuständige Verwaltungsmitarbeiter gelten.

Ein weiterer Vorschlag der Hausmeister zeigt, wie sehr sie sich mit dem Konzept von „Köpfchen statt Kohle“ identifizieren. Um reale Fortschritte bei der Energieeffizienz und dem Klimaschutz zu machen, solle für jede Schule eine „Potenzialanalyse“ erstellt werden, in der die Einsparpotenziale, die Verbrauchsentwicklung und die notwendigen Maßnahmen genau beziffert werden. Auch wenn viele der Vorschläge wie z.B. die Sanierung von alten Fenstern kurzfristig nicht umgesetzt werden könnten, sollte doch Transparenz für alle Beteiligten hergestellt werden. Dann passiert es vielleicht auch nicht so leicht, dass – wie angeblich in der Home Grundschule geschehen – ein Großteil der für die Fenstersanierung vorgesehenen Mittel am Ende für einen extrem ausgelegten Brandschutz verwendet werden. Hausmeister Andreas Sieber hätte sich in diesem Fall eine transparentere Abwägung gewünscht.

Der Workshop endete mit einem konkreten Maßnahmenplan:

  • Erarbeitung einer Arbeitsanweisung für die Kommunikation zwischen Hausmeistern und Verwaltung
  • Verpflichtende Teilnahme an Workshop- und Fortbildungsterminen im Rahmen von „Köpfchen statt Kohle“
  • Erstellung einer Fortbildungskonzeption für die Hausmeister im „Köpfchen statt Kohle“-Projekt
  • Erarbeitung einer transparenten Potenzialanalyse für alle beteiligten Schulen.

Angesichts eines so konkreten und schlüssigen Ergebnisses und des von allen Beteiligten bekundeten ernsthaften Umsetzungswillens ließ sich Jens-Uwe Judis, der „Köpfchen statt Kohle“ von Anbeginn an eher skeptisch gegenübergestanden hatte, zu einem bekenntnishaften Satz hinreißen: „Zum ersten Mal habe ich jetzt das Gefühl, dass sich tatsächlich etwas bewegt.“ Die erste Bewährungsprobe der neuen Bewegung sieht nach einer Kleinigkeit aus, könnte aber grundsätzliche Bedeutung bekommen: Um die Kommunikationsmöglichkeiten der Hausmeister zu verbessern, sollten diese endlich eine eigene, schulbezogene E-Mail-Adresse bekommen („hausmeister_xy@schule_xy“), forderte Projektleiter Richard Häusler.

Unser Foto (oben) zeigt keinen exklusiven Männerclub, sondern die Teilnehmer des ersten Hausmeister-Workshops von „Köpfchen statt Kohle“ (v.l.n.r.): Burkhard Dirksen (Sauter FM), Peter Sawade (Grundschule im Panketal), Jens-Uwe Judis (Tesla-Schule), Peter Brösczky (Grundschule am Wasserturm), Lutz Domann (Grundschule am Kollwitzplatz), Peter Szogs (Grundschule im Blumenviertel), Andreas Sieber (Homer Grundschule), Richard Häusler (stratum GmbH), Jens Clemen (Sauter FM), Jürgen Bornschein (Bezirksverwaltung Pankow)

Über Richard Häusler

Projektleiter des Projekts "Köpfchen statt Kohle" im Auftrag des Bezirksamts Pankow
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